Ataúro
Subdistrikt Atauro
Atauro von Dili aus gesehen
Hauptstadt Atauro
Einwohnerzahl (2004)[1] 7.863
Fläche 140 km²[2]
Sucos Einwohner
Beloi 1.665
Biqueli 1.714
Macadade 1.436
Maquili 1.752
Vila 1.296
Übersichtskarte
Die Insel Atauro
Lage des Distrikts Dili

Atauro (port. Ataúro, indon. Pulau Kambing) ist eine osttimoresische Insel in der Bandasee nördlich von Timor. Die Insel Wetar liegt im Nordosten, Alor westlich. „Atauro“ bedeutet in der lokalen Sprache „Ziege“, Kambing ist das indonesische Wort für Ziege. Der Name stammt von den Ziegen, die hier gehalten werden.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Verwaltungsgliederung des Distrikts Dili

Die Insel Atauro bildet einen Subdistrikt des Distriktes Dili. Sie liegt etwa 30 km vor der Küste der Landeshauptstadt Dili. Auf der Insel leben 7.863 Einwohner (2004). Der Subdistrikt teilt sich in fünf Sucos:

  • Beloi an der Ostküste
  • Biqueli (Bikeli, Biquele, Biceli, ehemals Pala) an der nördlichen Ostküste
  • Macadade (ehemals Anartutu) im Landesinneren des Südens
  • Maquili (Makili) an der südlichen Ostküste
  • Vila (Atauro Vila, ehemals Maumeta) an der südlichen Ostküste

Der größte Ort ist Vila, der zweitgrößte Macadade. Ein möglicher Alternativname für Vila ist Toro. Weitere Orte sind:

  • An der Südküste: Berau, Nameta
  • An der nördlichen Ostküste: Akrema (Acrema), Uaroana
  • An der Nordwestküste: Adara, Maker, Vatuu
  • Im Landesinneren des Nordens: Arlo, Doro

Atauro ist etwa 25 km lang, bis zu 9 km breit und hat eine Fläche von 105 km². Die Insel ist zerklüftet und rau und von Erdrutschen und Überflutungen bedroht. Allerdings ist die Insel vulkanisch nicht mehr aktiv. Ihr höchster Punkt ist der Mano Côco (Foho Manococo) mit 999 m. Weitere Erhebungen sind der Foho Tutonairana und der Foho Berau. Hohe Klippen, die ins Meer ragen und geschützte Buchten mit Sandstränden prägen die Küste. Die Meeresstraße zwischen Atauro und Timor ist bis zu 3.500 Meter tief.

Geologen der Universität Melbourne arbeiten zusammen mit dem East Timor Energy Minerals and Resources Directorate (EMRD) und dem Polytechnischen Institut von Dili an der ersten geologischen Landkarte der Insel, unter anderem um die Infrastruktur der Insel zu verbessern.[3]

Atauro hat eine Trocken- und eine Regenzeit. Die Vegetation besteht aus einem offenen Eukalyptusbestand. In den Tälern zwischen den Hügeln findet sich Regenwald. Seit der portugiesischen Besiedlung im 16. Jahrhundert wurde der Wald stark abgeholzt.

Einwohner

Ungewöhnlich für das mehrheitlich katholische Osttimor sind die mehrheitlich protestantischen Bewohner des nördlichen Atauros. Sie wurden von Alor aus durch niederländische Calvinisten im 20. Jahrhundert missioniert. Auch im Süden der Insel gibt es Protestanten.

Die Bewohner Atauros sprechen Wetar, das sonst hauptsächlich auf der Insel Wetar gesprochen wird. Hier wird die als Nationalsprache anerkannte Sprache auch Atauru oder Adabe genannt.

Auf Atauro werden drei Dialekte des Wetar gesprochen: Rahesuk im Norden, Resuk im Südosten und Raklungu im Südwesten. Ein vierter Dialekt des Wetar, Dadu'a, wird von Nachkommen einer Gruppe von Bewohnern Atauros gesprochen, die in Dörfer in den Distrikt Manatuto auf Timor ausgewandert sind.

Der Altersdurchschnitt auf Atauro beträgt 19,0 Jahre.[2]

Geschichte

Atauro wurde 1859 im [Vertrag von Lissabon (1859)|Vertrag von Lissabon]] von den Niederländern den Portugiesen überlassen, doch erst 1884 wurde die portugiesische Flagge in einer Zeremonie auf der kleinen Insel gesetzt und erst ab 1905 zahlten die Bewohner Abgaben an Portugal. Im April diesen Jahres wurde ein militärischer Posten errichtet.

Die ausgedörrte Insel wurde schon von den Portugiesen genutzt, um politische Gefangene aus Portugal, von Timor und anderen Kolonien zu verbannen. Ein prominenter Gefangener, der vermutlich auch hier starb, war Boaventura, der Liurai von Manufahi und Anführer der großen Rebellion von 1911/1912. Bis 1959 schickte Lissabon mehr als 3.000 Menschen nach Atauro, darunter war beispielsweise der Vater vom osttimoresischen Politiker Manuel Carrascalão.

Im Rahmen der Vorbereitung der Unabhängigkeit versuchte die UDT am 11. August 1975 einen Staatsstreich, um der wachsenden Popularität der FRETILIN etwas entgegenzusetzen. Der letzte portugiesische Gouverneur Mário Lemos Pires floh nach Atauro, von wo er zwischen den beiden Parteien zu vermittelten versuchte. Die FRETILIN versuchte ihn zur Rückkehr nach Dili und der Weiterführung der Entkolonisation zu bewegen, aber Pires wartete auf Instruktionen der Regierung in Lissabon, die aber aufgrund der Probleme in Afrika wenig Interesse an Osttimor hatte. Das Chaos begünstigte die spätere Invasion Indonesiens.

Zwischen 1980 und 1986 nutzte auch Indonesien Atauro als Gefängnisinsel und Umsiedlungslager. Zu ihrem Höhepunkt 1982 lebten hier 4.000 Inhaftierte. Nach dem Marabia-Angriff schickte Indonesien im Juli 1980 die erste Gruppe Gefangener nach Atauro, darunter viele Kinder und Ältere, die Verwandte in der Untergrundbewegung hatten. Viele litten an Unterernährung, da die Nahrungsmittellieferungen der Indonesier selten ausreichten. Mitglieder der Koramil und Hansip waren für die Bewachung der Gefangenen verantwortlich. Verwandten war der Besuch nicht gestattet. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) begann ab 1982 die Namen und Herkunft der Inhaftierten festzuhalten, um Familienangehörige zu informieren.

1999 schützte die abgelegene Lage Atauros die Bewohner vor den pro-indonesischen Milizen, die den Rest von Osttimor verwüsteten.

Bereits während der Kolonialzeit wurde die Insel in den Distrikt Dili eingegliedert, zu dem sie noch heute gehört. Nach der Unabhängigkeit Osttimors wurde darüber diskutiert, die Distrikte neu zu ordnen und die Insel von Dili abzutrennen, aber diese Pläne wurden letztlich nicht umgesetzt.

Verkehr, Transport und Wirtschaft

96 % der Haushalte in Atauro bauen Mais an, 91 % Kokosnüsse, 84 % Maniok und 6 % Kaffee.[2]

Auf der Insel gibt es nur wenige Straßen. Eine asphaltierte Straße verbindet Vila und Biqueli. Es gibt eine Startbahn für Flugzeuge. Der IATA-Code ist AUT (WPAT). Insgesamt ist die Versorgung der Bevölkerung nicht besonders gut. Von Atauro verkehrt eine Fähre zur Hauptstadt Dili, die etwa zwei Stunden benötigt. Es gibt auch die Möglichkeit mit Fischerbooten auf die Insel zu gelangen. Atauro will sich vermehrt dem Öko-Tourismus widmen. Seine Korallenriffe begeistern Sporttaucher.[4]

Von der UNDESA (United Nations Department of Economic and Social Affairs) wurden zwischen 2005 und 2008 auf Atauro 14 gemeindliche Solaranlagen aufgebaut, um die Versorgung der Bevölkerung mit Elektrizität zu gewährleisten.

Einzelnachweise

  1. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  2. a b c Census of Population and Housing Atlas 2004
  3. UoM–East Timor project to map Atauro Island geology. In: UniNews Vol. 14, No. 9. University of Melbourne, 30. Mai 2005. Abgerufen am 21. Mai 2007.
  4. Tom Noble: Ethical tourism on an untouched island. In: The Sydney Morning Herald. 17. April 2005. Abgerufen am 21. Mai 2007.

Siehe auch

Weblinks

-8.25125.583333333337Koordinaten: 8° 15′ S, 125° 35′ O


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