Athabasca-Ölsande
Karte der drei Ölsandlagerstätten in Alberta

Athabasca-Ölsande bezeichnet eine Ölsandlagerstätte im Bezirk Wood Buffalo in der Provinz Alberta im Westen Kanadas. Namensgeber ist der Fluss Athabasca River, größte Stadt Fort McMurray.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Ölsande in Alberta sind ein Gemisch bestehend aus durchschnittlich 83 % Sand, 10 % Bitumen, 4 % Wasser und 3 % Ton[1]. Der Sand besteht zu 92 % aus Quarz, die restlichen 8 % werden durch Bestandteile wie Glimmer, Pyrit, Rutil, Zirkon und Turmalin gestellt. Da Ölsand hydrophil ist, befindet sich das Wasser zwischen dem Sandkorn und dessen Bitumenummantelung als ein sehr feiner Wasserfilm.

Der Bitumenanteil in den Sanden beträgt zwischen 1 % und 18 %. Ölsand mit einem Bitumengehalt von unter 6 % kann abgebaut werden, wird jedoch zurzeit als wirtschaftlich unrentabel betrachtet. Im Durchschnitt benötigt man 2 Tonnen Ölsand, um ein Barrel (1 Barrel = 159 Liter) Rohöl herzustellen. In der Provinz Alberta befinden sich etwa 1,7 Billionen Barrel Bitumen, wovon 173 Milliarden Barrel als förderbar gelten (Stand 2006) [2]. Darüber hinaus gibt es noch 1,6 Milliarden Barrel Erdöl. 2006 wurden täglich 1,26 Millionen Barrel Bitumen aus den Ölsanden gewonnen. Davon wurden 660.000 Barrel in Rohöl bzw. Destillate raffiniert. Zusätzlich wurden 466.000 Barrel Bitumen verkauft. Damit entfielen 2006 bereits 42 Prozent der kanadischen Ölproduktion auf Ölsand, in Alberta selbst waren es sogar 62 Prozent. Bis 2016 rechnet man mit einer Steigerung auf 86 Prozent.[3] Das potentielle Abbaugebiet umfasst eine Fläche von etwa 140.000 km² und besteht aus drei Hauptgebieten: Athabasca, Cold Lake und Peace River. [1]

Die oftmals verwendete Bezeichnung "tar sand" (zu deutsch "Teersand") ist inkorrekt. Teer ist eine künstlich aus der Destillation von organischem Material hergestellte Substanz. Bitumen ist hingegen eine in der Natur vorkommende sehr schwere Ölart.

Geologie

Die Ölsandlagerstätten befinden sich im Western Canada Sedimentary Basin, einem Vorlandbecken, und werden von bis zu 800 m Sediment überdeckt. Das abbauwürdige Bitumen lagert in Reservoirgesteinen der unterkretazischen McMurray Formation die sich durch dickbankige Quarzsandsteine (92 % SiO2) und Siltsteine sowie zwischengeschaltete Silt-Ton-Lagen in oberen Teilen aufbaut. Die Sedimentationsräume wurden als fluvial (Lower McMurray), deltaisch und als Schelfmilieu (Upper McMurray) interpretiert. Die Auffaltung der Rocky Mountains drängte das Öl aus den vermutlich karbonatischen Muttergesteinen in unzementierte kretazische Sandablagerungen.

Abbau und Gewinnung

Tagebau in den Athabasca-Ölsanden in Alberta
Hauptartikel: Ölsand#Abbau und Gewinnung

In den Regionen, wo die Ölsande aufgeschlossen beziehungsweise von weniger als 75 m Sediment bedeckt sind, kann man sie ohne größere technische Probleme per Tagebau fördern. Dies betrifft immerhin 20 % der Athabasca-Lagerstätte, besonders um den Hauptort Fort McMurray herum. Der Abraum wird unter anderem im Syncrude Tailings-Damm abgelagert.

Um die unterirdische Lagerstätte, die nach Südwesten hin abfällt, zu produzieren, bedient man sich so genannter „In situ“-Methoden.

Weltwirtschaftskrise

2008 stieg der Ölpreis über 140 US-Dollar pro Barrel, brach jedoch ab Anfang 2009 bis auf rund 35 Dollar ein. Darauf wurde die Förderung in Alberta zurückgefahren, da sie in den Ölsanden besonders teuer ist. Sie gilt erst ab rund 70 Dollar als rentabel, laut Merrill Lynch erst ab 80.[4] Das Gesamtvolumen der Explorationsinvestitionen wurde von 125 Milliarden auf 40 Milliarden zurückgeschraubt. Von den 2,75 Millionen Barrel Rohöl, die in Alberta täglich gefördert wurden, stammten bereits 1,2 Millionen aus Ölsand.[5] Im August 2009 einigten sich Obama und die kanadische Regierung auf den Bau einer Pipeline von Hardisty nach Superior in Wisconsin.

Kritik

Der britische The Guardian bezeichnete Kanada vor allem wegen seiner Ölpolitik als „the dirty old man of the climate world“. Klagen von Umweltschutzverbänden und Verbänden der Ureinwohner gegen das „schmutzigste Öl der Welt“ sind anhängig, wie etwa gegen den Bau der Pipeline in die USA. Der Bau soll durch den Chippewa National Forest erfolgen, und ohne Genehmigung des Stammes das Gebiet der Leech Lake Band durchqueren. [6]

Im März 2010 nannten Umwelt- und Indianerverbände in Zeitungsanzeigen das Öl aus den Ölsanden von Athabasca „Canada's Avatar Sands“, in Anspielung auf den Film Avatar – Aufbruch nach Pandora.[7] Darin wird die Zerstörung einer Kultur (auf einem Mond eines anderen Planeten) geschildert, weil ein Rohstoffunternehmen dort nach dem Rohstoff Unobtainium suchen will.

Die Unternehmen Whole Foods Market und Bed Bath & Beyond sehen sich nach Alternativen zum Athabasca-Öl um. Damit reagieren sie auf eine Initiative von Forest Ethics, die sich an Unternehmen wendet. Umweltminister Jim Prentice forderte die Ölindustrie dazu auf, auf die Vorwürfe zu reagieren. Whole Foods hat sich von Marathon Oil abgewandt, das mit 20 % an den Ölsanden beteiligt ist.[8]

Anteilseigner von Shell wenden sich gegen die Beteiligung ihres Energieunternehmens an der Ausbeutung der Ölsande in Alberta.[9]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Facts on Oil Sands
  2. Alberta Department of Energy (Englisch)
  3. Alberta Department of Energy
  4. Greenpeace study finds oil companies may be doomed, in: The Guardina, 27. Juli 2009
  5. Kanada: Die Ölsand-Industrie tritt auf die Bremse, in: Die Presse, 14. Januar 2009
  6. Nach: U.S. State Department OKs Pipeline From Canada's Oil Sands, in: Environment News Service, 21. August 2009 und U.S. approves Alberta Clipper pipeline project, in: The Globe and Mail, 20. August 2009
  7. Canadian firms upset with oilsands-slamming ad in Variety, in: Edmonton Journal, 4. März 2010
  8. Two retailers avoiding fuel from oilsands, in: Edmonton Journal, 11. Februar 2010
  9. Shell faces shareholder revolt over Canadian tar sands project, in: The Guardian, 18. Januar 2010
57.02-111.65

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