Athetoide Bewegung
Klassifikation nach ICD-10
R25.8 Sonstige und nicht näher bezeichnete abnorme unwillkürliche Bewegungen
G80.3 Dyskinetische Zerebralparese
ICD-10 online (WHO-Version 2006)


Die Athetose ist der medizinische Fachbegriff für unwillkürliche, langsam sich abspielende, ausfahrende Bewegungen von Händen oder Füßen, die meist mit Gelenküberdehnung einhergehen. Häufige Ursache ist eine perinatale Schädigung der Basalganglien, die dazu führt, dass Bewegungen nicht fließend sondern „schlagartig“ ablaufen. Die Übergänge von Athetose zu Dystonie und zu choreatischen Störungen sind fließend.

Symptome

Die Athetose als eine der häufigsten Formen der extrapyramidalen Lähmung beruht auf einer Schädigung des Striatums (Streifenhügel, Bezeichnung für ein Teil der Basalganglien des Gehirns), wodurch die hemmende Wirkung auf die Willkürmotorik entfällt.

Das Hauptmerkmal der Athetosen ist ihre gestörte tonische Koordination, die zu hyperkinetischen Bewegungsabläufen (übermäßige Bewegungstätigkeit, unkontrollierte, langsame, schraubende Bewegungen der Gliedmaßen und des Rumpfes, unwillkürlich ablaufende Körperbewegung, Muskelzucken) führt. Bei Aufmerksamkeitszuwendung und seelischer Erregung nimmt die Bewegungsunruhe zu, im Schlaf hört sie im allgemeinen auf. Ein beobachtbares Phänomen der Athetose sind langsame, wahllose, wurm- oder schraubenförmige Bewegungen, besonders am Gesicht, der Halsmuskulatur und der distalen Gliedmaßenabschnitte. Charakteristisch sind weiterhin bizarre Überstreckungen, die Spreizung der Finger, das Grimassieren bei geöffneten und verzerrten Mund, Speichelfluss und verkrampfte Nackenhaltung, sowie die Drehbewegung des Kopfes. Der Gang ist überschießend und stolpernd, im Gegensatz zur Spastik entstehen durch die ständig wechselnde Überschussbewegungen keine Kontrakturen. Athetose und Spastik sind häufig kombiniert.

Hier ist das Zusammenspiel von Agonisten und Antagonisten gestört. Einerseits ein die Haltung behindernder ständig wechselnder Muskeltonus und andererseits ständig ungebremste überschießende Bewegungen in bizarren Formen, die gezielte Bewegungen behindern. Der plötzliche Verlust der Haltungskontrolle kann durch hypotone Muskelaktivität kräftemäßig nicht kompensiert werden. Überbeweglichkeit in bestimmten Gelenken kann zu Luxationen führen. Die motorische Strategieentwicklung ist nicht eindeutig erkennbar und kann fehlinterpretiert werden. Ebenso führen unwillkürliche Mimik und Gestik, Sprachstörungen zu kommunikativen Missverständnissen, die emotionale Störungen begünstigen können. Die sensomotorische Entwicklung der betroffenen Kinder ist meist stark verzögert (verspätetes Gehen, teilweise nur mit Hilfsmitteln).

Behandlungsziele

Die Behandlung zielt auf ein Verändern der Haltungskontrolle durch willkürliche Steuerung unwillkürlicher Bewegungen. Sie soll die Atmung verbessern und zur Unterstützung der Kommunikation, zur Erleichterung bei der Nahrungsaufnahme und der Selbstständigkeit bei der Fortbewegung (auch mit Hilfsmitteln) beitragen. Zudem zielt sie auf das Vermeiden von Sekundärschäden auf sensomotorischer und emotional-sozialer Ebene.

Gesundheitshinweis
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