40-mm-Bofors-Geschütz
40-mm-Bofors-Flugabwehrkanone auf Radlafette
40-mm-L/70-MEL-Flak (Marineeinzellafette) eines deutschen Torpedoschnellbootes der Jaguar-Klasse
40-mm-Bofors-Flak L/70 Mod. 58, eines der zwei Schiffsgeschütze des Minensuchers Hameln

Das vom schwedischen Rüstungshersteller Bofors entwickelte 40-mm-Bofors-Geschütz aus den 1920er-Jahren wird noch heute von vielen Armeen verwendet. Eine schnelle Feuerrate und die hohe Mündungsgeschwindigkeit machten es zu einer effektiven Vielzweckwaffe. Dieses Geschütz gab es auch als Doppellafette (MDL – Marinedoppellafette) in verschiedenen Ausführungen. Sie wurde auch auf Schiffen zur Flugabwehr und zur Seezielbekämpfung eingesetzt.

Das Waffensystem wurde beim deutschen Heer durch das modernere Flugabwehrraketensystem Roland ersetzt.

Danach war es noch bei der Bundesmarine in Verwendung, auch zur Fliegerabwehr auf Marinefliegerstationen (MFG 1 (Jagel), MFG 2 (Tarp-Eggebek) und MFG 3 (Nordholz)). Hier war die Kanone mit einer Mehrladeeinrichtung mit 154 Schuss versehen. Die Waffe hatte ein 2,80 m langes Rohr (Kaliberlänge 70) und konnte über das NIFE-Reflexvisier manuell, aber hauptsächlich über das Feuerleitgerät Fledermaus D7B gerichtet werden.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklungsgeschichte

1922 kaufte die schwedische Marine eine Anzahl Pom-Poms von Vickers als Flugabwehrkanonen. Letztendlich war die Marine jedoch mit den Geschützen unzufrieden und wandte sich an Bofors mit der Bitte, einen leistungsfähigeren Ersatz zu entwickeln.

Bofors zögerte zunächst, da die schwedische Marine einen ziemlich kleinen Markt darstellte. Als sich die Marine aber bereit erklärte, die Entwicklung eines Prototyps zu bezahlen, wurde Ende 1928 der Entwicklungsauftrag unterschrieben. Bofors antwortete mit einer Waffe, die, in gewisser Weise, eine kleinere Version der in den späten 1900er Jahren von Finspong zur Abwehr von Torpedobooten entwickelten 57-mm-Kanone war. Das erste Testmuster war tatsächlich eine Nordenfelt-Version der Finspong-Kanone, die mit einem angepassten Lauf und einem halbautomatischer Lademechanismus ausgestattet war.

Tests dieser Waffe während des Jahres 1929 ergaben, dass die Munitionszufuhr das Hauptproblem darstellte. Ein Mechanismus, der stark genug war die große Patrone zu handhaben, war gleichzeitig zu schwer, um eine hohe Feuerrate zu erzielen. Einen interessanten Ansatz zur Lösung dieses Problems stellte die Verwendung von Patronenhülsen aus Zink dar, die beim Abfeuern verbrannten. Allerdings erzeugte dieses Verfahren starke Zinkablagerungen in den Läufen und musste deshalb aufgegeben werden. Im Sommer 1930 begannen Versuche mit einer neuen Testwaffe, die auf die gesteuerte Munitionszufuhr verzichtete und die verbrauchten Hülsen nach hinten auswarf. Gleichzeitig führte ein zweiter Mechanismus eine frische Patrone aus dem Magazin in den offenen Verschluss ein. Dies erschien als praktikable Lösung, da man damit eine akzeptable Feuergeschwindigkeit erreichte, und die Arbeiten am Prototyp begannen kurz darauf.

Zeitgleich erwarb Krupp ein Drittel an Bofors. Die Ingenieure des neuen Teilhabers begannen damit, die Fabriken von Bofors auf moderne Ausrüstung und Metallurgie umzustellen. Das Projekt der 40-mm-Kanone wurde aber geheimgehalten. Trotzdem behaupten viele Quellen, dass die 40-mm-Entwicklung in Wirklichkeit von einer Kruppentwicklung abgeleitet wurde. Die einzige deutsche Waffe mit ähnlichem Kaliber und Einsatzzweck war jedoch die von Rheinmetall gefertigte 3,7-cm-FlaK 43. Diese beiden Waffen unterscheiden sich aber so stark voneinander, dass sich für diese Annahme keinerlei Beweise finden lassen.

Anfang November 1931 wurde der Prototyp fertiggestellt und erstmals abgefeuert und Mitte des Monats konnten Feuerstöße von zwei und drei Schuss abgegeben werden. So blieben nur noch Verbesserungen an der Munitionszufuhr übrig, und Ende des Jahres war eine Kadenz von 130 Schuss/min erreicht. Weitere Entwicklungsschritte waren nötig, um die Waffe produktionsreif zu machen, und dieses Ziel war im Oktober 1933 erreicht. Da die Abnahmetests bereits im Vorjahr absolviert worden waren wurde die Waffe als 40 mm akan M/32 bekannt. Die meisten Streitkräfte bezeichneten sie als Bofors 40 mm L/60, obwohl die Lauflänge tatsächlich nur 56,25 Kaliberlängen betrug und nicht 60, wie es die Bezeichnung vermuten ließe.

Nachdem die Entwicklung nun erfolgreich abgeschlossen war, wünschte sich die schwedische Marine eine leichtere manuell bediente Waffe im Kaliberbereich von 13–25 mm und begann damit, unterschiedliche Modelle ausländischer Lieferanten zu testen. Basierend auf der fortgeschrittenen Entwicklung der 40-mm-Kanone bot Bofors 1932 eine Variante im Kaliber 25 mm an, die letztendlich unter der Bezeichnung 25 mm akan M/32 ausgewählt wurde.

Die erste von der Marine bestellte Version des 40-mm-Modells war für den Einsatz auf U-Booten gedacht. Der Lauf wurde auf 1,68 m (Kaliberlänge 42) verkürzt, was die Mündungsgeschwindigkeit auf 700 m/s reduzierte. Wenn die Waffe nicht gebraucht wurde konnte sie mit senkrecht aufgerichtetem Lauf in einen wasserdichten Zylinder versenkt werden.

Die erste Bestellung für eine „echte“ L/60 kam von der niederländischen Marine, welche im August 1934 fünf Zwillingslafetten für den Kreuzer De Ruyter bestellte. Diese Geschütze waren auf einer einzigartigen Lafette montiert, die als Hazemeyer Lafette bekannt wurde. Dabei handelt es sich um eine in drei Achsen stabilisierte Montage, die, zumindest theoretisch, die Waffe komplett von den Schiffsbewegungen entkoppeln konnte. Sie wog allerdings 7.000 Kilogramm. Alle fünf Geschützstände wurden durch ein einziges Feuerleitsystem gesteuert.

Finnische Bofors 40 mm. Das Geschütz zeigt die originale Zieleinrichtung und besitzt im Unterschied zu britischen Modellen keine Schutzschilde.

Bofors begann daneben mit der Entwicklung einer passenden Radlafette für den Einsatz an Land, die sie erstmals im April 1935 auf einer Messe in Belgien vorstellten. Diese vierrädrige Lafette sorgte für Aufsehen, da das Geschütz ohne abprotzen direkt abgefeuert werden konnte, auch wenn dabei ein Teil der Genauigkeit auf der Strecke blieb. Falls Zeit für einen geordneten Aufbau verfügbar war, konnte die Bedienungsmannschaft unter Verwendung der Schleppstange und der Laufarretierung als Hebel die Räder vom Boden abheben und dadurch das Geschütz auf Stützplatten absenken. Zwei zusätzliche Stützbeine wurden seitlich ausgeklappt und der ganze Aufbau mittels Handkurbeln ausgerichtet. Der gesamte Aufbau konnte von geübten Mannschaften in weniger als einer Minute abgeschlossen werden.

Unmittelbar nach dieser Präsentation begannen die Bestellungen für die landgestützte Version, wobei Belgien im August 1935 mit acht Geschützen den Anfang machte. Danach folgte eine Flut von Aufträgen anderer Streitkräfte einschließlich der Polens, Norwegens und Finnlands. Von der schwedischen Armee wurde die Waffe erst im Folgejahr unter der Bezeichnung 40 mm Ivakan m/36 übernommen, wobei das kleingeschriebene „m“ auf ein Armeemodell hinweist im Gegensatz zum Marinemodell mit großgeschriebenem „M“.

Technische Daten

Übungsmunition für 40-mm-Geschütz L/70

40 mm L/60

  • Kaliber: 40 mm
  • Granate: 40×311R
  • Geschossgewicht: 900 g
  • Gewicht: 1981 kg
  • Mündungsgeschwindigkeit: 810 m/s
  • Kadenz: 120/min
  • Schusshöhe: 7160 m max., 9830 m bei 45° Schusswinkel
abhängig vom Munitionstyp Selbstzerlegung nach 2700–3200 m[1]

40 mm L/70

  • Kaliber: 40 mm
  • Granate: 40×364R
  • Geschossgewicht: 870 g
  • Gewicht: 5150 kg
  • Mündungsgeschwindigkeit: 1030 m/s
  • Kadenz: 240/min (spätere Versionen bis 330/min)
  • Schusshöhe: 12.500 m max.

Benutzerländer

Einzelnachweise

  1. http://www.navweaps.com/Weapons/WNUS_4cm-56_mk12.htm

Weblinks

 Commons: 40-mm-Bofors-Geschütz – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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