Atlanto-axiale Subluxation
Klassifikation nach ICD-10
M43.3 Habituelle atlanto-axiale Subluxation mit Myelopathie
M43.4 Sonstige habituelle atlanto-axiale Subluxation
ICD-10 online (WHO-Version 2011)

Als Atlanto-axiale Subluxation (AASL) bezeichnet man eine unvollständige Ausrenkung (Subluxation) des Gelenks zwischen erstem und zweiten Halswirbel (Atlantoaxialgelenk), die zu einer Instabilität und einer Schädigung des Rückenmarks führt.

Inhaltsverzeichnis

Ätiologie und Vorkommen

Die seltene Erkrankung ist zumeist eine angeborene Fehlbildung, bei der der Dens axis („Zahn“ des zweiten Halswirbels) nicht (Densaplasie) oder nur unvollkommen ausgebildet ist. Diese Fehlbildung kommt vor allem beim Menschen und bei kleinen Hunderassen vor. Deutlich seltener können auch Fehlbildungen der Haltebänder des Dens axis auslösender Faktor sein.

Gelegentlich ist eine AASL auch durch eine traumatisch bedingte Fraktur des Dens axis bedingt. Patienten mit chronischer Polyarthritis haben ebenso ein erhöhtes Risiko einer AASL.

Klinisches Bild

Die Symptome variieren nach dem Ausmaß der Rückenmarksschädigung. Neben Schmerzen im Halsbereich, vor allem bei der Beugung des Halses, treten Lähmungen der Gliedmaßen (Tetraparese), schwere Gangstörungen (Ataxie, Wobbler-Syndrom) und Störungen der Propriozeption auf.

Bei der angeborenen AASL treten die Symptome zumeist allmählich, innerhalb des ersten Lebensjahres in Erscheinung. Bei der traumatisch bedingten AASL ist dagegen ein plötzliches (perakutes) Auftreten zu beobachten und es kommt zu einer vollständigen Lähmung aller Gliedmaßen (Tetraplegie).

Die Diagnose wird anhand einer Röntgenaufnahme gestellt. Alle Manipulationen sind mit äußerster Vorsicht durchzuführen, um eine weitere Schädigung des Rückenmarks zu vermeiden.

Therapie und Prognose

Der Goldstandard in der Therapie ist chirurgische Stabilisierung des Gelenks durch verschiedene Osteosynthese-Verfahren (Zugschraube, Kirschnernagel oder Cerclage). Der Erfolg der Behandlung ist vom Ausmaß der Rückenmarksschädigung abhängig. Während bei der angeborenen Form mit noch nicht allzu starken Symptomen die Prognose gut ist, ist sie bei traumatisch bedingten Schädigungen mit Tetraplegie schlecht.

Eine neuere Studie zeigt, dass bei jungen Hunden oft auch eine konservative Therapie mit einer Halsschiene ausreichend ist. [1]

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Andre Jaggy: Atlas und Lehrbuch der Kleintierneurologie. Schlütersche 2005. ISBN 3-87706-739-5
  1. Havig ME, Cornell KK, Hawthorne JC, McDonnell JJ, Selcer BA. (2005): Evaluation of nonsurgical treatment of atlantoaxial subluxation in dogs: 19 cases (1992-2001). In: J Am Vet Med Assoc. 2005 Jul 15;227(2):257-62.
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