Atomkraftwerk Krško

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Kernkraftwerk Krško
Blick auf das Kernkraftwerk Krško

Blick auf das Kernkraftwerk Krško

Lage
Kernkraftwerk Krško (Slowenien)
DEC
Kernkraftwerk Krško
Koordinaten 45° 56′ 18,3″ N, 15° 30′ 55,7″ O45.93841388888915.5154694444447Koordinaten: 45° 56′ 18,3″ N, 15° 30′ 55,7″ O
Land: Slowenien
Daten
Eigentümer: Nuklearna Elektrarna KRŠKO
Betreiber: Nuklearna Elektrarna KRŠKO
Projektbeginn: 1975
Kommerzieller Betrieb: 1. Jan. 1983

Aktive Reaktoren (Brutto):

1  (730 MW)
Eingespeiste Energie im Jahre 2006: 5.289 GWh
Eingespeiste Energie seit Inbetriebnahme: 110.978 GWh
Website: http://www.nek.si/en/about_nek/
Stand: 25. Juli 2007
Die Datenquelle der jeweiligen Einträge findet sich in der Dokumentation.

Das Kernkraftwerk Krško (slowenisch: Jedrska elektrarna Krško (JEK), auch Nuklearna elektrarna Krško (NEK), kroatisch: Nuklearna elektrana Krško) ist das einzige Kernkraftwerk auf dem Territorium Sloweniens. Der Standort Krško liegt an der Save (Nebenfluss der Donau) und etwa 20 km von der kroatischen Grenze entfernt. Es handelt sich um einen Druckwasserreaktor der US-amerikanischen Firma Westinghouse mit einer elektrischen Bruttoleistung von 730 MW, der von der Gesellschaft Nuklearna Elektrarna Krško (NEK) betrieben wird. Diese gehört je zu 50 % zwei Stromversorgungsunternehmen, der slowenischen GEN energija d. o. o. und der kroatischen Hrvatska Elektroprivreda (HEP).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Reaktor wurde in den 1970er Jahren gemeinsam mit Kroatien als 50:50-Projekt der beiden jugoslawischen Teilrepubliken errichtet und 1981 in Betrieb genommen.

Das Kernkraftwerk Krško war das einzige Kernkraftwerk Jugoslawiens; es lieferte Ende der 1980er Jahre 20 % des Stromverbrauchs der SR Slowenien und 18 % des Stromverbrauchs der SR Kroatien. Vom gesamten Stromverbrauch Jugoslawiens machte das 5 % aus.

Zwischen 1981 und 1989 wurde der Reaktorbetrieb mehr als 70 Mal unterbrochen. Eine Betriebserlaubnis soll 1989 noch nicht vorgelegen haben.[1]

Seit der Unabhängigkeit Sloweniens und Kroatiens (1992) kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen beiden Staaten über die Nutzung und die Aufteilung der Kosten. Zuletzt beklagte die slowenische Regierung, Kroatien halte die Verpflichtungen aus dem 2003 geschlossenen Vertrag nicht ein.[2]

Das Kraftwerk lieferte im Jahr 2003 einen rechnerischen Anteil von 40 % zur Stromerzeugung Sloweniens, tatsächlich werden aber 50 % des Stroms nach Kroatien geliefert.

Der Reaktor ist ursprünglich für 40 Jahre Betriebszeit ausgelegt worden.[3]

Der Eigentümer des Kernkraftwerks möchte einen zweiten Reaktor am Standort errichten. Die geplanten Investitionen betragen 2,5 Milliarden Euro. Der Reaktor soll eine Leistung zwischen 1200 MW und 1500 MW haben. Der Block soll östlich des bestehenden gebaut werden. Bis Ende des Jahres 2008 soll die Tauglichkeit des Standortes Krško ermittelt werden. Der Baubeginn des Reaktors soll im Jahr 2013 erfolgen. Die Inbetriebnahme soll im Jahr 2017 kommen. Für den bestehenden Block soll geprüft werden, die Betriebserlaubnis bis 2043 zu verlängern.[4]

Risiko

Das Kernkraftwerk ist bei den Kernkraftgegnern besonders deshalb umstritten, weil es angeblich in einem erdbebengefährdeten Gebiet steht. Nach dem PHARE-Abschlussbericht über die geophysikalische Untersuchung des Gebiets von Krško sind jedoch im „Standort des Kernkraftwerks keine größeren seismogenen Risikofaktoren festzustellen“[5]. Auch nach der IAEO entspricht die Sicherheit des Kernkraftwerks allen internationalen Standards und höchsten Sicherheitsforderungen.[6]

Jedoch werden u. a. von der Wiener Umweltanwaltschaft schwere Bedenken zur seismischen Stabilität des Standortes geäußert. Insbesondere die zu erwartenden größten Magnituden übersteigen demnach die in der Planung berücksichtigten Werte. [7][8]

Zwischenfälle

  • 1989 wurde als korrekte Reaktion auf eine betriebliche Störung ein Ventil zur Druckentlastung des Reaktorkreislaufs druckbedingt geöffnet. Nach Abbau der Druck-Transiente blieb es (wie vor dem Kernschmelzunfall 1979 in Three Mile Island) unvorgesehen in offener Stellung stecken. Aufgrund des damit verbundenen Kühlwasserverlustes schaltete sich die Notkühlung automatisch zu (sie wurde – hier im Gegensatz zu T.M.I. – vom Personal nicht irrtümlich wieder abgeschaltet). Nach zirka fünfzehn Minuten schloss sich das Ventil doch noch und die Notkühlung hatte den Reaktorkreislauf einigermaßen nachgefüllt. Leicht radioaktives Wasser war nach dem Störfall aus dem Containment-Sumpf zu entfernen, durch Abgabe in den benachbarten Fluss. (Quelle: SKI-Report IRS)
  • Am 4. Juni 2008 um 15.07 Uhr kam es zu einem Kühlmittelverluststörfall. Im Hauptkühlsystem (Primärkreislauf) war Kühlflüssigkeit ausgetreten und die Reaktorleistung daraufhin gedrosselt worden. Der Reaktor wurde heruntergefahren und um 20.10 Uhr komplett abgeschaltet, um die Ursache für das Problem untersuchen zu können.[9] Laut Angaben der slowenischen Atomsicherheitsbehörde wurde das ausgetretene radioaktive Wasser durch das so genannte Containment, einen Sicherheitsbehälter, aufgefangen. Es habe keinerlei Auswirkungen außerhalb des Kernkraftwerkes gegeben.[10] Der Vorfall wurde als „ungewöhnlich“, der niedrigsten Gefahrenstufe, eingestuft. Dabei habe keine Gefahr für das Personal des Kernkraftwerks bestanden. Das Leck befand sich im Isolationsventil einer Sammelleitung für Temperaturmeßstellen, nahe einer der beiden Hauptkühlmittelpumpen, und es traten dort etwa 3 m³/h aus. [11] Um es reparieren zu können, ist ein komplettes Abfahren in den kalten Zustand notwendig. Durch die anfallende Nachzerfallswärme und den anschließenden Anfahrvorgang wird die Stromproduktion für mehrere Tage unterbrochen sein.[12] Die slowenische Atomsicherheitsbehörde (SNSA) informierte noch im Laufe des Nachmittags die IAEO, das Notfallsystem zum Informationsaustausch bei radioaktiven Vorfällen ECURIE (European Community Urgent Radiological Information Exchange), sowie die Nachbarstaaten von dem Unfall.[12] Die europaweite Warnung erfolgte über ECURIE, ein europaweites Warnsystem, das die national zuständigen Behörden im Falle eines größeren Atomunfalles alarmiert.[13] Es war die erste Aktivierung dieses Informationssystems seit seiner Einführung nach der Katastrophe von Tschernobyl. Im „NEWS-System“ der IAEO hat Slowenien den Vorfall als ein meldepflichtiges Ereignis der Stufe 0 auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse eingestuft.[14] Verwirrung herrschte im Informationsfluss, denn während über ECURIE ein Störfall gemeldet wurde, wurden die Nachbarstaaten irrtümlich über einen Übungsfall informiert.[15]

Daten der Reaktorblöcke

Das Kernkraftwerk Krško hat einen Block:

Reaktorblock[16] Reaktortyp Netto-
leistung
Brutto-
leistung
Baubeginn Netzsyn-
chronisation
Kommer-
zieller Betrieb
Abschal-
tung
Krško Druckwasserreaktor 666 MW 730 MW 30.03.1975 02.10.1981 01.01.1983 (2023 geplant)

Quellen

  1. [1] Der Spiegel 49/1989, Seite 165
  2. http://www.ukom.gov.si/eng/slovenia/publications/slovenia-news/4685/4708/
  3. WNA Slovenia (englisch)
  4. Der Standard - 26.10.2008 - Slowenien: Krsko-Eigentümer will zweiten Block beantragen
  5. http://europa.eu/scadplus/leg/de/lvb/e40110i.htm
  6. Kapitel NUCLEAR POWER SITUATION, Overview; 29. September 2007
  7. http://wua-wien.at/home/atomschutz/akw-in-europa/kkw-krsko-4
  8. http://www.unet.univie.ac.at/~a9406114/aai/akws/krsko/ksicherheit.html
  9. vgl. Atom-Zwischenfall löst EU-weiten Alarm aus bei ftd.de, 4. Juni 2008 (aufgerufen am 4. Juni 2008)
  10. Slovenian Nuclear Safety Administration (englisch)
  11. WANO-Meldung vom 5. Juni 2008
  12. a b Slovenian Nuclear Safety Administration
  13. http://ec.europa.eu
  14. IAEO NEWS Events
  15. Wort "Übung" nicht gestrichen auf ORF vom 5.6.2008
  16. Power Reactor Information System der IAEA: „Slovenia, Republic of: Nuclear Power Reactors - Alphabetic“ (englisch)

Siehe auch

Literatur

  • Artikel Nuklearna elektrarna Krško, in: Enciklopedija Slovenije, Band 8, 1994
  • Artikel Jedrska energija, in: Enciklopedija Slovenije, Band 4, 1990
  • James P. Nichol u. Gordon L. McDaniel, Yugoslavia, in: Nuclear power in developing countries, hrsg. v. James E. Katz u. Onkar S. Marwah, 1982 (ISBN 0-669-04700-7), S. 345-367

Weblinks


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