Atommächte
██ Atommächte im Atomwaffensperrvertrag (China, Frankreich, Russland, UK, USA)
██ Atommächte außerhalb des Atomwaffensperrvertrags (Indien, Israel, Nordkorea, Pakistan)
██ vermutetes Atomwaffenprogramm (Iran, Syrien)
██ Mitgliedsstaaten der Nuklearen Teilhabe
██ Ehemalige Atommächte

Als Atommacht wird ein Staat bezeichnet, der über Kernwaffen verfügt und zusätzlich die geeigneten Trägersysteme besitzt, um die Kernwaffen militärisch einsetzen zu können. Als Atommächte gelten die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und die Volksrepublik China, ferner Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea.

Dabei unterscheidet man bei den Atommächten die sogenannte Erstschlagfähigkeit und die Zweitschlagfähigkeit. Erstere ist gegeben, wenn der betreffende Staat die Fähigkeit besitzt, mit einem ersten Angriff die Nuklearwaffen eines Gegners komplett zu zerstören oder zumindest sein Waffenarsenal so weit zu reduzieren, dass die Schäden des Gegenangriffs aus politischer und militärischer Sicht akzeptabel erscheinen. Als Zweitschlagfähigkeit bezeichnet man die Fähigkeit eines Staates, auch nach einem nuklearen Angriff auf das eigene Territorium, nuklear zurückschlagen zu können. Nötig sind Trägersysteme, die einen nuklearen Angriff überstehen. Möglich wird dies durch unterirdische Bunkeranlagen oder U-Boot-gestützte Kernwaffen, die eine genügende Überlebensfähigkeit besitzen, und Frühwarnsysteme, die Angriffe frühzeitig erkennen.

Inhaltsverzeichnis

Offizielle Atommächte

Diese Atommächte sind im Atomwaffensperrvertrag als Staaten genannt, die über Kernwaffen verfügen. Die Daten beziehen sich auf die Erstzündung. Die Zahl unter „Sprengköpfe” beziffert die Zahl von allen Sprengköpfen insgesamt, die Zahl in Klammern dahinter die Anzahl der sich in Einsatzbereitschaft befindlichen.

Land Atombombe Wasserstoffbombe Sprengköpfe
USA 16. Juli 1945 1. November 1952 10.240 (7.200)
Russland 29. August 1949 12. August 1953 8.400 (6.000)
Großbritannien 3. Oktober 1952 15. Mai 1957 200 (185)
Frankreich 3. Februar 1960 24. August 1968 385 (195)
Volksrepublik China 16. Oktober 1964 14. Juni 1967 400

Die genannten Zahlen beruhen auf offiziellen Angaben der einzelnen Staaten. Insbesondere die offiziellen Daten der Volksrepublik China und Großbritanniens werden in Expertenkreisen sowie von ehemaligen Mitarbeitern der IAEO öffentlich angezweifelt. China hat angekündigt, innerhalb weniger Jahre ein ebenso großes Arsenal zu haben wie die USA. Großbritannien stellte 1997 die Veröffentlichung eines jährlichen Bestandsberichts zu seinem Kernwaffenprogramm ein [1] und soll, entgegen offiziellen Stellungnahmen, gemeinsam mit den USA an der Entwicklung neuer Kernwaffen arbeiten [2]. Zudem wird behauptet, der neue MOX-Reaktor in Sellafield werde für die Herstellung von waffenfähigem Plutonium zweckentfremdet (Newsweek, 11. Februar 2002).

Pilzwolke nach Atombombenabwurf auf Nagasaki

Vereinigte Staaten

Die Vereinigten Staaten entwickelten während des Zweiten Weltkrieges die erste Atombombe – ursprünglich aus der Angst heraus, das Dritte Reich könnte eine nukleare Waffe zuerst fertig stellen und im Krieg einsetzen. Die USA testeten am 16. Juli 1945 erstmals eine Plutoniumbombe in der Wüste von New Mexico auf den White Sands Proving Grounds. Im darauffolgenden Monat benutzten sie zwei weitere Atombomben bei den Angriffen auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Damit sind die USA bisher die einzige Nation, die Kernwaffen nicht nur getestet sondern auch gegen ein anderes Land eingesetzt hat. Nach dem Krieg begann der Rüstungswettlauf gegen die Sowjetunion, in dem die Vereinigten Staaten ein gigantisches Arsenal an nuklearen Waffen anhäuften. Insbesondere entwickelten sie die Wasserstoffbombe, die 1952 erstmals getestet wurde und ab 1954 zum Einsatz bereit stand.

Sowjetunion

Die Sowjetunion testete ihre erste Kernwaffe am 29. August 1949. Wesentliche Forschungsergebnisse aus dem amerikanischen Projekt gelangten durch Spionage in den Ostblock. Die eigentliche Motivation zur Entwicklung nuklearer Waffen war, ein Gleichgewicht zum Arsenal der USA zu schaffen, was zum Rüstungswettlauf zwischen den beiden Staaten führte. Die erste sowjetische Wasserstoffbombe wurde am 12. August 1953 in Semipalatinsk getestet.[3] Eine weiterentwickelte Version mit einer Sprengkraft von etwa einer Megatonne (MT) wurde 1955 gezündet. Außerdem entwickelte die UdSSR die größte Bombe, die jemals von Menschen gebaut wurde: die Zar-Bombe hatte eine Sprengkraft von 50 MT. Ursprünglich war sie sogar für eine Sprengkraft von 100 bis 150 Megatonnen konzipiert, beim Test wurde diese jedoch, durch Entfernung der äußeren Uranummantelung und damit der 4. Stufe der Bombe, reduziert, da sonst unverantwortbar viel Radioaktivität freigesetzt worden wäre. Nach der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 gingen die nuklearen Waffen in den Besitz Russlands über.

Vereinigtes Königreich

Das Vereinigte Königreich führte 1952 seinen ersten Atomtest vor der Küste Australiens durch. Das britische Projekt erhielt bereits während des Krieges wichtige Daten aus dem Manhattan-Projekt der USA, weshalb ein so rascher Erfolg möglich war. Auch nach Kriegsende unterhielten die beiden Länder eine enge Kooperation bei der Entwicklung nuklearer Waffen. Den USA war daran gelegen, dass eine unabhängige Atommacht in Europa existiert, um die Sowjetunion in Schach zu halten. So flossen weiterhin wichtige Erkenntnisse nach Großbritannien, sodass das Land bereits 1957 seine erste Wasserstoffbombe testen konnte. Der Test fand ebenfalls vor Australien statt.

Frankreich

Der ehemalige Staatspräsident von Frankreich, Jacques Chirac, drohte im Januar 2006, wer als Staatsführer Frankreich mit terroristischen Mitteln angreife oder den Einsatz von Massenvernichtungswaffen auch nur erwäge, müsse sich auf eine „entschlossene und angepasste Antwort“ einstellen, die konventionell oder auch „anderer Art“ sein könne.

Volksrepublik China

Die Volksrepublik China testete bislang 23 Atomwaffen oberirdisch und 22 unterirdisch. Das Kernwaffentestgelände Lop Nor liegt in dem Gebirge Kuruk Tag bei dem Bosten-See in Xinjiang. Die letzten Explosionen fanden 1996 statt.

Faktische Atommächte

Diese Staaten verfügen über Kernwaffen und sind dem Atomwaffensperrvertrag nicht beigetreten.

Israel

Israel besitzt vermutlich seit ca. 1967 Kernwaffen.

Das israelische Atomprogramm begann in den 1950er Jahren mit Unterstützung Frankreichs. Zwar hat die israelische Regierung über Menge und Qualität ihres Kernwaffenarsenals nie ausdrücklich Auskunft gegeben, doch es gilt als sicher, dass Israel spätestens seit 1967 über Atombomben verfügt. Genauere Informationen wurden erstmals 1986 öffentlich, als Mordechai Vanunu, ein ehemaliger Techniker des Negev Nuclear Research Center, Fotos und Unterlagen über das israelische Atomprogramm an die Presse weitergab. Basierend auf Vanunus Enthüllungen wurde das israelische Arsenal Anfang der 1990er auf 100 bis 200 Sprengköpfe geschätzt. Andere Schätzungen liegen bei 75 bis 130 Sprengköpfen Ende der 1990er; wieder andere gehen bis zu 400.

Ebenfalls wenig bekannt ist über eventuelle Kernwaffentests Israels. Es ist gut möglich, dass Israel auf vollständige Kernwaffentests (im Gegensatz zum Test einzelner Bauteile ohne Kettenreaktion) verzichten konnte. Erstens ist das Gun-Design, das auch bei der Hiroshima-Bombe verwendet wurde, so einfach, dass auf Tests verzichtet werden kann. Zweitens wird spekuliert, dass Israel Zugriff auf die Daten französischer oder amerikanischer Atomtests hatte. Nicht geklärt ist, ob es sich beim Vela-Zwischenfall 1979 südlich von Südafrika um einen Kernwaffentest mit israelischer Beteiligung handelte.

In einem Interview am 11. Dezember 2006 im Rahmen seines Deutschland-Besuchs räumte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert erstmals implizit einen israelischen Kernwaffenbesitz ein, indem er ein unkontrollierbares Bedrohungspotenzial Irans gegenüber westlichen Atommächten wie Russland, Frankreich, den USA „und Israel“ kritisierte.

Indien

Eine indische Agni-II-Mittelstreckenrakete bei der Militärparade zum Nationalfeiertag 2004

Indien ist seit dem 18. Mai 1974 im Besitz von Kernwaffen, Atomtests wurden durchgeführt.[4] Das Bulletin of the Atomic Scientists schätzte Indiens Arsenal 2002 auf 30 bis 35 Sprengköpfe, globalsecurity.org 2005 auf bis zu 150.

Pakistan

Pakistan besitzt vermutlich seit Beginn der 1980er Jahre Kernwaffen, die unter Leitung von Abdul Kadir Khan entwickelt und 1998 zum ersten Mal getestet wurden. Das Arsenal wird auf 24 bis 48 Sprengköpfe geschätzt, einige Quellen (z. B. globalsecurity.org) schätzen die Zahl auf bis zu 75. Das Land behält sich im Rahmen seiner Nukleardoktrin die Option auf einen atomaren Erstschlag explizit vor.

Siehe auch: Taktische Nuklearstreitkräfte Pakistans

Nordkorea

Nordkorea betreibt nach eigenen Angaben ein Kernwaffenprogramm, in dessen Rahmen es Plutonium für mehrere Atombomben hergestellt hat. Im Februar 2005 erklärte das Land, Kernwaffen zu besitzen. Laut Meldung der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA hat Nordkorea – internationalen Protesten zum Trotz – am 9. Oktober 2006 um 10:36 (Ortszeit) zum ersten Mal nach eigener Angabe eine Kernwaffe getestet. Russische Messstationen stellten ein Erdbeben der Stärke 3,6 fest. Endgültige Beweise, dass es sich tatsächlich um einen Atomwaffentest handelte, ergaben die Testergebnisse eines US-amerikanischen Militärflugzeuges, das am 11. Oktober Luftproben über dem Gebiet der unterirdischen Explosion sammelte. Damit ist Nordkorea die neunte Nuklearmacht weltweit.

Siehe auch: Nordkoreanisches Kernwaffenprogramm

Ungesichert

Diesen Staaten wird unterstellt, sie hatten oder haben die Absicht, Kernwaffen zu erzeugen. Allerdings ist der Status von derartigen Programmen nicht offiziell gesichert.

Iran

Iran verfügt nach eigenen Angaben über kein Kernwaffenprogramm. Die USA und auch die UN befürchten, dass der Iran inoffiziell an einem Kernwaffenprogramm arbeitet. Nach internationaler Meinung besitzt der Iran jedoch erst in zehn bis fünfzehn Jahren alle Voraussetzungen, um selbst Kernwaffen zu bauen. (Siehe Iranisches Atomprogramm.)

Saudi-Arabien

Weitgehend gesichert ist eine Beteiligung von Saudi-Arabien, das das pakistanische Atom-Programm „zu einem nicht unerheblichen Teil finanziert hat“. Es wird vermutet, dass Saudi-Arabien eine Option auf die Bombe erhalten hat, „wenn sie das Verlangen danach verspüren“. Im Fall des Falles müsse Riad sich nicht erst mühsam die einzelnen Komponenten für ein eigenes Nuklearprogramm zusammen suchen. „Die Saudis hätten genügend Geld, um fertige Atomwaffen zu kaufen“, so Oliver Thränert, Chef der Forschungsgruppe Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin.[5] Frühere, direkte Kontakte zu Abdul Kadir Khan sind nachgewiesen. In welchem Ausmaß die saudischen Streitkräfte Zugriff auf die pakistanischen Nuklearwaffen haben ist unklar.[6] Mit der CSS 2 und der Ghauri II, besitzen die Streitkräfte Nuklearwaffenkompatible Trägersysteme.

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass alle technologisch und wissenschaftlich entwickelten Staaten mit genügend Einsatz von Geld und Personal innerhalb kurzer Zeit in der Lage sind, eine Atombombe zu entwickeln. Das technologische Wissen ist in allen Industriestaaten vorhanden, die benötigten industriellen Anlagen größtenteils ebenfalls.

Ehemalige Atommächte und nukleare Ambitionen

Verträge über Kernwaffenfreie Zonen
Vertrag von Region Unterzeichner /
Ratifikation
Jahr Unterzeichnung /
in Kraft
Tlatelolco Lateinamerika / Karibik 33 / 33 1967 / 1968
Rarotonga Südpazifik 13 / 13 1985 / 1986
Bangkok Südostasien 10 / 10 1995 / 1997
Pelindaba Afrika 50 / 19 1996 / -
Semei Zentralasien 5 / - 2006 / -

Die folgenden Staaten haben ehemals Kernwaffen besessen oder an entsprechenden Programmen gearbeitet.

Ägypten

Ägypten begann 1954 sein Kernwaffenprojekt, maß dem Programm allerdings keine allzu große Bedeutung zu. 1961 wurde in Kairo der Insha-Reaktor mit Unterstützung der Sowjetunion gebaut. Nach der Niederlage gegen Israel 1967 gab Ägypten das Projekt auf und unterzeichnete den Atomwaffensperrvertrag.[7] Der Insha-Reaktor ist immer noch in Betrieb, das Land plant den Bau weiterer Kraftwerke. Außerdem hält es Ausschau nach Möglichkeiten zur eigenen Urananreicherung.

Algerien

1991 erlangten die Vereinigten Staaten Kenntnisse über den geheimen Bau des Birine El Salam in Algerien. Die Washington Post beschuldigte das Land, mit Hilfe der chinesischen Regierung Kernwaffen entwickeln zu wollen. Die algerische Regierung bestätigte, einen Reaktor zu bauen, stritt aber militärische Zwecke oder Geheimhaltung ab. Unter internationalem Druck stellte Algerien den Reaktor unter Kontrolle der IAEO und unterzeichnete im Januar 1995 den Atomwaffensperrvertrag. Die Transparenz des Kernenergieprogramms beschränkt sich allerdings auf die minimalen Vorgaben des Vertrags, weshalb Algerien weiterhin kritisch beobachtet wird.[8]

Argentinien

Argentinien richtete 1950 die nationale Atombehörde Comisión Nacional de Energía Atómica ein, um die Kernenergie für friedliche Zwecke zu nutzen. Allerdings nahm das Land 1978 unter der Militärregierung ein Kernwaffenprogramm auf. Das Projekt wurde nach der Demokratisierung im Jahr 1983 aufgegeben [9]. Jedoch enthalten einige inoffizielle Berichte sowie US-Geheimdienstdossiers Informationen darüber, dass Argentinien noch während der 1980er Jahre ein Programm zur militärischen Nutzung der Kernenergie unterhielt, das den Bau eines Nuklear-U-Boots vorsah. Grund dafür waren Rivalitäten mit dem Nachbarland Brasilien, das seinerseits ebenfalls ein Nuklearwaffenprogramm unterhielt [10][11]. Das Programm wurde um 1980 abgebrochen. Anfang der 1990er Jahre richteten Argentinien und Brasilien eine bilaterale Behörde ein, die mit Hilfe von gegenseitigen Kontrollen sicherstellen soll, dass beide Staaten jede Form von Nukleartechnologie ausschließlich zur Energiegewinnung einsetzen. Am 10. Februar 1995 trat Argentinien dem Atomwaffensperrvertrag bei.

Australien

Australien versuchte nach dem Zweiten Weltkrieg nukleare Waffen in Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Königreich zu entwickeln. Das Land stellte Uran sowie Testgelände in der australischen Wüste für Raketen- und Kernwaffentests zur Verfügung. Die australische Regierung war darüber hinaus am Blue-Streak-Raketenprogramm beteiligt. 1955 wurde mit einem britischen Unternehmen ein Vertrag über den Bau des Hi-Flux Australian Reactor (HIFAR) abgeschlossen. Dies wurde als erster Schritt angesehen, größere Reaktoren zu errichten, die ausreichende Mengen an waffenfähigem Plutonium produzieren könnten. In den 1960ern gab Australien allerdings seine nuklearen Ambitionen auf und unterzeichnete 1970 den Atomwaffensperrvertrag. 1973 wurde der Vertrag ratifiziert.[12]

Brasilien

Brasilien unterzeichnete 1968 den Vertrag von Tlatelolco, der den Staaten Lateinamerikas und der Karibik den Erwerb und Besitz von Nuklearwaffen verbietet. Dennoch begann das Militärregime 1978 ein geheimes Kernwaffenprojekt unter dem Decknamen „Solimões“. Als das Land 1985 zur Demokratie zurückkehrte, beendete die gewählte Regierung sämtliche Programme zur militärischen Nutzung der Kernenergie [13]. Die offizielle Abkehr von Bestrebungen dieser Art erfolgte am 13. Juli 1998, als Präsident Fernando Henrique Cardoso sowohl den Atomwaffensperrvertrag als auch den Kernwaffenteststopp-Vertrag unterzeichnete und ratifizierte. Er dementierte, dass das Land nukleare Waffen entwickelt habe [14].

Pershing II beim Start

Bundesrepublik Deutschland

Franz Josef Strauß plante nach 1955 als Bundesminister für Atomfragen der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen des Atoms-for-Peace-Programms den technologischen Anschluss an diese Technik und Zugang zu den notwendigen Materialien zu beschaffen. Ein Kernwaffenprogramm wurde aber nie gestartet. Dementsprechend besitzt Deutschland nach wie vor keine Kernwaffen. Es werden allerdings zahlreiche Kernwaffen der USA auf deutschem Boden gelagert. Wie andere NATO-Staaten verfügt auch Deutschland über Flugzeuge, die mit Kernwaffen bestückt werden können, zumal die Bundesrepublik in der nuklearen Teilhabe an US-Kernwaffen steht. Überdies hat auch die Republik Frankreich der deutschen Bundesregierung bislang zweimalig eine deutsche Teilhabe an der Verfügungsgewalt und Einsatzentscheidung über die französischen Atomwaffen angeboten. Beidmalig lehnte die deutsche Bundesregierung dies jedoch mit dem Hinweis ab, dass die Bundesrepublik Deutschland den Erwerb von Atomwaffen nicht anstrebe und deswegen auch im Jahre 1975 dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten sei.

Der frühere Bundesverteidigungsminister Rupert Scholz forderte im Januar 2006, dass Deutschland im Notfall auch mit eigenen Kernwaffen reagieren können sollte und regte eine diesbezügliche Diskussion an. Eine ähnliche Überlegung vertrat auch der deutsche Journalist und Publizist Peter Scholl-Latour, als sich dieser im März 2007 in einer Talkshow des Nachrichtensenders n-tv [15] deutlich für eine nukleare Bewaffnung der Bundeswehr aussprach.

Bereits das Dritte Reich verfolgte ein Atomprogramm, das aber offiziell 1942 beendet wurde. Jedoch hat dieses Programm letztendlich zum Manhattan-Projekt der USA beigetragen, da die Furcht vor einem nuklear bewaffneten Deutschland in den USA zu groß war.[16]

Irak

Das irakische Kernwaffenprogramm begann angeblich bereits Ende der 1960er Jahre, ohne dass es den irakischen Wissenschaftlern je gelang, eine funktionsfähige Bombe herzustellen. Das Programm erlitt Rückschläge durch die Zerstörung des mit französischer Hilfe gebauten Reaktors Osirak durch Israel im Jahr 1981 sowie durch das Technologie-Embargo während und nach des Iran-Irak-Krieges 1980 bis 1988, an das sich auch Russland und China hielten. Im zweiten Golfkrieg „Desert Storm” 1991 wurde der Großteil der Anlagen zerstört. Nach dem Einmarsch der USA in den Irak 2003 wurden keine Beweise für eine Wiederaufnahme des Kernwaffenprogramms und für die Existenz von atomaren Massenvernichtungswaffen gefunden.

Jugoslawien

In der Sozialistischen Föderativen Volksrepublik Jugoslawien (1945–1963) begannen die Bestrebungen zur Entwicklung von Kernwaffen bereits in den 1950ern mit Forschungen zur Urananreicherung. 1956 wurde die Vinča-Anlage zur Anreicherung von Kernbrennstoffen errichtet; 1958 und 1959 folgte der Bau von Forschungsreaktoren. Für letztere stellte die Sowjetunion schweres Wasser sowie angereichertes Uran zur Verfügung. Bereits 1966 begann in der Vinča-Anlage auch die Produktion von Plutonium, die einige Gramm waffenfähiges Plutonium hervorbrachte. Während der 1950er und 1960er Jahre bestand im Bereich der Plutoniumanreicherung auch eine Zusammenarbeit mit Norwegen. 1960 setzte Tito das Programm aus unbekannten Gründen aus, nahm es dann aber 1974 wieder auf, nachdem Indien die ersten Atomtests durchführte. Auch nach Titos Tod wurde das Programm fortgeführt, nun allerdings in zwei Sparten aufgeteilt: eine für militärische Nutzung und eine für zivile Kernenergie. Letztere brachte 1983 das Kernkraftwerk Krško hervor, das heute von Slowenien und Kroatien gemeinschaftlich zur Elektrizitätserzeugung betrieben wird. Im Jahr 1987 wurde dann die Entscheidung getroffen, sämtliche militärischen Atomprojekte einzustellen.
Nach dem Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien 1992 gingen die Vinča-Laboratorien zusammen mit 50 kg hochangereichertem Uran in den Besitz der Bundesrepublik Jugoslawien (2003–2006 Serbien und Montenegro) über. Während des Angriffskriegs der NATO auf Jugoslawien 1999 wurde die Vinča-Anlage nie getroffen; das Bündnis war sich der Existenz und der Gefahr des angereicherten Urans bewusst. Die Freisetzung des Elements hätte die Kontamination weiter Flächen zur Folge gehabt. Nach dem Ende des Krieges beschlagnahmten die USA und die Nuclear Threat Initiative das Uran und transportierten es nach Russland.

Libyen

Libyen unterzeichnete den Atomwaffensperrvertrag 1969. Muammar al-Gaddafi allerdings erklärte, Kernwaffen entwickeln zu wollen, da auch Israel Kernwaffen habe. Libyen erhielt 1979 einen sowjetischen Reaktor und tauschte außerdem Kenntnisse und Material mit Pakistan aus. 1984 kaufte das Land einen weiteren Reaktor von der Sowjetunion.[17] Im Dezember 2003 hat es angekündigt, alle Programme für Massenvernichtungswaffen aufzugeben und internationale Inspektionen zuzulassen; 2004 folgte der Beitritt zum Kernwaffenteststopp-Vertrag. Daraufhin wurden bestehende Handelsembargos gegen Libyen aufgehoben.

Polen

Polen begann ein Nuklearprogramm in den 1960ern. Die erste kontrollierte Kernspaltung erfolgte gegen Ende des Jahrzehnts. Während der 1970er-Jahre wurde das Projekt fortgeführt, den Forschern gelang die Erzeugung von Fusionsneutronen mittels konvergenter Schockwellen. In den Folgejahren richteten sich die Anstrengungen auf mikro-nukleare Reaktionen. Heute betreibt Polen den Reaktor Maria in Świerk nahe Warschau unter Aufsicht des Atomenergieinstituts. Das Land trat dem Atomwaffensperrvertrag bei und besitzt offiziell keine Kernwaffen.

Republik China

Die Republik China (Taiwan) unterhielt von 1964 bis 1988 ein Nuklearwaffenprogramm, das auf Druck der USA eingestellt wurde.[18] 1968 unterzeichnete das Land den Atomwaffensperrvertrag. Laut einem Memorandum des US-Verteidigungsministeriums von 1974 erklärte der damalige US-Verteidigungsminister James Schlesinger bei einem Gespräch mit Botschafter Leonard Unger, dass die Vereinigten Staaten ihre in Taiwan stationierten Kernwaffen abziehen müssten.[19] Die Republik China gibt an, momentan an der Tien Chi zu arbeiten, einer Kurzstreckenrakete, die die Küste der VR China erreichen könnte.[20]

Rumänien

Rumänien unterzeichnete 1970 den Atomwaffensperrvertrag. Dennoch unterhielt das Land unter Nicolae Ceauşescu in den 1980ern ein geheimes Kernwaffenprogramm. Mit dem Sturz Ceauşescus endete auch das Projekt. Rumänien besitzt heute ein Kernkraftwerk mit zwei in Betrieb befindlichen Reaktoren (Cernavoda) und drei weiteren im Bau, das mit kanadischer Hilfe errichtet wurde. Außerdem wird im Land Uran sowohl abgebaut als auch für die Benutzung im Kraftwerk angereichert. Ein ziviles Forschungsprogramm besteht ebenfalls.[21]

Schweden

Schweden forschte während der 1950er und 1960er Jahre an Kernwaffen, um sich gegen eine eventuelle Invasion der Sowjetunion verteidigen zu können. Eine Forschungseinrichtung sollte in Studsvik errichtet werden. Das Unternehmen Saab legte Pläne für einen nuklearen Überschallbomber vor, den A36. Das schwedische Programm sammelte genügend Informationen, die zum Bau einer nuklearen Bombe notwendig gewesen wären. Nachdem es aber alle wichtigen Kenntnisse erlangt hatte, entschloss sich das Land, keine Kernwaffen zu bauen und unterzeichnete den Atomwaffensperrvertrag.

Schweiz

In der Schweiz wurde 1945 die geheime Studienkommission für Atomenergie (SKA) unter Vorsitz des Physikers Paul Scherrer mit dem Ziel einer Schweizer Atombombe gebildet. Diese Bestrebungen wurden erst in den 1970ern durch die Ratifizierung des Atomwaffensperrvertrages durch die Schweiz endgültig beendet. Die Schweiz besaß mit den Reaktoren Diorit (1960–1977) und Lucens (1968–1969) zwei zur Produktion von waffenfähigem Plutonium geeignete Schwerwasserreaktoren.

Südafrika

Südafrika entwickelte unter der Apartheid-Regierung eine Kernwaffe, vermutlich mit der Kooperation Israels. Es wird spekuliert, dass es sich beim Vela-Zwischenfall im September 1979 um einen Atomtest Südafrikas handelte, der möglicherweise ebenfalls mit israelischer Beteiligung ausgeführt wurde. Kurz vor dem Ende der Apartheid zerstörte Südafrika 1991 seine sechs Kernwaffen, um dem Atomwaffensperrvertrag beizutreten und sich damit wieder in die internationale Gesellschaft eingliedern zu können. Bis 1994 wurden alle südafrikanischen Kernwaffenanlagen komplett abgebaut.

Kasachstan, Weißrussland und Ukraine

Kasachstan und Weißrussland haben nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Kernwaffen besessen, diese aber an Russland abgetreten. Die Ukraine hat ihre Kernwaffen selbst abgerüstet, besitzt jedoch noch immer die Trägerraketen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. http://www.cnduk.org/pages/binfo/ttfut.html
  2. http://www.basicint.org/pubs/Research/UKtrident.pdf
  3. Zündung der sowjetischen Wasserstoffbombe
  4. http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=41739249
  5. Umweltinstitut München e. V., Informationsbroschüre III S.4
  6. http://www.der-ueberblick.de/buecher/200704.124f/index.html
  7. http://www.fas.org/nuke/guide/egypt/nuke/index.html
  8. http://www.thebulletin.org/article.php?art_ofn=mj01albright
  9. http://www.fas.org/nuke/guide/argentina/nuke/index.html
  10. http://www.armscontrol.org/act/2005_10/Oct-Brazil.asp#BrazilHistory
  11. http://www.fas.org/nuke/guide/brazil/nuke/index.html
  12. http://www.greenleft.org.au/back/2001/441/441p28.htm
  13. http://www.armscontrol.org/act/2005_10/Oct-Brazil.asp#BrazilHistory
  14. http://www.fas.org/nuke/guide/brazil/nuke/index.html
  15. Das Duell bei n-tv, ausgestrahlt am 19. März 2007.
  16. http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5177320_REF2_NAV_BAB,00.html
  17. http://www.fas.org/nuke/guide/libya/index.html
  18. http://www.fas.org/nuke/guide/taiwan/nuke/index.html
  19. http://www.gwu.edu/~nsarchiv/news/19991020/01-01.htm
  20. http://www.nti.org/e_research/e1_taiwan_1.html
  21. http://www.fas.org/nuke/guide/romania/index.html

Weblinks


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