Atommüll-Transport

Als Atommülltransporte werden häufig die Transporte radioaktiver Abfälle beispielsweise mit Castor-Transportbehältern bezeichnet. Dazu gehören insbesondere

Darüber hinaus finden regelmäßig – und von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – Transporte mit schwach- und mittelaktiven Abfällen zu Konditionierungseinrichtungen und Zwischenlagern statt.

Inhaltsverzeichnis

Widerstand gegen Atommülltransporte

Räumung der von Demonstranten errichteten Blockaden gegen den Castor-Atommülltransport auf der Straße nach Gorleben (1996)
Transportbehälter auf dem Weg nach Gorleben (9. November 2008)

In Deutschland gibt es großen Widerstand der Anti-Atomkraft-Bewegung gegen den Transport von radioaktiven Abfällen, die von der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich nach Deutschland zurückgebracht werden. In Zukunft sollen mit solchen Transporten auch Abfälle aus Sellafield, Großbritannien, zurückgeführt werden.

Die Kritik der Gegner richtet sich allerdings nicht gegen den generellen Rücktransport des deutschen Atommülls nach Deutschland. Die Proteste wenden sich vor allem gegen die fortgesetzte Produktion von weiterem Atommüll und speziell gegen den Endlagerstandort Gorleben, der als ungeeignet angesehen wird. Aufgrund der vor Ort verankerten Protesttradition gibt es bei den Transporten zum Zwischenlager Gorleben stärkere Proteste als bei Transporten von Deutschland ins Ausland, die bis Mitte 2005 durchgeführt wurden.

Neben diesen Protesten kam es über die Jahre auch immer wieder zu Sabotageakten an Stellwerken, Eisenbahnfahrleitungen (mittels Hakenkrallen) und an Achszählern, die sich direkt oder indirekt gegen Atommülltransporte richteten.

Ereignisse und Unfälle

Am 4. Februar 1997 entgleiste ein Zug mit abgebrannten Brennelementen aus dem Kernkraftwerk Emsland im französischen Grenzort Apach.

Im Frühjahr 1998 wurde bekannt, dass an mehreren Transportbehältern (keine Castor-Behälter) über Jahre hinweg aufgrund äußerer Kontamination Strahlung weit über den zulässigen Grenzwerten gemessen wurde. Daraufhin stoppte die damals amtierende Umweltministerin Angela Merkel die Transporte vorläufig [1]. In den darauffolgenden Wochen wurde klar, dass man im Ministerium seit Jahren von den erhöhten Strahlenwerten wusste. Der Umgang mit dem Kontaminationsskandal wurde weit über die Anti-Atomenergie-Bewegung hinaus kritisiert, so sprach etwa die Gewerkschaft der Polizei von menschenverachtendem Verhalten [2]. Aufgehoben wurde der Transportestop erst 2001 unter dem grünen Umweltminister Jürgen Trittin.

Beim Blockadeversuch eines Castortransports von La Hague ins Zwischenlager Gorleben am 7. November 2004 gab es erstmals ein Unglück mit Todesopfer. In der Nähe von Avricourt (Lothringen), kurz vor der deutschen Grenze, wurde der 23-jährige Sébastien Briat an einer unübersichtlichen Stelle von dem Zug erfasst und starb kurze Zeit später. Der Zug fuhr ohne Luftüberwachung, weil der Helikopter gerade nachtankte.

Im September 2005 wurde an fünf Behältern mit schwachradioaktiven Abfällen aus dem Kernkraftwerk Krümmel bei der Eingangskontrolle im Abfalllager Gorleben eine erhöhte Strahlung durch äußere Kontamination festgestellt. Die Werte überschritten den zulässigen Grenzwert von vier Becquerel pro Quadratzentimeter teilweise um das Fünffache. Eine Gefährdung von Bevölkerung und Personal bestand laut dem zuständigen niedersächsischen Umweltministerium zu keiner Zeit, da der Transport in geschlossenen Transportcontainern stattfindet.

Einzelnachweise

  1. http://www.zeit.de/1998/23/atom1.txt.19980528.xml
  2. http://www.gdp.de/gdp/gdp.nsf/id/BB885D2F986C1379C1256D0200360135

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