Atsabe
Subdistrikt Atsabe
Atsabe (Osttimor)
Red pog.svg
Hauptstadt Atsabe
Fläche 167,90 km²[1]
Einwohnerzahl 17.264 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Atara 2.411
Baboi Craic 1.741
Baboi Leten 1.050
Batu Mano 981
Laclo 1.627
Lacao 1.055
Laubono 1.277
Leimea Leten 1.978
Malabe 1.439
Obulo 1.763
Parami 1.494
Tiarlelo 448
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Ermera
Lage des Distrikts Ermera

Atsabe (in alten Quellen: Artessabe,[3] Atisasabo[4]) ist der Hauptort des Subdistrikts Atsabe im osttimoresischen Distrikts Ermera.

Inhaltsverzeichnis

Der Ort

Atsabe liegt im Zentrum des Subdistrikts

Der Ort liegt in einer Höhe von 1,507 m über dem Meer. Zur Landeshauptstadt Dili sind es in Luftlinie etwa 45 km nach Nordosten, bis zur Distrikthauptstadt Gleno 24 km. Eine Straße verbindet Atsabe nach Norden mit Letefoho und weiter nach Gleno, nach Süden mit Bobonaro, Maliana und Zumalai.

Neben dem Verwaltungsgebäude des Subdistrikts befindet sich ein auffälliges Grabmal. Auf ihm steht auf Portugiesisch Morto por Portugal („Gestorben für Portugal“). In ihm ruhen seit 2000 die sterblichen Überreste von Dom Siprianu (Koronel bote der Atsabe-Kemak von 1912 bis 1943). Sie wurden im Rahmen eines Rituals der traditionellen Religion der Kemak, einem Zweitbegräbnis überführt. Die unmittelbare Nähe des Grabmals zum Verwaltungsgebäude ist ein Symbol des Machtanspruchs der ehemals herrschenden Familie. Der Widerspruch zwischen Feudalsystem und traditionelle Religion Timors auf der einen Seite und parlamentarisch-demokratischem System des unabhängigen Osttimors und der Katholischen Kirche auf der anderen Seite, führte zu heftigen Diskussionen über dieses Grabmal.

Nahe dem Ort liegt an der Straße nach Letefoho der Bandeira, Osttimors bekanntester Wasserfall.

Sechs bis sieben Kilometer außerhalb des Ortes laufen seit 2007 Planungen für ein Wasserkraftwerk. Das Wasser des Flusses Magapu soll durch einen Kanal und eine Leitung bergabwärts geführt werden. Das Kraftwerk könnte so 10 bis 15 GWh jährlich produzieren.[5]

Der Subdistrikt

Der Subdistrikt teilt sich in zwölf Sucos: Atara (Atare), Baboi Craic (Baboe Kraik, Boboe Craic, Baboi Kraik), Baboi Leten (Baboe Leten, Boboe Leten), Batu Mano (Batu Manu, Batumanu), Laclo (Laklo, Lado), Lacao (Lasaun), Laubono (Laubonu, Laubanu, Laubunu, Lau Buno), Leimea Leten (Limie Leten, Lemian, Lemia), Malabe (ehemals Atadame, Atu Dame, Acu Dame), Obulo (Obolu), Parami (Paramin) und Tiarlelo (Tirlelo, Tiar Lelo, Ciar Lelo).

Im Subdistrikt Atsabe leben insgesamt 17.264 Menschen (2010,[1] 2004: 16.037[6]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Kemak. Die Bevölkerung ist durchweg katholisch.[7] Der Altersdurchschnitt beträgt 18,2 Jahre (2010,[1] 2004: 17,7 Jahre[8]).

86 % der Haushalte in Atsabe bauen Mais an, 78 % Maniok, 67 % Kaffee, 55 % Gemüse, 34 % Kokosnüsse und 18 % Reis.[2] Daneben werden seit einigen Jahren auch Erbsen, Kohl und Zwiebeln angepflanzt. Geplant ist zudem eine Fischzucht. Atsabe war früher bekannt für die hohe Qualität seiner Tais, gewebte Textilien, die auch überregional verkauft wurden. Damals war in diesem Subdistrikt der Handel die wichtigste Einnahmequelle der Bevölkerung, noch vor der Landwirtschaft. Viele der Händler flohen in Folge der Unruhen von 1999 nach Westtimor. 2001 war es noch unklar, ob sie nach Atsabe zurückkehren würden, um ihr Geschäft wieder aufzunehmen.

Tiarlelo bildet das Zentrum von Atsabe, da hier der ehemalige Koronel bote der Region lebte. Allerdings werden die Koronel bote dieser Familie in einigen mündlichen Überlieferungen als Usurpatoren bezeichnet, welche die Herrschaft von Laclo und Leimea übernahmen. Laclo und Leimea werden in mündlichen Überlieferungen als Ursprung der Kemak bezeichnet. Leimea liegt auf dem Berg Dar Lau und ist in zwei Teile geteilt, wovon nur noch Leimea Leten („Ober-Leten“) Teil von Atsabe ist. Leimea-Craic („Unter-Leten“) liegt heute im Subdistrikt Hatulia. Auch Baboi Craic und Baboi Leten bildeten ursprünglich einen gemeinsamen Suco. Von Atara wurde 2002 Mali Mea als eigenständiges Dorf abgetrennt. In Obulo haben sich Kemak, wie in Marobo (Marabo) mit benachbarten Bunak vermischt. Die beiden Orte pflegen eine enge Beziehung zueinander.[7]

Geschichte

Siehe auch: Geschichte der Kemak

Atsabe war bereits vor der Kolonialzeit eines der Zentren Timors. Herrscher war der Koronel bote (Tetum: Liurai) der Atsabe-Kemak. Atsabe dominierte früher die gesamten von Kemak bewohnten Gebiete in Osttimor. Das betraf neben der Region von Atsabe Gebiete im Norden des heutigen Bobonaro, im nördlichen Ainaro und im Gebiet von Suai.[7] Die Atsabe-Herrscher standen im Ruf besonders dazu zu neigen gegen die Portugiesen und ihre Anwesenheit aufzubegehren. Sie leisteten wiederholt Widerstand gegen die Invasoren. Im 18. Jahrhundert beteiligte sich Atsabe bei der Cailaco-Rebellion gegen die Portugiesen. Gouverneur José Celestino da Silva führte im März 1895 eine Offensive gegen Marobo und Obulo, um sie endgültig für Portugal zu unterwerfen.[3]

1907 konnte Nai-Cau die Unabhängigkeit Soros vom Atsabe-Reich erringen.[3]

Während der japanischen Besatzung Timors leisteten die Atsabe-Kemak passiven Widerstand, indem sie sich weigerten Zwangsarbeit zu leisten oder Lebensmittel an die Japaner zu liefern. Die Besatzer inhaftierten daher den Koronel bote Dom Siprianu und sechs seiner Verwandte, die in Erbfolge zu ihm standen. Einer nach dem anderen wurden von den Japanern hingerichtet. Trotzdem widersetzten sich die Bewohner Atsabes weiterhin und versteckten zum Beispiel auch australische Soldaten, die hier einen Guerillakrieg führten.

Der letzte Koronel bote von Atsabe und Sohn von Dom Siprianu, Dom Guilherme Maria Gonçalves, war ein starker Unterstützer der APODETI in den 1970ern. Zwischen 1978 und 1982 war er Gouverneur Indonesiens in Timor Timur.

Anfang Januar 2003 wurden nahe Atsabe die kleinen Dörfer Tiarlelo und Laubono von bis zu 15 mit Sturmhauben maskierten Banditen mit automatischen Waffen und alten indonesischen Uniformen überfallen. 25 km von der Grenze zu Indonesien entfernt. Drei Menschen wurden getötet und fünf verletzt. Die Verteidigungskräfte Osttimors schickten daraufhin 180 Soldaten für Polizeiaufgaben in die Region.[9] Mitglieder von Colimau 2000 - einer Organisation, die von ehemaligen im Untergrund arbeitenden Jugendaktivisten gegründet wurde - wurden beschuldigt in die Überfälle verwickelt gewesen zu sein, bei denen insgesamt sieben Menschen starben. Massenverhaftungen folgten, doch von den Gerichten wurden alle Verdächtige wieder freigelassen.[10]

Am 23. August 2009 beendeten die Sucos Lacao und Atara eine jahrzehntelange Feindschaft durch eine offizielle Friedenszeremonie.[11]

Einzelnachweise

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English)
  2. a b Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch)
  3. a b c History of Timor – Technische Universität Lissabon
  4. 150 Anos da criação de distritos em Timor
  5. Preparations for Atsabe Magapu
  6. Direcção Nacional de Estatística Census 2004
  7. a b c Andrea K. Molnar: Died in the service of Portugal
  8. Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004
  9. The Age, Bericht über den Zwischenfall Jan. 2003 in Atsabe
  10. The Australian, 16. November 2006, Four believed dead in more Timor violence
  11. United Nations Development Programme, 4. September 2009, Talking Peace in Timor-Leste

Weblinks


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