Atsina
Wohngebiet
Ehemaliges Stammesgebiet der Gros Ventre und heutige Reservation in Montana.
Systematik
Kulturareal: Plains und Prärie
Sprachfamilie: Algonkin
Sprache: Algonkin
Stammesgruppe: Gros Ventre
Stamm, Volk: Gros Ventre
Synonyme
Atsina, A'ani, A'anini, Hitunena
Gros Ventre Indianer 1909 von Edward Curtis

Die Gros Ventre (frz. „Fetter Bauch“), auch Atsina genannt, sind ein Indianer-Stamm der Algonkin-Sprachfamilie aus dem nördlichen Montana in den USA. Heute leben die 3.682 Stammesangehörigen in der Fort-Belknap-Reservation, die sie sich mit ihren ehemaligen Feinden, den Assiniboine, teilen. Der Name Fetter Bauch wurde ihnen von den Franzosen gegeben, die ihre Zeichensprache falsch interpretierten. Die Gros Ventre nannten sich selbst A’ani oder A’anini, was „Volk der weißen Kreide“ bedeutet. Die Bezeichnung Atsina stammt vermutlich aus der Blackfoot-Sprache und bedeutet „Mutiges Volk“, während sie von den Arapaho Hitunena genannt wurden, was „Bettler“ heißt.

Sie gehörten zur Kultur der Plains-Indianer und ihre Hauptnahrungsquelle war der Amerikanische Bison. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten auf den Großen Ebenen Nordamerikas an die 60 Millionen Tiere. Bevor die Gros Ventre Pferde hatten, setzten sie auf der Jagd eine Büffelherde in Panik. Die in wilder Flucht davon rennenden Tiere wurden in eine V-Form gezwungen und zum Rand einer Klippe getrieben, von der sie in die Tiefe stürzten. An solchen Stellen fanden alljährlich Tausende von Büffeln den Tod, oft so große Mengen, dass die Gros Ventre das viele Fleisch nicht verbrauchen konnten, obwohl ein Teil davon getrocknet und als Wintervorrat zu Pemmikan verarbeitet wurde. Die Häute verwendete man als Zeltdecken für die Tipis und für Kleidungsstücke. Nach der Adaption des Pferdes und der Feuerwaffen erreichte die Plainskultur ihren Höhepunkt. Die größere Beweglichkeit durch das Pferd verbesserte allgemein die Lebensqualität, es konnten größere Tipis gebaut und mehr Lebensmittel transportiert werden.

Die Arapaho und Gros Ventre waren einst ein einziger Stamm und lebten im Tal des Red Rivers im nördlichen Minnesota und angrenzenden Kanada. Im frühen 17. Jahrhundert spaltete sich die Gros Ventre ab und die Arapaho zogen nach Süden. Zur Zeit des ersten Kontakts mit Europäern um 1754 lebten die Gros Ventre in der kanadischen Prärie am Oberlauf des Saskatchewan Rivers und seinen Nebenflüssen. Sie waren seit langer Zeit Feinde der Cree und mussten vor ihnen flüchten, weil die Cree Feuerwaffen von der Hudson's Bay Company erhalten hatten. Daraufhin griffen die Gros Ventre 1793 die Niederlassung der Hudson's Bay Company in South Branch House am South Saskatchewan River nahe der heutigen Stadt St. Louis an und brannten sie nieder. Anschließend zog der Stamm südwärts an den Milk River und verband sich mit den Blackfoot. Im Jahr 1888 traten die Blackfoot, Assiniboine und Gros Ventre ihr Land ab und zogen in Reservationen. Von der US-Regierung war 1878 die Fort Belknap Reservation eingerichtet worden, die sich nun Angehörige der Gros Ventre und Assiniboine teilen mussten. Um 1904 gab es nur noch 535 Stammesmitglieder. 1990 zählte die Gesamtbevölkerung von Fort Belknap 1.200 Personen, von denen nur noch 111 ihre Muttersprache sprachen. Die Volkszählung aller Gros Ventre aus dem Jahr 2000 ergab 2.881 Stammesmitglieder.

Siehe auch

Literatur

  • Raymond J. DeMallie (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Volume 13: Plains. Smithsonian Institution Press), Washington, 2001, ISBN 0-16-050400-7
  • Alvin M. Josephy jr.: 500 Nations. Frederking & Thaler GmbH, München 1996. ISBN 3-89405-356-9
  • Alvin M. Josephy jr.: Die Welt der Indianer. Frederking & Thaler GmbH, München 1994. ISBN 3-89405-331-3
  • Colin Taylor u.a.: Indianer, Die Ureinwohner Nordamerikas, Bertelsmann Club GmbH, Güterloh 1992.

Weblinks


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