Atta Troll. Ein Sommernachtstraum
Titelblatt der ersten Buchausgabe 1846

„Atta Troll. Ein Sommernachtstraum“ ist ein Versepos von Heinrich Heine, das 1841 geschrieben und 1843 in der „Zeitung für die elegante Welt“ erschien, unvollständig und niemals vervollständigt, wie Heine im Vorwort zu einer 1846 erschienenen Auflage bemerkt „Ich hegte die Absicht, in späterer Vervollständigung das Ganze herauszugeben, aber es blieb immer bei dem lobenswerten Vorsatze, und wie allen großen Werken der Deutschen, wie dem Kölner Dome, dem Schellingschen Gotte, der preußischen Konstitution usw., ging es auch dem »Atta Troll« – er ward nicht fertig“.

Atta Troll thematisiert wie Franz Kafkas Ein Bericht für eine Akademie anhand eines Tanzbärenlebens den Drang des Menschen zur Freiheit und stellt den trägen Menschen einen ungebändigen Bärenhelden gegenüber. Eine spezifische Lehre des Werkes lässt sich jedoch nicht ausmachen und soll auch nicht herauskommen, wie der Autor unter anderem im dritten Kapitel bemerkt. Besonders gegen die politisierte Literatur seiner Zeit spricht sich Heine aus und schreibt vor der Hand nur „um der Kunst willen“.

Inhalt

Im französischen Kurort Cauterets (heute Region Midi-Pyrénées) tanzen an einem Sommernachmittag auf dem Marktplatz öffentlich zwei Bären, Atta Troll und seine Frau Mumma, zu Tanzbären gemacht von einem Abenteurer. Atta sprengt seine Ketten und flieht, während Mumma bei dem Tanzbärenführer gefangen bleibt.

Attas Höhle liegt im geschichtsträchtigen Tal von Roncesvalles. Dorthin zieht sich Atta nach gelungener Flucht zurück, erwartet von seinen sechs Jungen. Hier bleibt er einige Zeit, seinen Jungen von seinem Erlebnisse erzählend und über die menschliche Schlechtigkeit, der seine Mumma noch ausgeliefert ist, sinnierend, ohne jedoch eine Errungenschaft des ihm verhassten Menschengeschlechts, seinen Tanz, aufzugeben.

Der Erzähler unterdessen geht mit dem schweigsamen Jäger Laskaro, dem Sohn einer Hexe, wie man sagt, der eigentlich tot ist und nur von seiner Mutter regelmäßig wiederbelebt wird, auf Bärenjagd in die Pyrenäen über die spanische Grenze. Im Haus der Hexe, Uraka, gießen Mutter und Sohn in der Johannisnacht unter Beschwörungen Kugeln, die Atta Troll töten sollen. Anschließend wird der Erzähler hier Zeuge der Wilden Jagd, wo er unter anderen verfluchten und schuldigen Gestalten aus Geschichte und Mythologie auch Herodias erblickt und in Liebe zu ihr entbrennt.

Eine Nacht später kann der Erzähler im Haus der Uraka beobachten, wie sie ihren Sohn mit Hexensalbe wiederbelebt. Am nächsten Tag lernt er den Mops der Uraka kennen, eigentlich einen schwäbischen Dichter, den es hierher verschlagen hat und der, weil er Urakas Verführungen widerstand, von dieser in einen Haushund verwandelt wurde und ihr nun mit allerlei Handreichungen dienen muss. Er kann nur von einer reinen Jungfrau erlöst werden, wenn diese an Silvester, ohne einzuschlafen, die Gedichte Gustav Pfizers liest.

Atta Troll spricht mit seinen Jungen von seinem Tod, den er nahen spürt, und gleich darauf lockt ihn Mummas Stimme, täuschend echt nachgeahmt von Uraka, aus der Höhle, in den Tod durch Laskaros Flinte. Laskaro wird in den baskischen Dörfern als Held gefeiert, wofür er sich stotternd bedankt und zum ersten Mal spricht, während Atta Trolls Haut über einen Kürschner an die Freundin des Erzählers, Juliette, verkauft wird, in deren Schlafzimmer in Paris er noch oft die sterblichen Überreste seines Helden beklagen kann.

Bei einem Spaziergang mit Juliette im Jardin des Plantes trifft der Erzähler auch Mumma wieder, die Atta vergessen hat und hier glücklich mit einem Bären aus Sibirien zusammenlebt.

„Atta Troll“ enthält viele Anspielungen auf Personen des öffentlichen Lebens zu dieser Zeit. Auf die Schippe genommen werden hier neben Gustav Pfizer auch beispielsweise Hans Ferdinand Maßmann und Ludwig Uhland. Besonders der Abschnitt über den Mops sprüht zudem vor Spott über die „Tugendhaftigkeit“ der schwäbischen Dichter.

Nicht als Spott gedacht ist dagegen laut Heines Vorwort die ständige Erwähnung von Freiligraths „Mohrenfürst“, dessen übles Schicksal (er endet in Sklaverei) oft mit dem Attas verglichen wird. Dieser „Mohrenfürst“ begegnet dem Erzähler einmal sogar leibhaftig, als er ihm, nun frei, an Mummas Gehege begegnet und ihm von seinem jetzigen glücklichen Leben erzählt.

Das Werk ist Karl August Varnhagen von Ense gewidmet und hat als Motto ein Zitat aus Freiligraths „Mohrenfürst“.

Weblinks

Literatur

  • Stefan Heym: Atta Troll. Versuch einer Analyse. C. Bertelsmann, München 1983.
  • Gerhard Höhn (Hrsg.): Heine-Handbuch. Zeit, Person, Werk. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Metzler, Stuttgart 2004, S. 81-95. (mit Literaturangaben)

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