Attika (Architektur)
Attika des Septimius-Severus-Bogens in Rom

Attika (aus griechisch attikos ‚attisch‘) bezeichnet in der Architektur ein über dem Kranzgesims befindliches Halbgeschoss oder eine Abschlusswand zur Verdeckung des Daches.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Das Wort „Attika“ stammt wahrscheinlich vom griechischen Adjektiv attikos ab, was „attisch“ bedeutet und damit auf die Herkunft dieser Bauform verweist. Eine davon abweichende Erklärung leitet die Bezeichnung vom lateinischen Verb attingere („berühren, anrühren“, auch „anstoßen, angrenzen“) ab, da die Attika an das Hauptgebäude angrenze oder es berühre. Gegen diesen Erklärungsversuch spricht allerdings, dass das zu attingere gebildete Partizip Perfekt Passiv attactus und nicht etwa atticus lautet.

Antike Architektur

Die Attika soll erstmals in der griechischen Landschaft Attika verwendet worden sein, daher der Name. Es handelt sich hierbei um eine Aufmauerung oberhalb der Sima im Dachbereich. Ein wichtiges Beispiel hierfür findet sich in Athen am Thrasyllosmonument. Zum fast unentbehrlichen Bestandteil wird die Attika im römischen Bogenbau, an Toren und Triumphbögen als Sockel für die Aufstellung von Figuren und Vasen und zur Aufnahme von Inschriften und Reliefs. Die klassische Attika war fensterlos, es sei denn, dahinter war ein Attikageschoss verborgen.

Nachantike Verwendung

Gebäude mit Attikageschoss (Buckingham House, London, 18. Jh.)
Als Balustrade gestaltete Attika an einer Villa in Berlin (1877)

Von der Renaissance über Barock bis zum Klassizismus war die Attika ein beliebtes Architekturelement. In der Renaissance wurde sie an Kirchenbauten und Profanbauten (Rathäusern und Schlösser) vor allem dazu verwendet, um die Dachtraufe zu verdecken. Die Attika war dann entweder als Brüstung gemauert oder als Balustrade aufgelöst.

Das Attikageschoss ist ein über dem Kranzgesims befindliches niedriges Obergeschoss, das in der Fassadengliederung die Rolle der Attika übernimmt. An Schlossbauten des Barock war dieses niedrige Obergeschoss oft etwas zurückgesetzt und hinter der Balustrade der Attika verborgen. Das Attikageschoss konnte auch bündig mit der Fassade ausgeführt werden und war von dieser dann lediglich durch das Kranzgesims getrennt. Das Abschlussgesims wurde im Klassizismus oft ganz weggelassen, so dass aus dem Attikageschoss ein abschließendes Mezzanin wurde.

In der Gegenwart wird der Begriff Attika auch für die Aufkantung am Flachdachrand verwendet.

Technisches

In der klassischen Baukunst ist die Höhe der Attika in der Regel rund ein Drittel der darunterliegenden Architekturordnung. Heute wird auch von einer Attika gesprochen, wenn diese lediglich 30 bis 50 cm über die oberste Geschossdecke ragt.

Literatur

  • Wasmuths Lexikon der Baukunst 1 (1929) 221 s. v. Attika
  • A. Boethius - J. Ward-Perkins, Etruscan and Roman Architecture (1970)
  • R. Ginouves u. a., Dictionnaire methodique de l'architecture grecque et romaine 2 (1992)
  • W. Müller-Wiener, Griechisches Bauwesen in der Antike (1988)

Weblinks

 Commons: Attics – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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