Attila (Oper)
Werkdaten
Titel: Attila
Originaltitel: Attila
Originalsprache: Italienisch
Musik: Giuseppe Verdi
Libretto: Temistocle Solera, vollendet von Francesco Maria Piave
Uraufführung: 17. März 1846
Ort der Uraufführung: Venedig
Spieldauer: ca. 110 Minuten
Ort und Zeit der Handlung: Aquileia und Gegend von Rom, 452–453
Personen
  • Attila, König der Hunnen, Bass
  • Ezio (Aetius), römischer Feldherr, Bariton
  • Odabella, Tochter des Herrschers von Aquileia, Sopran
  • Foresto, Ritter aus Aquileia, Tenor
  • Uldino, ein junger Bretone, Sklave Attilas, (Tenor)
  • Leone (Leo der Große), Bischof von Rom, Bass
  • Fürsten, Könige, Soldaten, Hunnen, Gepiden, Ostgoten, Heruler, Thüringer, Quaden, Druiden, Priesterinnen, Volk, Männer und Frauen von Aquileia, Kriegerinnen von Aquileia, römische Offiziere und Soldaten, römische Jungfrauen und Mädchen, Eremiten, Sklaven (Chor).

Atilla ist die neunte Oper von Giuseppe Verdi. Das Libretto von Temistocle Solera, vollendet von Francesco Maria Piave basiert auf der romantischen Tragödie Attila, König der Hunnen von Zacharias Werner.

Die Uraufführung des Drama lirico[1] fand am 17. März 1846 im Teatro La Fenice in Venedig statt und erhöhte Verdis Popularität. Verdi selbst sprach in einem Schreiben an die Gräfin Maffei, Ehefrau des Dichters Andrea Maffei, dem Librettisten von Macbeth und I Masnadieri am Tag nach der Premiere von einem „anständigen Erfolg“.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Bereits die literarische Vorlage von Zacharias Werner arbeitete wie die griechische Tragödie mit kommentierenden Chören. Als Verdi das Stück im Jahre 1844 kennengelernt hatte, sah er darin einen geeigneten Opernstoff. In einem Brief an den Librettisten Francesco Maria Piave, mit dem er schon bei Ernani zusammengearbeitet hatte, legte Verdi das Exposé einer Oper mit Prolog und drei Akten vor, wobei er auch Änderungen der Handlung vorschlug [2]

Nach dem Misserfolg mit Alzira wandte sich Verdi jedoch an den Librettisten Solera, der bereits die Texte zu Verdis frühen Erfolgen wie Nabucco, I Lombardi alla prima crociata und Giovanna d'Arco geschrieben hatte. Solera verarbeitete im Libretto die patriotischen Gefühle der italienischen Einigungsbewegung (Risorgimento) und machte in der Oper viele politische Anspielungen.[3]

Verdi begann sofort mit der Komposition, nachdem ihm ein Großteil des Librettos vorlag. Nachdem jedoch Soleras Frau, die Sängerin Teresa Rosmina an der Mailänder Scala kontraktbrüchig geworden war, zog Solera mit ihr nach Madrid und ließ den letzten Akt unvollendet. Schließlich wandte sich Verdi an den Librettisten Francesco Maria Piave, dem er weitere dramaturgische Anweisungen gab. Nach Vollendung des Librettos übersandte es Verdi an Solera, um dessen Zustimmung zu erlangen. Solera war entsetzt und nannte den Schluss der Oper eine Parodie, gab aber schließlich seine Zustimmung. Das Zerwürfnis zwischen Verdi und Solera blieb bestehen, und es kam nie wieder zu einer Zusammenarbeit.[4].

Historischer Hintergrund des Librettos

Der Hunnenkönig Attila war der erfolgreichste Eroberer zur Zeit der Völkerwanderung. 452 fiel er mit seinem Heer in Italien ein und zerstörte die Stadt Aquileia. Die Bewohner Aquileias flohen in die venezianischen Lagunen und legten damit die Keimzelle Venedigs. Noch im selben Jahr konnte Papst Leo der Große Attila zum Abzug bewegen. Attila starb 453 in der Hochzeitsnacht mit seiner letzten Frau, der Gotin Ildikó (Hildico) an einem Blutsturz. Nach einer anderen späteren Überlieferung wurde er von Hildico ermordet. (In der Oper tritt Odabella an die Stelle der Gotin.) Der ehrgeizige weströmische Feldherr Flavius Aëtius, in der Oper Ezio genannt, ist in der Oper zunächst der Unterhändler des weströmischen Kaisers Valentinian III. Nachdem Aëtius zu mächtig werden drohte, wurde er im Jahre 454 von Valentinian eigenhändig ermordet.

Handlung der Oper

Die Oper spielt in Aquileia, in den adriatischen Lagunen und in Rom in der Mitte des 5. Jahrhunderts. Der heidnische Hunnenkönig Attila, der schon in der literarischen Vorlage im Gegensatz zur historischen Überlieferung an die germanischen Götter wie Wodan glaubt, erobert Aquileia, lässt dessen Herrscher töten und will von hier aus Rom angreifen. Odabella, die Tochter des Herrschers von Aquileia, beeindruckt Attila mit ihrem Mut und ihrer Schönheit, so dass er um sie wirbt. Doch die stolze junge Frau will den Tod ihres Vaters rächen. Sowohl der römischen Feldherr Ezio als auch Odabellas Geliebter Foresto und Odabella selbst wollen aus unterschiedlichen Beweggründen das Vaterland vom hunnischen Eroberer befreien. Wie die biblische Judith ersticht sie schließlich Attila.

Prolog

1. Bild: Hauptplatz von Aquileia. Attila feiert mit seiner Soldateska die Eroberung von Aquileia. Unter den gefangenen Kriegerinnen beeindruckt ihn deren Anführerin Odabella, die Tochter des getöteten Herrschers von Aquileia. Ezio, der Feldherr und Gesandte des weströmischen Kaisers Valentinian III. wird bei Attila vorstellig. Doch dessen Vorschlag, Attila möge das römische Weltreich regieren und Italien ihm überlassen, weist der Hunne zurück.

2. Bild: Der Rio Alto in der Adriatischen Lagune. Flüchtlinge aus Aquileia siedeln sich in den Lagunen an. Ihr Anführer Foresto macht sich Sorgen um die geliebte Odabella, die in Attilas Gewalt ist.

Erster Akt

1. Bild: Wald bei Attilas Lager in der Nähe Roms. Nacht. Odabella hat sich Attilas Heer angeschlossen, um ihren Vater und den vermeintlichen toten Geliebten zu rächen. Beim nächtlichen Umherstreifen trifft sie auf Foresto, der ihr Verrat vorwirft. Sie kann ihn aber davon überzeugen, dass sie nach dem Vorbild der biblischen Judith ihr Volk befreien will.

2. Bild: Attilas Zelt. Attila wird durch ein Traumgesicht vor dem Feldzug gegen Rom gewarnt.

3. Bild: Attilas Lager. Der Hunne will sich nicht schrecken lassen und ruft seine Truppen zum Aufbruch zusammen. Da stellt sich ihm eine Prozession entgegen, in deren Anführer (Papst Leone) er die nächtliche Traumgestalt wiedererkennt. Gleichzeitig erscheinen zwei Gestalten mit drohenden, flammenden Schwertern am Himmel. Attila ist entsetzt.

Zweiter Akt

1. Bild: Ezios Lager, unweit von Rom. Kaiser Valentinian hat mit Attila einen Waffenstillstand geschlossen und beordert seinen Feldherrn Ezio zurück. Dieser gehorcht nicht, sondern setzt auf Roms ehemalige Größe und schließt sich Foresto an, der Attila zu ermorden plant.

2. Bild: Feldlager Attilas. Der Hunnenkönig gibt ein Festmahl zur Feier des Waffenstillstandes. Odabella verhindert den von Foresto geplanten Mord, weil sie sich um die eigene Tat betrogen fühlt. Sie warnt Attila vor Gift im Trinkbecher und behauptet, den schuldigen Foresto selbst bestrafen, um ihn damit Attilas Justiz zu entziehen. Der gerührte und dankbare Hunnenkönig gibt seine Vermählung mit Odabella bekannt.

Dritter Akt

Wald bei Attilas Lager. Foresto und Ezio stehen zum Überfall auf Attila bereit. Foresto ist voller Empörung und Eifersucht und glaubt sich doch durch Odabella verraten. Diese ist aus Attilas Lager geflohen und beteuert Foresto gegenüber ihre Unschuld und Treue. Auf der Suche nach Odabella fällt Attila in einen Hinterhalt. Foresto will ihn durchbohren, doch Odabella kommt ihm zuvor und ersticht Attila, um ihren Vater zu rächen. „Padre! … ah padre, il sacrificio a te.“ (Vater! … Ah Vater, ich opfere ihn dir). [5]

Rezeption

Verdi hatte mit dem Nabucco und den Lombarden (I Lombardi alla prima crociata) bereits zwei Choropern komponiert, die von der italienischen Einigungsbewegung begeistert aufgenommen worden waren. Nach dem Misserfolg mit Alzira knüpfte Verdis Attila thematisch erneut an die Einigungsbestrebungen (Risorgimento) im zerrissenen Italien an. So gibt es im Attila viele patriotische Anspielungen.

Auch aus diesem Grund eroberte das Werk schnell die Opernbühnen Italiens. Schon bei der zweiten Vorstellung im Theatro La Fenice kannte die Begeisterung nach dem Duett Ezio - Attila im Prolog keine Grenzen. In einer Textzeile, während der Verhandlungen mit Attila, singt Ezio:

Avrai tu l´universo, resti l´Italia, resti l`Italia a me.
(Du magst das Universum haben, doch überlass' Italien mir.)[6]

Der Satz fällt in die Schlusszeile der Gesangsstrophe und wird in der letzten Minute des Duetts vierzehn Mal wiederholt. Das Publikum des von den Habsburgern regierten Venedig verstand den Sinn dieser Worte.

Zwei Jahre später, in den Revolutionsjahren 1848/49 kam es in ganz Italien zu massiven Aufständen der Einigungsbewegung.

Die Oper wurde von vielen italienischen Bühnen nachgespielt. Noch 1864 schrieb der Londoner Impresario Benjamin Lumley, der 1846 Verdis Oper I Masnadieri an seinem Theater zur Uraufführung gebracht hatte, dass vielleicht keines von Verdis Werken mehr Begeisterung in Italien ausgelöst habe.[7]

Erst 1964 fand in Bremerhaven die deutsche Erstaufführung der Oper in italienischer Sprache unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Hans Kindler statt, mit Anita Salta als Odabella.[8] Anlässlich der Wiedereröffnung des Hauses im Jahr 2000 gab es eine gleichermaßen erfolgreiche Neuinszenierung.

Literatur

  • Julian Budden, Attila, Analyse im Beiheft zur CD, Aufnahme Philips 1972.
  • Heinz Wagner, Das große Handbuch der Oper, 2. Auflage, Florian Noetzel Verlag Wilhelmshaven 1995, S. 736f.

Weblinks

Diskographie (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. Untertitel: Dramma Lirico in un prologo e tre Atti, (Lyrisches Drama in einem Prolog und drei Akten), Beiheft CD, Philips 1972, S. 1 und S. 77.
  2. Brief Verdi, vgl. Julian Budden, Analyse im: Beiheft, Philips 1972, S. 31f.
  3. Budden, a. a. O., S. 34.
  4. Angaben nach Budden, a. a. O., S. 35–37.
  5. Deutsche Übersetzung des Librettos, Beiheft CD Philips 1972, S. 147.
  6. Budden, a. a. O., S. 34, sowie S. 89.
  7. Budden, a. a. O., S. 38.
  8. Johannes Jacobi: Attila, in: Die Zeit vom 11. Dezember 1964, Nr. 50, S. 16

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