Phil Collins
Phil Collins (2005)

Philip David Charles „Phil“ Collins (* 30. Januar 1951 in Chiswick, London) ist ein britischer Rock-/Pop-Sänger, Schlagzeuger, Songwriter und Schauspieler. Er ist sowohl als Solokünstler als auch als Frontmann und Schlagzeuger der Progressive-Rock- und heutigen Pop-Gruppe Genesis bekannt.

Collins verzeichnete zwischen 1984 und 1989 sieben Nummer-eins-Erfolge in den US-Single-Charts; hinzu kommt noch ein Nummer-eins-Hit mit Genesis (Invisible Touch). Seine Songs reichen vom schlagzeugbetonten In the Air Tonight über tanzbaren Pop wie Sussudio bis hin zu politischen Aussagen in Another Day in Paradise, seinem bislang erfolgreichsten Lied.

Collins’ internationale Popularität hatte maßgeblichen Einfluss auf den kommerziellen Erfolg von Genesis, die sich während seiner Zeit als Sänger von einer progressiven Rock-Gruppe zu einer hitparadentauglichen Poprock-Band wandelten. Laut Atlantic Records hat Collins als Solokünstler bis 2002 weltweit über 100 Millionen Platten verkauft.[1]

Im März 2011 kündigte er das Ende seiner musikalischen Karriere an. [2][3]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Kindheit und Jugend

Im Alter von fünf Jahren bekam Collins zu Weihnachten ein Spielzeug-Schlagzeug geschenkt. Dann baute ihm sein Onkel ein provisorisches „richtiges“ Schlagzeug, auf dem Collins regelmäßig spielte und so seine Fertigkeiten verbesserte. Später kauften ihm seine Eltern zusätzliche Schlagzeug-Teile.[4] Er übte, indem er zur Musik im Fernsehen und im Radio spielte, lernte jedoch nie das Lesen oder Schreiben konventioneller Notation; stattdessen verwendete er ein selbst entwickeltes Notensystem. Heute spielt der Linkshänder Collins bevorzugt Schlagzeuge der Firma Gretsch sowie Becken der kanadischen Firma Sabian.[5] Er benutzt Toms ohne Resonanzfell, sogenannte Concert Toms.

Collins betätigte sich gerne als Schauspieler und nutzte jede Möglichkeit, um aufzutreten. Im Alter von 14 Jahren besuchte er die Barbara-Speake-Schauspielschule und erhielt dann in der Westend-Produktion Oliver! als Artful Dodger seine erste Hauptrolle.[6] Im Beatles-Film A Hard Day’s Night ist Collins in einer kleinen Nebenrolle zu sehen.[7] Er sprach auch für die Rolle des Romeo im Film Romeo und Julia vor.

Trotz der mehr oder weniger vielversprechenden Anfänge einer Schauspielkarriere konzentrierte sich Collins weiterhin auf die Musik. Während seiner Zeit in der Chiswick Community School gründete er die Schulband The Real Thing und schloss sich später The Freehold an, mit denen er seinen allerersten Song Lying Crying Dying schrieb.[8] Seinen ersten Plattenvertrag erhielt Collins als Schlagzeuger von Flaming Youth. Dem 1969 veröffentlichten und durch die Mondlandung inspirierten Konzeptalbum Ark 2 blieb trotz wohlwollender Plattenkritiken der kommerzielle Erfolg versagt. Zwar kürte der Melody Maker das Werk zum Pop-Album des Monats und beschrieb es als „wunderbar gespielte Musik für Erwachsene mit schönen, dichten Harmonien“[4], doch wurde die Singleauskopplung From Now On im Radio nicht gespielt und die Plattenverkäufe blieben gering. Ein ganzes Jahr lang begab sich die Gruppe auf Tournee und löste sich dann wegen Bandstreitigkeiten und anhaltender Erfolglosigkeit auf.

Karriere bei Genesis

Hauptartikel: Genesis (Band)

1970 beantwortete Collins eine Annonce im Melody Maker, in der „…ein für akustische Musik empfindsamer Schlagzeuger“ gesucht wurde.[4] Die Anzeige stammte von Genesis, die nach zwei Alben nun schon zum vierten Mal einen Schlagzeuger suchten.[9] Das Vorspielen, bei dem Songs vom zweiten Genesis-Album Trespass (1970) gespielt werden sollten, fand in Peter Gabriels Elternhaus statt. Collins traf früher ein und nutzte die Wartezeit, indem er den anderen Kandidaten zuhörte und sich die Stücke gut einprägte.[4]

Die Band entschied sich für Collins, mit dem sie ein Jahr später das Album Nursery Cryme (1971) veröffentlichte. Im Vergleich zu dem eher koloristischen Stil ( Ausschnitt aus Looking for Someone?/i) seines Vorgängers John Mayhew gewann die Gruppe durch Collins’ druckvolle und rhythmische Spielweise viel an musikalischer Prägnanz und Eindeutigkeit. Obwohl er in der Band in den folgenden fünf Jahren in erster Linie Schlagzeuger war und nur gelegentlich Hintergrundgesang beisteuerte, sang er bei zwei Songs die Hauptstimme: For Absent Friends von Nursery Cryme (1971) und More Fool Me von Selling England by the Pound (1973).

Als Brian Eno, der 1974 bei den Arbeiten zu The Lamb Lies Down on Broadway, das Collins als sein Lieblingsalbum von Genesis bezeichnet,[10] für diverse Soundeffekte verantwortlich war, einen Schlagzeuger für sein Album Another Green World benötigte, zeigten sich Genesis für sein Wirken erkenntlich und ließen Collins diese Aufgabe übernehmen.

Nach der folgenden Welt-Tournee verließ Peter Gabriel die Gruppe, um sich einer eigenen Solokarriere zu widmen. Da die Suche nach einem passenden Ersatz erfolglos blieb, wurde Collins die Position des Lead-Sängers überlassen. Die Band engagierte als Schlagzeuger für Live-Auftritte zunächst den ehemaligen Yes- und King-Crimson-Musiker Bill Bruford, danach Chester Thompson, der bei Weather Report und Frank Zappa gespielt hatte. Bei längeren Instrumental-Stücken spielte Collins auf einem zweiten Drum-Set, was Genesis für ihre legendären Schlagzeug-Duette bekannt machte. Das erste Album mit Collins als Lead-Sänger A Trick of the Tail (1976) erreichte die Top 40 der US-Charts und kam in den UK-Charts sogar auf Platz 3. Dazu der Rolling Stone:[11]

„Genesis haben es geschafft, aus der vermeintlichen Katastrophe des Ausstiegs von Gabriel ihren ersten großen Erfolg in Amerika zu machen.“

Gegen Ende der 1970er Jahre begannen Genesis, sich vom Progressive Rock in Richtung Poprock-Musik zu verändern. Auch wenn ihr Album And Then There Were Three (1978) noch Progrock-Elemente enthielt, gelang mit dem Popsong Follow You, Follow Me der Eintritt in die Top 10 der UK-Charts und die Top 40 der US-Charts. Nach dem Billboard-Magazin verloren Genesis in der Zeit mit Collins als Sänger[12]

„… den europäischen Pomp der progressiven Rock-Jahre und legten sich einen Geschmack für amerikanischen Pop und afrikanische Einflüsse zu.“

In den 80er Jahren veröffentlichte die Gruppe mit Duke (1980), Abacab (1981), Genesis (1983) und Invisible Touch (1986) eine ganze Reihe zunehmend erfolgreicher Alben. Auf diesen drängen sich primär rhythmische Funktion erfüllende Synthesizer-Patterns wie in Abacab?/i und an Van Halens Hit Jump?/i erinnernde Keyboard-Hooklines wie im Titel Invisible Touch?/i in den Vordergrund. Auf dem Album Duke ist der erstmalige Einsatz eines Schlagzeugcomputers (Duchess) mit dem für Collins’ Soloalben typischen lateinamerikanisch verfremdeten Drumsound und dem aus In the Air Tonight oder This Must Be Love bekannten E-Piano-Sound zu hören.

Die Band veränderte ihr Konzept, indem Gabriels Theatralik zurückgedrängt und die Kompositionstechnik gestrafft wurde. Zum Wandel der Genesis-Musik äußerte sich Collins gegenüber der Los Angeles Times so:[12]

„Einige unserer Songs bestanden aus Fragmenten und waren nicht so gut konstruiert, wie es hätte sein können. Ich will unser altes Material nicht abwerten, aber die neuen Sachen sind kräftiger, konzentrierter, weniger Stückwerk. Diese Veränderungen haben nichts mit Peters Ausscheiden zu tun. Sie sind einfach ein Teil der Entwicklung unserer Musik.“

Von Invisible Touch erreichte der Titelsong als einziges Genesis-Lied die Nummer eins der US-amerikanischen Billboard Hot 100. 1987 erhielt die Band eine Nominierung zum MTV Video des Jahres für Land of Confusion, einer weiteren Singleauskopplung des Albums; die Auszeichnung wurde dann allerdings an Peter Gabriels Hit Sledgehammer vergeben.

Collins bei einem Genesis-Konzert (1992)

We Can’t Dance (1991) ist das letzte Studioalbum mit Collins als Lead-Sänger, 1996 gab er seinen Abschied von Genesis bekannt, um sich auf seine Solokarriere zu konzentrieren und um mehr Zeit für sein Privatleben zu haben.[13]

Eine Quasi-Wiedervereinigung der Ur-Formation von Genesis fand 1998 für die getrennt eingespielte Neuauflage des Klassikers Carpet Crawlers auf der Kompilation Turn It On Again – The Hits statt. Im neuen Jahrtausend äußerte Collins wiederholt seine Bereitschaft zu einer Wiedervereinigung von Genesis. Diesbezüglich gab er an, dass er es vorzöge, wenn Gabriel den Gesang übernehmen und er selber als Schlagzeuger agieren würde.[14]

Nach zahlreichen Spekulationen über eine Reunion kündigten Collins, Tony Banks und Mike Rutherford am 7. November 2006 auf einer Pressekonferenz eine gemeinsame Welt-Tournee für 2007 an – rechtzeitig zum vierzigjährigen Bandjubiläum.

Schlagzeuger bei Brand X

Von 1976 bis 1980 war Collins auch Schlagzeuger bei Brand X, einer Jazz-Fusion-Band, wo er die Möglichkeit der Improvisation als Ausgleich zu der Arbeit mit Genesis und als Horizonterweiterung nutzte. Hier „rekrutierte“ er den Keyboarder Peter Robinson (früher bei Quatermass), der später auch auf seinem Solo-Album Hello, I Must Be Going zu hören ist. In seine Zeit bei Brand X fällt auch sein erster Gebrauch eines Drumcomputers und seines privaten 8-Spur-Tonbandgeräts, mit dem er zu Hause Demos aufnahm, welche er dann im Tonstudio verwendete.[15] Collins wirkte bei insgesamt sechs Brand X-Alben mit.

Solokarriere

Erste Erfolge Anfang der 1980er

Ein zentrales Thema in Collins’ ersten Kompositionen stellt seine damalige Scheidung dar, auch wenn diese an sich in den Songs nicht erwähnt wird. Die beiden Lieder Please Don’t Ask und Misunderstanding, die er zum Genesis-Album Duke (1980) beisteuerte, handeln von zerbrochenen Beziehungen. Sein erstes Soloalbum Face Value (1981) war laut Collins maßgeblich durch seine Scheidung geprägt,[16] und auf seinem zweiten Album Hello, I Must Be Going! (1982) standen seine Eheprobleme im Mittelpunkt. Bereits seine erste Single In the Air Tonight wurde zu einem weltweiten Hit und hielt sich eine Woche auf Platz 1 der deutschen Charts und weitere fünf Wochen in den Top 10. Für Gesprächsstoff sorgte der düstere Songtext, der zur urban legend führte, dass Collins Zeuge geworden sei, wie ein Mensch durch Ertrinken ums Leben gekommen war. Collins gab dagegen an, selber nicht zu wissen, wovon der Text handele.[17] Schlagzeug-dominierte Songs wie I Don’t Care Anymore und Do You Know, Do You Care? verliehen Collins’ ersten Alben eine verhältnismäßig dunkle Stimmung. Zu Face Value sagte er:[18]

„Ich hatte eine Frau, zwei Kinder, zwei Hunde, und am nächsten Tag hatte ich gar nichts mehr. Viele dieser Songs entstanden, weil ich dieses emotionale Wechselbad durchschritt.“

Der Spiegel konstatierte, dass Collins sich darauf verstehe,[12]

„… eine spannungsgeladene Atmosphäre aufkommen zu lassen, in die sich ein drohender Unterton mischt. Seine undurchsichtigen Songtexte sind befrachtet mit unterschwelligen Verdächtigungen, nahenden Verhängnissen und der Ahnung einer Leidenschaft, die sich so sehr aufgestaut hat, daß sie jeden Moment gewaltsam explodieren kann – obwohl es dann doch nie passiert.“

Dennoch gab es von Collins auch beschwingtere, positiver gestimmte Musik; Behind the Lines auf Face Value z. B. war ein jazziges Remake eines Genesis-Songs, den er mitgeschrieben hatte. Face Value erhielt gute Kritiken und war auch kommerziell erfolgreich und trug somit zur weiteren Profilierung des Künstlers bei.

Das Folgealbum Hello, I Must Be Going! war jedoch in den Augen vieler Kritiker im Großen und Ganzen eine Enttäuschung. Trotz des Nummer-eins-Hits You Can’t Hurry Love, einem Cover der Supremes, konnte es nicht an bisherige Erfolge anknüpfen. Obwohl es keine weiteren Hits hervorbrachte, erreichte es Platz 2 der UK-Album-Charts und war immerhin ein gutes Jahr dort gelistet.

Aufstieg zum Weltstar

Collins’ anhaltender Erfolg als Solokünstler und mit Genesis veranlasste den Rolling Stone 1985, ihm eine Titelstory zu widmen. Im selben Jahr erschien sein erfolgreichstes Album No Jacket Required, auf dem in einigen Songs Backing Vocals von Sting und auch Peter Gabriel zu hören sind. Das Album erreichte umgehend in den USA, Großbritannien und Deutschland Platz eins der Charts und verkaufte sich sogar schneller als Michael Jacksons Thriller. Mit Sussudio, One More Night und der nicht auf dem Album enthaltenen Single Separate Lives, einem Duett mit Marilyn Martin, verzeichnete er drei Nummer-eins-Hits in den USA, was in diesem Jahr keinem anderen Künstler gelang.[19] No Jacket Required wurde mit dem Grammy als Album des Jahres ausgezeichnet. Dennoch wurden Stimmen laut, dass das Album trotz aller euphorischer Kritiken und zahlreicher Plattenverkäufe zu glatt und seicht produziert worden wäre. Kritik kam auch an der Single Sussudio auf, wegen der starken Ähnlichkeit mit dem Song 1999 von Prince, was Collins durchaus nicht abstritt.[16]

1989 folgte mit …But Seriously ein weiteres erfolgreiches Album. Die Auskopplung Another Day in Paradise, die Collins gemeinsam mit David Crosby aufgenommen hatte, erbrachte ihm 1990 einen Grammy für die Platte des Jahres. Another Day in Paradise erreichte Ende 1989 Platz 1 der US-Charts und war somit der letzte Nummer-eins-Hit der 1980er Jahre. Weitere Hits waren Something Happened on the Way to Heaven, Do You Remember? und I Wish It Would Rain Down, bei dem sein langjähriger Freund Eric Clapton die Gitarre spielte. Mit seinen Liedern über Apartheid (Colours), Obdachlosigkeit (Another Day in Paradise) und Jugendkriminalität (Heat On The Street)[20] äußerte sich Collins erstmals zu politischen Themen, was sich auf seinen weiteren Alben fortsetzte. Sein erstes Live-Album Serious Hits… Live! erschien 1990.

Nachlassender Erfolg in den 1990ern

Phil Collins bei Umbria Jazz in Perugia (1996)

Das 1993 veröffentlichte Album Both Sides war kein großer Verkaufsschlager. Collins hatte auf den Einsatz von Studiomusikern verzichtet, da die Songs „so persönlich und privat geworden sind, dass ich niemand anderen daran arbeiten lassen wollte.“[4] Er spielte sämtliche Instrumente selbst ein (wobei er für Gitarre und Bass Samplings benutzte) und verwendete Gesangsaufnahmen aus seinem Heimstudio für die Produktion von Both Sides. Die Kritiken auf das introvertierte, mit nur wenigen Uptempo-Stücken versehene Album waren eher verhalten. Die beiden Single-Auskopplungen Both Sides of the Story und das Radio-freundlichere Everyday erreichten bei weitem nicht den Erfolg von Collins-Songs der 1980er.

1996 versuchte Collins eine Rückkehr zur eingängigen Popmusik mit Dance into the Light, über welches das Magazin Entertainment Weekly schrieb:

„Selbst Phil Collins muss wissen, dass wir alle Phil Collins’ überdrüssig geworden sind.“

Kleinere Erfolge waren der Titelsong und das Beatles-inspirierte It’s in Your Eyes. Obwohl das Album in den Vereinigten Staaten vergoldet wurde, verkaufte es sich bedeutend schlechter als seine bisherigen Alben. Lediglich der Titelsong wurde 1998 in Collins’ erste Kompilation …Hits aufgenommen. Dennoch war Collins ein weiterhin beliebter Livemusiker, wie die ausverkauften Arenen der nachfolgenden Welt-Tournee A Trip into the Light zeigten.

Der einzige neue Song auf der Kompilation …Hits war eine Coverversion von Cyndi Laupers True Colors, die sich in den AC-Charts großer Beliebtheit erfreute und dort bis auf Platz 2 vorrückte.[21]

Anschließend gründete er das Seitenprojekt der Phil Collins Big Band, mit der er als reiner Schlagzeuger Jazz-Interpretationen seiner eigenen und Genesis-Songs spielte. Im Rahmen einer Konzertreise trat die Phil Collins Big Band 1998 auch auf dem Montreux Jazz Festival auf. 1999 wurde A Hot Night in Paris mit Aufnahmen aus der Tour veröffentlicht, darunter die Big Band-Versionen von Invisible Touch, Sussudio, Against All Odds und die eigenwillige Los Endos Suite, ursprünglich ein Song aus der Progrock-Ära von Genesis.

Collins im neuen Jahrtausend

Collins konnte mit seinem aktuellen Studioalbum Testify (2002) in den US-amerikanischen und britischen Alben-Charts keine größeren Erfolge erzielen, in den USA wurden lediglich 140.000 Exemplare verkauft. Can’t Stop Loving You (ein Leo-Sayer-Coversong) und Come with Me (Lullaby) erreichten immerhin in den AC-Charts höhere Platzierungen. Auf der Internetseite metacritics.com stand Testify Ende 2006 auf Platz 4 der am schlechtesten bewerteten Alben.[22]

2002 stellte Collins den teilweisen Verlust seiner Hörempfindlichkeit auf dem linken Ohr fest[23] und kündigte ein Jahr später seine letzte Solo-Tournee an:[24]

„Aber obwohl mir das Touren noch immer Spaß macht, höre ich damit auf, um mehr als das zu tun. […] Und ich werde wieder ein Album aufnehmen, weil der Druck weg ist, damit auf Tour gehen zu müssen. Ich werde quasi so weiter machen wie bisher, aber ich werde mehr von zu Hause aus machen.“

Er nannte sie die First Final Farewell Tour, ein ironischer Seitenhieb auf die sich mehrfach wiederholenden „Abschieds“-Tourneen anderer populärer Künstler. Collins wollte ein letztes Mal auf große Welt-Tournee gehen, um sich danach mehr seiner Familie zu widmen. Nach der Trennung von seiner dritten Ehefrau Orianne 2006 entschied er sich, an der Genesis-Tournee 2007 teilzunehmen, nannte diese Tour aber lediglich a selection of shows (eine Auswahl von Shows), womit er selbstironisch die Widersprüche zu seinem vorherigen Rücktritt auflöste.

Im Oktober 2009 gab Collins das Ende seiner Live-Karriere bekannt. Nach einer Halswirbeloperation im April 2009 hat der Schlagzeuger Taubheitsgefühle in den Händen, die dazu führen, dass dieser kein Schlagzeug mehr spielen kann solange sich diese Symptome nicht zurückbilden.[25]

Am 10. September 2010 veröffentlichte Atlantic Records das 8. Studioalbum von Phil Collins mit dem Titel Going Back in Deutschland, welches in der Special Edition insgesamt 29 Coverversionen bekannter Motowntitel enthält. Nach Aussagen Phil Collins war das Projekt stets von der Nostalgie der 1960er Jahre geprägt, weswegen das Album den typischen Motown-Sound 1:1 adaptiert und Originaltreue beweist. Vier exklusive Konzerte gab es im Voraus im Juni.[26] Vorab erschien die Single (Love is like a) Heatwave. Dabei handelt es sich um eine Adaption des 1963er-Hits Heatwave von Martha & the Vandellas, Urheber Holland-Dozier-Holland. Auf dem Album haben drei Mitglieder der Funk Brothers mitgewirkt.[27]

Seit dem Herbst 2010 ist Phil in Trailern beim TV-Sender SAT.1 zu sehen.

Am 9. März 2011 gab Phil das Ende seiner musikalischen Karriere bekannt. Nach einem Ruhestand-Dementi seines Sprechers meldete sich der Engländer auf seiner Internetseite persönlich zu Wort. "Ich möchte erneut versuchen, meine Gründe dafür zu erklären, warum ich Schluss mache“, schrieb Collins seinen Fans. „Ich höre auf, damit ich meinen zwei jungen Söhnen täglich rund um die Uhr ein Vater sein kann.“ Dies widerspricht auch den zuvor in den Medien verbreiteten Meldungen, er würde aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten.

Collins zeigte sich verwundert über den Artikel in dem englischen Männermagazin „FHM“, der am Wochenende zuvor die Rücktrittsberichte ausgelöst hatte. "Er habe in den vergangenen Monaten mit keinem Pressevertreter gesprochen", schrieb Collins weiter. Der einstige Genesis-Frontmann zeigte sich unzufrieden mit seiner Darstellung in den Medien und wollte das Bild in seinem Brief geraderücken. Er ziehe sich nicht wegen schlechter Kritiken oder mangelnder Unterstützung durch die Fans zurück: „Ich weiß, dass ich immer noch eine sehr große Fanbasis habe, die liebt, was ich tue.“ Collins wies auch die Darstellung zurück, er sei seiner Ansicht nach im Musikgeschäft ein Außenseiter. Sein aktuelles Album „Going Back“ habe in Großbritannien die Spitze der Charts erreicht und sich weltweit unglaublich gut verkauft.

Phil betonte, besagte Äußerungen seien leichthin in Interviews gefallen und hätten niemals zu Schlagzeilen getaugt. „In der Folge habe ich mich angehört wie ein gepeinigter Spinner ..., der sich selbst sehr leidtut und der sich verletzt durch die schlechte Presse der Jahre zur Ruhe setzt“, entschuldigte sich Collins. „Nichts davon ist wahr.“

Arbeit als Produzent und Gastmusiker

Collins war für verschiedene namhafte Künstler als Musikproduzent tätig.

Die ABBA-Sängerin Frida, die sich gerade von ihrem Ehemann Benny Andersson getrennt hatte, war stark von der Emotionalität in Collins’ Solo-Arbeiten beeindruckt und bat ihn daher um seine Mitarbeit an ihrem Debüt-Album. Collins übernahm die Produktion und auch das Schlagzeugspiel auf dem Album Something’s Going On (1982). Als Auskopplung erschien der von Russ Ballard geschriebene Smash-Hit I Know There’s Something Going On. Das Duett von Collins und Frida Here We’ll Stay wurde in einer Edit-Version ohne Collins als weitere Single veröffentlicht.

Mit der Produktion von Philip Baileys Solo-Debütalbum Chinese Wall erregte Collins 1984 erneut Aufmerksamkeit. Die im Duett gesungene Single Easy Lover erreichte Platz 2 der US-Charts und führte vier Wochen lang die UK-Charts an.

Eric Clapton (2005), für den Collins zwei Alben produzierte

Ende 1984 beteiligte sich Collins an Bob Geldofs Band-Aid-Projekt und spielte auf der Single Do They Know It's Christmas? das Schlagzeug. Im selben Jahr produzierte er Howard Jones’ Single No One Is to Blame des Albums Dream into Action neu und betätigte sich dabei auch als Schlagzeuger und Background-Sänger. Collins trommelte auch auf Alben von Robert Plant und Tina Turner und produzierte Eric Claptons Alben Behind the Sun und August. Des Weiteren wirkte er auch als Mitproduzent und Schlagzeuger an den Songs Puss’n Boots und Strip von Adam Ant und an Woman in Chains von Tears for Fears mit.

Auf der 1998 erschienenen CD In my life von George Martin interpretierte er in einem Medley mehrere Beatles-Coverversionen.

Für Lil’ Kims Remake von In the Air Tonight auf dem Phil-Collins-Tribute-Album Urban Renewal Featuring the Songs of Phil Collins (2001) sang Collins den Refrain neu ein. Das Gleiche tat er im selben Jahr für das Remake von Take Me Home der Hip-Hop-Gruppe Bone Thugs-N-Harmony auf dem Album Thug World Order.

Auch für Liveauftritte ist Collins ein begehrter Gastmusiker. 1985 lud Bob Geldof ihn ein, bei seinem Wohltätigkeitskonzert Live Aid aufzutreten, das sowohl im Wembley-Stadion in England als auch im JFK-Stadion in Philadelphia, USA stattfand. Collins nahm an beiden Veranstaltungsorten teil. In London trat er zusammen mit Sting auf, anschließend flog er mit der Concorde nach New York und per Helikopter weiter nach Philadelphia. Dort übernahm er zusammen mit Tony Thompson (Chic) beim Auftritt von Led Zeppelin teilweise den Part des 1980 verstorbenen Schlagzeugers John Bonham und spielte zudem Schlagzeug für Eric Clapton.

Bei den Festivitäten zum Goldenen Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. 2002 war Collins Teil der „Hausband“ und begleitete Paul McCartney, Ozzy Osbourne und Cliff Richard am Schlagzeug.

Filmmusik

Collins’ Wirken im Filmbereich besteht überwiegend aus musikalischen Beiträgen. Vier seiner insgesamt sieben Nummer-eins-Hits in den Vereinigten Staaten stammen aus Film-Soundtracks. Für seine Kompositionsarbeit am Disney-Film Tarzan erhielt er sogar einen Oscar.

Collins sang Against All Odds (Take a Look at Me Now) als Titelsong für den Kinofilm Gegen jede Chance (1984). Er wählte dafür ein Lied, das er bei den Aufnahmen zu Face Value geschrieben hatte, und das den Arbeitstitel How Can You Sit There? trug. Die hochemotionale Ballade kam sofort auf Platz 2 der UK-Charts und auf Platz 1 der US-Charts und wurde zu einem echten Collins-Klassiker. Viele Kritiker sehen in ihr den Anfang von Collins’ Entwicklung weg vom düsteren und dramatischen Material früherer Tage hin zu einem Synthie-Pop-orientierten, Radio-freundlichen Stil. Against All Odds wurde 1985 mit dem Grammy für die Beste männliche Gesangsdarbietung – Pop ausgezeichnet und erhielt 1984 auch eine Oscar-Nominierung in der Kategorie Bester Song. Allerdings bekam Collins als einziger Kandidat in dieser Kategorie keine Einladung, sein Lied bei der Oscarverleihung auf der Bühne zu singen. Es wird angenommen, dass die Academy trotz der Nominierung nicht genau wusste, wer er eigentlich war. In einer Mitteilung an Collins’ Plattenfirma begründete der Co-Produzent der Fernsehübertragung Larry Gelbart die unterbliebene Einladung folgendermaßen: „Vielen Dank für Ihren Hinweis Phil Cooper [sic!] betreffend. Die Plätze sind leider schon vergeben worden.“ Collins, der im Publikum saß, nachdem er seine Tournee extra um diesen Abend herum geplant hatte, musste stattdessen zusehen, wie die Tänzerin Ann Reinking ihre Lippen zu seinem Lied bewegte (Bronson, S. 586).[16] Seine von den Fernsehkameras eingefangene entsetzte Reaktion gehört zu den wohl denkwürdig heikelsten Momenten in der Geschichte der Oscar-Preisverleihung. Noch Jahre später kündigte er den Song bei seinen Konzerten mit den Worten an: „Miss Ann Reinking ist heute abend nicht da, also glaube ich, dass ich mein eigenes Lied selber singen muss.“ Der Oscar ging schließlich an Stevie Wonders I Just Called to Say I Love You. Erst 1998 erschien Against All Odds (Take a Look at Me Now) auf einem Collins-Album, als Bestandteil der Kompilation …Hits.

Collins sang Separate Lives für den Film White Nights – Die Nacht der Entscheidung (1985). Das Duett mit Marilyn Martin war ein weiterer Nummer-eins-Hit für Collins in den USA. Der Komponist Stephen Bishop wurde für den Oscar nominiert, den er dann für Say You, Say Me von Lionel Richie aus demselben Film erhielt. Eine weitere Oscar-Nominierung für Collins folgte 1989 für Two Hearts aus dem Streifen Buster, in dem er auch Hauptdarsteller war.

Collins schrieb den Soundtrack zum Disney-Trickfilm Tarzan. Für seine europäischen Fans entschied er sich, die deutschen, italienischen, spanischen und französischen Versionen des Soundtracks zwar nicht eigenhändig zu übersetzen, sie jedoch selbst für diese vier Länder neu zu singen, was ihm positive Kritik, vor allem in Deutschland, einbrachte. Er gewann einen Oscar in der Kategorie Bester Song für You’ll Be in My Heart. Der Tarzan-Soundtrack kam in die Top Ten der USA, die Single You’ll Be in My Heart, die Collins bei der Preisverleihung und in der Halbzeitpause des Super Bowl sang, war nach fünf Jahren der erste Collins-Song, der wieder die Top 40 erreichte und in der spanischen Version auch der erste und einzige Titel von Collins, der in die Billboard’s Hot Latin Tracks kam.[21] 2003 engagierte Disney ihn zusammen mit Tina Turner für den Soundtrack zu Bärenbrüder, dessen Auskopplung Look Through My Eyes öfter im Radio gespielt wurde. Die Zusammenarbeit mit Disney fand 2005 eine Fortsetzung, als das Lied Welcome anlässlich des fünfzigjährigen Jubiläums von Disneyland zum Titelthema für die Walt Disney’s Parade of Dreams wurde. Im selben Jahr erschien Tarzan 2 auf DVD, zu dem er erneut Filmmusik und zwei kurze Gesangsstücke schrieb. 2006 feierte Tarzan sein Debüt als Broadway-Musical, dem Collins elf neue Lieder und Instrumentalstücke beigesteuert, und an dessen Produktion er sich stark beteiligt hatte. Im April 2007 feierte das Musical in den Niederlanden Premiere. Im Oktober 2008 erfolgt die Musical-Premiere in Hamburg.

Der Collins-Song Sussudio und das Genesis-Stück In Too Deep waren im Thriller American Psycho (2000) zu hören, und in der Romanvorlage hält der Serienmörder Patrick Bateman einen ausgedehnten Monolog, wie sehr er Collins’ Werke schätzt.

Schauspielkarriere

Collins’ Karriere als Schauspieler nimmt im Verhältnis zu seiner Gesamtkarriere nur einen kleinen Teil ein. Als Kind trat er in drei Filmen auf, von denen er in zwei lediglich eine Statistenrolle einnahm. Seine erste TV-Hauptrolle erhielt Collins in Calamity the Cow (1967).[28]

Mit Buster, einem Kinofilm über den Großen Postzugraub in England, kam Collins 1988 zu seiner ersten Filmrolle seit Beginn seiner Musikerkarriere. Der Filmkritiker Roger Ebert schrieb, dass Collins die Rolle des Buster Edwards „mit überraschender Effektivität“ spielte; dennoch war der Soundtrack zum Film erfolgreicher als der Film selbst, und die drei Singleauskopplungen platzierten sich weit oben in den Hitparaden: Das gemeinsam mit Lamont Dozier (vom Songwriter- und Produzententeam Holland–Dozier–Holland) geschriebene Two Hearts, A Groovy Kind of Love (im Original von den Mindbenders) und das von Collins und Dozier komponierte und von den Four Tops gesungene Loco in Acapulco.

In Steven Spielbergs Hook (1991) und dem Fernsehfilm …und das Leben geht weiter (1993) ist Collins jeweils in einer kleinen Nebenrolle zu sehen. 1993 verkörperte Collins in seiner bislang letzten Hauptrolle den Versicherungsvertreter Roland Copping in der schwarzen Komödie Frauds (deutscher Titel: Ein schräger Vogel). Er war außerdem Synchronsprecher in den Trickfilmen Balto – Ein Hund mit dem Herzen eines Helden (1995) und Dschungelbuch 2 (2003).

Ein lange geplantes, aber nie verwirklichtes Projekt war ein Film mit dem Arbeitstitel Die drei Bären, den er gerne zusammen mit Danny DeVito und Bob Hoskins gedreht hätte. Collins erwähnte dieses Projekt häufiger, aber ein geeignetes Drehbuch kam nicht zustande.[29]

Im Fernsehen war er zweimal Gastgeber bei den Billboard Music Awards. 1986 war Phil Collins in einer Folge von Miami Vice (Phil the Shill, deutscher Titel: Phils Tricks) zu sehen. Er spielt dort einen kleinen Betrüger, der am Ende ungeschoren davonkommt. Den Song Life Is a Rat Race aus dieser Folge steuerte Collins selbst bei. Er war auch einige Male in der britischen Comedy-Sendung The Two Ronnies zu Gast und hatte einen Cameo-Auftritt in der Sitcom Whoopi sowie 2006 im PSP-Spiel Grand Theft Auto: Vice City Stories.

Begleitmusiker

Daryl Stuermer bei einem Phil Collins-Konzert in Düsseldorf (2005)

Im Laufe der Jahre hat sich ein relativ fester Stamm von renommierten Studio- und Live-Musikern herausgebildet, mit denen Collins zusammenarbeitet. So sind die Genesis-Tour-Musiker Chester Thompson (Schlagzeug) und Daryl Stuermer (Gitarre) ebenfalls dauerhafter Bestandteil seiner Liveband, mit letzterem hat Collins auch einige Songs co-komponiert. Lediglich die Tourneen zu Both Sides und Dance into the Light wurden von Ricky Lawson an den Drums begleitet. Sein Jugendfreund Ronnie Caryl, mit dem er schon in den 1960ern bei Flaming Youth zusammenspielte, füllt die Position des Rhythmusgitarristen aus. Seine bevorzugten Bassgitarristen sind Nathan East und Leland Sklar. Mit der EWF-Bläsersektion (die dann als Phoenix Horns bekannt wurden) arbeitete Collins während der gesamten 1980er Jahre zusammen.

Auf seinen Studioalben haben diverse Größen der Rock- und Popszene als Gastmusiker mitgewirkt, darunter Eric Clapton, Sting, Peter Gabriel, David Crosby, Pino Palladino, Steve Winwood, Dominic Miller, Greg Phillinganes und Babyface.

Familie

Collins war von 1975 bis 1980 mit Andrea Bertorelli verheiratet, die er in einem Schauspielkurs in London kennengelernt hatte.[30] Aus dieser Ehe stammt Sohn Simon (* 1976), der ebenfalls als Musiker tätig ist und mit Pride im Jahre 2000 sogar eine europaweite Hitsingle landen konnte.[31] Bertorellis Tochter Joely (* 1973) wurde später von Collins adoptiert und ist heute eine kanadische Schauspielerin. Nach der Scheidung verarbeitete Collins seine Bitterkeit in seinem Hit In the Air Tonight.

Mit seiner zweiten Ehefrau, Jill Tavelman, mit der er von 1984 bis 1996 verheiratet war, hat Collins eine Tochter, Lily Collins (* 18. März 1989).

Nach der Scheidung von Tavelman bezog Collins 1997 eine Villa in Begnins am Genfersee, wo er 1999 Orianne Cevey heiratete. Das Paar war zuvor bereits fünf Jahre liiert. Sie bekamen zwei Söhne, die 2001 und 2004 geboren wurden. Ab Anfang des Jahres 2006 lebten Collins und Cevey getrennt. Am 18. August 2008 wurde auch diese Ehe geschieden. Collins zahlte für diese Scheidung die Rekordsumme von 25 Millionen Pfund. [32] Heute sagt er: „Orianne und ich lieben uns immer noch. Und ich weiß nicht, warum wir uns haben scheiden lassen.“ [33] Seit 2008 ist Collins mit der New Yorker Nachrichtensprecherin Dana Tyler liiert. Heiraten will er allerdings nicht mehr. [34]

Musikalischer Stil

Collins war als Jugendlicher Buddy Rich und dem jazzigen Mahavishnu Orchestra zugetan, was sein Schlagzeugspiel nachhaltig beeinflusste. Er gilt als exzellenter Schlagzeuger. Zwar findet sein Schaffen als Popsänger und Komponist mitunter kontroverse und zwiespältige Resonanz,[35] jedoch wird seine abwechslungsreiche, komplexe und technisch anspruchsvolle Spieltechnik am Schlagzeug[36] und vor allem seine Fähigkeit, auch bei „krummen“ Takten (wie z. B. in Apocalypse in 9/8?/i des Genesis-Stücks Supper’s Ready) seinen Groove beizubehalten von Fans und Kritikern gleichermaßen geschätzt. Sein unverwechselbar „wuchtig“-dynamischer, aber trotzdem melodischer Stil und sein auf dem Album Peter Gabriel III (1980) entwickelter und danach häufig kopierter Drumstil, welcher von Hall-, Lautstärke- und Kompressionseffekten und einem plötzlichen Abschneiden des Halls sowie einer zeitlichen Umkehr des akustischen Ereignisses (gated-reverb) gekennzeichnet ist[37] haben eine ganze Generation von Schlagzeugern und die Popmusik der 1980er Jahre geprägt.[12]

Collins kommerzieller Erfolg als Solokünstler gründet sich auf der geschickten Kombination von eingängigen Balladen (One More Night, Another Day in Paradise, Against All Odds (Take a Look at Me Now), Do You Remember?) und Up-Tempo-Titeln wie Sussudio oder Easy Lover. Der New Musical Express meinte, dass seine Musik als „…Blaupause für einen neuen europäischen Oberliga-Pop diene.“[12]

So beruht der Refrain von One More Night mit dem dreimaligen Wechsel zwischen Dominante und Tonika und den Mollakkorden der zweiten und sechsten Stufe auf einfachen musikalischen Kadenzwendungen. Der warme Klang des DX7-E-Pianos bildet zusammen mit den dezenten TR-808-Percussions den gefühlsseligen Rahmen für Collins’ Gesang.

In Up-Tempo-Songs wie Sussudio formen ein trockenes durch E-Drums ergänztes Schlagzeug und ein im Funkstil gespielter Keyboard-Bass?/i, sowie primär rhythmische Funktionen erfüllende Keyboardeinwürfe die Basis für die den Song vorwärtstreibenden Bläserriffs. Diese von den Phenix Horns gespielten Parts bestechen durch Präzision und bewusste leichte rhythmische Verschobenheiten der im Unisono und im Quartsabstand spielenden Bläser gegeneinander.[38]

Abseits dieser beiden „Erfolgsrezepte“ hat Collins sich mit diversen Aufnahmen in historischen Rockgenres erfolgreich bewegt. Seine Aufnahmen von Titeln wie dem psychedelischen Beatles-Remake Tomorrow Never Knows, dem von Claptons E-Gitarre getragenen I Wish It Would Rain Down, in den von Jazz bzw. Jazzrock beeinflussten Instrumentalstücken The West Side und Saturday Night and Sunday Morning sowie das herb wirkende, auf leeren Quinten aufbauende The Roof Is Leaking decken ein breites stilistisches Spektrum ab. Bei Songs wie Two Hearts, Heat on the Street und speziell dem Supremes-Cover You Can’t Hurry Love finden sich immer wieder Bezüge zur Motown-Musik[39], und bei Colours, Lorenzo oder Wear My Hat ( Schlagzeug, Perkussion und Bass aus Wear My Hat?/i) dominieren afrikanische und lateinamerikanische Rhythmen.

Sonstiges

Diskografie

Hauptartikel: Phil Collins/Diskografie

Filmografie

Musicals

  • 2006: Tarzan (New York City, USA)
  • 2008: Tarzan (Hamburg, Deutschland)

Auszeichnungen

Ivor Novello Award
  • 2008: Größter internationaler Erfolg
Grammy Awards
American Music Awards
  • 1991: Bestes Album (Pop/Rock) (…But Seriously), Bester Männlicher Künstler (Pop/Rock) (…But Seriously)
  • 2000: Bester Künstler (zeitgenössisch) (Tarzan-Soundtrack)
Oscar
Golden Globe Award
  • 1989: Bester Filmsong (Two Hearts aus Buster), zusammen mit Lamont Dozier, geteilt mit Let the River Run aus Working Girl von Carly Simon
  • 2000: Bester Filmsong (You’ll Be in My Heart aus Disney’s Tarzan)
Disney-Legend
Brit Awards
  • 1990: Best British Male Solo Artist, Best British Single für Another Day in Paradise
  • 1989: Best British Male Solo Artist
  • 1986: Best British Album No Jacket Required, Best British Male Solo Artist
ECHO
  • 1991: Künstler international
  • 2011: Künstler international
Deutscher Radiopreis
  • 2010: Sonderpreis des Beirats beim Deutschen Radiopreis[41]

Literatur

  • Johnny Waller: The Phil Collins Story. Zomba Books, 1985, ISBN 0-946391-78-5.
  • Isabell Ottermann: Phil Collins live…. edel Company, 1990, ISBN 3-927801-10-0.
  • Phil Collins: Phil Collins Anthology. Hal Leonard Publishing, 2001, ISBN 0-634-02064-1.
  • Andrew Renton, Caoimhin Mac Giolla Leith, Mitrovi Sinisa: Phil Collins – I Only Want You to Love Me. Photoworks, 2007, ISBN 1-903796-09-1.
  • Ray Coleman: Phil Collins: The Definitive Biography. Simon & Schuster Ltd., London 1997, ISBN 0-684-81784-5.

Einzelnachweise

  1. Atlantic Records: Phil Collins Bio. November 2002.
  2. http://www.focus.de/kultur/musik/popmusik-phil-collins-hoert-auf_aid_606117.html
  3. http://unterhaltung.t-online.de/phil-collins-will-seine-karriere-beenden/id_44783060/index
  4. a b c d e Ray Coleman: Phil Collins: The Definitive Biography. Simon & Schuster Ltd., London 1997, ISBN 0-684-81784-5.
  5. Interview mit Collins in der Zeitschrift Sticks im Februar 1998.
  6. genesis-music.com.
  7. The Beatles – The Making of A Hard Day’s Night auf www.movies.yahoo.com.
  8. Philip David Charles Collins – The Early Years auf www.philcollins.co.uk.
  9. Genesis-Biographie auf billboard.com.
  10. Frage: „On a more positive front then, what about the favourite albums that you did?“ Collins: „I think The Lamb because The Lambs got a lot of music. You can’t listen to it all in one go, well I can’t but the fans do, but there is a lot of music that was improvised and I couldn’t tell you what was going to happen next unless I listened to it three or four times. So in terms of listening to something and being surprised by it I think The Lamb would be my favourite. It might be the way it was recorded, it was a little rougher audio-wise.“ Vgl. www.genesis-music.com.
  11. Albumreview von Kris Nicholson aus dem Jahr 1976 auf www.rollingstone.com.
  12. a b c d e Barry Graves, Siegfried Schmidt-Joos, Bernhard Halbscheffel: Das neue Rocklexikon – Teil 1. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Hamburg 1988, ISBN 3-499-16320-9, S. 208f.
  13. Philip David Charles Collins – The Solo Success auf www.philcollins.co.uk.
  14. Phil Collins im Interview mit Jessica Schwarz. Auf: zdf.de, 7. Dezember 2002.
  15. Über Brand X. Auf www.philcollins.co.uk.
  16. a b c F. Bronson: The Billboard Book of Number One Hits. Billboard Books, New York 1997.
  17. snopes.com.
  18. D. Thompson: Turn It On Again: Peter Gabriel, Phil Collins, and Genesis. Back Beat Books, San Francisco 2004, S. 181.
  19. J. Whitburn: The Billboard Book of Top 40 Hits. Billboard Books, New York 2000, S. 143f.
  20. Vgl. die Songtexte von …But Seriously auf magistrix.de.
  21. a b Billboard.com.
  22. metacritics.com.
  23. Famous baby boomers with significant hearing loss and/or tinnitus auf www.hear-it.org.
  24. Aus einem Interview vom 11. Juni 2004 im Backstage-Bereich der Berliner Waldbühne auf genesis-fanclub.de.
  25. Phil Collins im Interview mit dem Hamburger Abendblatt auf http://www.abendblatt.de am 19.Oktober 2009 anlässlich des einjährigen Jubiläums des Musicals Tarzan in Hamburg.
  26. [1]
  27. Phil Collins präsentiert neue Single
  28. imdb.com.
  29. Collins-Interview mit dem Penthouse 1993 auf philcollins.co.uk
  30. Collins-Artikel in Radio Times auf philcollins.co.uk
  31. Biographie von Simon Collins auf www.maplemusic.com
  32. NZZ: abgerufen am 18. August 2008
  33. kulturnews.de: abgerufen am 19. Oktober 2010
  34. kulturnews.de: abgerufen am 19. Oktober 2010
  35. David Browne in Entertainment Weekly 1996 zu Dance into the Light: „…even Phil Collins must know that we all grew weary of Phil Collins.“ auf www.ew.com.
  36. Drumduett mit Chester Thompson als MP3-Datei auf drummerworld.com
  37. Classic Tracks: Phil Collins’ „In the Air Tonight“.
  38. Magic of Earth, Wind and Fire’s brass section, great melodic songs and Collins’ soul-tinged vocals added up to potent package. in The New Illustrated Rock Handbook. Salamander Books Ltd., London 1986, ISBN 0-86101-248-8, S. 48.
  39. Aus der Berliner Morgenpost vom 13. Juni 2004: „Collins liebt das Beständige, das Gewachsene, das Gewohnte. Wozu Experimente? Er ist so sehr Mainstream, wie es seine Idole der Stax- und Motown-Soul-Ära einmal waren.“ Auf www.morgenpost.de.
  40. News auf philcollinsfansite.com.
  41. Website des Deutschen Radiopreises

Chartquellen: DE AT CH UK US

Weblinks

 Commons: Phil Collins – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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