Physikolympiade


Physikolympiade
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Die Internationale Physikolympiade (engl. International Physics Olympiad, IPhO) ist ein internationaler Wettbewerb für Schüler, bei dem es um das Lösen anspruchsvoller theoretischer und experimenteller physikalischer Aufgaben unter Klausurbedingungen geht. Die IPhO findet jährlich statt und wird abwechselnd in verschiedenen Teilnehmerländern ausgetragen.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Die Internationale Physikolympiade findet jeweils im Sommer im jeweiligen Gastgeberland statt. Eine Olympiade dauert typischerweise neun bis zehn Tage. An zwei Tagen davon relativ zu Beginn finden die beiden Prüfungen statt, die zuvor in die jeweilige Muttersprache übersetzt werden. Die Schüler müssen in Einzelarbeit die theoretischen und praktischen Aufgaben in jeweils fünf Stunden bearbeiten. Die Aufgaben werden vom Gastgeberland lange im Voraus sehr sorgfältig erstellt, dass sie sowohl ansprechend als auch anspruchsvoll sind.

In den folgenden Tagen werden die Aufgaben von der Jury der Gastgeber wie auch von den Betreuern korrigiert, und in einer Diskussion über die endgültige Punktwertung entschieden, so dass die Ergebnisse bis zum Ende feststehen. Die Schüler erwartet während dieser Zeit ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Ausflügen und Veranstaltungen. Dazu gehören kulturelle Programmpunkte, der Besuch wichtiger Sehenswürdigkeiten so wie interessante Vorträge von oftmals namhaften Wissenschaftlern. Ein wichtiger Aspekt sind auch die Begegnungen und Aktionen der Schüler untereinander.

Die Olympiade wird i.d.R. an Universitäten durchgeführt, wo genügend Platz für die vielen hundert Teilnehmer und Begleiter ist. Organisiert wurden die Olympiaden teilweise durch Bildungseinrichtungen selbst (z. B. 1975 durch die Pädagogische Hochschule in Güstrow oder 1987 durch die Harrow School), teilweise durch staatliche Stellen.

Teilnehmer

Jedes teilnehmende Land (z. Z. sind es mehr als 80) entsendet ein Team von höchstens fünf Schülern, begleitet von zwei Betreuern. Das Team darf von weiteren Personen (Beobachter, Besucher) begleitet werden. Die Schüler dürfen am 30. Juni des Austragungsjahres das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Vorbereitung

Die IPhO verlangt von den Schülern Kenntnisse und Fertigkeiten, die in der Schule nicht derart ausführlich vermittelt werden. Um im Wettbewerb erfolgreich zu sein, ist eine zusätzliche Vorbereitung nötig. Die meisten Teilnehmer trainieren zuvor zumindest mit Aufgaben der vergangenen Jahre und mit Fachliteratur.

In einigen – jedoch nicht in allen – Teilnehmerländern gibt es außerdem ein spezielles Vorbereitungsprogramm für die Schüler. In manchen Ländern gibt es Vorbereitungsseminare über wenige Tage, in anderen sogar bis hin zu mehreren Monaten. Dabei werden manche Teams bereits vor dem Training selektiert, andere erst im Laufe dessen.

In Deutschland gibt es ein dreitägiges Experimentalpraktikum für die Mannschaft, das jeweils im Juni in Heide (Schleswig-Holstein) stattfindet. Während des Praktikums werden Experimente in verschiedenen Stationen aufgebaut, die dann von den Schülern durchgeführt und ausgewertet werden dürfen.

Deutsches Auswahlverfahren

Logo des deutschen Auswahlverfahrens zur IPhO seit 2008

Das deutsche Team wird in einem vierstufigen Wettbewerb[1] ermittelt, der vom Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) ausgetragen wird. Aktuelle Informationen sowie Aufgaben der ersten Auswahlrunde finden sich auf http://www.ipho.de. Alle Runden werden bundesweit durchgeführt.

1. Runde

Die erste Auswahlrunde findet im Jahr vor der Olympiade von Mai bis Juli statt. Es werden vier Aufgaben aus der klassischen Physik gestellt, die in vielen Schulen öffentlich aushängen. Die Aufgaben dürfen von einzelnen Schülern in Hausarbeit gelöst werden und werden vom Fachlehrer korrigiert. Jedes Jahr nehmen etwa 300-400 Schüler[2] an der ersten Runde teil.

2. Runde

Die zweite Auswahlrunde findet ab September ebenfalls als Hausarbeit statt. Teilnehmen dürfen die Preisträger der ersten Runde sowie erfolgreiche Schüler einiger anderer naturwissenschaftlicher Wettbewerbe. Die Aufgaben der zweiten Runde sind erheblich schwieriger als die der ersten und gehen auch zum Teil recht weit über den Schulstoff hinaus. In etwa 100 Schüler senden jährlich Lösungen zur zweiten Runde ein.

3. Runde

Die 50 besten Teilnehmer der ersten Runden werden zum Auswahlseminar der 3. Runde eingeladen. Während des einwöchigen Seminares Ende Januar werden vier mehrstündige Auswahlklausuren geschrieben und Seminare zur Vertiefung der physikalischen Kenntnisse abgehalten. Mindestens ebenso lehrreich ist auch das gemeinsame Knobeln zusammen mit den anderen Teilnehmern. Weiterhin finden verschiedene Exkursionen statt, wie z.B. ein Besuch beim DESY oder beim DLR.

4. Runde

Die vierte Runde ist die Endauswahl für die deutsche IPhO Mannschaft und wird im April vor der Olympiade (direkt nach Ostern) durchgeführt. Es werden hierzu die ca. 15 Besten der Vorrunde ein weiteres mal eingeladen. Das Seminar ähnelt der dritten Runde, bietet aber nochmals deutlich anspruchsvollere Aufgaben. Zur Zeit wird die vierte Auswahlrunde jeweils am Forschungszentrum Jülich abgehalten.

Österreichisches Auswahlverfahren

Das österreichische Team wird in einem vierstufigen Auswahlverfahren ermittelt. Den Schülern erwachsen aus der Teilnahme an der Physikolympiade keine Kosten. Diese werden vorwiegend vom BMUKK und auch von Sponsoren gedeckt.

1. Stufe - Schule (etwa im März)

In einem dreistündigen schulinternen Wettbewerb (genannt: Kurswettbewerb), in dem zwei theoretische und eine experimentelle Aufgabe zu bearbeiten sind, werden die besten vier jener Schüler ermittelt, die im laufenden Schuljahr an einem Physikolympiade-Vorbereitungskurs teilnehmen. Diese werden von der Schule zum so genannten Landeswettbewerb entsandt. Schüler mit zusätzlicher physikalischer Ausbildung, z.B. Wahlpflichtfach Physik, können über den so genannten Qualifikationswettbewerb in die Österreichische Physikolympiade quer einsteigen, auch wenn sie keinen Vorbereitungskurs besucht haben. Alle Teilnehmer erhalten Diplome, die besten zusätzlich Buch- bzw. Sachpreise.

2. Stufe - Land (etwa im April)

Auf der Ebene der neun Bundesländer findet ein vierstündiger Wettbewerb statt (der so genannte Landeswettbewerb), wobei drei theoretische und eine experimentelle Aufgabe zu bearbeiten sind. Die theoretischen Aufgaben werden von einem Team der Universität Linz und die experimentelle Aufgabe wird von einem steirischen Team ausgearbeitet und bis zum zeitgleichen Start in allen Bundesländern versiegelt verwahrt. Jedes Bundesland hat eine zugewiesene Zahl an fixen Startplätzen für den Bundeswettbewerb I zu vergeben. Zusätzlich qualifizieren sich noch etliche Schüler nach Punkten, sodass sich etwa die besten 35 Schüler aus ganz Österreich für die nächst höhere Wettbewerbsstufe qualifizieren (traditionell haben die Oberösterreicher, Steirer und Wiener die stärksten Kontingente). Alle Teilnehmer erhalten Diplome, viele Teilnehmer gewinnen Buch- bzw. Sachpreise und die Allerbesten erhalten kleine Gold-, Silber- oder Bronze-Medaillen.

3. Stufe - Bund I (Ende April/Anfang Mai)

Bei dem Bundeswettbewerb I (immer in Linz) qualifizieren sich die 16 besten, die in einem fünfstündigen Theorietest ermittelt werden, für den Bundeswettbewerb II. Alle Teilnehmer erhalten ein von der Unterrichtsministerin unterschriebenes Teilnahme-Diplom.

4. Stufe - Bund II (zumeist 15 Tage ab dem Anreisetag Pfingstdienstag)

Dem Bundeswettbewerb II geht ein zehntägiges Intensivtraining voraus, wofür die teilnehmenden Schüler vom BMUKK vom Unterricht freigestellt werden. Der anschließende Wettbewerb selbst besteht aus einem fünfstündigen experimentellen Teil und einem ebenfalls fünfstündigen theoretischen Teil, die an zwei aufeinander folgenden Tagen ausgetragen werden. Im experimentellen Teil sind vier Experimente und im theoretischen Teil sind sechs Theorieprobleme zu bearbeiten. Alle Teilnehmer erhalten ein von der Unterrichtsministerin unterschriebenes Preisdiplom und einen Buch- bzw. Sachpreis. Die Allerbesten gewinnen außerdem eine Gold-, Silber- oder Bronze-Medaille. Die besten Fünf qualifizieren sich für die Teilnahme an der Internationalen Physikolympiade.

Preise

Nach erzielten Punktzahlen werden Gold-, Silber und Bronzemedaillen vergeben, wobei der Punkteschlüssel so erstellt wird, dass folgende Preise oder besser von mindestens folgendem Anteil an Teilnehmern erreicht wird:[3]

Gold 6%
Silber 18%
Bronze 36%
Honorable Mention 60%

Außerdem werden Sonderpreise für den besten Teilnehmer, die beste theoretische Arbeit, die beste experimentelle Arbeit sowie nach Wunsch des Veranstalters weitere Preise vergeben. Die Teilnehmer, die knapp eine Bronzemedaille verfehlt haben, erhalten eine Anerkennungsurkunde (Honorable Mention). Oft werden auch attraktive Sachpreise vergeben.

Die Teilnehmer des deutschen Auswahlverfahrens erhalten weitere Preise wie Büchergutscheine, Urkunden sowie Sprachreisen und Forschungspraktika. Außerdem zieht die Teilnahme an der IPhO i.d.R. etliche weitere Reisen nach sich, wie Firmenbesuche, die Ehrung auf der DPG-Jahrestagung oder die Teilnahme am Tag der Talente.

Die fünf deutschen Teammitglieder erhalten den DPG-Schülerpreis des darauffolgenden Jahres. Sie durchlaufen zugleich das Aufnahmeverfahren für die Studienstiftung des deutschen Volkes.

Die Teilnehmer des österreichischen Auswahlverfahrens erhalten, je nach Bundesland, Sach- und/oder Geldpreise. So erhalten die Gewinner der Landeswettbewerb in der Steiermark beispielsweise durch die Förderung durch die Anton Paar GmbH Geldpreise und Ferialpraktika.

Austragungsorte

Die Gastgeberländer[4] wechseln jährlich und werden viele Jahre im Voraus festgelegt.

Bisherige Austragungsorte

Die Spalte „Länder“ bezeichnet die Anzahl der Länder, die mit Schülern im Wettbewerb teilgenommen haben. Andere Statistiken zählen auch Länder mit, die nur Beobachter oder Besucher entsendet haben.

Nr. Jahr Austragungsland Stadt Länder Schüler Datum Anmerkungen, Weblinks
1. 1967 Polen Polen Warschau 5 15 25.06. - 01.07. Initiierung der IPhO durch osteuropäische Länder
2. 1968 Ungarn Ungarn Budapest 8 24 23.06. - 29.06. Aufstellung der Satzung
3. 1969 Tschechoslowakei Tschechoslowakei Brünn 8 40 23.06. - 02.07.
4. 1970 UdSSR UdSSR Moskau 8 48 05.07. - 15.07.
5. 1971 Bulgarien Bulgarien Sofia 7 35 02.07. - 11.07. endgültige Festlegung auf maximal fünf Schüler pro Mannschaft
6. 1972 Rumänien Rumänien Bukarest 9 08.07. - 18.07. Erstmalige Teilnahme westlicher und nichteuropäischer Länder
7. 1974 Polen Polen Warschau 8 08.07. - 20.07. Erste Teilnahme der BR Deutschland
8. 1975 DDR DDR Güstrow 9 07.07. - 17.07.
9. 1976 Ungarn Ungarn Budapest 10 01.07. - 08.07.
10. 1977 Tschechoslowakei Tschechoslowakei Königgrätz 12 07.07. - 17.07.
11. 1979 UdSSR UdSSR Moskau 11 02.07. - 10.07. 1978 und 1980 fand keine IPhO statt, da kein Teilnehmerland diese organisieren konnte/wollte.
12. 1981 Bulgarien Bulgarien Warna 14 01.07. - 10.07.
13. 1982 BR Deutschland BR Deutschland Malente (Schleswig- Holstein) 17 19.06. - 29.06. Erste Austragung in einem nichtsozialistischen Land
14. 1983 Rumänien Rumänien Bukarest 16 05.07. - 14.07.
15. 1984 Schweden Schweden Sigtuna 18 24.06. - 01.07.
16. 1985 Jugoslawien Jugoslawien Portorož 20 23.06. - 30.06.
17. 1986 Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich London 21 13.07. - 20.07.
18. 1987 DDR DDR Jena 25 05.07. - 13.07.
19. 1988  OesterreichÖsterreich Österreich Bad Ischl 27 23.06. - 02.07.
20. 1989 Polen Polen Warschau 30 16.07. - 24.07. Die Deutsche Mannschaft erreicht das beste Ergebnis von allen.
21. 1990 Niederlande Niederlande Groningen 32 05.07. - 13.07.
22. 1991 Kuba Kuba Havanna 31 01.07. - 09.07.
23. 1992 Finnland Finnland Helsinki 38 05.07. - 13.07.
24. 1993 Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten Williamsburg 42 10.07. - 18.07.
25. 1994 China China Peking 46 11.07. - 19.07.
26. 1995 Australien Australien Canberra 51 05.07. - 12.07. http://www.anu.edu.au/Physics/IPhO/
27. 1996 Norwegen Norwegen Oslo 55 30.06. - 07.07. http://www.fys.uio.no/biofysikk/ipho/
28. 1997 Kanada Kanada Sudbury 56 265 13.07. - 21.07. http://oldwebsite.laurentian.ca/physics/OLYMPIAD/
29. 1998 Island Island Reykjavík 56 266 02.07. - 10.07. http://www.hi.is/pub/ipho/
30. 1999 Italien Italien Padua 62 291 18.07. - 27.07. http://www.pd.infn.it/Olifis/
31. 2000 Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich Leicester 63 08.07. - 16.07. http://www.star.le.ac.uk/IPhO-2000/
32. 2001  TurkeiTürkei Türkei Antalya 65 28.06. - 06.07.
33. 2002 Indonesien Indonesien Bali 66 296 21.07. - 30.07. http://www.fi.itb.ac.id/~ipho33/
34. 2003 Taiwan Taiwan Taipeh 54 02.08. - 11.08. http://www.phy.ntnu.edu.tw/ipho2003/
35. 2004  SudkoreaSüdkorea Südkorea Pohang 71 328 15.07. - 23.07. http://www.ipho2004.or.kr/
36. 2005 Spanien Spanien Salamanca 72 352 15.07. - 23.07. http://helveticanet.com/ipho36/
37. 2006 Singapur Singapur Singapur 82 388 08.07. - 17.07. http://www.ipho2006.org/
38. 2007 Iran Iran Isfahan 69 327 13.07. - 22.07. http://www.ipho2007.ir/
39. 2008 Vietnam Vietnam Hanoi 81 376 20.07. - 29.07. http://ipho2008.hnue.edu.vn/

Zukünftige Austragungsorte

  • 40.: 2009 in Mexiko, Mérida (11. bis 20. Juli)
  • 41.: 2010 in Kroatien
  • 42.: 2011 in Belgien
  • 43.: 2012 in Estland
  • 44.: 2013 in Dänemark
  • 45.: 2014 in Slowenien
  • 46.: 2015 in Irland, Dublin
  • 47.: 2016 in der Schweiz und Liechtenstein
  • 48.: 2017 in Moldawien
  • 49.: 2018 in Portugal
  • 50.: 2019 in Israel
  • 51.: 2020 in Litauen
  • 52.: 2021 in Indonesien
  • 53.: 2022 in Thailand

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Schematische Darstellung des Deutschen Auswahlverfahrens zur IPhO (pdf-Datei; 293 KB)
  2. Entwicklung der IPhO Teilnehmerzahlen in Bayern und Deutschland
  3. Statutes of the International Physics Olympiads, §6
  4. Waldemar Gorzkowski: International Physics Olympiads (IPhO): Their history, structure and future. (pdf-Datei; 390 KB) Juli 2006, S. 13

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