Audismus

Unter Audismus (von engl. audism) wird die Geisteshaltung beschrieben, die gegen taube und schwerhörige Personen gerichtet ist, woraus verschiedene Formen von systematischen Diskriminierungen gegen sie kommen. Die Geisteshaltung beinhaltet die hohe Wertschätzung des Gehörs und Sprechens und bewertet taube Menschen als bedauernswerte Menschen mit dem Defekt des Hörens und Sprechens, der medizinisch und elektrotechnisch durch Hörgerät oder Cochlea-Implantat behoben werden sollte. Auch werden dadurch die von tauben Menschen geschaffenen Gebärdensprachen, die damit verbundene Kultur und ihre Lebensweise abgewertet.

Der Begriff wurde 1975 in der nicht veröffentlichten Doktorarbeit von Tom Humphries Audism: The Creation of a Word eingeführt und zwar definiert als "sich Besser-Dünken"-Verhalten von Menschen, die besser hören und sprechen können im Vergleich zu tauben Menschen, die diese weniger können. Erst seit 1992 wird der Begriff auch von anderen Autoren aufgegriffen und untersucht. Er wird auch danach extensiv in Foren und Blogs in vielen Ländern diskutiert und in einigen Filmen dargestellt. Überlegungen, wie der Audismus in der Gesellschaft reduziert werden kann, werden dort auch angestellt.

Der erste Autor nach Tom Humphries, Harlan L. Lane, erweitert den Begriff auf Diskriminierungen gegen taube und schwerhörige Menschen und Herabsetzung der Gehörlosenkultur durch Hörende. Nach ihm seien taube Personen keine Menschen mit Defekt, sondern bildeten eine eigenartige ethnische Gruppe. Sie hätten eine Kultur sui generis, eigene Riten und kulturelle Praktiken und würden untereinander heiraten. Lane lehnt Cochlea-Implantate aus diesem Grund ab.

[1] [2] [3]

Einzelnachweise

  1. Harlan L. Lane: The Mask of Benevolence: Disabling the Deaf Community. Neuauflage 2000. Dawn Sign Press (dt.: Die Maske der Barmherzigkeit. Unterdrückung von Sprache und Kultur der Gehörlosengemeinschaft. Hamburg: Signum 1994)
  2. H.-Dirksen L. Bauman: Audism. Exploring the Metaphysics of Oppression. In: Journal of Deaf Studies and Deaf Education. Bd. 9, Nr. 2, 2004, S. 239–246, PMID 15304445
  3. Paddy Ladd: Understanding Deaf Culture, in Search of Deafhood. Clevedon: Multilingual Matters Ltd., 2003

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Isma — Das Suffix ismus (manchmal auch in der Form smus) ist ein Mittel zur Wortbildung durch Ableitung (Derivation). Das entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in… …   Deutsch Wikipedia

  • Ismen — Das Suffix ismus (manchmal auch in der Form smus) ist ein Mittel zur Wortbildung durch Ableitung (Derivation). Das entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in… …   Deutsch Wikipedia

  • Ismus — Das Suffix ismus (manchmal auch in der Form smus) ist ein Mittel zur Wortbildung durch Ableitung (Derivation). Das entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in… …   Deutsch Wikipedia

  • Nachsilbe -ismus — Das Suffix ismus (manchmal auch in der Form smus) ist ein Mittel zur Wortbildung durch Ableitung (Derivation). Das entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in… …   Deutsch Wikipedia

  • -ismus — Das Suffix ismus (manchmal auch in der Form smus) ist ein Mittel zur Wortbildung durch Ableitung (Derivation). Das entstandene Wort bezeichnet ein Abstraktum, oft ein Glaubenssystem, eine Lehre, eine Ideologie oder eine geistige Strömung in… …   Deutsch Wikipedia

  • Behindertenfeindlichkeit — bezeichnet die Ablehnung, Diskriminierung und Marginalisierung von Menschen mit Behinderungen. Zu unterscheiden ist dabei zwischen einer feindselig aggressiven Haltung von einzelnen Menschen bzw. von Menschengruppen behinderten Menschen gegenüber …   Deutsch Wikipedia

  • Behinderung — bezeichnet eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe bzw. Teilnahme einer Person, verursacht durch das Zusammenspiel ungünstiger Umweltfaktoren (Barrieren) und solcher Eigenschaften der… …   Deutsch Wikipedia

  • Diskriminierung — bezeichnet die soziale Diskriminierung, wie sie sowohl in den Sozial und Rechtswissenschaften als auch umgangssprachlich meist verstanden wird, also eine gruppenspezifische Benachteiligung oder Herabwürdigung von Gruppen oder Individuen.… …   Deutsch Wikipedia

  • Gehörlosigkeit — bezeichnet das vollständige oder weitgehende Fehlen des Gehörs bei Menschen. Während der medizinische Ausdruck für diesen Sachverhalt Taubheit (lateinisch Surditas) ist, wird mit „Gehörlosigkeit“ sinnhaft meist die damit verbundene Behinderung… …   Deutsch Wikipedia

  • Marco Lipski — (* 29. März 1975 in Hamburg) ist ein gehörloser Schauspieler, Kabarettist, Choreograph, TV Moderator, Kameramann und Regisseur. Der 1985 an den Folgen einer Meningitis ertaubte und seit 1995 beruflich aktive Allrounder ist ein bekannter… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”