Auf den Nägeln brennen

Unter den Nägeln brennen (oder: auf den Nägeln brennen, ältere Formen: auf den Nagel brennen, in die Nägel brennen) ist eine deutsche Redensart zur Umschreibung einer inneren Notlage oder Situation der Ungeduld, wenn man eine drängende Angelegenheit hinter sich bringen oder eine Frage loswerden will („Die Sache brennt mir unter den Nägeln“).

Die Redensart ist im Deutschen seit dem 17. Jahrhundert belegt (Gerlingius) und kommt in ähnlicher Form auch im Ungarischen und Russischen vor.[1] Zur Herkunftserklärung im Deutschen existieren im wesentlichen zwei Deutungsansätze:[2]

Gemäß den ältesten Belegen (Gerlingius 1649, Celander 1718), die vom Herabbrennen einer Kerze oder eines Lichts „auf den Nagel“ sprechen, wird diese Redewendung aus der Alltagserfahrung abgeleitet, dass die Hitze eines mit den Fingern gehaltenen brennenden Gegenstandes die Fingerspitzen erreicht.[3] Diese Erklärungsweise wird zuweilen auch mit der Vorstellung verknüpft, dass es eine Gewohnheit von Mönchen gewesen sei, „bei der Frühmette zum Lesen im Dunkeln kleine Wachskerzen auf die Daumennägel“ zu kleben.[4]

Alternativ soll die Folterpraxis, glühende Kohlestückchen auf die Fingerspitzen zu legen, den Anlass zur Entstehung der Redensart gegeben haben.[5]

Einzelnachweise

  1. Adolf E. Graf: Idiomatische Redewendungen und Redensarten der russischen und der deutschen Sprache, 4. um einen Nachtr. erw. Aufl., Niemeyer, Halle 1962, S. 148
  2. Lutz Röhrich: Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, Bd. 2 (von 3), Herder Freiburg, 1992 (ISBN 3-451-22082-2), s.v. „Nagel“
  3. Röhrich führt als Belege an: Johannes Gerlingius (d.i. Johann Gerling): Sylloge Adagiorum aliquot Desid(erii) Erasmi Roterodami aliorumque juxta ordin(em) alphab(eticum) digestorum & ex germanico idiomate expressorum, Lugduni Batavorum (Leiden): Matthaeus, 1649, Nr. 27: „Die kertz ist auff den nagel gebrandt“, und Celander, Die verkehrte Welt, Cölln: bey Peter Marteau nachgelassenen Erben, 1718, S. 520: „So brennet ihm (...) das Licht, wie man im Sprichwort zu reden pflegt recht auf den Nagel“, vgl. auch Hermann Frischbier: Preussische Sprichwörter und volksthümliche Redensarten, 2. Sammlung, Enslin, Berlin 1876, S. 115: „Das Licht brennt ihm in die Nägel“
  4. Röhrich, Das große Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten (1992), Art. „Nagel“; vgl. auch Leo Sillner: Gewusst woher: Ursprungshandbuch deutschsprachiger Wörter und Redensarten, Scoietäts-Verlag, Frankfurt a.M. 1973, S. 211
  5. Friedrich Seiler: Deutsche Sprichwörterkunde, C. H. Beck, München 1922, S. 248f.

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