Pin-Up
Erstes Pin-up von Charles Dana Gibson (1887)

Ein Pin-up ist das üblicherweise in erotischer Pose dargestellte Bild einer Frau, das an Wände geheftet wird. Diese Form der weiblichen Darstellung war und ist besonders bei Soldaten beliebt.

Inhaltsverzeichnis

Ursprung

Kniendes Pin-up-Girl in Blau

Übersetzt man den englischen Begriff to pin up (= anheften), kommt man dem Wesen der Pin-up-Bilder näher. Denn das Typische der Pin-ups ist, dass sie häufig an die Wand geheftet werden, zum Beispiel abgebildet auf einem Kalender oder auf einem so genannten Centerfold, einem ausfaltbaren Bild in der Mitte einer Zeitschrift oder eines Magazins.

Form

Auf den Bildern sind meist hübsche, junge Frauen in verschiedenen Posen zu sehen. Meist haben diese Bilder erzählende, sentimentale, romantische oder patriotische Aspekte. Sie zeigen Szenen des Alltagslebens der Mädchen, in denen ihnen manchmal kleine Missgeschicke passieren. Die Szenen sind häufig erotischer Natur, aber eher andeutend als enthüllend. Selbst wenn scheinbar Einblicke gewährt werden (z. B. unter einen vom Wind empor gehobenen Rock), sind diese der Fantasie des Betrachters überlassen und bilden nichts wirklich deutlich ab. Normalerweise sind die Pin-up-Girls leicht bekleidet, es werden aber in Ausnahmefällen auch ganz oder teilweise nackte Mädchen dargestellt.

Der ganze Bereich der Pin-up-Art ist geprägt von der Tatsache, dass es sich bei den Bildern so gut wie immer um Auftragsarbeiten handelt, die z. B. für große Kalenderverlage wie Brown and Bigelow gefertigt wurden. Die angestellten Künstler malten die Bilder nach Vorgaben und Wünschen ihrer Auftraggeber und waren daher weniger frei in der Gestaltung der Pin-ups. Auch die relative Harmlosigkeit der Bilder in sexueller Hinsicht resultiert vorwiegend zum einen aus den jeweiligen zeitgenössischen Zensurregeln, zum anderen aus den Vorstellungen der Verlage, die ihre Produkte so populär wie möglich gestalten wollten, um sie gut und gewinnbringend vermarkten zu können. Die Künstler malten die Pin-ups als Reproduktionsvorlagen oft in Öl auf Leinwand oder Karton, manche benutzten auch Pastell oder Gouache. Meistens waren die naturalistisch gestalteten Pin-up-Girls auf bestimmten Formaten gemalt (Gil Elvgren malte für Brown and Bigelow alle Arbeiten in den Abmessungen 76 cm × 61 cm), weil sie für den Nachdruck einheitlich sein sollten. Oft wurden einzelne Motive auch mehrfach, in veränderter Form oder von einem anderen Künstler teilweise übermalt oder noch einmal in einem anderen Zusammenhang benutzt, denn die Eigentumsrechte der Bilder besaßen in der Regel die Auftragsfirmen, die diese nicht als Kunst betrachteten und sparsam mit den vorhandenen Motiven umgingen.

Geschichte

Die Pin-up-Art, welche die Definition als Kunstform erst in den 1980er Jahren erhielt, wurde bis dahin als Illustration betrachtet. So wurden Groschenromane, Zeitschriften- und Magazincover – auch die Titelseiten von seriösen Magazinen wie der „Times“ – mit Pin-ups illustriert. Man kann die Pin-ups als Alltagskunst bezeichnen, denn sie wurden etwa von den 1920er Jahren bis in die 1970er Jahre von einer breiten Bevölkerungsschicht durch die eben erwähnten Medien, aber auch durch Werbeplakate oder abgebildet auf anderen Gegenständen in millionenfacher Anzahl rezipiert. Pin-ups eigneten sich damit auch als Massenwirksames Medium für Kriegspropaganda, "die sich eindeutig erotisch aufgeladener Bilder bedient"[1] um das eigene Lager anzuspornen.

Nose Art

Pin-up girl, das auf einer Bombe reitet, an einem B-17-Bomber

Im Zweiten Weltkrieg und auch im Korea-Krieg erhielt die Pin-up-Art eine ganz neue Verbreitung im Bereich der „Nose art“, also bei der Bemalungen von Kampfflugzeugen insbesondere bei der USAAF. Neben Comic-Figuren und martialischen Allegorien waren dabei Bilder von Pin-up-Girls besonders verbreitet, oft wurden die Maschinen dann auch nach den Pin-up-Girls benannt oder die Motive so gestaltet, dass sie den fiktiven Charakter der Maschine verkörperten, den ihr die Besatzungsmitglieder zuordneten. Vielfach wurden dabei Drucke von Pin-up-Girls als Vorlage verwendet, es gab jedoch auch zahlreiche individuell geschaffene Motive, die von künstlerisch begabten Besatzungsmitgliedern oder Mechanikern geschaffen wurden. Viele Piloten und Besatzungsmitglieder übertrugen diese Bilder auf den Rücken ihrer Fliegerjacken, um die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Flugzeug zu verdeutlichen. Die bekannteste Maschine mit einer solchen Pin-up-Identität war die Memphis Belle, ein Bomber vom Typ Boeing B-17 der Eighth Air Force, die 1942 und 1943 insgesamt 25 Ziele in Nazi-Deutschland und dem besetzten Frankreich bombardierte. Nose Art ist auch heute noch verbreitet, vor allem bei Einheiten in Kampfeinsätzen, aber klassische Pin-up-Girls sind weitestgehend verschwunden.

Sonstiges

Möglicherweise das bekannteste Pin-up-Girl war Bettie Page, die Mitte der 1950er Jahre tätig war, deren Ruhm sich aber bis in die Gegenwart fortsetzt, wie etwa die Filmbiographie The Notorious Bettie Page zeigt. Der Ruhm des Zeichners Eric Stanton und des Fotografen Irving Klaw gehen auf die Zeit zurück, in der sie mit Bettie Page zusammengearbeitet haben.

Kategorien

Pin-up von Patrick Hitte

Man kann die Illustrationen mit dem Motiv schöner Frauen in drei Kategorien unterteilen, deren Grenzen zum Teil fließend ineinander übergehen.

Pin-up

Ein Pin-up ist ein Ganzfigurenbild mit einem erzählerischen Element. Die Frau auf dem Bild trägt entweder ein figurbetontes Kleidungsstück, das sie außer Haus tragen kann (z. B. Badeanzug, Sportdress oder ein knappes Kleidchen) oder etwas Provokantes, Intimes wie ein Negligé oder Dessous. Es gibt nur wenige nackte Pin-ups, die, wie bereits erwähnt, eine Ausnahme bilden.

Glamour-Girl

Die nächste Kategorie, das Glamour-Girl, ist entweder ein Ganz- oder ein Brustbild. Die dargestellte Frau trägt gewöhnlich ein Abendkleid oder ein Kostüm, das weniger freizügig ist als die Bekleidung der Pin-up.

Pretty-Girl

Die dritte Kategorie ist die der Pretty-Girls. Sie wurden von Illustratoren gezeichnet, die für „seriöse“ Zeitschriften tätig waren. Die Frauen auf den Bildern waren im Glamour-Stil gemalt. Die Bezeichnungen „Pin-up-Kunst“ und „Glamour-Kunst“ beziehen sich also auf Künstler, die sich auf diese Sparte spezialisiert hatten. Unter „Pretty-Kunst“ versteht man fast immer Motive von Künstlern, die sich normalerweise auf andere Genre konzentrierten.

Pin-Up-Kalender

Der bekannteste Pin-Up-Kalender ist der begehrte Pirelli-Kalender, der 1964 erstmal erschienen ist und nicht käuflich zu erwerben ist. Inzwischen gibt es unzählige Nachahmer.

Bekannte Pin-up-Künstler/-innen (Auswahl)

Künstler/-innen Modelle

Literatur

  • Charles G. Martignette, Louis K. Meisel: The Great American Pin-Up. ISBN 3-8228-8497-9.
  • Dietmar Schofer, Markus Schofer: Pin-ups werben. ISBN 3-923107-22-6.
  • Perry, David: "Hot Rod Pin-ups", HEEL Verlag Königswinter, ISBN 978-3-89880-543-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. [1]Wunderwaffe Pin-up - sueddeutsche Zeitung online 14.11.07

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Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Pin up — moderne inspirée de stéréotypes des années 1950. Une pin up est une femme dans une pose attirante ou « sexy » dont on accroche habituellement une image sur un coin de mur, d où le terme anglais de « pin up girl » qui se… …   Wikipédia en Français

  • pin-up — ● pin up nom féminin invariable (anglais pin up, de to pin up, épingler) Jeune femme au physique agréable et qui a du sex appeal. Photo ou dessin de jolie fille peu vêtue, servant à décorer un local. pin up n. f. inv. (Anglicisme) Jolie fille peu …   Encyclopédie Universelle

  • Pin-up — moderne inspirée de stéréotypes des années 1950. Une pin up est une femme dont on accroche la représentation sur un mur dans une pose attirante ou « sexy », d où l expression anglaise de « pin up girl » qui pourrait se… …   Wikipédia en Français

  • pin\ up — [ pinɶp ] n. f. inv. • 1944; pin up girl 1945; angl. amér. pin up (girl), de to pin up « épingler au mur » ♦ Photo de jolie fille peu vêtue. « Ne confondons pas les pin up avec les nus de la Grèce » (Malraux). Jolie fille séduisante, au physique… …   Encyclopédie Universelle

  • pin-up — n 1.) a picture of an attractive person, often not wearing many clothes, that is put up on a wall to be looked at and admired ▪ a pin up of her favourite boy band 2.) someone who appears in pin up pictures or who is considered attractive by a… …   Dictionary of contemporary English

  • Pin-up — auch: Pin|up 〈 [pınʌ̣p] n.; Gen.: s, Pl.: s; kurz für〉 Pin up Girl …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • pin-up — pin ups also pinup N COUNT A pin up is an attractive man or woman who appears on posters, often wearing very few clothes. ...pin up boys... She was already a famous model and pin up by the time she made her film debut …   English dictionary

  • pin-up — s.f.inv. ES ingl. {{wmetafile0}} ragazza procace la cui immagine viene spesso riprodotta su riviste, calendari, manifesti pubblicitari e sim. | estens., giovane donna particolarmente avvenente Sinonimi: pin up girl. {{line}} {{/line}} DATA: 1951 …   Dizionario italiano

  • pin-up — (adj.) 1940, in reference to pictures of pretty girls, from PIN (Cf. pin) (v.) + UP (Cf. up). The noun is recorded from 1943 …   Etymology dictionary

  • pin-up — /piˈnap, ingl. ˈpɪnˌʌp/ [loc. ingl., abbr. di pin up girl, propr. «ragazza (girl) da appuntare (pin) su (up)»] loc. sost. f. inv. ragazza copertina, cover girl (ingl.) □ (est.) vamp (ingl.) …   Sinonimi e Contrari. Terza edizione

  • Pin-up — 〈[ pınʌ̣p] n. 15; kurz für〉 Pin up Girl …   Universal-Lexikon

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