Auferstehungskirche (Katowice)
Auferstehungskirche zu Kattowitz

Die Auferstehungskirche in Kattowitz (Polnisch Kościół Zmartwychwstania Pańskiego) ist Parochial- und Bischofskirche der Diözese Kattowitz der Evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses in Polen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Kirchenbau ist geostet und liegt in der historischen Hauptstraße der Stadt, der ul. Warszawska (früher Friedrichstraße), östlich des Rings in der Kattowitzer Innenstadt.

Geschichte

Der Ursprungsbau
Aussehen nach dem ersten Umbau
Auferstehungskirche heute

Oberschlesien war im Zuge der Gegenreformation der Habsburger zum überwiegenden Teil zum alten, römisch-katholischen Glauben zurückgekehrt. Nachdem die Region und damit Kattowitz 1742 an Preußen gefallen war, besserte sich die Lage für den Protestantismus erheblich. Anfang des 19. Jahrhunderts begann im Zuge der Industrialisierung in Kattowitz eine rasante Entwicklung vom Dorf zur Industriestadt. Mit der starken Bevölkerungszunahme wuchs auch der evangelische Bevölkerungsteil an. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts lebten nur 32 Protestanten in Kattowitz, die zuerst dem wiedergegründeten Kirchspiel Beuthen, dann Königshütte angehörten.

Seit 1854 wurden die Gottesdienste in einem Beetsaal der Marthahütte gefeiert. 1856 wurde schließlich das Kirchspiel Kattowitz gegründet, das auch alle Nachbarorte der Gemeinde umfasste und 468 Gemeindemitglieder zählte. Damals bestand bereits ein Entwurf des Architekten Richard Lucae aus Berlin (in Zusammenarbeit mit Friedrich August Stüler) für einen Kirchenbau, dessen Grundstein am 17. Juli 1856 gelegt werden konnte. Die kleine protestantische Gemeinde errichtete nun den ersten steinernen Kirchenbau Kattowitz', was mit der Tatsache zu erklären ist, dass die Stadtväter Friedrich Wilhelm Grundmann und Richard Holtze sowie der Gutsbesitzer Hubert von Thiele-Winckler evangelischer Konfession waren und das Bauvorhaben unterstützten. So spendete Hubert von Thiele-Winckler 5000 Taler und stellte das Grundstück für den Neubau bereit. Nach zweijähriger Bauzeit konnte der Bau am 29. September 1858 eingeweiht werden. Die fertiggestellte Auferstehungskirche war ein Saalbau mit vier Fensterachsen und einem Glockenturm über dem Altarraum in der Tradition des Schinkelschen Rundbogenstils, bzw. seiner Berliner Vorstadtkirchen.

Von 1859 bis 1860 wurde neben der Kirche eine evangelische Schule errichtet. 1875 folgte schließlich ein eigenes Pfarrhaus. Bald reichten die 304 Sitzplätze für die wachsende Gemeinde nicht mehr aus, die 1883 bereits 3.475 Seelen zählte. Deshalb wurde bei einem ersten Ausbau der Kirche, der von 1887 bis 1889 nach Plänen des Baumeisters Paul Jackisch aus Beuthen vollzogen wurde, die Länge des Kirchenschiffs um zwei Fensterachsen auf 30 Meter verdoppelt und die neue Fassade um zwei niedrige Zwillingstürme ergänzt. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Zahl der Gemeindemitglieder auf 10.000 anwuchs, erhielt die Kirche ihr heutiges Gesicht, als 1899–1900 ein Querhaus mit großen Emporen, entworfen vom Architekten Mettegang aus Köln, angebaut wurde. Nun bestanden Sitzplätze für 1250 Menschen. 1901 wurden drei Glocken der Firma Ullrich zum Preis von 6.956 Mark angeschafft.

Obwohl sich die große Mehrheit der Bevölkerung für den Verbleib bei Deutschland ausgesprochen hatte, fiel Kattowitz 1922 an Polen. In der Folge nahm die Zahl der Gemeindemitglieder von 16.000 vor dem Ersten Weltkrieg durch Abwanderung auf nur noch 6.000 ab. Zuvor hatte die Kirchengemeinde der Evangelischen Landeskirche Preußens angehört – nun gründete sich die Evangelisch-unierte Kirche in Polnisch-Oberschlesien mit Sitz in Kattowitz.

Bei der Eroberung der Stadt durch die Wehrmacht 1939 wurde vom Turm der evangelischen Kirche auf die Soldaten geschossen, wovon noch ein Einschussloch in der kleinsten Glocke zeugt. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Vertreibung des Großteils der deutschen Bevölkerung zählte die Gemeinde nur noch rund 1600 Mitglieder, ihr Gotteshaus wurde enteignet und der römisch-katholischen Kirche übergeben. Wie viele andere nach 1945 von der evangelischen Kirche übernommene Kirchen, insbesondere in den Ostgebieten des Deutschen Reiches wurde die Auferstehungskirche nun nach dem polnischen Märtyrer und Jesuiten Andreas Bobola benannt. 1947 gelang es der evangelischen Gemeinde, das Gotteshaus zurückzuerhalten, das nach Umbauten der kurzen katholischen Zeit renoviert werden musste. In neuerer Zeit wurde die Ausmalung des Inneren wiederhergestellt.

Architektur

Inneres der Kirche

Bis auf den Querhausanbau von 1900 in neoromanischen und Jugendstil-Formen, stellt die Auferstehungskirche einen einheitlichen Saalbau im Rundbogenstil dar. Die Natursteinfassade der Kirche wird von zwei Türmen flankiert und entspricht mit dem niedrigen Eingangsportikus mit drei Portalen und der Rosette ansonsten dem Ursprungsbau von 1856–58. Zum Kernbau Richard Lucaes gehören der Hauptturm, die Apsis sowie ein Teil des Langhauses.

Über dem Eingangsbereich befindet sich die Musikempore mit der Sauer-Orgel von 1922.

U-förmig zieht sich die Empore weiter an den Langhauswänden entlang zur Vierung, wo sie auf die großen Emporen des Querhauses trifft. Die Querhausarme sind durch langgezogene Arkadenbögen vom Hauptschiff optisch getrennt. Den oberen Wandabschluss bildet ein gemalter, floraler Fries, über dem sich die bemalte Holzdecke erhebt. Nur den fünfseitig geschlossenen Chor bedeckt ein Gewölbe. Die Buntglasfenster im Chor schuf die Firma Reuter und Reichardt aus Köln. Sie zeigen Szenen des Alten und des Neuen Testaments sowie die Stifterwappen derer von Thiele-Winckler. Das hölzerne Altarbild der Auferstehung ist ein Werk Artur Cieńciałas. Die Kanzel mit der Darstellung der vier Evangelisten stammt dagegen aus dem 19. Jahrhundert.

Glocken

Glockenaufzug am 23. September 1901

Die Glocken der Firma Ullrich wurden am 23. September 1901 im Glockenturm aufgehängt.

Nr. Inschrift Schlagton Gewicht kg
1 O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort es1 1286
2 Lasst euch versöhnen mit Gott g1 640
3 Kommt, denn es ist alles bereit b1 375,5

Orgel

Orgelempore
Auferstehungskirche von Osten

Die Sauer-Orgel (opus 1240) der Auferstehungskirche verfügt über eine pneumatische Spiel- und Registertraktur. Das romantische Instrument ist dreimanualig und mit 52 Registern das größte der Innenstadt Kattowitz'.[1]

I Manual C–
Principal 16′
Principal 8′
Flote Harmonique 8′
Viola di gamba 8′
Gedackt 8′
Gemshorn 8′
Flauto dolce 8′
Octave 1′
Spitzflöte 8′
Dolce 4′
Octave 4′
Rauschquinte 22/3′+2′
Cornett-Mixtur III–V
Trompete 8′
II Schwellwerk C–
Bourdon 16′
Principal 8′
Rohrflöte 8′
Quintaton 8′
Gemshorn 4′
Principal 4′
Nachthorn 2′
Quinte 11/3
Siflet 1′
Sesquialtera II
Cimbel II
Acuta II
Clarinette 8′
III Schwellwerk C–
Liebl. gedackt 16′
Geigenprincipal 8′
Concertflöte 8′
Zartgedackt 8′
Harmonica 8′
Aeoline 8′
Voix celeste 8′
Fugara 4′
Rohrflöte 4′
Dulciana 4′
Flautino 2′
Harmonia aetheria II
Oboe 8′
Trompette harmonique 8′
Pedal C–
Contrabass 16′
Subbass 16′
Salicetbass 16′
Octavbass 8′
Cello 8′
Octave 4′
Quinte 102/3
Posaune 16′
Liebl. gedackt 16′
Bassflöte 8′
Dulciana 8′

Literatur

  • Parafia ewangelicka Zmartwychwstania Pańskiego w Katowicach. Głos Życia, Katowice 2002 ISBN 83-917580-1-X
  • Ausstellungskatalog Oblicza sztuki protestanckiej na Górnym Śląsku. Muzeum Śląskie, Katowice 1993, ISBN 83-85039-92-9

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Vgl. organy.art.pl; abger. am 6. August 2008

50.25888888888919.0263888888897Koordinaten: 50° 15′ 32″ N, 19° 1′ 35″ O


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