Auflagendruck

Unter dem Begriff Druck werden alle Reproduktionsverfahren zur Vervielfältigung von Druckvorlagen zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

„[Drucken ist …] Wiedergabe einer textlichen respektive bildlichen Darstellung in beliebiger Anzahl durch Übertragung von Druckfarben bzw. färbenden Substanzen auf den Bedruckstoff mittels einer Druckform.“

DIN 8730

Die Vorbereitung dieser Druckform erfolgt in der Druckvorstufe. Dabei werden die Bild- oder Textelemente und die notwendigen Voraussetzungen für die Farbgestaltung vorgenommen. Während Textformen, wie die Lettern im Zeitungsdruck, festgeschrieben sind werden grafische Vorlagen in der Reprografie gesondert aufbereitet. Durch Densitometrie wird die Druckdichte definiert, die je nach Druckverfahren durch Tiefe oder Rasterung verwirklicht wird.

Ein Druckträger ist das, was bedruckt wird, wie Papier, Folien, Textilien oder Pappe, und wird fachlich Bedruckstoff genannt. Je nach Druckverfahren werden seitenrichtige oder seitenverkehrte Druckvorlagen benutzt. Druckvorlagen werden mit einer farbigen Zubereitung überzogen und auf einen Bedruckstoff gepresst, so überträgt sich die Farbe von der Druckvorlage auf den Bedruckstoff. Die Druckvorlage kann in aller Regel mehrfach verwendet werden.

Vier Arbeitsschritte lassen sich im Druckvorgang unterscheiden.

  1. Zunächst wird der Bedruckstoff blattweise angelegt oder die Bedruckstoffbahn kontinuierlich zugeführt.
  2. Die Druckform wird eingefärbt, eventuell befeuchtet.
  3. Der eigentliche Druckvorgang der Übertragung.
  4. Der Bedruckstoff wird „ausgelegt“, ggf. der Weiterverarbeitung zugeführt.

Druck im Sinne der Unternehmensorganisation ist ein wesentlicher Arbeitsschritt der Verlagsherstellung.

Der letzte Vorgang ist die Endabnahme in der nochmals die vom Auftraggeber gewünschte Vorlage mit dem Druckergebnis verglichen wird.

Im weiteren Sinne sollten unter diesem Begriff auch der Ausdruck von Computerinhalten am angeschlossenen Drucker oder der Onlinedruck verstanden sein. Als Sonderformen des Drucks sind der im Wort genannte Naturselbstdruck zu verstehen.

Druckprinzipien

Es wird zwischen drei Druckprinzipien unterschieden:

  • Fläche gegen Fläche (flach gegen flach)
  • Zylinder gegen Fläche (rund gegen flach)
  • Zylinder gegen Zylinder (rund gegen rund)

Fläche gegen Fläche

Schema Fläche gegen Fläche

Dies ist das älteste Verfahren und typisch für den Buchdruck. Bei diesem Prinzip wird der Bedruckstoff von einer flachen Gegendruckplatte (Tiegel) mit großer Kraft auf eine flache Druckformplatte gedrückt. Dabei wird die Farbe übertragen. Nachteil des Prinzips ist die notwendigen Kräfte bei größeren Flächen, die dadurch notwendigen schweren Materialien und die eingeschränkte Geschwindigkeit. Tiegeldruckpressen arbeiten nach diesem Prinzip.

Zylinder gegen Fläche

Schema Zylinder gegen Fläche, Falsch: Druckform und Druckkörper vertauscht

Im 19. Jahrhundert entwickelte Friedrich Koenig die Stoppzylinderpresse. Er übertrug damit das Prinzip flach gegen rund der Kupferdruckpresse aus dem Tiefdruck auf den Hochdruck.

Beim Prinzip rund gegen flach erfolgt der Anpressdruck auf den Bedruckstoff durch die Drehbewegung des Druckzylinders über der Druckform. Dabei dreht sich der Zylinder festgelagert um seine Achse, während die Druckform bei jedem Druckvorgang synchron unter ihm durchbewegt wird (= Druckabwicklung). Dadurch ist der Anpressdruck nur innerhalb eines schmalen Streifens, nämlich der „tangentialen“ Kontaktfläche zwischen rundem Zylinder und ebener Druckform, wirksam.

Damit wurden höhere Geschwindigkeiten und größere Druckflächen im Druck möglich, was vor allem für den Zeitungsdruck notwendig wurde.

Zylinder gegen Zylinder

Schema Zylinder gegen Zylinder

Hier funktioniert der Druckvorgang über zwei Zylinder. Die runde Druckform wird auf dem Druckzylinder befestigt. Der Bedruckstoff wird über den Gegendruckzylinder entweder als Bogen oder Rolle an den Formzylinder gepresst und so bedruckt.

Durch die nicht unterbrochene Rotation von Zylinder gegen Zylinder ist Abstoppen, Zurückfahren und Wiederbeschleunigen wie bei der schweren flachen Druckform nicht nötig. Der Druckformen-Rücklauf bei Buchdruck-Schnellpressen ist nur bei abgestelltem Druck möglich. Aus physikalischen Gründen ist beim Prinzip rund gegen rund eine wesentliche Steigerung der Umdrehungszahlen bei Rotationsmaschinen möglich. Moderne Druckmaschinen arbeiten sowohl im Bogen- als auch im Rollenbereich nach diesem Prinzip.

Das Prinzip rund gegen rund kann sowohl direkt, als auch indirekt erfolgen. Direkte Druckverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass das Druckbild direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht wird. Deshalb muss das Druckbild seitenverkehrt auf der Druckform angebracht sein. Beispiele für ein direktes Druckverfahren unabhängig vom Druckprinzip sind der Rakeltiefdruck, der Buchdruck und der Flexodruck.

Im indirekten Druckverfahren wird das Druckbild zunächst auf einen Zwischenträger angebracht. Der Zwischenträger ist flexibel und gibt die Farbe an den Bedruckstoff weiter ab. Aus diesem Grund muss das Druckbild bei einem indirekten Druckverfahren seitenrichtig sein. Beispiele für ein indirektes Druckverfahren sind der Offsetdruck und der Tampondruck.

Druckverfahren

Schema der Hauptdruckverfahren nach DIN 16500

Druckverfahren werden nach unterschiedlichen Gesichtspunkten eingeteilt:

  • nach dem Verhältnis, in dem Druckelemente zur Druckform stehen, wie zum Beispiel Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck. Nach diesem Merkmal werden die Druckverfahren auch in der DIN 16500 in die Hauptdruckverfahren unterschieden:
    • Hochdruck (Bildstellen der Druckform stehen höher als Nichtbildstellen, zum Beispiel Buchdruck, Flexodruck)
    • Flachdruck (siehe auch Lithografie): hier liegen Bildstellen und Nichtbildstellen der Druckform annähernd auf einer Ebene, zum Beispiel beim Offsetdruck
    • Tiefdruck: Bildstellen der Druckform liegen tiefer als Nichtbildstellen
    • Durchdruck: Bildstellen der Druckform bestehen aus einer Schablone auf einem farbdurchlässigen Schablonenträger (Sieb aus Kunststoff- oder Metallfäden), Nichtbildstellen sind farbundurchlässig (Siebdruck und Risographie).
  • nach dem Material der Druckform, zum Beispiel Steindruck, Kupferdruck
  • nach der Bearbeitungsart der Druckform, zum Beispiel manuell beim Holzschnitt oder der Lithografie, chemisch wie bei der Ätzung (Radierung, Klischee) oder photomechanisch wie beim Lichtdruck
  • nach dem Automatisierungsgrad, zum Beispiel handwerkliche, manuelle, halbautomatische, automatische oder industrielle Druckprozesse
  • nach dem Übertragungsweg: Hier werden direkte von indirekten Druckverfahren unterschieden. Direkte Druckverfahren zeichnen sich dadurch aus, dass das Druckbild direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht wird. Deshalb muss das Druckbild seitenverkehrt auf der Druckform angebracht sein. Beispiele für ein direktes Druckverfahren sind der Rakeltiefdruck, der Buchdruck und der Flexodruck. Im indirekten Druckverfahren wird das Druckbild zunächst auf einen Zwischenträger angebracht. Der Zwischenträger ist flexibel und gibt die Farbe an den Bedruckstoff weiter ab. Aus diesem Grund muss das Druckbild bei einem indirekten Druckverfahren seitenrichtig sein. Beispiele für ein indirektes Druckverfahren sind der Offsetdruck und der Tampondruck.

Die verschiedenen Druckverfahren lassen sich jeweils zu einem der vier übergeordneten Druckverfahren zuordnen:

Hochdruck

Das Verfahren des Buchdrucks konnte sich seit der Verbesserung verschiedener Druckvorgänge und Werkzeuge durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert schnell verbreiten. Der Buchdruck wird heute als Hochdruck bezeichnet. Der Name Hochdruck stammt davon, dass die Druckelemente erhaben auf der Druckform stehen. Bei den konventionellen Buchdruckmaschinen unterscheidet man grundsätzlich zwischen Tiegeldruckpresse, Zylinder-Druckpresse und Rotationsmaschine. Bei der Tiegelpresse erfolgt der Druck flach/flach, da die flache Druckfläche des Tiegels gegen die flache, meist vertikal in die Tiegeldruckmaschine eingespannte Druckform gepresst wird. Bei der Zylinderdruckpresse wird flach gegen rund gedruckt, das heißt, die flache Form wird beim Druckvorgang in der Regel unter dem runden Druckzylinder durchgezogen. Bei der Rotationsmaschine erfolgt der Druck rund/rund, indem der Anpressdruck des Druckzylinders gegen einen der Formzylinder-Rundung entsprechend ausgeführten Bleilegierungs-Abguss der flachen Form, dem so genannten „Rundstereo“, erfolgt. Beim Tiegel und bei Zylinderpressen erfolgt der Papiereinzug stets in Einzelbogen, bei den Rotationsmaschinen in der Regel von der Rolle. Allerdings sind im Buchdruck für spezielle Fertigungsanforderungen auch Bogen-Rotationsmaschinen in Gebrauch.

Aus dieser Grundform des Hochdrucks entwickelten sich weitere Druckformen.

Indirekter Buchdruck, Letterset

Letterset ist ein indirekter Hochdruck, bei dem die Druckvorlage von einem seitenrichtigen Klischee gedruckt wird. Dieses wird gebogen und auf dem Druckzylinder befestigt. Das Hochdruckklischee überträgt das Druckbild auf ein Gummituch, den sogenannten „Gummizylinder“, wodurch das seitenverkehrte Abbild entsteht, das ähnlich wie im Offsetdruck, vom Gummituch auf das Papier gedruckt wird. Der Druckvorgang erfolgt jedoch ohne die Verwendung von Wasser, wie dies im Flachdruck nötig ist. Dieser indirekte Buchdruck wird wegen dieser Ähnlichkeit auch als „Trockenoffset“ bezeichnet, er gehört jedoch zu den Hochdruckverfahren. Anwendung findet der indirekte Buchdruck in der Verpackungsindustrie und beim Endlosdruck.

Flexodruck

Der Flexodruck ist ein neueres Hochdruckverfahren, bei dem die Druckform aus einer „flexiblen“ Fotopolymerplatte besteht. Anwendungsgebiete des Flexodrucks sind vor allem Verpackungsfolien. Der Flexodruck steht in engem Wettbewerb mit dem Kupfertiefdruck, mit dem aber bessere Ergebnisse erzielt werden. Wegen der hohen Druckvorkosten beim Erstellen der Kupferplatte ist dieser für kleine und mittlere Auflagen erheblich teurer. Die Effizienz im Flexodruck wird durch die Verwendung von vorgefertigten Endlosdruckformen erheblich verbessert. Dies sind speziell entwickelte und auf den Einsatzzweck angepasste Kautschukmischungen, die mit Lösemittelfarben, Wasserfarben oder UV-Farben arbeiten. Nach der Vulkanisation auf dem Trägersleeve wird das Druckmotiv mittels CO2-Lasers in die Oberfläche graviert. Dieses Verfahren heißt Flexo-Direktgravur.

Tiefdruck

Der Tiefdruck ist ein Druckverfahren, bei dem die druckenden Elemente durch chemische oder mechanische Verfahren (Ätzung / Gravur) vertieft auf dem Formzylinder angebracht werden. Die einzelnen durch ein gleichmäßiges Rastergitter voneinander abgesetzten „Vertiefungen“ nennt man Näpfchen. Beim Druckvorgang wird der Druckform-Zylinder mit relativ dünner Druckfarbe eingefärbt und die überschüssige Farbe durch ein Rakel blank vom Zylinder abgestreift. Die Farbe für den Druckvorgang bleibt daher nur in den vertieften Stellen des Zylinders zurück; es drucken also nur diese Teile ( = Tiefdruck). Durch den Anpressdruck erfolgt die Übertragung der Farbe auf das Druckmaterial. Die Farb-Auftragsmenge für einen Abbildungsbereich wird also durch die Tiefe der Näpfchen bestimmt, der Hell-Dunkel-Effekt einer Abbildung im Tiefdruck hängt somit von der Menge der aufgetragenen Farbe ab. Dies steht im Gegensatz zum Buch- und Offsetdruck, wo das optische Ergebnis von Halbton-Abbildungen nur durch der Größe der einzelnen Rasterpunkte in den entsprechenden Bildpartien bestimmt wird.

Die druckenden Näpfchen können durch Ätzung, mechanische Gravur mittels kleiner Diamantstichel oder Lasergravur erzeugt werden.

Der Rotationstiefdruck, das heißt der Tiefdruck mit zylindrisch ausgeführten Druckformen, ist bei Massendrucksachen, Zeitschriften, Dekorfolien in der Möbelindustrie und Tapeten in sehr hohen Auflagen wirtschaftlich. Den hohen Kosten der Druckform stehen geringe Kosten im Auflagendruck gegenüber. Besonders für den Dekordruck ist die Möglichkeit des nahtlosen Endlosdruckes von Bedeutung.

Flachdruck

Zum Flachdruck gehören der Steindruck, der Offsetdruck und der Lichtdruck. Der Offsetdruck ist die Weiterentwicklung des direkten Steindruckes zum indirekten Flachdruck. Eine Sonderform des indirekten Flachdrucks ist der Umdruck mit Umdruckpapier oder -folien. Der Flachdruck arbeitet nach dem Prinzip, dass Fett und Wasser sich abstoßen. Der Druckstock ist hierbei chemisch bearbeitet bzw. mikrorau. Die druckenden, fetthaltigen Formbestandteile, zum Beispiel Zeichnungen, werden mit Tusche, Fettkreide, Fettstiften oder auf fotografischem Wege aufgetragen und nehmen die Farbe besser an als das Feuchtwasser. Diese werden als lipophile und hydrophobe Bereiche bezeichnet. Die Restfläche wird hydrophil aufbereitet und stößt die Farbe im folgenden Druckprozess ab.

In der Praxis werden Bogen- und Rollenoffsetdruckmaschinen eingesetzt. Vorteile des Offsetdrucks sind die große Vielfalt an Bedruckstoffen und die schnelle und kostengünstige Herstellung der Druckformen. Tageszeitungen, Massendrucksachen und Zeitschriften sind mit hohen Auflagen oder Umfängen im Rollenoffsetdruck wirtschaftlich. Plakate, Fotobücher, Werbedrucksachen oder hochveredelte Druckerzeugnisse werden bei kleinen bis mittleren Auflagen im Bogenoffsetdruck wirtschaftlich und mit hoher Qualität hergestellt.

siehe auch:

Polyfoliendruck
Manuldruck

Durchdruck

Der Durchdruck wird zumeist als Siebdruck ausgeführt, dies ist ein universelles Schablonendruck-, also Durchdruckverfahren. Die Schablone, auch Drucksieb genannt, wird heute meist fotochemisch aus feinem beschichtetem Siebgewebe aus Kunstfaser oder Stahldraht gefertigt. Der Siebdruck kann sehr vielseitig eingesetzt werden, um Objekte aller Formate zu bedrucken, in geeigneter Form auch für dreidimensionale Objekte.

Beim Siebdruck wird das Sieb in einen Rahmen eingespannt. Der Bedruckstoff wird unter das Sieb gelegt und die Farbe wird an eine Stelle im Sieb gegossen. Nun wird das Sieb auf den Bedruckstoff gelegt. Zwischen Sieb und Bedruckstoff sind ca. 1-2 mm Luft. Dies nennt sich Absprung. Anschließend wird die Farbe mit der Rakel über das Sieb gezogen. Das Sieb wird gelöst und der Druck ist fertig.

Weitere Druckverfahren

Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche andere Druckverfahren, die Sonderformen oder Ableitungen der genannten Druckarten sind.:

  • Tampondruck (indirekter Tiefdruck). Ein Kombination aus Tiefdruck und Flachdruck. Die Vorlage wird mit Hilfe eines Tampons (aus porösem Silikonkautschuk) von einer Fläche (meist Tiefdruckform) auf eine andere, zum Beispiel Tassen, Kugelschreiber übertragen und kann damit auch in die Vertiefung eines verformten Bedruckstoffes appliziert werden. Deswegen findet der Tampondruck besonders bei Werbegeschenkproduktion und in der Verpackungsherstellung Verwendung, ebenso bei der feinen Bedruckung von Modelleisenbahnen oder der Beschriftung elektronischer Bauelemente.
  • Stempeldruck. Eines der ältesten Druckverfahren, bei dem die einzelnen Druckformen auf den Druckstoff aufgedrückt werden. Stempeldruck ist ein Flexodruckverfahren und als solches dem Hochdruck zuzuordnen.
  • Frottage stellt das älteste Druckverfahren mit Farbe dar. Die Schriften des Konfuzius (551–479 v.Chr.), wurden mit dieser Technik vervielfältigt. Als Druckstock diente eine mit Text gravierte Marmor- Granit- oder Kalksteinplatte. Über diese Steindruckplatte legte man ein feuchtes Papier, das anschließend mit Lappen in die Vertiefungen der gravierten Texte gepresst wurde, wonach das Papier mit Tusche eingestrichen wurde, wobei die Vertiefungen weiß und lesbar blieben, und eine Art Negativabzug entstand. Auf diese Art und Weise wurden die Schriften des Konfuzius schon 500 Jahre vor Christus drucktechnisch verbreitet. Das Hauptwerk von Konfuzius, das er selbst in besprochener Technik herausgab, waren die Fünf Klassiker.
  • Pigmentografie ist als selbständiges grafisches Verfahren im Gegensatz zum Pigmentdruck, am Ende der Durchdruck und Schablonendruckverfahren einzugliedern. Bei der von Al Bernstein in USA den 70er Jahren als Trace-Print ins Leben gerufenen Drucktechnik, werden die einzelnen Druckformen im Positiv-Negativ-Verfahren geschnitten und gestochen, wobei im Gegensatz zum Pochoir, sehr feine Linien und Punkte gedruckt werden Können. Beim Druckvorgang werden Druckfarbe, Farbpigmente, per Hand durch die Druckschablone durchgebürstet, und anschließend fixiert.
  • Pochoir. Grafiken und Texte werden mittels Schablonen aufgedruckt. Ist eine der ältesten industriellen Farbdrucktechnik. Wurde ab 1796 im französischen Epinal eingesetzt. Dort wird noch immer in dieser Technik gedrucket. Kommt heute in der Streetart vor, und ist als eine Unterart von Graffiti zu betrachten. Dieses Druckverfahren kann im weitesten Sinne zum Siebdruck (Durchdruckverfahren) zugeordnet werden.

Non Impact Printing

NIP-Verfahren (Non-Impact-Printing, elektronische Druckverfahren ohne explizite Druckform) – eine ständig wachsende Anzahl von neuen Digitaldruck-Verfahrensdrucker, in Form elektrostatische Bürokopie oder hochwertiger Farbthermodruck, Plotter und Tintenstrahldruckern. Laserdrucker oder Zeilendrucker werden nicht zu den NIP-Verfahren gerechnet, da die Farbübertragung dort ohne Druckeinwirkung auf das Papier nicht erfolgen kann. Typendrucker z. B. sind sogenannte Transferdurchdrucker und stellen eine Prinzipmischung aus Buchdruck und Siebdruck dar. Sie haben Formbestandteile (Typen), weisen aber nicht die typische Gesamtformkonstellation einer Druckmaschine auf. Der alte Dot-Matrix-Drucker (auch Nadeldrucker) fällt ebenfalls in diese Kategorie, allerdings ist er, im Gegensatz zur Schreibmaschine, völlig formfrei. Der klassische Laser(seiten)drucker wäre zu den elektronischen Flachdruckverfahren zu rechnen. Er hat durch die Abbildung des Druckbildes auf der Tonertrommel wiederum eine Druckform, wenn auch eine temporäre.

  • Thermoretransferdruck. Der Thermoretransferdruck ist die Weiterentwicklung des Thermodrucks vor allem im Bereich der CD und DVD-Bedruckung. Auch hier für wird ein spezieller Drucker verwendet. Durch Erwärmung des Druckkopfes wird die Farbe von einer farbtragenden Polyesterfolie („Ribbon“) abgelöst und auf ein spezielles Übertragungsband („Retransferband“) übertragen. Von diesem Retransferband wird dann eine Folie auf das zu bedruckende Medium aufgeschmolzen. Durch diese Zwischenübertragung ist eine hohe Auflösung möglich und der Druck kann in Vollfläche erfolgen. Daher können auch kleine Stückzahlen in fotorealistischer Qualität bedruckt werden.
  • Thermosublimationsdruck. Der Thermosublimationsdruck hat seine Wurzeln ebenfalls beim Thermotransferdruck. Der Unterschied ist, dass die Farbe von der Trägerfolie auf das Papier durch Sublimation übertragen wird. Da die Farbe kurz gasförmig ist, lassen sich echte Tonwertabstufungen ohne Rasterung erzeugen – eine Schwäche des Thermotransferdrucks bei Fotoausdrucken konnte dadurch beseitigt werden. Allerdings sind die Verbrauchskosten (Transferfolien) sehr hoch, so dass sich diese Geräte auf dem Markt nicht halten konnten. In jüngster Zeit etabliert sich das Druckverfahren wieder bei kleinformatigen Fotodruckern als Zubehör für Digitalkameras.
  • Laserbeschriftung. Durch einen energiereichen Laserstrahl wird das zu bedruckende Material verändert. Dabei kann es, je nach Material und Verfahren, zu chemischen Veränderungen kommen (z. B. Verbrennung, Verfärbung) oder auch zu einem Materialabtrag. Die Laserbeschriftung wird heute weithin verwandt, z. B. bei der Beschriftung elektronischer Bauteile oder von Tastaturen. Ein besonderer Vorteil ist die Möglichkeit, auch sehr kleine, maschinenlesbare Schriften zu erstellen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Werkstücke (z. B. Plexiglasplatten) oft mit demselben Laser geschnitten und beschriftet werden können.

Thermotransfer- und Thermosublimationsdruck eignen sich gut für den Textildruck, da sie besonders wasserabweisend und in hohem Maße lichtecht sind.

Der Anteil der einzelnen Druckverfahren zu Gesamtumsatz in der Druckindustrie setzt sich wie folgt zusammen: Hochdruck: 4% Siebdruck: 6% Digitaldruck: 8% Tiefdruck: 12% Flachdruck: 70%

Druckfarbe

Druckfarben sind in ihrer Zusammensetzung und in ihren Eigenschaften an das Druckverfahren angepasst. In allen Flachdruckverfahren und im Buchdruck werden pastöse und hochviskose Farben verwendet. Im Flexodruck und Tiefdruck hingegen werden niedrigpastöse, dünnflüssige Farben benutzt. Im Siebdruckverfahren sind die gewählten Farben und ihre Eigenschaften von dem jeweiligen Verwendungszweck abhängig. Die historische Buchdruckfarbe der schwarzen Kunst bestand aus Ruß der durch kräftiges Einspachteln in das selbstaushärtende Leinöl dispergiert wurde. Moderne Druckfarben sind hochkomplexe Stoffgemische.

Geschichtlicher Überblick der wichtigsten Erfindungen aus dem Druckbereich

Jahr Erfindung Erfinder Anwendungsbereich
4. Jahrtausend v. Chr. Blindprägedruck mit Roll- und Stempelsiegeln in Mesopotamien und Ägypten Versiegelung von Krügen, Urkunden, Tonkartuschen, Gräbern
770 Holztafeldruck entwickelt während der Sui-Dynastie Druck von Blockbüchern
1040 Druck mit beweglichen Lettern (gebrannter Ton) Bi Sheng Buchdruck
1234 Druck mit beweglichen Lettern (Holz, Kupfer, Blei oder Messing) vermutlich entwickelt während der Goryeo-Dynastie in Korea Buchdruck
1400 Erfindung des Holzschnitts -- Buchdruck
1440 Druck mit beweglichen Lettern (Blei) Johannes Gutenberg Buchdruck
1446 erster nachweisbar datierter Kupferstich Peter Zamudio Einblattdruck, Buchillustration
1457 erste Datierung einer Verlagsangabe in einem gedruckten Buch -- Buchdruck
1469 ältestes Druckprivileg J. von Speyer Buchdruck
1573 erste deutsche Buchdruckerordnung in Frankfurt am Main Buchdruck
1780 Kopierpresse James Watt Kopieren
1797 Steindruck (Lithographie) Alois Senefelder Einblattdruck, Buchillustration
1798 Papiermaschine Nicholas-Louis Robert Papierherstellung
1800 erste ganz aus Eisen gefertigte Handpresse, die Stanhope-Presse Lord Stanhope Buchdruck
1812 Zylinderdruckmaschine (Schnellpresse) Friedrich Koenig hohe Auflagen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften
1816 Schön- und Widerdruckpresse Friedrich Koenig Buchdruck
1822 erstes Patent auf eine Setzmaschine William Church Satzherstellung
1830 Tiegeldruckpresse (Bostonpresse) Isaac Adams Buchdruck
1830 Stereotypie Firmin Didot Klischeeherstellung
1837 Chromolithografie (Farbdruck) Godefroy Engelmann Buchdruck, Kunstdruck
1838 Galvano Moritz Hermann von Jacobi Klischeeherstellung
1838 Fotografie Louis Daguerre Illustrierte, Foto-Bildbände, Postkarten
1840 Strichätzung Blasius Höfel Klischeeherstellung
1843 Rotationsdruck Richard March Hoe hohe Auflagen von Büchern, Zeitungen und Zeitschriften in kurzer Zeit
1844 Patent auf Papierfabrikation aus Holz Friedrich Gottlob Keller Papierherstellung
ca. 1850 Lichtdruck (Phototypie) Louis-Alphonse Poitevin hochwertige Faksimiles
ca. 1850 Boston-Tiegelpresse stehendes Prinzip J. Golding Buchdruck
1851 Falzmaschine James Livesey Falzen
1862 Komplettgießmaschine Johnson und Atkinson Satzherstellung
1863 Rollen-Rotationsdruckmaschine William Bullock Massenauflagen von Büchern, Zeitungen, Zeitschriften mit kurzfristigem Erscheinungstermin
1867 Schreibmaschine Christopher Latham Sholes Büroarbeit aller Art
1873 Mimeograph Thomas Alva Edison Kopieren
1879 Hektograph Kwaisser und Husak Kopieren
1881 Autotypie Georg Meisenbach Klischeeherstellung
1886 Setzmaschine (Linotype) Ottmar Mergenthaler Satz
1897 Monotype Tolbert Lanston Satz
1907 Offsetdruck Ira W. Rubel/Caspar Hermann Druck auf Papier, Folie, Blech
nach 1920 Schapyrograph  ?? Kopieren
1930 Serigraphie/Siebdruck Carl Zigrosser/Anthony Velonis Plakate, Druck auf unterschiedlichste Materialien
1930 Lichtsetzmaschine (Uhertype) Edmund Uher Satz
1938 Elektrofotografie Chester Carlson und Otto Kornei Fotokopieren
1948 Rotofoto-Lichtsatzapparatur George Westover Satz
1962 EDV-Einsatz bei Satzherstellung -- Satz
1982 Einführung von PostScript Adobe Satz
1990 Einführung von PDF Adobe Satz

Literatur

  • Küppers, Harald: Schnellkurs Farbenlehre. Die verschiedenen Möglichkeiten der Bildreproduktion. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2005.
  • Blana, Hubert: Die Herstellung. München: K.G. Saur Verlag, 1998. ISBN 3-598-20067-6
  • Gerhardt, Claus W.: Geschichte der Druckverfahren. Teil II. Der Buchdruck. Stuttgart: Anton Hiersemann Verlag, 1975. ISBN 3-7772-7521-2
  • Gutenberg Museum Mainz (Hrsg.): Von Gutenberg zum WorldWideWeb. Wien: Dachs Verlag, 2002.
  • Liebau, Dieter und Weschke, Hugo: Polygraph Fachlexikon der Druckindustrie und Kommunikationstechnik. Frankfurt am Main: Polygraph Verlag, 1997.
  • Scheper, Hans Jürgen: Prüfungswissen Drucktechnik. Itzehoe: Verlag Beruf und Schule, 2005. ISBN 3-88013-623-8
  • Hiller, Helmut und Füssel, Stephan: Wörterbuch des Buches. 6. Auflage. Frankfurt am Main: Vittorio Klostermann Verlag, 2002. ISBN 3-465-03220-9
  • Wolfsturm, Hans-Jürgen und Burkhardt, Hermann: Hochdruck. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag, 1994. ISBN 3-473-48382-6
  • Johansson, Lundberg und Ryberg: "Well done, bitte!". Das komplette Menü der Printproduktion. Verlag Hermann Schmidt Mainz, 2004

Weblinks


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