Auflesen
Jean-François Millet, Les Glaneuses (Radierung), post 1857

Auflesen oder Nachlesen ist das Einsammeln liegengebliebener Früchte von Feldern, Weinbergen oder Bäumen nach der bereits erfolgten Ernte.

Das Nachlesen geschieht traditionell durch Arme, die über keinen Grundbesitz verfügen, oft auch durch Kinder. Heute wird es auch im großen Stil von humanitären Organisationen durchgeführt, beispielsweise auf Feldern, die aus ökonomischen Gründen nicht abgeerntet werden. In einigen Gegenden Deutschlands gibt es auch heute noch den Brauch bedürftigen Personen in Obstanlagen das Nachlesen (in der Pfalz auch „stopplen“ genannt) zu gestatten.

Die Praxis war und ist oft gesetzlich geschützt (Nachleserecht). Zu anderen Zeiten war und ist es grundsätzlich verboten, fremde Felder ohne explizite Erlaubnis nachzulesen.

Inhaltsverzeichnis

Das Nachleserecht in der Bibel

An einigen Stellen im Alten Testament der Bibel wird ein Nachleserecht beschrieben:

  • 3. Mose 19,9 „Und wenn ihr die Ernte eures Landes erntet, darfst du den Rand deines Feldes nicht vollständig abernten und darfst keine Nachlese deiner Ernte halten“.
  • 5. Mose 24,19 „Wenn Du deine Ernte auf deinem Feld einbringst und du hast eine Garbe auf dem Feld vergessen, sollst du nicht umkehren um sie zu holen. Für den Fremden, für die Waise und für die Witwe soll sie sein.“
  • 5. Mose 24,21 „Wenn Du in deinem Weinberg Lese hältst, sollst du nicht hinterher Nachlese halten. Für die Fremden, die Waise und für die Witwe soll es sein“

In Buch Ruth liest die Moabiterin Ruth Ähren auf den abgeernteten Feldern ihres entfernten Verwandten Boas.

Rechtliche Situation heute

Es existiert zumindest in Frankreich noch das explizite Recht einzusammeln, was übrig bleibt, wie es im Dokumentarfilm „Les glaneurs et la glaneuse“ von Agnes Varda vorgestellt wird. Hier wird die Praxis der Nachlese aus der Sicht der ländlichen Bevölkerung Frankreichs gezeigt.

Ursprünglich bezieht sich dieses Recht zu „glaner“ (frz. für „auflesen“, „einsammeln“) auf das, was nach der Ernte auf dem Feld liegenbleibt.

Siehe auch

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  • auflesen — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Auch: • aufheben • aufsammeln Bsp.: • Das Mädchen hob seinen Ball auf …   Deutsch Wörterbuch

  • auflesen — V. (Aufbaustufe) etw. aufheben und mit der Hand sammeln Synonyme: aufsammeln, einsammlen Beispiel: Sie hat sich gebückt, um die Scherben des Tellers aufzulesen …   Extremes Deutsch

  • auflesen — mitnehmen; aufsammeln * * * auf|le|sen [ au̮fle:zn̩], liest auf, las auf, aufgelesen <tr.; hat: sammelnd vom Erdboden aufheben: sie kniete auf dem Boden und las alle Perlen auf. Syn.: ↑ aufheben, ↑ aufnehmen, ↑ aufraffen, ↑ …   Universal-Lexikon

  • auflesen — auf·le·sen (hat) [Vt] 1 etwas (Kollekt od Pl) auflesen ≈ aufsammeln 2 jemanden / etwas auflesen gespr; jemanden / etwas (zufällig) finden und mitnehmen: einen Tramper, eine ausgesetzte Katze auflesen …   Langenscheidt Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache

  • auflesen — 1. a) aufgreifen, aufheben, aufnehmen, aufraffen, aufsammeln, einsammeln, hochnehmen, zusammenraffen; (bes. südd., österr.): aufklauben; (landsch.): stoppeln. b) bekommen; (ugs.): sich einfangen, sich holen. 2. auffinden, aufspüren, aufstöbern,… …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • auflesen — auflesentr jnzufälligtreffen(undmitnehmen).HergenommenvonderÄhrenlese.1900ff,stud …   Wörterbuch der deutschen Umgangssprache

  • auflesen — auf|le|sen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Auflesen — 1. Es gibt überall aufzulesen, sagt der Jüd , man muss nur ein Säcklein mitnehmen. (Meiningen.) *2. Sie hat eppas aufgeläsa. – Sartorius, 156. Sie ist unehelich schwanger geworden; auch: sie hat sich eine Krankheit, ein Uebel zugezogen …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • jemanden aus der Gosse \(oder: dem Rinnstein\) auflesen \(auch: ziehen\) — Aus der Gosse kommen; jemanden aus der Gosse (oder: dem Rinnstein) auflesen (auch: ziehen)   »Gosse« oder »Rinnstein« stehen in diesen Wendungen für üble Verhältnisse oder moralische Verkommenheit. Wer aus der Gosse kommt, stammt aus sozial… …   Universal-Lexikon

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