Poitou
Das Wappen der Grafschaft Poitou, Richard Löwenherz trug es erstmals anlässlich des dritten Kreuzzuges

Das Poitou (französischer Name für Piktavien, kelt. Piktavia, altnorw./norm. Peitaland) ist eine Landschaft im Westen Frankreichs und war eine historische Provinz und Grafschaft. Das Gebiet der Grafschaft entsprach ungefähr den heutigen Départements Deux-Sèvres, Vienne und Vendée, ausgenommen die alte Seneschallate von Loudun, die zur Provinz Anjou gehörte. Hauptstadt der ehemaligen Provinz Poitou war Poitiers. Heute wird die piktavische ('poitevinische') Sprache immer noch gesprochen.

Inhaltsverzeichnis

Wappen

Beschreibung: In Silber ein goldbewehrter und -gezungter roter Löwe.

Geschichte

In der Spätantike gehörte die Region als civitas Pictavorum der römischen Provinz Aquitania secunda an und umfasste sechs pagi. Nach der Völkerwanderung gehörte das Gebiet zum Reich der Westgoten und nach deren Niederlage in der Schlacht von Vouillé 507 (in der Nähe von Poitiers) dem der Franken.

Der heilige Warin von Poitou war im 7. Jahrhundert Statthalter des merowingischen Königs von Paris für das Poitou.

In der angrenzenden Touraine fand 732 die Schlacht von Tours und Poitiers zwischen den vordringenden Arabern und dem von Karl Martell geführten Heer der fränkischen Fürsten statt. In dieser Schlacht wurde die über Andalusien kommende muslimisch-arabische Expansion in Westeuropa begrenzt und gewendet.

Die Grafschaft Poitou war bedingt durch ihre Größe eine der wichtigsten Territorien des fränkischen Reichs der Karolinger und war dem Unterkönigreich von Aquitanien zugehörig. Neben den Grafen von Auvergne aus der Familie der Wilhelmiden (Gellones), waren die Grafen aus der Familie der Ramnulfiden (Haus Poitiers) im 9. Jahrhundert die mächtigsten Fürsten Aquitaniens und führten zeitweise den Titel eines Dux, allerdings ohne bestimmter Zuordnung, denn die Herzöge Aquitaniens wurden zuerst von den Gellones gestellt. Erst nachdem Aussterben der Gellones 927 gelang es Ebalus Mancer deren Besitzungen zu übernehmen, womit er seine Familie als neue Herzogsdynastie etablierte. Die Grafen von Poitou waren vom 10. bis 12. Jahrhundert als Herzöge von Aquitanien neben den rivalisierenden Grafen von Toulouse die mächtigsten Fürsten Südfrankreichs und genossen durch die Schwäche der frühen Kapetinger-Könige faktisch einen königsgleichen Status.

Zur Familie gehören auch die Fürsten von Antiochia von 1163 bis 1268, die Grafen von Tripolis von 1187 bis 1289, die Könige von Zypern von 1217 bis 1489 und somit auch die Titularkönige von Jerusalem ab 1268.

Die berühmtesten Familienmitglieder sind jedoch zwei Frauen: Agnes von Poitou († 1077), die römisch-deutsche Kaiserin und Regentin des heiligen römischen Reichs von 1056 bis 1062, und Eleonore von Aquitanien († 1204). Durch die Ehe Eleonores mit Heinrich Plantagenet 1154 wurde das Poitou mit dem restlichen Aquitanien in das Territorialkonglomerat der Plantagenets aufgenommen, heute bekannt unter dem Namen „Angevinisches Reich“. Gemeinsam mit ihrem Sohn, Richard Löwenherz, führte Eleonore in Poitiers einen der glänzendsten Höfe des hohen Mittelalters. Im Machtkampf mit König Philipp II. August wurden die Plantagenets 1204 all ihrer Besitzungen in Frankreich für verlustig erklärt, aber erst dessen Sohn, König Ludwig VIII. der Löwe, konnte das Poitou 1224 militärisch erobern. Im Vertrag von Paris 1259 wurde dieser Verlust durch König Heinrich III. von England anerkannt.

Nach der Auflösung der historischen Provinzen im Jahre 1789 wird der Name der Provinz als geographische Bezeichnung weiterhin verwendet.

Die Départements Deux-Sèvres, Vienne bilden heute zusammen mit den südlich angrenzenden Départements Charente und Charente-Maritime die Region Poitou-Charentes, während das Département Vendée zur Region Pays de la Loire gehört.

Bekannt ist der Marais Poitevin, eine Sumpfregion am Golf von Poitou an der französischen Westküste nördlich von La Rochelle.

Siehe auch

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