Augenchirurgie
Augenoperation

Die Augenheilkunde kennt zahlreiche Operationsmethoden zur Behebung von Erkrankungen bzw. zur Korrektur von Fehlsichtigkeit des Auges:

Inhaltsverzeichnis

Katarakt-Operationen

Bei Operationen einer Katarakt (Grauer Star) wird die getrübte Augenlinse durch eine Kunstlinse ersetzt. Folgende Methoden werden angewandt:

  • Intracapsuläre cataract extraction (ICCE) - nur noch in Ausnahmefällen – Entfernen der Linse einschließlich ihrer Kapsel. Die Kunstlinse wird dann weggelassen (Starbrille) oder an der Iris oder im Kammerwinkel fixiert.
  • Extracapsuläre cataract extraction (ECCE). Die Linsenkapsel wird am Ort belassen und die Kunstlinse in der Regel darin eingeklemmt.
    • Manuelle Extraktion - weniger häufig geübt – die klassische Methode. Nur noch verwendet, wenn Phakoemulsifikation nicht möglich ist.
    • Phacoemulsifikation – die in Deutschland am häufigsten angewendete Methode. Der Linseninhalt wird mit einem mit Ultraschallfrequenz vibrierenden Röhrchen zertrümmert und abgesaugt.
  • YAG Laser Capsulotomie (zur Behandlung des "Nachstars"). Berührungsfreies Eröffnen der Linsenkapsel, wenn diese nach ECCE im Lauf der Zeit undurchsichtig wird.

Glaukom-Operationen

Bei Operationen eines Glaukoms (Grüner Star) wird abhängig vom Typ der Erkrankung der Augeninnendruck reduziert oder die Kammerwasserzirkulation verbessert. Folgende Methoden werden unter Anderem angewandt:

  • Goniotomie. Einschneiden des Gewebes im Abflussbereich des Kammerwassers zur Verbesserung des Abflusses. Z.B. bei angeborenen Glaukomformen.
  • Iridotomie. Anlegen einer Durchflussöffnung in der Iris zur Verbesserung der Kammerwasserzirkulation bei Engwinkelglaukom.
    • mittels Nd:YAG-Laser, ohne Eröffnung des Augapfels
    • Chirurgische Iridektomie, durch einen Einschnitt am Hornhautrand oder während einer anderen Augenoperation.
  • Trabekulotomie, Einschneiden des Trabekelwerks zur Verbesserung des Kammerwasserabflusses.
    • Excimer-Laser-Trabekulotomie ab interno, ohne Eröffnung des Augapfels
  • Trabekulektomie und andere filtrierende Eingriffe, Anlegen einer künstlichen Öffnung der Sklera, die anschließend locker verschlossen und mit Bindehaut überdeckt wird.
  • Zyklodestruktive Eingriffe, Zerstörung eines Teils des Ziliarkörpers, der das Kammerwasser produziert.
    • Zyklophotokoagulation, mit elektromagnetischer Strahlung (Laser)
    • Zyklokryokoagulation, mit Kälte
  • Trabekuloplastie, Aufdehnen des Maschenwerks im Abflussbereich des Kammerwassers durch gezieltes Setzen von Narben im angrenzenden Gewebe. Meist nur einige Monate wirksam.
    • Argon Laser Trabeculoplastie (ALT)
    • Selektive Laser Trabeculoplasty (SLT)

Refraktive Chirurgie

Die refraktive Chirurgie versucht Fehler in der Refraktion (Brechung) des Auges zu korrigieren (zu den Methodendetails siehe refraktive Chirurgie). Folgende Methoden werden/wurden angewandt:

  • Keratomileusis
  • Automatisierte lamellare Keratoplastie (ALK)
  • Laser assisted in-situ keratomileusis (LASIK)
  • Laser assisted sub-epithelial keratomileusis (LASEK), auch Epi-LASIK
  • Photorefraktive Keratektomie (PRK)
  • Laser Thermal Keratoplastie (LTK)
  • Konduktive Keratoplastie (CK)
  • Limbale relaxierende Incision (LRI)
  • Anteriore ciliare Sclerotomie (ACS)
  • Astigmatische Keratotomie (AK), oder auch Arcuate Keratotomie oder Transverse Keratotomie
  • Radiale Keratotomie (RK)
  • Hexagonale Keratotomie (HK)
  • Epikeratophakia
  • Corneale Ringsegmente (Intacs)
  • Implantierbare Kunstlinsen
    • als "Huckepack-Linsen" zwischen Regenbogenhaut und Linse
    • als Iris-Clip-Linsen an der Vorderseite der Regenbogenhaut
  • Sklerale Expansionsbänder

Hornhaut-Chirurgie

  • Penetrierende Keratoplastik (PK), die Hornhaut-Transplantation, wird angewandt, um eine erkrankte Cornea durch eine Spender-Cornea zu ersetzen.
  • Lamelläre Keratoplastik, Ersetzen nur einer Schicht (Lamelle) der Hornhaut durch Spendergewebe
  • Keratoprothese (teilweise experimentell), Einsetzen nicht kornealen (nicht zur Hornhaut gehörenden) Materials (künstlich, Zahn o.ä.) als Hornhautersatz.
  • Phototherapeutische Keratectomie (PTK), gezieltes Verdampfen des getrübten Hornhautgewebes mittels Laser.
  • Pterygium-Entfernung, Ausschneidung des vorwachsenden Gewebes.

Glaskörper- und Netzhaut-Chirurgie

  • Vitrektomie, möglichst vollständige Entfernung des Glaskörpers
    • pars plana Vitrektomie (ppV), durch Zugang über die Zone zwischen Netzhaut und Ziliarkörper
      • mit oder ohne peeling epiretinaler Membranen
      • mit oder ohne Glaskörperersatz durch Gase oder spezielle Flüssigkeiten (z.B. Silikonöl)
    • open-sky-Vitrektomie, durch Zugang über die vorher entfernte Hornhaut
  • Netzhautrotation
  • Gezieltes Setzen von Netzhautnarben zur Verbesserung der Anheftung oder zur Verminderung des Sauerstoff- und Nährstoffbedarfs.
    • Photo- bzw. Laserkoagulation, mit Laser
    • Kryokoagulation, mit Kälte
  • Eindellende Operation bei Netzhautablösung, Eindellen der Sklera von außen, z.B. um ein Netzhautloch zu verschließen
    • Sklerale Plombe, meist schwammartiger Kunststoff
      • Pneumatische Retinopexie, Eingabe von Luft in den Glaskörperraum, um das Netzhautloch (zusätzlich) von innen zu verschließen.
    • Cerclage mit oder ohne Wedge, Kunststoffband, das wie ein Gürtel zirkulär um den Augapfel gelegt wird.
  • Sclerochoroidectomie

Strabismus-Chirurgie

Korrektur von Schielen (Strabismus), Augenzittern (Nystagmus) und okulär bedingten Kopfzwangshaltungen[1]. Die operative Korrektur des Schielens wird auch als Schieloperation bezeichnet. Ihre Durchführung kommt in Betracht, wenn das Ausmaß eines Schielwinkels die Entwicklung bzw. Wiederherstellung von Binokularsehen nicht zulässt oder eine zentrale Fixation unmöglich macht. Dabei wird durch unterschiedliche Verfahren Einfluß auf die Wirkungsweise eines oder mehrerer Augenmuskeln genommen. Folgende Prinzipien bilden hierfür die Grundlage:

Desinsertion der Sehne des linken Musculus rectus medialis
  • Veränderung der Muskelkraft
    • Vorlagerung
    • Rücklagerung
    • Resektion
    • Sehnenfaltung
    • Sehnenverlängerung (Elongatio)
    • Tenotomie
    • Myotomie
    • Tenektomie
    • Myektomie
  • Veränderung der Exkursionsfähigkeit
    • Fensterung (Fenestration)
    • falsche Fadenoperation
  • Veränderung der Abrollstrecke
    • Myopexie (Faden-OP nach Cüppers), ggf. mit nachjustierbarer Nahtstelle
  • Veränderung der Bulbusstellung
    • kombinierte Operation (Resektion und Rücklagerung)
  • Veränderung der Muskelzugrichtung
    • Ansatzverlagerungen mit und ohne Sehnensplitting
    • Transposition (z. B. nach Hummelsheim)

Operationsmethoden bei Nystagmus sind zum einen die Kestenbaum-Operation, eine beidseitig durchgeführte kombinierte Operation mit dem Ziel der Reduzierung einer Kopfzwangshaltung und Verlagerung der Neutralzone in die Primärposition, zum anderen eine so genannte artifizielle Divergenz-Operation, eine einseitig durchgeführte kombinierte Operation, die dann indiziert sein kann, wenn eine Konvergenzbewegung zur Nystagmusberuhigung genutzt wird und Binokularsehen vorhanden ist. Besteht neben dem Nystagmus ein Strabismus, so kann auch eine Faden-OP in Frage kommen.

In der Regel ist das Ziel solcher Operationen primär eine funktionelle Verbesserung und erst in zweiter Hinsicht eine kosmetische.

Dosis-Wirkungs-Verhältnis

Das Dosis-Wirkungs-Verhältnis sagt nicht zwangsläufig etwas über das positive Ergebnis einer Schieloperation aus. Dieses kann neben der Reduzierung von Schielabweichung natürlich auch in der Verbesserung oder Herstellung von Binokularsehen einer bestimmten Qualität liegen. Aus diesem Grund wird hier lediglich auf den mechanischen Effekt bestimmter Schieloperationen verwiesen.

Prinzipiell ist das Verhältnis von operierter Muskelstrecke zur Reduktion eines Schielwinkels von einer ganzen Reihe von Faktoren abhängig (Technik, Patientengut, Art des Schielens etc.). Über Jahre hinweg erfolgte statistische Auswertungen können jedoch relevante Aussagen über entsprechende Verfahren und Dosierungen treffen.

  • Nichtparetisches Schielen
    • kombinierte Operationen an den Horizontalmotoren beeinflussen den Fernschielwinkel ebenso wie den Nahschielwinkel, wenn die Gesamtoperationsstrecke auf beide Muskeln im Verhältnis 1:1 aufgeteilt ist. Je nach angewandter Technik beträgt der Effekt an Schielwinkelreduktion ca. 1,5° bis 2,0°/mm Gesamtoperationsstrecke. Dies bedeutet auch, dass Schielwinkel grösser 22-25° bei einer in der Regel sinnvollen maximalen Gesamtoperationsstrecke von 12-14 mm je Auge nur durch einen Eingriff an beiden Augen zufriedenstellend angegangen werden können.
    • isolierte Rücklagerungen zeigen einen deutlich geringeren Effekt von lediglich 0,7° bis 0,9°/mm Operationsstrecke.
    • Resektionen weisen eine geringfügig größere Wirkung auf, überschreiten jedoch auch eine Relation von 1,0°/mm nicht.
    • Der Operationseffekt an den geraden Vertikalmotoren entspricht bei Rücklagerungen und kombinierten Eingriffen in etwa den vorgenannten Werten.
    • Auch bei den schrägen Vertikalmotoren lassen sich entsprechende Effekte feststellen, deren Wirkung sich jedoch auf die einzelnen Teilfunktionen der Muskeln entsprechend der geprüften Blickrichtungen verteilt.
  • Paretisches Schielen
    • Die operative Reduktion von Schielwinkeln bei Augenmuskelparesen entspricht in etwa denjenigen Werten beim nichtparetischen Schielen, dies umso mehr, je weniger die Materialeigenschaften der operierten Muskeln von den Normwerten abweichen. Jedoch ist eine Angabe von Durchschnittswerten wenig sinnvoll, da die großen individuellen Unterschiede (Teilparesen, Paralysen, kombinierte Lähmungen etc.) entsprechende Aussagen nicht zulassen.

Okuloplastik

Augenoperation im Mittelalter

Oculoplastics

  • Blepharoplastie, zahlreiche Operationsverfahren zur Korrektur der Lidhaut oder Lidstellung.
  • Entfernen des Augapfels
    • Enukleation - Entfernen des Augapfels und Belassen von Augenmuskeln und übrigem orbitalen Inhalt mit oder ohne Einsetzen einer Führungsplombe für ein später außen aufgesetztes Kunstauge.
    • Evisceration - Entfernen des Augapfel-Inhalts, die Sklera bleibt erhalten. Zur Reduzierung von Schmerz in einem blinden Auge.
    • Exenteration - Entfernen des Auges und des orbitalen Inhalt, inkl. extraokularen Muskeln, Fett und Bindegewebe; in der Regel bei bösartigen Tumoren.

Siehe auch

Gesundheitshinweis
Bitte beachte den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Einzelnachweise

  1. Herbert Kaufmann: Strabismus. Unter Mitarbeit von W. de Decker u. a., Stuttgart: Enke, 1986, ISBN 3-432-95391-7

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