Augsburger Dom
Der Dom zu Augsburg 1844

Die Hohe Domkirche Unserer Lieben Frau zu Augsburg (Augsburger Dom) ist die Kathedrale des Bistums Augsburg und Stadtpfarrkirche der Dompfarrei Zum Heiligsten Herzen Jesu. Neben der Basilika St. Ulrich und Afra gilt der Dom als bedeutendster Kirchenbau und eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt Augsburg. Die Ursprünge des Domes werden auf das 8. Jahrhundert datiert. Der Dom ist 113 m lang, 40 m breit und seine Türme sind 62 m hoch.

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

Grundriss des ehemaligen romanischen Domes
Der Ostchor von Nordosten
Das Südportal des Langhauses mit den neuen Bronzetüren
Blick in das Halbdunkel des Ostchores
Das romanische Langhaus mit den gotischen Seitenschiffen
Schrägblick durch das Langhaus
Die südlichen Seitenschiffe nach Osten
Die spätgotischen Chorschranken des Westchores
Blick aus dem Umgang des Ostchores nach Westen
Grabmal des Bischofs Walter von Hochschlitz († 1369) im nördlichen Querhaus
Neugotischer Altar im nördlichen Querhaus mit spätgotischen Skulpturen
Die romanische Ostkrypta unter dem Westchor
… und die Westkrypta
Der Altar der barocken Marienkapelle
König David als Glasmalerei (Anfang 13. Jahrhundert oder früher, Nachzeichnung)

Der Dom liegt innerhalb der Stadtmauern der ehemaligen römischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum. Unter dem romanisch-gotischen Dom konnten Fundamente aus dem 4. Jahrhundert ergraben werden (1978/79), die möglicherweise auf eine frühchristliche Kirche und einen Bischofssitz hinweisen. Allerdings wurden hierfür bisher noch keine Nachweise in den Quellen gefunden. Auf eine christliche Gemeinde dieser Zeitstellung deutet nur eine Grabinschrift, die im Bereich der ehemaligen Johanneskirche neben dem Dom gefunden wurde.

Die ersten nachweisbaren Dombauten entstanden unter den Bischöfen Wikterp († um 772) und Sintpert, dessen Bischofskirche 805 geweiht wurde. Die erste urkundliche Erwähnung des Mariendomes stammt von 822.

Die Beschädigungen infolge der Ungarnstürme ließ Bischof Ulrich ab 923 beseitigen. Der Westbau stürzte 994 ein, konnte aber mit Unterstützung der Kaiserin Adelheid erneuert werden. Angeblich soll die Kaiserin den Einsturz in einer Vision vorausgesehen haben.

Bischof Heinrich II. begann schließlich mit dem Neubau der Kathedrale, die unter seinem Nachfolger Embriko 1065 geweiht wurde. Diese Kirche bildet den Kern des heutigen Domes (Mittelschiff).

Ab 1331 erweiterte man den romanischen Dom in gotischen Stilformen. Die Arbeiten begannen mit dem Westchor und dem Langhaus. Bischof Markward legte 1356 den Grundstein für den mächtigen Ostchor, der erst 1431 vollendet war.

1537–1548 verwüsteten die protestantischen Bilderstürmer das Gotteshaus. Die zerstörte Ausstattung wurde während der Gegenreformation allmählich ersetzt.

1565 erhöhte man den Nordturm. 1655–1658 wurde das Dominnere in barocken Formen um- und ausgestaltet. Später kamen noch einige Kapellenanbauten hinzu. Erhalten hat sich hiervon jedoch nur der Zentralbau der Marienkapelle am Kreuzgang.

1808/09 brach man die Bebauung südlich der Kathedrale ab und legte einen Parade- und Exerzierplatz an. Von 1852 bis 1863 wurde die Barockausstattung beseitigt und der Dom im Sinne der Neugotik rückgebaut. Die historisierende Ausstattung ergänzte man durch den Zukauf und die Umsetzung bedeutender mittelalterlicher Gemälde und Plastiken.

1934 wurde die mittelalterliche Raumgestalt rekonstruiert und die Farbfassung wiederhergestellt, um die neugotischen Aspekte des Domes zu reduzieren. Im Zweiten Weltkrieg blieb der Dom weitgehend verschont. Am schwersten wurde die Marienkapelle getroffen, auch der Kreuzgang erlitt Schäden.

Das Innere wurde 1983/84 umfassend restauriert und saniert. Am Außenbau ersetzte man die Bauteile aus Sandstein in den letzten Jahrzehnten weitgehend. Das neue Bronzeportal am Chor konnte 2001 geweiht werden.

Architektur

Von weiten Teilen der Augsburger Innenstadt lassen sich die beiden Glockentürme des Hohen Domes erblicken. Sie gehören mit 62 Metern Höhe neben der Basilika St. Ulrich und Afra und dem Perlachturm zu den höchsten Gebäuden in der historischen Altstadt von Augsburg.

Auf den Resten älterer Gebäude wurde von Bischof Simpert um das 8. Jahrhundert ein Dom erbaut. Im Jahr 994 stürzte der Bau ein. Der daraufhin bis um 1065 erbaute Dom ist der Ursprung des heutigen Gebäudes. Die beiden Kirchtürme, die noch heute bestehen, wurden bis 1075 fertiggestellt. Im 14. Jahrhundert erfolgte der Umbau im Stil der Gotik.

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Augsburger Dom zahlreiche Umbauten, wobei viele Kunstschätze verloren gingen. Die letzten bedeutenden Umbaumaßnahmen fanden 1863 statt, als der Dom im Stil der Neugotik umgebaut wurde.

Beschreibung

Der Augsburger Dom ist eine lang gestreckte, fünfschiffige Basilika mit einem östlichen Umgangschor und einem einschiffigen Westchor. Der Westapsis ist ein Querhaus vorgelagert. Die beiden romanischen Türme vor dem Ostchor sind aus Bruchsteinen aufgemauert und werden durch Lisenen und Bogenfriese gegliedert. Den Abschluss bilden hohe Spitzhelme mit Dreiecksgiebeln.

Die doppelten Seitenschiffe der Langhaussüdseite aus unverputztem Ziegelmauerwerk werden außen von einfachen Strebepfeilern gestützt. Die quergestellten Satteldächer über den Gewölben sind hinter dreieckigen Zinnengiebeln verborgen. Das offene Strebesystem ist in der Dachzone versteckt. Die ursprünglichen Fensteröffnungen der schmucklosen Hochschiffwand wurden vermauert.

Der gotische Ostchor ist weiß verputzt, die reiche Architekturgliederung steinsichtig belassen, aber größtenteils erneuert. Bedingt durch einige Planungsänderungen vermittelt der Chorbau einen „unfertigen“ Eindruck. Die Architektur folgt im Grundriss dem „französisch-kathedralen“ Grundmuster, der basikale Mittelraum wirkt hingegen plump und wie eine Notlösung. Die Dachflächen über den Kapellen sind weit nach oben gezogen, geschlossene Strebemauern stützen den Obergaden an Stelle offener Strebebogen.

Diese „unbeholfene“ Chorlösung mit ihrer unorganischen Verbindung von Umgang und Chorschluss irritiert vor allem durch die fensterlosen oder nur durch kleine Fensteröffnungen belichteten kahlen Wandflächen. Ursprünglich war offenbar auch ein offenes Strebesystem vorgesehen, es wäre also ein „klassischer“ Kathedralchor französischen Schemas entstanden. Einige Kunsthistoriker interpretieren die unbefriedigende Chorlösung des Domes als das Ringen traditioneller Kräfte mit den Verfechtern modernerer spätgotischer Raumlösungen. Vielleicht spielte auch die Tradition aufwendiger Musikzüge mit zahlreichen Singchören hier eine Rolle, so dass etwa ein Triforium die Akustik negativ beeinflusst hätte. Dennoch ist hier eine durchaus originelle und einmalige Chorlösung entstanden, die sich vom Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd und vom Veitsdom in Prag deutlich abhebt.

Mangels Quellen lässt sich auch über die Frage der Baumeister nur spekulieren. Die Qualität der Architektur des Chorumganges mit seinen reichen Kapitellformen beweist allerdings die Beteiligung hochrangiger Kräfte westlicher Schulung. Neuere Forschungen weisen hier auf Heinrich Parler, den ehemaligen Parlier des Kölner Domes. Allgemein wird der Kölner Domchor als Vorbild für Augsburg angesehen.

Das prachtvolle Südportal (um 1356) am Ostchor wendet sich als Schaufassade der bürgerlichen Reichsstadt zu. Die Vorhalle liegt zwischen zwei Strebepfeilern und wird durch Maßwerkblenden und -friese gegliedert. Der Skulpturenschmuck ist größtenteils verwittert oder erneuert. In den Gewänden des Portals stehen Apostelfiguren, am Mittelpfeiler die Gottesmutter. Das dreiteilige Tympanon zeigt vielfigurige Szenen aus dem Marienleben. Der Südeingang ist die aufwendigste Portalanlage des 14. Jahrhunderts in Süddeutschland. In Konzeption und Ausführung lassen sich Parallelen zum Heilig-Kreuz-Münster in Schwäbisch Gmünd erkennen.

Das Nordportal ist wesentlich einfacher gestaltet und nahezu vollständig erneuert. Der künstlerische Rang des Originales lässt sich deshalb nur noch erahnen. Das originale Tympanon wurde auf der Rückseite im Dominneren geborgen. Es zeigt die Anbetung der Könige, die Verkündigung und Geburt Christi sowie den Tod und die Krönung Mariae. Eine Inschrift am Mittelpfeiler datiert das Portal auf 1343.

Im Norden fügt sich der Klausurbezirk mit dem Kreuzgang an das Langhaus an. Vom nördlichen Seitenschiff aus ist die barocke Marienkapelle im Winkel zwischen Kreuzgang und Kirche zugänglich.

Innenraum

Durch das Südportal gelangt man in die zweischiffige Chorhalle. Rechts schließt sich der Umgang mit den Kapellen an. Hinter den steinernen Chorschranken mit ihren Maßwerkbrüstungen liegt das – leicht erhöhte – Presbyterium des Ostchores. Die Kreuzrippengewölbe des Hochchores ruhen auf dreifachen Diensten bzw. Blattkonsolen, die Gewölbe des Umganges auf einfachen Diensten. Im Norden des Umgangs sind zwei Kapellen auf halber Höhe abgemauert und dienen als Sakristei. Den ungewöhnlichen Abschluss des Hochchores bildet ein großes Ostfenster im Obergaden, dessen bildhafte Wirkung vielleicht auf Anregungen der zeitgenössischen Zisterzienserarchitektur zurückzuführen ist.

Das Mittelschiff des Langhauses geht noch auf den ottonischen Dom zurück, dem die gotischen Kreuzrippengewölbe aufgesetzt wurden. Der Gewölbescheitel liegt unterhalb der einstigen Flachdecke. Die figürlichen Schlusssteine zeigen die Propheten, ein Wappen, einen einbeinigen Meermann und den hl. Johannes. Links und rechts schließen sich die Hallenräume der doppelten Seitenschiffe an, deren Gewölbe von Rundpfeilern getragen werden. Die Wandflächen werden durch eine aufgemalte rote Quaderung gegliedert.

Unter dem Westchor liegt die Doppelkrypta, die 1979–1981 rekonstruiert wurde und als Grablege der Bischöfe dient. Im älteren Westteil tragen vier Säulen die Decke. Auch die Kreuzgratgewölbe der vierschiffigen Ostkrypta (Mitte 12. Jahrhundert) werden von kurzen Säulen gestützt.

Der darüber liegende Westchor ist gegenüber dem Langhaus um einige Stufen erhöht. Die Kreuzrippengewölbe sitzen hier auf Konsolen mit figürlichen Darstellungen, Masken und Blattwerk. Die seitlichen Chorschranken schuf Burkhard Engelberg im Jahr 1501. Unter Maßwerkbrüstungen liegen Blendfelder mit reichen Kompositionen aus Fischblasen über Spitzbogenarkaden. Kielbogenportale ermöglichen den Zugang in den Chor.

Maße

Der Dom ist 113 m lang und etwa 39 m breit. Das Gewölbe des Mittelschiffes schließt in 17,5 m Höhe, das Presbyterium des Ostchores ist 28 m hoch.

Ausstattung

Die mittelalterliche Ausstattung wurde durch den Bildersturm der Reformationszeit stark reduziert. Im Zuge der Regotisierung im 19. Jahrhundert entfernte man die nichtmittelalterlichen Ausstattungsstücke weitgehend und ergänzte den Bestand durch Zukäufe aus dem Kunsthandel und Umsetzungen aus anderen Kirchen. 1934 purifizierte man die neugotische Ausstattung radikal. Diese „Enthistorisierung“ wirkte noch bis in die Siebziger Jahre nach, als die originalen Baldachine (um 1430) des Chorgestühles für neugotische Nachschöpfungen gehalten und abgebaut wurden (1970/71).

Langhaus

Glasfenster des Propheten Daniel

Die fünf Glasgemälde der südlichen Mittelschiffswand sind der Rest einer umfangreicheren Serie, vielleicht einer Apostelfolge. Erhalten sind die Darstellungen der Propheten Jonas, Daniel, Hosea, David und Moses. Die Datierung des Fragmentes ist umstritten. Einige Kunsthistoriker bringen die Bilder mit der Hirsauer Buchmalerei des frühen 12. Jahrhunderts in Verbindung, andere setzen die Entstehung bereits im ausgehenden 11. Jahrhundert an. Dennoch gilt der Zyklus als ältestes Beispiel seiner Art in Europa. Louis Grodecki, einer der bedeutendsten Kenner der romanischen Glasmalerei, zählte die Standfiguren zu den kostbarsten des gesamten Mittelalters. Die Fenster sind etwa 2,20 m hoch. Drei der Scheiben sind nahezu original überkommen, die Figur des Moses dürfte nach neueren Forschungen eine weitgehende Nachschöpfung (um 1550) sein. Auch die Scheibe mit der Jonasdarstellung ist teilweise ergänzt.

Die gemalten Friese über den Seitenschiffarkaden entstanden Mitte des 11. Jahrhunderts und zeigen Mäander, Brustbilder von Personen in römischer Kleidung und Vögel mit Blumenmotiven.

Die neugotischen Altäre bergen einige bedeutende mittelalterliche Ölbilder und Skulpturen. Am Kreuzaltar ist ein großes fränkisches Kreuz (um 1510) zu sehen, das Relief der Predella mit der Beweinung Christi entstand gegen 1520 in einer bayerischen Werkstatt. Die Tafelbilder der Altäre der vier östlichen Pfeiler malte Hans Holbein der Ältere im Jahr 1493. Die Tafeln waren ursprünglich wohl als Flügel eines Altars für das Kloster Weingarten vorgesehen. Dargestellt sind das Opfer Joachims, die Geburt und der Tempelgang Mariä sowie die Beschneidung Christi. Zur Neuverwendung mussten die Gemälde allerdings gespaltet werden.

Die Gegenstücke auf der westlichen Seite schuf Jörg Stocker aus der Ulmer Schule (Zuschreibung) um 1484 für den Hochaltar der Pfarrkirche Unterknöringen. Hier erkennt man die Geburt Christi, die Anbetung der Könige, den Marientod und die Marienkrönung. Stocker verwendete als Vorlage einige Stiche des Colmarer Meisters Martin Schongauer.

Aus der säkularisierten Dominikanerkirche St. Magdalena kam eine bedeutende Skulptur Georg Petels in die Kathedrale. Die lebensgroße Darstellung des leidenden Christus mit der Dornenkrone (1630/31, Ecce homo) ist mehrfarbig gefasst (bemalt) und lässt den Einfluss der Kunst des Peter Paul Rubens erkennen.

An den Turmwänden und der Chorsakristei sind 19 Originalfiguren aus der Mitte des 14. Jahrhunderts angebracht, die ehemals das Nordportal zierten.

Die moderne Kanzel aus Rotmarmor entstand 1946 (Karl Killer).

Ostchor

Den Hochaltar schuf Josef Henselmann 1962 aus Bronze, die seitlichen Figuren wurden 1982 ergänzt. Das einfache Gestühl entstand um 1430.

Der Altarraum wird durch steinerne Chorschranken vom Umgang getrennt. Der Olberg an der südlichen Schranke zeigt Tonfiguren Veit Eschays (1591).

Die sieben Umgangskapellen werden durch schmiedeeiserne Gitter abgeschlossen. Die Altäre bergen in ihren meist neugotischen Aufbauten bedeutende ältere Kunstwerke. Vom „Meister der Freisinger Heimsuchung“ stammt die Tafel im Altar der Konradkapelle (Maria Heimsuchung, um 1495). Christoph Amberger war der Schöpfer der thronenden Muttergottes (1554) in der St.-Wolfgangs-Kapelle. Das Triptychon Chistoph Ambergers war ursprünglich als Ersatz des während der Reformation zerstörten Hochaltares Holbeins in Auftrag gegeben worden, dessen Gestalt nur noch durch den erhaltenen Entwurf im Stadtmuseum in Gdansk überliefert ist. Ambergers Altar zeigt die Madonna zwischen den Heiligen Ulrich und Afra (Flügel). Darunter werden die sieben Begleitfiguren der Afra-Legende gezeigt.

An den Wänden sind Bischofsgrabmäler aufgestellt. In der St.-Konrad-Kapelle stehen etwa das Erzgrabmal Wolfhard von Roths († 1302), der im Chor bestattet wurde und Johann Eglof von Knöringens († 1575). Der Gedenkstein des Kardinals Peter von Schaumberg († 1469) in der St.-Augustinus-Kapelle zeigt den Verstorbenen als Skelett.

Dem „Meister der Münchner Frauenkirche“ wird ein Glasfenster in der Gertrudkapelle zugeschrieben. Die Scheiben zeigen in Medaillons die Passion Christi, im Maßwerk die Auferstehung.

Die achte Kapelle ist dem hl. Lukas geweiht. Hinter der zweischiffigen Staffelhalle öffnet sich das Südportal. Im Osten steht ein großer Rotmarmoraltar (1597) mit dem Relief des Gnadenstuhls nach einem Gemälde von Peter Candid, das in der Chorsakristei aufbewahrt wird.

Außenansicht eines Teiles des Konradus-Fensters

Ein im Krieg zerstörtes großes Fenster von Josef Oberberger wurde 1954 vom Künstler erneuert. Es stellt die Heimsuchung Mariens im Lebensbaum dar. Von 1962 bis 1967 fertigte Oberberger acht hohe Glasfenster im Ostchor und im Kapellenkranz um den Ostchor an. Der Glaszuschnitt all dieser Fenster war frei, ohne Schablonen. Die Glasmalereien bestehen aus farbigen Rauten, Quadraten und Kreuzornamenten und zeigen als Motive St. Augustinus, St. Konradus und zwei Gebotstafeln.

Querhaus und Westchor

Blickfänge im südlichen Querhaus sind die riesige Darstellung des hl. Christophorus an der Westwand (1491) und das große Glasfenster im Süden (um 1330/40) mit der Darstellung Marias als „Thron Salomonis“. Im Westen öffnet sich der Zugang zur Andreas-(Gruft)kapelle, einem gotischen Gewölberaum, der als Andachtsstätte Verwendung findet.

An den Wänden des nördlichen Querarmes hängt eine stattliche Galerie von Bischofsportraits, die 1488 begonnen und 1591 erneuert wurde und noch weitergeführt wird. In der Mitte des Raumes steht das Hochgrab für Konrad und Afra Hirn, das ehemals in der Goldschmiedekapelle der Kirche St. Anna aufgestellt war. (Zuschreibung an Meister Ulrich, 1425). An den Wänden stehen die Grabplatten der Bischöfe Walter von Hochschlitz († 1369) und Friedrich Spät von Faimingen († 1331).

Der erhöhte Westchor wird durch die steinernen Chorschranken (1501) von den Querhäusern separiert. In ihm steht der steinerne Bischofsthron aus dem 11. Jahrhundert. Zwei kauernde Löwen tragen den halbrunden Sitz. Das Chorgestühl mit seinen bedeutenden Schnitzereien wurde 1495 gearbeitet. Die hintere Reihe trägt Heiligendarstellungen, vorne sind alttestamentliche Szenen zu erkennen. Das bronzene Altarretabel (1447) ist der ehemalige Hochaltar des Ostchores.

Romanisches Bronzeportal

Das berühmte romanische Bronzeportal des Vorgängerdomes wird seit 2002 im neuen Diözesanmuseum gezeigt. (Hauptartikel Bronzetür des Augsburger Domes).

Marienkapelle

Die Marienkapelle entstand 1720/21 nach Entwürfen des Graubündner Baumeisters Gabriel de Gabrieli. Der runde Zentralraum wird durch kurze, nischenartige Kreuzarme erweitert und von einer Laternenkuppel überspannt. Die Kapelle wurde 1944 durch einen Bombentreffer beschädigt, 1987/88 aber rekonstruiert. Deshalb sind auch die Kuppelfresken weitgehend Nachschöpfungen. Die Originale stammten von Johann Georg Bergmüller, dem Direktor der reichsstädtischen Kunstakademie. Dargestellt sind Szenen aus dem Marienleben, die gleichzeitig als Allegorien der vier Jahreszeiten zu deuten sind. Die Gemälde werden von feinem Bandelwerkstuck gerahmt. Als Vorlage für die Wiederherstellung diente eine Kupferstichfolge Bergmüllers.

Gabrielis Entwurf (1720) erinnert an die böhmisch-schlesische Architekturtradition kurvierter Grundrisse und fand ihren Nachfolger in der Schönborn-Kapelle des Würzburger Domes, die Balthasar Neumann nur wenig später (1722/23) entwarf.

Der Säulenaltar stammt aus der Bauzeit. Der Skulpturenschmuck von Ehrgott Bernhard Bendel zeigt die Verwandtschaft Jesu, etwa die hll. Josef, Joachim und Zacharias. Die Mittelnische birgt eine bemerkenswerte Sandsteinstatue der Muttergottes, eine Augsburger Arbeit der Zeit um 1340. Das große Schutzengelbild an der Westwand malte Johann Georg Bergmüller (bez. 1714).

Der rekonstruierte Raum, der nach der Kriegszerstörung ursprünglich als Kriegergedächtnisstätte diente, steht in deutlichem Kontrast zur mittelalterlichen Architektur und Ausstattung der Kathedrale. In der Innenstadt Augsburg finden sich sonst nach den verheerenden Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges nur noch wenige Zeugnisse sakraler barocker Dekorationskunst.

Kreuzgang

Der Nordflügel des Kreuzganges
Grabsteine und Epitaphien im Kreuzgang
Das einzige Totenschild des Kreuzganges

Der spätgotische Kreuzgang entstand ab 1470 durch einen Umbau der älteren Vorgängeranlage, deren Südflügel bereits im 14. Jahrhundert als äußeres Seitenschiff in das Langhaus des Domes einbezogen worden war. Ausführender Werkmeister war Hans von Hildesheim. Erst 1510 konnten die Bauarbeiten unter Beteiligung Burkhard Engelbergs vollendet werden.

Die drei Flügel besitzen Netz- und Sterngewölbe auf Pyramiden- bzw. Maskenkonsolen (Ostflügel). Die südlichen Joche des Westflügels werden von einem gedrückten Tonnengewölbe überspannt, das auf den Umbau zum Vorraum der Marienkapelle (gegen 1720) zurückgeht.

Die Schlusssteine zeigen meist die Wappen der Stifter, einer das Relief der Heimsuchung, ein anderer die Darstellung der Muttergottes mit dem hl. Johannes. Die Fenstermaßwerke sind größtenteils erneuert. Die Figurationen zeigen Fischblasen, Kreissegmente und überkreuzte Stäbe.

Besondere Bedeutung erlangt der Augsburger Domkreuzgang durch die in ungewöhnlich großer Anzahl erhaltenen Grabplatten und Epitaphien. 401 Monumente von teilweise bedeutenden Meistern der schwäbischen Spätgotik und Renaissance sind erhalten, die Zuschreibungen teilweise allerdings umstritten. Der Bestand gilt als der reichhaltigste Deutschlands, viele Denkmale sind allerdings beschädigt oder abgetreten.

Die Katharinenkapelle (1300) ist vom Westflügel aus zugänglich. An das quadratische Kapellenjoch mit seinem Kreuzgewölbe fügt sich ein dreiseitig geschlossener Chor mit Strebepfeilern. Im Inneren sind fünf Reliefs aus Solnhofener Kalkstein in die Ostwand eingelassen, die Szenen aus dem Marienleben illustrieren.

Diözesanmuseum St. Afra

Direkt neben dem Augsburger Dom wurde vom Bistum ein Diözesanmuseum errichtet, um dort den Domschatz und weitere kirchliche Kunstwerke auszustellen. Entwickelt wurde das Museum in teilweise historischem Baubestand und in einem Neubau. Im Jahr 2000 eröffnet, ist dort beispielsweise die originale Bronzetür, das älteste Kunstwerk des Doms, zu finden.

Römermauer

Auf dem Vorplatz des Augsbuger Doms befindet sich die so genannte Römermauer. Sie besteht aus einer 1954 errichteten Backsteinmauer mit einer schlanken Stahlüberdachung. In die Mauer eingelassen sind Funde aus der Zeit des römischen Augsburgs. Aus konservatorischen Gründen werden dort nur Nachbildungen gezeigt.

Galerie

Literatur

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern III: Schwaben (Bearb. von Bruno Bushart und Georg Paula). München 1989.
  • Carola Härting: Der Augsburger Domkreuzgang – Kurzführer. Donauwörth 2003. ISBN 3-403-03830-0.
  • Bernt von Hagen, Angelika Wegener-Hüssen: Denkmäler in Bayern, Band 83: 7, Schwaben, Landkreise und kreisfreie Städte. Stadt Augsburg (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). München 1994. ISBN 3-87490-572-1.
  • Georg Himmelheber: Der Ostchor des Augsburger Doms – Ein Beitrag zur Baugeschichte (Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg, 15). Augsburg 1983.
  • Martin Kaufhold (Hrsg): Der Augsburger Dom im Mittelalter. Augsburg 2006. ISBN 3-89639-518-1.
  • Eugen Kleindienst: Das Domportal am hohen Dom zu Augsburg. Augsburg 2003. ISBN 3-936484-18-X.
  • Karl Kosel: Der Augsburger Domkreuzgang und seine Denkmäler. Sigmaringen 1991. ISBN 3-7995-4130-6.
  • Werner Schnell, Karl Peda: Der Dom zu Augsburg (Peda-Kunstführer, 516). Passau 1997. ISBN 3-929246-26-0.

Weblinks

48.37277777777810.8966666666677Koordinaten: 48° 22′ 22″ N, 10° 53′ 48″ O


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