August Becker (Kommunist)

Heinrich August Becker (* 17. August 1812 oder 1814 in Hochweisel bei Butzbach; † 26. März 1871 in Cincinnati) war ein deutscher Schriftsteller, Politiker, Theologe sowie Freund Georg Büchners, Publizist während der Märzrevolution 1848/49, und lebte ab 1853 in den USA.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Becker studierte evangelische Theologie an der Ludoviciana in Gießen, an der er den Beinamen Der rote Becker trug. Ein Kommilitone beschrieb ihn später als verlumptes und verlottertes Genie, eine Charakterstudie, die sich auch bei Friedrich Engels wiederfindet. 1833 lernte er Georg Büchner kennen, der ebenfalls als Außenseiter galt. 1834 wurde er Mitbegründer des Geheimbundes Gesellschaft für Menschenrechte von Georg Büchner. Er beteiligte sich ebenfalls an der Verbreitung der revolutionären Vormärz-Schrift Der Hessische Landbote. 1835 wurde er verhaftet und verbüßte vier Jahre verschärfte Untersuchungshaft und Gefängnis. In den 40er Jahren kam er in der Schweiz in Kontakt zu Wilhelm Weitling, der prägenden Kraft des Bundes der Gerechten.

In der Folgezeit wurde er zu einem Popularisierer der kommunistischen Ideen Weitlings. Ein wahrscheinlich von ihm verfasstes Vorwort zu der Veröffentlichung von Vorträgen Dr. Georg Kuhlmanns (Die Neue Welt, oder das Reich des Geistes auf Erden. Verkündigung. Genf, 1845) führte zu heftigen Attacken von Marx und Engels.

1842 war er Korrespondent der von Karl Marx redigierten Kölner Rheinischen Zeitung. 1848 kehrte er nach Gießen zurück, wo er die Zeitung Der jüngste Tag herausgab und sich auch an der Märzrevolution beteiligte. Er hatte engen Kontakt mit dem jüngeren Bruder Ludwig seines alten Freundes Georg Büchner.

Nach der Märzrevolution war er in den Jahren 1849 bis 1853 für den Wahlkreis Oberhessen 3 / Biedenkopf gewähltes Mitglied der Landstände des Großherzogtums Hessen. Nach Beginn der Reaktionsära 1853 emigrierte er in die USA, wo er sich zunächst als Impresario und Zirkusakrobat versuchte. 1861 bis 1865 wirkte er im amerikanischen Bürgerkrieg als Feldprediger im Steuben-Regiment. In seinen letzten Jahren übernahm er die Redaktion mehrerer Zeitungen u.a. in New York, Washington und Cincinnati.

Siehe auch: Heinrich Ludwig Tschech

Werke

  • August Becker: Die Volksphilosophie unserer Tage; Neumünster bei Zürich, 1843
  • August Becker: Was wollen die Kommunisten?: eine Rede, im Auszug vorgetragen, vor einer am 4ten August 1844, im Lokal des s.g. Kommunisten-Vereins zu Lausanne, von Mitgliedern verschiedener Arbeiter-Vereine abgehaltenen Versammlung - Langenthal: G. Irmel, 1844. - 54 p.
  • August Becker: Geschichte des religiösen und atheistischen Frühsozialismus: Erstausg. d. von August Becker 1847 verfassten u. von Georg Kuhlmann eingelieferten Geheimberichtes an Metternich u. von Vinets (jr.) / Rapport nebst e. Einl. hrsg. von Ernst Barnikol. - Kiel: Mühlau, 1932

Literatur

  • Eberhard Kickartz: Der Rote Becker - Das politisch-publizistische Wirken des Büchner-Freundes August Becker (1812-1871). 1997. 260 S., 19 Abb.; ISBN 3-88443-062-9
  • Gian Maria Bravo: Democrazia, socialismo e partito repubblicano: il tedesco-americano August Becker (1814-1871). Carocci, Rom 2002 (= Studi storici Carocci, 29), ISBN 88-430-2397-7
  • Hans Georg Ruppel / Birgit Groß: Hessische Abgeordnete 1820-1930, Darmstadt 1980, ISBN 3-922316-14X, Seite 61

Weblinks


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