August Buchner
August Buchner

August Buchner (* 2. November 1591 in Dresden; † 12. Februar 1661 in Apollensdorf) war ein deutscher Altphilologe, Poet und Literaturtheoretiker der Barockzeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Buchner war als Sohn des Oberzeugmeisters Paul Buchner (1532–1607) und dessen Ehefrau Maria, die Tochter des Dresdner Bürgermeisters Sebastian Kroeß (1524–1602), geboren. Seinen ersten Unterricht erhielt er in Dresden durch Privatlehrer und bezog dort dann die Schule. Am 17. November 1604 wechselte er ins kurfürstliche Landesgymnasium Schulpforta, der damaligen Schmiede des sächsischen Pfarrer- und Beamtennachwuchses. In einem straff organisierten Tagesablauf wurde den Schülern vor allem Wissen in der Religion und den alten Sprachen beigebracht. Daneben wurden auch die Artes Liberales, Rhetorik, Dialektik, Musik und Poetik, gelehrt. Unter dem Rektorat Justin Bertuchs erwarb Buchner hier die Hochschulreife.

Er entschied sich zum Studium an der Universität Wittenberg, wo er sich am 19. November 1610 immatrikulierte. Sein anfängliches Ziel war es, ein juristisches Studium zu absolvieren. Dazu absolvierte er nach den universitären Gepflogenheiten ein philosophisches Grundstudium. Seine Lehrer waren in Poetik Friedrich Taubmann, sowie Johann Rodenberg, in Ethik hörte er Balthasar Meisner, besuchte die Vorlesungen von Erasmus Schmidt zur Griechischen Sprache und Literatur, stärkte seine rhetorischen Fähigkeiten bei Adam Theodor Siber und dürfte auch Jakob Martini in Logik gehört haben. Buchner muss sich bereits während seiner Studienzeit auf dem Gebiet der Poetik hervorgetan haben.

Denn nachdem Rodenberg die Professur 1615 verlassen hatte, zog der sächsische Hof, entgegen dem Vorschlag der Universität, den Lehrstuhl mit Johannes Wankel zu besetzen, den noch ohne Magistergrad versehenen Buchner für die Lehrstelle vor. Dieser wurde am 12. März 1616 Professor der Poetik, übernahm damit verbunden die Inspektion der Universitätsbibliothek und erwarb am 19. März des Jahres den akademischen Grad eines Magisters der Sieben freien Künste. Bei seinen Vorlesungen zur Dichtkunst entfaltete Buchner eine außerordentliche Wirkung. Sie bildeten den Mittelpunkt des Wittenberger Dichterkreises, der in Beziehung zur Fruchtbringenden Gesellschaft stand, der Buchner selbst unter dem Gesellschaftsnamen Der Genossene angehörte, sowie der Schlesischen Dichterschule.

Zu Buchners Schülern und Epigonen zählt eine lange Reihe namhafter Barockdichter und Schriftsteller wie Christian Brehme, Samuel von Butschky, Simon Dach, Johann Michael Dilherr, Paul Fleming, Johann Franck, Paul Gerhardt, Enoch Gläser, Christian Gueintz, Christian Keimann, Balthasar Kindermann, Johann Klaj, Christoph Kormart, Zacharias Lund, Johann Sebastian Mitternacht, Heinrich Mühlpfort, Martin Opitz, Karl Ortlob, David Schirmer, Johann Georg Schoch, Jacob Schwieger, Andreas Tscherning, Jakob Thomasius und Philipp von Zesen. In Buchner sah man nach Opitz' Tod dessen geistigen Erben, der auf die Entwicklung der deutschen Barockdichtung außerordentlichen Einfluss hatte.

Nachdem Jeremias Spiegel als Professor für Rhetorik 1631 verstorben war, wurde dessen Professur mit der der Professur der Poetik zusammengelegt. Damit suchte man, Buchner in Wittenberg zu halten, da mit der Übernahme auch eine Verbesserung seines Salärs verbunden war. Buchner, der vor allem auf die Pflege der deutschen Sprache in beiden Professuren drängte, hatte Wittenberg im 17. Jahrhundert zum akademischen Rhetorikzentrum entwickelt. So involvierte er in seinen Vorlesungen die gesamte Bandbreite der Literatur. Dabei bevorzugte er die römische Literatur, die er anhand der Dichter und Prosaiker erläuterte und eine größere Anzahl kommentierter Editionen herausgab. Zudem beteiligte sich Buchner neben seinen akademischen Aufgaben auch an den organisatorischen Aufgaben des Lehrbetriebs. So war er in den Wintersemestern 1618, 1621, 1623, 1628, 1629, 1633, 1634, 1640, 1646 und im Sommersemester 1653 Dekan der philosophischen Fakultät. Als Magnifizenz hatte er in den Sommersemestern 1618, 1628, 1632 und 1654 das Rektorat der Wittenberger Hochschule geleitet.

Wirken

August Buchners Hauptwerk Anleitung zur deutschen Poeterei wurde nach seinem Tod von seinem Schwiegersohn Otto Praetorius 1665 in Wittenberg herausgegeben. Sie enthält seine poetischen Vorlesungen, die aus der handschriftlichen Hinterlassenschaft und aus dem Umlauf von Interessenten hervorgegangen ist. Er schrieb sich auch in die fast zweihundertjährige, von berühmten Philologen getragene Editionsgeschichte des erstmals 1571 gedruckten Thesaurus Eruditionis Scholasticae ein. Der Begründer dieses Wörterbuchs der lateinischen Sprache, das sich durch eine reiche Phraseologie und zahlreiche verschiedenartige bildende Elemente auszeichnet, war der humanistische Schulmann Basilius Faber. Buchner ließ es in verbesserter Ausgabe, mit vielen Zusätzen bereichert, erscheinen. Das ist ein Zeugnis lebenslanger Hingabe des auch als Lexikographen Hervorgetretenen.

Die Krise des melanchthonschen Systems nahm er kritisch wahr: Nur wenige lieben und kultivieren noch die humaniores literae. Kaum gebe es in Deutschland Einen, der sich mit Recht des Namens eines literatus und eruditus rühmen dürfe. Das 17. Jahrhundert erlebe eine Invasion der avarities, und man eile zu gewinnbringenden Wissenschaften. Während des Dreißigjährigen Krieges bewahrte er auch der Außenwelt gegenüber die Wittenberger Tradition des dualen Academiae encomium, das die Leucorea als Mutter der Religion und der freien Künste vorstellt.

Buchners umfangreicher Briefwechsel, eine Schatzgrube für die Forschung, harrt bis heute seiner wissenschaftlichen Auswertung und Edition.

Werke (Auswahl)

Sammelausgaben

  • Dissertationum academicarum. Wittenberg 1650 (Universitätsschriften; erw. Ausg. 1678 u. 1679)
  • Orationes panegyricae. Kleve 1668 (Lob- und Trauerreden; erw. Ausg. 1669, 1672, 1681, 1682)
  • Orationum academicarum. 3 Tle. Dresden 1675 (m. Biografie S. 886-942) u.ö.
  • Epistolae. Dresden 1679 (Briefe; 9 Drucke, beste Ausg. 1707 u. 1710)

Einzelwerke

  • (Hrsg.) Basilius Faber: Thesaurus eruditionis. Wittenberg 1623 (erste von Buchner neu hrsg. Edition des lat.-dt. Wörterbuchs; 15 Auflagen)
  • (Hrsg.) Plautus: Comoediae. Wittenberg 1640 (erste von Buchner kommentierte Neuedition; 5 Auflagen)
  • (Hrsg.) Gabriel Naudé: Bibliographia politica. Wittenberg 1641
  • (Hrsg.) Petrus Cunaeus: Orationes. Wittenberg 1643
  • (Hrsg.) Plinius der Jüngere: Epistolarum libri X. Frankfurt/Oder 1644
  • Kurzer Weg-Weiser zur deutschen Tichtkunst. Leipzig 1977 (Ndr. d. Ausg. Jena 1663)
  • Anleitung zur deutschen Poeterey [und] Poet, hrsg. Marian Szyrocki. Tübingen 1966 (Ndr. d. Ausg. Wittenberg 1665)

Literatur

  • Hermann Palm: Buchner, August. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 3, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 485–487.
  • Hans Heinrich Borcherdt: Buchner, August. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, S. 703 f.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Buchner, August. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, Sp. 0–0.
  • Hans Heinrich Borchardt: August Buchner und seine Bedeutung für die deutsche Literatur des 17. Jahrhunderts. Habilitationsschrift, München 1919
  • Wilhelm Buchner: August Buchner, sein Leben und Wirken. Hannover 1863 Online
  • Franz Hahne: Paul Gerhardt und Augustus Buchner. In: Euphorion 15 (1908), S. 19–34
  • Martin Keller: Johann Klajs Weihnachtsdichtung. Berlin 1971
  • Käte Lorenzen: Augustus Buchner. In: Musik in Geschichte und Gegenwart, 2 (1952), S. 416–418
  • William Jervis Jones: Sprachhelden und Sprachverderber – Dokumente zur Erforschung des Fremdwortpurismus im Deutschen (1478–1750). de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014480-8, S. 455-462
  • Gerhard Dünnhaupt: Augustus Buchner (1591–1661). In: Personalbibliographien zu den Drucken des Barock, Bd. 2. Hiersemann, Stuttgart 1990, ISBN 3-7772-9027-0, S. 855–910.
  • Buchner, Augustus. In: Zedlers Universal-Lexicon, Band 4, Leipzig 1733, Spalte 1769 f.

Weblinks


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