August Dietrich Allers

August Dietrich Allers (* 17. Mai 1910 in Kiel; † 22. März 1975 in München) war ein Nationalsozialist und führend am „Euthanasie“-Programm (Aktion T4) beteiligt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der Jurastudent Allers trat 1932 in die NSDAP und in die SA ein. Während seines Jurastudiums war er Mitglied im Verband Alter Jenaer Teutonen. Nach dem Juraexamen wurde Allers 1937 in den preußischen Staatsdienst übernommen. Seine erste Dienststelle trat er beim Polizeipräsidenten in Stettin an und wurde bereits 1938 zum Beamten auf Lebenszeit ernannt. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde er zum Militärdienst gezogen, aber bereits 1940 auf Veranlassung Werner Blankenburgs als unabkömmlich wieder vom Militärdienst zurückgestellt.

Aktion T4 und Aktion Reinhardt

Im Januar 1941 wurde Allers Geschäftsführer der „Euthanasie“-Zentrale T4 der Kanzlei des Führers. Wegen seiner „außerordentlichen Bewährung“ auf diesem Posten wurde er im Februar 1942 zum Oberregierungsrat befördert. Nach dem Stopp der „Aktion T4“ war Allers für die Betreuung des T4-Personals zuständig, das nun zur „Aktion Reinhardt“ abgestellt wurde. Nach eigenen Aussagen hielt er sich mehrfach in den Vernichtungslagern der Aktion Reinhardt auf. Im Mai 1944 wurde Allers Befehlshaber des „Einsatz R“ (für Reinhard) in Triest, nachdem sein Vorgänger in dieser Funktion, Christian Wirth, von italienischen Partisanen erschossen wurde. Diese Sonderabteilung, der Dienststelle des Höheren SS- und Polizeiführers Odilo Globocniks in der Operationszone Adriatisches Küstenland angegliedert, bestand aus drei Einheiten, die zur „Juden“- und Partisanenbekämpfung eingesetzt waren. Die Angehörigen dieser Einheiten rekrutierten sich größtenteils aus den Lagermannschaften der Vernichtungslager der „Aktion Reinhardt“. In dieser Funktion war er auch für das Konzentrationslager Risiera di San Sabba zuständig. Allers stieg noch 1944 zum SA-Sturmbannführer auf.

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende gelangte Allers als Ingenieur der Organisation Todt getarnt nach Österreich. Allers wurde denunziert und im November 1945 vom britischen Militär verhaftet und war dann bis zum Februar 1947 im ehemaligen KZ Neuengamme interniert. Danach arbeitete er als Holzfäller, Kraftfahrer und schließlich sogar als Betriebsführer. Im April 1948 wurde er von der US-Army festgenommen, der deutschen Justiz übergeben und, obwohl seine Beteiligung an der T4-Aktion bekannt war, aus der Untersuchungshaft im September 1948 wieder entlassen. Bereits im Oktober 1948 wurde er entnazifiziert. Allers wurde 1951 Kandidat der Sozialistischen Reichspartei. Nach dem Verbot der Partei war er Syndikus der Deutschen Werft und nach eigenen Angaben seit 1954 Vorstandsmitglied der Nordwestlichen Eisen- und Stahlberufsgenossenschaft. Zudem betätigte sich Allers auch als Rechtsanwalt. Der unter verschiedenen Pseudonymen inkognito lebende Kurt Bolender, der das Totenlager im Vernichtungslager Sobibor leitete, wurde von Allers anwaltschaftlich vertreten.

Prozesse

Anfang der 60er Jahre war Allers kurzzeitig in Untersuchungshaft in Hamburg, aus der er im Mai 1963 entlassen wurde. Seinen Posten als Syndikus konnte er danach nicht mehr antreten. Das Landgericht Frankfurt/Main verurteilte Dietrich Allers wegen seiner Beteiligung an der T4-Aktion am 20. Dezember 1968 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 34.549 Fällen zu 8 Jahren Haft. Dieses Urteil wurde im Oktober 1972 vom Bundesgerichtshof bestätigt. Allers musste jedoch die Haft nicht antreten, da ihm bereits die Untersuchungshaft und auch die anderen Haftzeiten angerechnet wurden und die Strafe damit als verbüßt galt. Im Rahmen des Tatkomplexes Risiera di San Sabba/Triest wurde seitens der italienischen und deutschen Justizbehörden ebenfalls ermittelt. Das gegen Anfang der 1970er Jahre in Italien aufgenommene Verfahren gegen Allers, seit 1973 mit dem Verfahren gegen Josef Oberhauser verbunden, wurde mit dem Tod Allers 1975 eingestellt.

Literatur

  • Ernst Klee: „Euthanasie“ im NS-Staat. 11. Auflage. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-24326-2.
  • Ernst Klee: Was sie taten – Was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord. 12.Auflage. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-24364-5.
  • Ernst Klee: Dietrich Allers, Eintrag in ders.: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Aktualisierte Ausgabe. Fischer-Taschenbuch, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 12

Weblinks


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