August Franz von Haxthausen
August von Haxthausen

August Franz Ludwig Maria Freiherr von Haxthausen (* 3. Februar 1792 in Bökendorf im Fürstbistum Paderborn; † 31. Dezember 1866 in Hannover) war Agrarwissenschaftler, Nationalökonom, Jurist, Landwirt und Schriftsteller sowie Volksliedersammler.

Inhaltsverzeichnis

Leben

August Franz war der letzte von 8 Söhnen des Drosten des paderbornischen Amtes Lichtenau, Werner Adolf Freiherr von Haxthausen, Herrn auf Thienhausen, Bökendorf, Abbenburg und Hellersen, und der Freiin Marie Anne von Wendt-Papenhausen. Ein Bruder war der preußische Staatsbeamte und Philologe Werner von Haxthausen. Er hatte weitere 9 Schwestern. Eine etwa gleichalte Nichte war die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.

Auf dem Gut Abbenburg im Fürstbistum Paderborn geboren, studierte Haxthausen zunächst in Halle an der Saale, wo er sich 1810 dem Corps Guestphalia anschloss,[1] und ab 1811 auf der Bergschule Clausthal das Bergfach, nahm an den Befreiungskriegen teil und setzte anschließend 1815 bis 1818 in Göttingen seine Studien fort. Schwerpunkte seiner Studien war ein umfassendes Werk über Agrarverfassung, wovon indessen nur der erste Teil: Über die Agrarverfassung in den Fürstenthümern Paderborn und Corvey (Berlin 1829), später erschien. Im Jahr 1818 kehrte er, ohne seine Studien abschließen zu können, wegen der kritischen Vermögenslage der Familiengüter, nach Bökendorf zurück und verwaltete sie in der mittlerweile endgültig preußisch gewordenen Heimat, bevor sie 1825 sein älterer Bruder Werner von Haxthausen übernahm. August von Haxthausen blieb unverheiratet. 1843 kaufte er das benachbarte Schloss Thienhausen, wo er als sogenannter "Tyrann von Thienhausen" lebte. August von Haxthausen starb in der Silvesternacht 1866 bei seiner Schwester Anna von Arnswaldt (Adelsgeschlecht) in Hannover. Er liegt auf dem Friedhof von Bellersen begraben.

Öffentliches Wirken

Schon in seinem Studium hatte sich Haxthausen mit der Agrargeschichte befasst. 1829 wurde Haxthausen durch den späteren preußischen Innenminister Gustav von Rochow in Berlin eingeführt. Er erwarb die Gunst des damaligen Kronprinzen und späteren Königs Friedrich Wilhelm IV.. Infolgedessen 1834 zum Geheimen Regierungsrat ernannt, bereiste er im Auftrag der Regierung neun Jahre lang den preußischen Staat, um die ländliche Verfassung in den verschiedenen Provinzen zu erforschen. Aufgrund seiner konservativ-katholischen Gesinnung verlor er 1838 seine Diäten und kehrte auf das väterliche Gut Abbenburg zurück. Ein letzter Versuch, 1842 eine dauernde Anstellung zu erhalten, endete damit, dass er aus dem preußischen Staatsdienst mit einer Pension von 800 Talern ausschied.

Als Kenner des Agrarwesens wurde Haxthausen vom russischen Zaren Zaren Nikolaus I. 1843/44 eingeladen, Russland zu bereisen, um die ländlichen Verhältnisse dort zu untersuchen. Zur Finanzierung dieser Reise zahlte ihm der Staat sein Gehalt für ein Jahr im Voraus aus. Dadurch entstanden zwei Reisewerke, „Studien über Russland“ und „Transkaukasia“.

Die Ergebnisse seiner Untersuchungen veröffentlichte er in verschiedenen Schriften. Das von ihm herausgegebene Werk Vier Abhandlungen über das constitutionelle Princip (Leipzig 1864, 2 Tle.) enthält Monographien von Karl Biedermann, Joseph von Held, Rudolf von Gneist, Georg Waitz und Wilhelm Kosegarten. Seine letzte Arbeit: Die ländliche Verfassung Rußlands (Leipzig 1866), bezog sich auf die inzwischen vollendete Bauernemanzipation. August von Haxthausen beteiligte sich auch stark an der russischen Bauernbefreiung von 1861. Außerdem entstand eine von ihm zusammengetragene, umfangreiche Sammlung von geistlichen und weltlichen Volksliedern.

August von Haxthausen war im fortgeschrittenen Alter (ab 1857) die treibende Kraft für die Wiederherstellung des deutschen Zweiges des Malteserordens, der durch die Säkularisation untergegangen war. Als Beauftragter des Heiligen Stuhls führte er jahrelange, zähe Verhandlungen mit der Regierung von Preußen, die 1859 zur Anerkennung durch Rom und erst 1900 zur staatlichen Anerkennung als Verein führten.

Verwandtschaft zur Dichterin Annette von Droste-Hülshoff

Haxthausen war ein Onkel der - etwa gleichaltrigen - Annette von Droste-Hülshoff, die in ihrer Jugend längere Zeit bei der Familie Haxthausen weilte. Im Laufe der Zeit löste sich die Abneigung der Dichterin, die durch Augusts Verwicklung in deren "Jugendkatastrophe" begründet war und wich gegenseitigem Respekt. Punktuell kam es auch zum Zusammenwirken. Die von Haxthausen aus den Familienunterlagen dokumentierte „Geschichte eines Algierer-Sklaven“ gab den Anstoß zur Abfassung der Novelle „Die Judenbuche“ durch seine Nichte, die zur Weltliteratur zählt.

Nachwirkung

Die willensstarke und originelle Persönlichkeit August von Haxthausens inspirierte Literaten. Lulu von Strauss und Torney beschrieb Haxthausen in ihrem Roman "Vom Biedermeier zur Bismarckzeit" als "Tyrann von Thienhausen". Levin Schücking zeichnet sein Bild als "Baron Bellersheim" in seinem Roman "Herberge der Gerechtigkeit".

Nachwirkung bis in die heutige Zeit hat die durch Haxthausen maßgeblich vorangetriebene Wiederherstellung des deutschen Zweiges des geistlichen Ritterordens der Malteser.

Werke

  • Über die Agrarverfassung in den Fürstenthümern Paderborn und Corvey und deren Conflicte in der gegenwärtigen Zeit nebst Vorschlägen, die den Grund und Boden belastenden Rechte und Verbindlichkeiten daselbst aufzulösen. Reprint der Ausgabe Berlin, Reimer, 1829. Bökendorf: Bökerhof-Ges., 1992. im Volltext
  • Die ländliche Verfassung in den einzelnen Provinzen der preußischen Monarchie.
  • Ueber den Ursprung und die Grundlagen der Verfassung in den ehemals slawischen Ländern Deutschlands im Allgemeinen und des Herzogthums Pommern im Besondern: eine Einladungsschrift zur Erörterung und litterarischen Besprechung. Berlin: Krause, 1842. online
  • Die Kriegsmacht Rußlands in ihrer historischen, statistischen, ethnographischen und politischen Beziehung. Berlin: Behr, 1852.
    • Etudes sur la situation intérieure, la vie nationale et les institutions rurales de la Russie. Hanovre: Hahn, 1847-53.
    • The Russian Empire. (New impr.)(London:) Cass, 1968.
  • Studien über die innern Zustände, das Volksleben und insbesondere die ländlichen Einrichtungen Russlands. Hannover: Hahn, 1847-1852. Mikrofiche-Ausg. Hildesheim [u. a.]: Georg Olms Verlag, 1994-1998. ISBN 3-487-29018-9.
    • Les forces militaires de la Russie sous les rapports historiques, statistiques, ethnographiques et politiques. Berlin, 1853.
  • Transkaukasia: Reiseerinnerungen u. ges. Notizen. 2 Teile in 1 Bd. Nachdr. d. Ausg. Leipzig, Brockhaus, 1856. Hildesheim: Olms, 1985.
  • Wird Rußlands Kirche das Papstthum anerkennen? : nach La Russie sera-t-elle catholique … ; nebst einem Auszug des Cardinal Baronius über den Ursprung der Russinen von Jean Gagarin. Mit einem Vorw. von August Freiherrn von Haxthausen. Münster: Theissing, 1857.
  • Ein Briefwechsel im Hintergrund der russischen Bauernbefreiung 1861. Paderborn: Schöningh, 1975
  • Das constitutionelle Prinzip, seine geschichtliche Entwicklung und seine Wechselwirkungen mit den politischen und sozialen Verhältnissen der Staaten und Völker. Leipzig: Brockhaus, 1864
  • Die ländliche Verfassung Rußlands. Münster 1866 (Reprint Hamburg 1993) online
  • La question religieuse en Pologne: mémoire rédige en 1856 par feu le Baron Auguste de Haxthausen. Précédé d'une introduction et accompagné de notes par le Jean Gagarin, de la Compagnie de Jésus. Berlin: Behr, 1877.
  • Geschichte eines Algierer-Sklaven: Urfassung der "Judenbuche" / von August von Haxthausen. Übers. ins Hochdt. durch Gerta Thier. Brakel/Westf.: G. Thier, 2000. Vgl. auch Anhang in: Annette von Droste-Hülshoff: Die Judenbuche; Frankfurt am Main/Leipzig 2005; S. 77ff; ISBN 3-458-34796-8.

Siehe auch

Literatur

  • Reifferscheid, Alexander: Haxthausen, August Freiherr von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 11, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 119–121.
  • Ein Briefwechsel im Hintergrund der russischen Bauernbefreiung 1861. August von Haxthausen - Editha von Rahden. Mit einer Einführung hrsg. von Alfred Cohausz. Schöningh, Paderborn 1975
  • Urs Buhlmann: "Malteserkreuz und Preußenadler", Peter Lang-Verlag, 1999, ISBN 3-631-35575-0
  • Droste zu Hülshoff, Wilderich Frhr. v.: "Annette v. Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie". C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1997, ISBN 3-7980-0683-0
  • Ludwig von der Osten: Franz Ludwig August Maria Freiherr von Haxthausen: ein photographischer Versuch. Hannover: Klindworth, 1868.
  • Josepha Grauheer: August von Haxthausen und seine Beziehungen zu Annette von Droste-Hülshoff. Altena, 1933.
  • Günter Tiggesbäumker: Zur Kulturgeographie von Transkaukasien und Armenien in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach den Aufzeichnungen des Freiherrn August v. Haxthausen. Münster (Westfalen), Univ., Philos. Fak., Diss., 1980.
  • Martina Stoyanoff-Odoy: Die Grossfürstin Helene von Russland und August Freiherr von Haxthausen: zwei konservative Reformer im Zeitalter der russischen Bauernbefreiung. Wiesbaden: Harrassowitz, 1991. ISBN 3-447-03151-4.
  • Peter Heßelmann, Walter Gödden: August Freiherr von Haxthausen (1792–1866). Sammler von Märchen, Sagen und Volksliedern, Agrarhistoriker und Rußlandreisender aus Westfalen. Katalog zu einer Ausstellung in der Universitätsbibliothek Münster 24. Februar 1992-25. März 1992. Regensburg, Münster 1992. ISBN 3-9801781-1-0
  • Rolf Wilhelm Brednich: "Wie das Korn harrt auf Mairegen, hoffen wir auf Freiheit und Frieden". Das Stammbuch von August von Haxthausen (1812-1860). In: Die Macht der Dinge. Symbolische Kommunikation und kulturelles Handeln.Festschrift für Ruth-E. Mohrmann und Andreas Hartmann (Hrsg.). Waxmann, Münster 2011, S. 245-260 ISBN 978-3-8309-2470-8 (Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland 116)

Einzelnachweise

  1. Kösener Corpslisten 1960, 116, 499

Weblinks

 Commons: August von Haxthausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: August Franz von Haxthausen – Quellen und Volltexte
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