August Gaul
August Gaul, Porträt von Alois Metz
August Gaul, Porträt von Heinrich Zille, 1929

August Gaul (* 22. Oktober 1869 in Großauheim (heute Stadtteil von Hanau); † 18. Oktober 1921 in Berlin) war ein deutscher Tierbildhauer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Alter von 13 Jahren besuchte er die Königliche Zeichenakademie Hanau. Danach arbeitete er zwei Jahre in einer heimischen Silberwarenfabrik. 1888 ging er mit Unterstützung seines ehemaligen Lehrers Prof. Wiese nach Berlin. Im Atelier des Bildhauers Alexander Calandrelli bildete er sich weiter und besuchte Kurse an der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums. Dort gewann er eine Dauerfreikarte für den Berliner Zoo, die ihm ein Studium exotischer Tiere ermöglichte. Es wird berichtet, dass er einer der hartnäckigsten Stammgäste im Zoo und schon früh am morgen zeichnend aufzufinden war.

Von 1894 bis 1898 arbeitete er zeitweise im Atelier des größten damaligen Berliner Bildhauers, Reinhold Begas und wurde von ihm bei der Ausführung des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals gegenüber dem Berliner Schloss beigezogen. Auf einer Studienreise nach Italien, die ihm 1897 als Stipendium durch eine Stiftung zuerkannt wurde, schloss er sich dem Kreis um Adolf von Hildebrand an, der in der Berliner Bildhauerschule einen Gegenpol zu Begas bildete. 1898 war er Gründungsmitglied der Berliner Secession, eines Zusammenschlusses von Künstlern wie Max Liebermann, Louis Tuaillon und Walter Leistikow.

1912 wurden seine Großskulpturen „Kämpfende Wisente” in Königsberg aufgestellt. Sie sind heute eines der bekanntesten Monumente der Stadt. Wirtschaftlich arbeitete er mit dem Berliner Verleger und Kunsthändler Paul Cassirer zusammen. Zu seinen engeren Freunden zählten auch Bernhard Heising, Heinrich Zille, Arthur Lewin-Funcke und Ernst Barlach, letzterer gab ihm den Spitznamen „Paulchen und Gaulchen“. Gaul starb kurz nach seiner Ernennung zum Senator an der Akademie der Künste, ohne dieses Amt noch antreten zu können.

Sein Grab befindet sich auf dem Berliner Friedhof Dahlem.

Werke

August Gaul schuf auch die bronzene Adlerskulptur des heutigen Fliegerdenkmals auf der Wasserkuppe in der Rhön. Vor dem Berliner Renaissance-Theater steht sein 1911 errichteter Entenbrunnen.

Einige seiner Tierplastiken sind in Hanau-Großauheim zu besichtigen, so am Rochusplatz, vor der Schule am Brunnen (benannt nach einem Brunnen von Gaul, Ende Hauptstraße / Anfang Hanauer Landstraße) und seit August 2010 im wiedereröffneten Museum Großauheim.

Ausstellungen

August-Gaul-Plakette

Die Stadt Großauheim schuf im Jahr 1969 aus Anlass des 100. Geburtstages von August Gaul eine bronzene Ehrenplakette als Kulturpreis, die seitdem in unregelmäßigen Abständen verliehen wird. Seit 1980 hat die Stadt Hanau die August-Gaul-Plakette übernommen.[1] Die 35. Preisträgerin wurde im Jahre 2010 die Journalistin Ilse Werder.[2]

Literatur

  • Hans Rosenhagen: Bildwerke von August Gaul, Paul Cassirer, Berlin 1905
  • Emil Waldmann (Kunsthistoriker): August Gaul, Paul Cassirer, Berlin 1919
  • Paul Cassirer: Alte Tierfabeln mit Steinzeichnungen von Aug. Gaul, Panpresse, Leipzig 1919
  • Ursel Berger: Der Tierbildhauer August Gaul. Ausstellungskatalog. Nicolai, Berlin 1999, ISBN 3-87584-858-6
  • Arie Hartog (Konzeption), Gerhard-Marcks-Stiftung (Hrsg.): Der Zoo, die Wildnis und die Weide : deutsche Tierplastik von August Gaul bis Joseph Beuys. Ausstellungskatalog. Gerhard-Marcks-Stiftung, Bremen 2002, ISBN 3-924412-42-1
  • Hilde Eich: August Gaul: 22. Oktober 1869 - 18. Oktober 1921. Museum Großauheim, Hanau-Großauheim 2003, ISBN 3-00-012032-7
  • Josephine Gabler: Werkverzeichnis der Skulpturen von August Gaul, Jaron-Verlag, ISBN 978-3-89773-569-9, 2007

Weblinks

 Commons: August Gaul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. August-Gaul-Plakette auf: hanau.de
  2. FAZ vom 25. Oktober 2010, Seite 37: Feministin und Kulturförderin

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