August Gottlieb Richter

August Gottlieb Richter (* 13. April 1742 in Zörbig; † 23. Juli 1812 in Göttingen) war Chirurg und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Richter wuchs in einem protestantischen Pfarrhaus auf und begann 1760 an der Universität Göttingen ein Medizinstudium. Akademischer Lehrer war sein Onkel Georg Gottlob Richter, der dort seinerzeit den Lehrstuhl für Medizin innehatte. Nach seiner Promotion 1764 begab er sich auf eine zweijährige Studienreise, die ihn an wichtige Studienorte der Medizin wie Paris, London, Oxford, Leiden, Amsterdam und Groningen führte. Dort machte er Bekanntschaft mit berühmten Ärzten wie Jean Louis Petit (1674−1750) und Percivall Pott. Nach Rückkehr wurde Richter in Göttingen eine außerordentliche Professur angetragen, 1771 erhielt er eine ordentliche Professur. Seine Arbeitsgebiete waren medizinische und operative Chirurgie sowie Augenheilkunde.

Es ist bleibender Verdienst Richters, der seinerzeit eher handwerklich orientierten Ausbildung der Wundärzte eine wissenschaftliche Grundlage verliehen zu haben. Ein wichtiger Beitrag hierzu waren eine Vielzahl von Veröffentlichungen, unter denen die siebenbändige „Anfangsgründe der Wundarzneykunst“ (1782 - 1804), die zweibändige „Abhandlung von den Brüchen“ (1777 – 1779) und die „Abhandlung von der Ausziehung des grauen Stars“ (1773) herausragende Bedeutung besitzen. Richter gab auch eines der frühesten Referateblätter, eine Zeitschrift für ein medizinisches Spezialgebiet, heraus. Die von 1771 bis 1797 in Göttingen und Gotha erschienene „Chirurgische Bibliothek“ gab vor allem deutschen Chirurgen einen Überblick über die während eines Jahres erschienene, auch ausländische, Fachliteratur ihres Faches. Zeitgenossen lobten Richters schnörkellosen Schreibstil, der ihn von vielen seiner zeitgenössischen Kollegen abhob. Als Empiriker und Mann der Praxis reduzierte er das reichhaltige Instrumentarium der Chirurgen auf wesentliche Instrumente, denen er mit der knieförmig gebogenen Schere aber auch ein weiteres hinzufügte.

1780 eröffnete er in Göttingen eine chirurgische Klinik mit 15 Betten und wurde im gleichen Jahr Leibarzt des hannoverschen Königs. Richter war neben dem Würzburger Professor Carl Caspar von Siebold der führende Chirurg seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten Christoph Wilhelm Hufeland und Karl Gustav Himly. Sein Neffe ist der Botaniker Georg Ludwig Koeler.[1]

Werke

Monographien

  • Anfangsgründe der Wundarzneykunst (1782-1804)
  • Abhandlung von den Brüchen (1777-1779)
  • Abhandlung von der Ausziehung des grauen Stars (1773)

Zeitschriften

  • Chirurgische Bibliothek (1771-1797)

Einzelnachweise

  1. Müllerott, Martin, „Koeler, Georg Ludwig“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 316 f. (Onlinefassung)

Literatur


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