Praesepe (Krippe)

Das Wort Praesepe steht im lateinischen Bibeltext für die Futterkrippe, in die Maria behelfsweise ihr Neugeborenes legt, nachdem sie und Josef keinen Platz in einer Herberge gefunden haben.

Die Vulgata benutzt das Wort zur Übersetzung des griechischen φάτνη (phátnä), mit dem im griechischsprachigen Lukasevangelium die Krippe bezeichnet wird. Ein noch heute beliebtes Weihnachtslied aus dem 14. Jahrhundert, "In Dulci Jubilo", mischt lateinische und deutsche Wörter und singt: "Unsers Herzens Wonne liegt in praesepio" ("in einer Krippe").

In der einzigen biblischen Erwähnung im Lukasevangelium wird außer der Erwähnung der Krippe im Stall keine weitere Beschreibung des Ortes der Geburt Jesu gegeben; die Lokalisierung außerhalb von Betlehem erfolgte erst ab der Mitte des 2. Jh., erstmals bei Justin dem Märtyrer (* ca. 100 + 165 n.Chr.; Dialog mit Tryphos Cap. 78 [1]). Die Weihnachtskrippe wurde und wird bis heute in zahlreichen Darstellungen phantasievoll ausgestaltet. Das "liegen in einer Krippe" scheint schon im Lukastext eine herausgehobene Bedeutung zu haben, weil dies in der Szene der Verkündigung an die Hirten als "Zeichen" dienen soll.[1]

Das macht es wahrscheinlich, dass darin eine Anspielung auf den Anfang des Buches Jesaja (1,3) liegt: Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn (Jes 1,3 EU), zumal das Wort "Krippe" ansonsten in der Bibel nur noch zwei mal vorkommt. Damit läge die Symbolkraft der Krippe darin, dass dort für die, die suchen, "Futter" zu finden ist. Jesaja nämlich stellt Ochsen und Esel positiv dar als diejenigen, die wissen, wo Gutes zu finden ist, im Unterschied zum Volk Gottes, welches das vergessen habe. [2] Zugleich ist gerade Jesaja das Prophetenbuch, das das endzeitliche Heilshandeln Gottes ankündigt und deswegen von Christen als Vorankündigung des Messias angesehen wird.

Über das Jesaja-Zitat sind auch Ochs und Esel in die Krippen-Darstellungen gelangt. Dabei wurden Ochs und Esel schon in der frühchristlichen Literatur (Patristik), etwa in einer Weihnachtshomilie des Augustinus, als Sinnbilder der beiden Teile der christlichen Kirche gedeutet, die aus Juden (Volk Gottes) und Heiden (alle anderen Völker) gebildet sei.

Das Wort Krippe wird im Sinne von "Weihnachtskrippe" vielfach nicht nur für den Futtertrog, in dem das Neugeborene Christuskind liegt, sondern für das gesamte, oft reichhaltig und phantasievoll ausgeschmückte Ensemble benutzt. [3] Von daher wird teilweise auch die szenische Figurendarstellung anderer biblischer Ereignisse "Krippe" genannt (z.B. "Osterkrippe" mit einer Darstellung des leeren Grabes Jesu).

Einzelnachweise

  1. Eckey, Wilfried: Das Lukasevangelium. Unter Berücksichtigung seiner Parallelen Neukirchen-Vluyn (Neukirchener Verlag) 2004, S. 138-140
  2. Beuken, Willem A. M.: Jesaja 1-12. Herders Theologischer Kommentar zum Alten Testament. Freiburg, Basel, Wien (Herder) 2003. zu Jes 1,3
  3. Bieritz, Karl-Heinrich: Das Kirchenjahr. Feste, Gedenk- und Feiertage in Geschichte und Gegenwart. München (C.H. Becksche Verlagsbuchhandlung). üb. Auflage 1998, S. 199.

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