August Hertwig

August (Hermann Adalbert) Hertwig (* 20. März 1872 in Mühlhausen/Thüringen; † 14. April 1955 in Berlin) war ein deutscher Bauingenieur, Baubeamter sowie Hochschullehrer und Rektor der RWTH Aachen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Der Vetter der Zoologen Oscar Hertwig und Richard von Hertwig studierte nach seinem Abitur im Jahr 1890 Architektur und Bauingenieurwesen unter anderem bei Heinrich Müller-Breslau an der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg und legte dort 1898 sein Zweites Staatsexamen ab. Anschließend wurde war er als Regierungsbaumeister (Assessor) im Baubüro für den Neubau der Oberbaumbrücke in Berlin eingesetzt bevor er zur Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahndirektion wechselte.

Er übernahm zunächst die Planung und Konstruktion der neuen Pflanzhäuser im Botanischen Garten Berlin, folgte aber dann am 1. Oktober 1902 einem Ruf an die RWTH Aachen, wo man ihm in der Funktion eines ordentlichen Professors den Lehrstuhl für Statik der Baukonstruktionen übertrug sowie nach der Emeritierung von Friedrich Heinzerling dessen Lehrstuhl für Eisenhochbau. Hier blieb er bis zum 31. März 1924 und leitete als Rektor zwischenzeitlich die Hochschule von 1909 bis 1911 als Nachfolger von Wilhelm Borchers und 1915 bis 1917 als Nachfolger von Adolf Wallichs und wurde darüber hinaus mehrfach zum Prorektor gewählt.

Im Jahr 1924 wurde der mittlerweile zum Geheimen Regierungsrat beförderte Hertwig zum Nachfolger seines alten Lehrers Müller-Breslau an die Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1937 den Lehrstuhl für Statik und Stahlbau leitete. In dieser Zeit war er unter anderem Mitbegründer der Deutschen Forschungsgesellschaft für Bodenmechanik (Degebo), einer damals vollkommen neuen Wissenschaft, sowie seit 1928 auf Drängen von Gottwalt Schaper Mitherausgeber der Fachzeitschrift „der Stahlbau“ und des Ingenieur-Archivs. Während der NS-Zeit konnte sich Hertwig von politischen Einflüssen zwar weitestgehend distanzieren, war lediglich Mitglied im Nationalsozialistischen Lehrerbund, ließ sich aber widerstandslos durch Beratertätigkeiten wie beispielsweise durch die der Erstellungen von Gutachten über Brückensprengungen funktionell einspannen. Trotz seiner Emeritierung wurde Hertwig im Jahr 1946 noch einmal in die Pflicht genommen, als er beim Wiederaufbau der Technischen Hochschule Berlin mit einbezogen wurde und sogar für vier Jahre den verwaisten Lehrstuhl von Ferdinand Schleicher übertragen bekam, den dieser wegen seines Entnazifizierungsverfahrens aufgeben musste.

August Hertwig war ein humanistisch geprägter Gelehrter, dem vor allem die Berechnungen von hochgradig statisch unbestimmten Systemen sowie die statischen und dynamischen Untersuchungen und die Schweißverbindungen im Stahlbau aber auch die Technikgeschichte eine Herzensangelegenheit war. Für seine vielseitigen Verdienste wurde Hertwig mit dem Roten Adlerorden IV. Klasse, 1925 mit der Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt und 1942 mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Schriften (Auswahl)

  • Johann Wilhelm Schwedler. Sein Leben und sein Werk. Bearbeitet und herausgegeben im Auftrage der Akademie des Bauwesens. Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1930.
  • Die Ermittlung der für das Bauwesen wichtigsten Eigenschaften des Bodens durch erzwungene Schwingungen. Verlag Julius Springer, Berlin 1933.
  • Bemerkungen über neuere Erddruckuntersuchungen. Verlag Julius Springer, Berlin 1939.
  • Leben und Schaffen der Reichsbahn-Brückenbauer Schwedler, Zimmermann, Labes, Schaper. Eine kurze Entwicklungsgeschichte des Brückenbaues. Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1950.

Literatur

Weblink und Quellen


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Hertwig — ist der Familienname folgender Personen: August Hertwig (1872–1955), deutscher Architekt und Rektor der RWTH Aachen Doris Hertwig Bünger (1882−1968), deutsche Pädagogin und Politikerin (DVP) Günther Hertwig (1888–1970), deutscher Anatom; Sohn von …   Deutsch Wikipedia

  • August Hirsch (Bauingenieur) — August Hirsch (* 16. April 1852 auf Gut Tralauerholz bei Rethwischdorf; † 30. April 1922 in Aachen) war ein deutscher Bauingenieur, Hafenbaumeister und Hochschullehrer, er lehrte als Professor für Verkehrswasserbau und war zeitweise Rektor der… …   Deutsch Wikipedia

  • August von Kaven — (* 19. März 1827 in Bremen; † 19. Mai 1891 in Aachen) war ein Bauingenieur und der erste Direktor des Aachener Polytechnikums (heute: RWTH Aachen). Biografie Nac …   Deutsch Wikipedia

  • August Schwemann — August (Wilhelm) Schwemann (* 23. Mai 1862 in Hildesheim; † 3. April 1945 in Bad Hindelang) war ein deutscher Bergbaukundler und Rektor der RWTH Aachen. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Wirken 2 Werke (Auswahl) 3 …   Deutsch Wikipedia

  • August Weismann — Nacimiento 17 de enero 1834 Fráncfort del Meno Fallecim …   Wikipedia Español

  • August Brauer — August Bernhard Brauer (* 3. April 1863 in Oldenburg; † 10. September 1917 in Berlin) war ein deutscher Zoologe und von 1906 bis 1917 Direktor des Zoologischen Museums in Berlin. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Leistung 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Hertwig — Hẹrtwig,   1) Oscar Wilhelm August, Biologe, * Friedberg (Hessen) 21. 4. 1849, ✝ Berlin 25. 10. 1922, Bruder von 2); Professor in Jena (ab 1881) und Berlin (ab 1888). Schüler von E. Haeckel. Hertwig beobachtete als Erster 1875 die Befruchtung am …   Universal-Lexikon

  • Oskar Hertwig — Aus: Lehrbuc …   Deutsch Wikipedia

  • Oscar Hertwig — Aus: Lehrbuch der Entwicklungsgeschichte des Menschen und der …   Deutsch Wikipedia

  • Michael Hertwig — Personal information Full name Michael Hertwig Date of birth 17 November 1960 ( …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”