August Naegle
August Naegle als Rektor der Universität Prag

August Naegle (* 28. Juli 1869 in Annweiler am Trifels, Pfalz; † 12. Oktober 1932 in Prag) war ein deutscher katholischer Theologe und Kirchenhistoriker. Er ist auch als der „Eiserne Rektor“ der Deutschen Universität Prag bekannt, die er in der jungen ČSR der 1920er Jahre zu führen und in ihrer Existenz zu bewahren hatte.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Naegele kam als Sohn von Thomas Naegle und Maria Josephine Schmitt zur Welt. Nach dem Abitur am Bischöflichen Konvikt in Speyer im Wintersemester 1887/88 das Theologiestudium an der Universität München, im Wintersemester 1888/89 immatrikulierte er sich an der Universität Würzburg. Am 25. November 1891 wurde er von Bischof Joseph Georg von Ehrler in Speyer zum Priester geweiht.

Neben weiteren Studien an der Universität Würzburg wirkte er als Kaplan in Retzbach (Unterfranken), in Annweiler und Weyher (Bistum Speyer) sowie als Hausgeistlicher bei einer Adelsfamilie in Bregenz.

An der Universität Würzburg wurde er am 27. Juli 1898 zum Doktor der Theologie promoviert. Seit Januar 1901 wirkte er als königlicher Hofpriester in München, als er seine Studien wieder aufnahm und am 28. Februar 1903 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München in Dogmengeschichte und Dogmatik habilitiert wurde.

Am 1. Oktober 1903 wurde er außerordentlicher Professor für Kirchengeschichte und Patrologie an der Theologischen Hochschule in Passau.

Wirken in Prag

Drei Jahre später, am 1. November 1906, erhielt er die Professur für Kirchengeschichte und Patrologie an der Theologischen Fakultät der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag. Viermal bekleidete er das Amt des Dekans der Theologischen Fakultät, zwei Jahre nacheinander das Amt des Rektors der Universität (1918/19 und 1919/20), – was einmalig in der Geschichte der Prager Universität war – und ein drittes Mal im Studienjahr 1929/30, wo er trotz geschwächter Gesundheit die einstimmige Wahl nicht ablehnte.

Nach der Neuregelung der Prager Universitätsverhältnisse nach 1918 trat Naegle als entschiedener Verfechter der Rechte der Deutschen Universität hervor. Ihm war es zu verdanken, dass nach der Proklamation der Tschechoslowakei die Deutsche Universität erhalten blieb; er hielt deshalb den Ehrennamen »Eiserne Magnifizenz«.

Als Naegle 1918 zum Rektor der deutschen Karl-Ferdinands-Universität Prag gewählt wurde, stellte sich die Frage nach dem Weiterbestehen dieser Universität (Insignienstreit), und nicht nur, ob sie neben der tschechischen Schwesteruniversität Univerzita Karlová anerkannt wurde. Naegle gelang es, in mühevollen Verhandlungen die Existenz zu retten, das Universitätsgesetz gegenüber seiner ursprünglichen Fassung zu mildern. Er erreichte sogar, dass dieses Gesetz zu seinen Lebzeiten nicht mehr praktisch durchgeführt wurde.

Politisches Leben

Er gehörte der deutschen christlich-sozialen Partei und seit 1920 der Deutschen Nationalpartei der Tschechoslowakei an und war für diese 1920 bis 1925 Fraktionsvorsitzender im Senat. Als es 1920 darum ging, einen Deutschen als Gegenkandidaten zu Masaryk für das Amt des Staatspräsidenten zu benennen, einigten sich alle deutschen Parteien auf ihn. Naegle entfaltete nicht nur eine reiche Lehrtätigkeit, sondern wandte sich auch der Politik zu. Auch 1930 wählten die Sudetendeutschen Naegle zu ihrem Vertreter bei der zweiten Präsidentenwahl.

Mit seinem Tod verloren die Sudetendeutschen ihren geistigen Führer, die Universität einen angesehenen Gelehrten und ihre »Eiserne Magnifizenz« und die Katholische Kirche einen guten Priester. Sein Leichnam wurde am 14. Oktober.1932 in Prag-Smichov auf dem Friedhof Malvazinka bestattet, Anfang März 1936 nach Annweiler gemäß letztem Wunsch überführt und dort am 4. März auf dem Bergfriedhof beigesetzt.

Werk

Naegles Werke beschäftigen sich vor allem mit dem Kirchenlehrer Johannes Chrysostomus sowie mit der Kirchengeschichte Böhmens, welche auch den Landesheiligen Wenzel und den Hussitismus betrachtet.

Literatur

Weblinks


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