August Schneidhuber
August Schneidhuber (1930).

Ludwig Ernst August Schneidhuber (* 8. Mai 1887 in Traunstein; † 30. Juni 1934 in Stadelheim) war ein deutscher Politiker (NSDAP) und SA-Führer.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Als Heranwachsender durchlief Schneidhuber das Bayerische Kadettenkorps. Nachdem er dieses absolviert hatte, trat er 1907 als Leutnant in das königlich bayerische 1. Fußartillerie-Regiment ein. Von 1914 bis 1918 nahm Schneidhuber am Ersten Weltkrieg teil, in dem er mit dem Eisernen Kreuz beider Klassen ausgezeichnet wurde. 1914 wurde er zum Oberleutnant und 1916 zum Hauptmann befördert.

Nach dem Krieg betätigte Schneidhuber sich als Landwirt. Zu dieser Zeit war er in erster Ehe mit der Jüdin Franziska Wassermann (* 1892) verheiratet.[1]. Die Ehe wurde jedoch bereits 1920 geschieden. Das Paar hatte zwei Kinder. Franziska Schneidhuber wurde als prominenter Häftling im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie im Mai 1945 befreit wurde.[2]

Baldur von Schirach zufolge kam Schneidhuber schon früh mit der nationalsozialistischen Bewegung in Verbindung. Im Jahre 1928 trat Schneidhuber der SA, dem militärischen Arm der NS-Bewegung, bei, in der er praktisch sofort den Rang eines SA-Führers einnahm. 1929 wurde er mit der Führung der SA-Gruppe Süd beauftragt. Diesen Posten behielt er bis 1931 als er zum Führer der Gruppe West ernannt wurde. 1932 wurde er schließlich mit der Führung der SA-Obergruppe III in München betraut.

Bei den Wahlen im Juli 1932 wurde Schneidhuber für den Wahlkreis Hessen-Darmstadt in den Reichstag gewählt, dem er anschließend ohne Unterbrechung bis zu seinem Tod am 30. Juni 1934 angehörte. Sein Mandat wurde anschließend für den Rest der Wahlperiode von Martin Seidel fortgeführt.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ im Frühjahr 1933 wurde Schneidhuber zum Polizeipräsident von München ernannt. In dieser Eigenschaft geriet er zunehmend in Konflikt mit Heinrich Himmler und Reinhard Heydrich, den Führern der Bayerischen Politischen Polizei.

Verhaftung und Tod

August Schneidhuber

In der Nacht vom 29. zum 30. Juni 1934 wurde Schneidhuber zusammen mit seinem Stellvertreter Wilhelm Schmid im Rahmen der unter der Propagandabezeichnung als „Röhm-Putsch“ bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 in München verhaftet: Hitler hatte die beiden, nach seiner Ankunft aus Essen, zu einer Besprechung ins Innenministerium geladen, wo er ihnen eröffnete, dass sie wegen Hochverrates verhaftet seien und erschossen würden. Bei dieser Gelegenheit enthob er Schneidhuber und Schmid persönlich aller ihrer politischen Ämter und riss ihnen in einem Tobsuchtsanfall die Orden und Rangabzeichen von den Uniformen. Anlass für den Zorn Hitlers auf die beiden war ein „spontaner“ Aufmarsch der Münchener SA am Vortag, den die Umgebung Hitlers für die erste Welle einer SA-Erhebung hielt und für den man Schneidhuber und Schmid verantwortlich machte. In der Forschung wird überwiegend angenommen, dass beide tatsächlich nichts mit den SA-Demonstrationen zu tun hatten, dass diese vielmehr auf Veranlassung des SD-Chefs Reinhard Heydrich durch gefälschte Alarm-Zettel provoziert worden waren, um bei Hitler den Eindruck einer lokalen SA-Erhebung vorzutäuschen und so den Behauptungen der SA-Rivalen innerhalb der NS-Bewegung, die SA beabsichtige eine „Zweite Revolution gegen den Führer“ durchzuführen, Nachdruck zu verleihen.

Schneidhuber und Schmid wurden ins Gefängnis Stadelheim gebracht, wo sie am frühen Abend des 30. Juni 1934 zusammen mit vier weiteren SA-Führern (Hans Hayn, Peter von Heydebreck, Hans Erwin von Spreti-Weilbach und Edmund Heines) auf persönliche Anordnung von Hitler von einem SS-Kommando erschossen wurden.[3]

Erwein von Aretin, 1934 Häftling in Stadelheim, überlieferte später den Hergang der Exekution Schneidhubers, den er von dem Justizwachtmeister Zink erfahren hatte:

„Der Polizeipräsident Schneidhuber zündete sich, als er auf der [...] kleinen Treppe ins Freie kam, eine Zigarette an und tat aus ihr ein paar tiefe Züge. Dann blickte er zum Himmel, ging an seinen Platz, hörte sein Urteil und forderte die SS-Leute auf, anständig zu schießen. Dann warf er ihnen seine Zigarette vor die Füße, brachte sein Heil Hitler aus und brach zusammen.“[4]

Auffallend ist, dass Schneidhuber erschossen wurde, obwohl er zu jenen SA-Führern gehörte, die nicht der so genannten Röhm-Clique zugerechnet wurden, aus deren Kreis das Gros der getöteten SA-Angehörigen stammte. Hinzu kommt, dass Schneidhuber anders als die meisten höheren SA-Führer, die vielfach für Gewalt- und Alkoholexzesse sowie für ihre allgemein undisziplinierte Art und Zügellosigkeit berüchtigt waren, einen in der Öffentlichkeit weithin guten Ruf genoss: Baldur von Schirach beschrieb Schneidhuber noch 1933 als „eine der urwüchsigsten und kernigsten Gestalten des Führerkorps innerhalb der SA“.[5] Der SD-Führer Werner Best, der Schneidhuber durch gemeinsame politische Arbeit vor 1933 kennen und schätzen gelernt hatte, setzte sich noch im Juni 1934, als bei einer Konferenz im Geheimen Staatspolizeiamt einige Tage vor dem 30. Juni die organisatorischen Vorbereitung für die Aktion gegen die SA-Führer besprochen wurden, Heydrich gegenüber dafür ein, Schneidhuber als einen „guten Mann“ zu schonen.[6] Für die Popularität Schneidhubers bei der von ihm geführten Münchener Polizei ist bezeichnend, dass wenige Stunden nach seiner Hinrichtung am 30. Juni, abends um 9.00 Uhr zwei Polizeioffiziere im Gefängnis Stadelheim erschienen, die verlangten, die Leiche Schneidhubers, die in einem Schuppen der Strafanstalt aufbewahrt wurde, zu sehen. Zink zufolge seien beide Beamte fünf Minuten lang salutierend und „mit Tränen in den Augen“ vor der Leiche Schneidhubers stehengeblieben. Bei einem Spaziergang hätten sie Zink anschließend immer wieder versichert, keinen edleren Menschen als den Toten gekannt zu haben.[7]

Einzelnachweise

  1. Gritschneder: Der Führer hat sie zum Tode verurteilt, S. 144.
  2. Kurzbiografie Ida Franziska Schneidhuber auf www.ghetto-theresienstadt.info
  3. Otto Gritscheder: „Der Führer hat Sie zum Tode verurteilt…“ Hitlers „Röhm-Putsch“-Morde vor Gericht, Verlag C.H.Beck, München 1993, ISBN 3-406-37651-7, S. 24f.
  4. Ursachen und Folgen, Bd. X, S. 176.
  5. Baldur von Schirach: Die Pioniere des Dritten Reiches, 1933, S. 201.
  6. Ulrich Herbert: Best, S. 83.
  7. Michaelis: Ursachen und Folgen, Bd. X, S. 176.

Literatur

Weblinks


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