August Wilhelm v. Hofmann
August Wilhelm von Hofmann
Foto nach dem Gemälde von Heinrich von Angeli

August Wilhelm (von) Hofmann (* 8. April 1818 in Gießen; † 5. Mai 1892 in Berlin) war ein deutscher Chemiker.

Hofmann studierte ab 1836 in Gießen Chemie bei Justus von Liebig, wurde dessen Assistent, promovierte 1843 bei ihm und ging nach seiner Habilitation 1845 als Privatdozent für Chemie an die Universität Bonn. Auf Empfehlung Liebigs und auf Wunsch des englischen Prinzgemahls Albert übernahm er noch im gleichen Jahr eine Professur am Chemischen Institut der Royal School of Miners in London. Zugleich wurde er mit der Errichtung des College of Chemistry in London beauftragt, dessen Leitung ihm nach der Fertigstellung übertragen wurde, und wo er zahlreiche englische Chemiker ausbildete. Später war er maßgeblich an den Vorbereitungen der Weltausstellungen 1851 und 1862 in London beteiligt.

Nach dem frühen Tode des Prinzgemahls erhielt er den Ruf nach Bonn. Er ließ die berühmte „Chemie“ am Poppelsdorfer Schloss nach seinen Plänen bauen. Bevor er jedoch umzog, erhielt er 1864 den Ruf an die Universität Berlin. Er blieb bis zu seinem Tode in Berlin. Hier wurde er 1867 Mitbegründer der Deutschen Chemischen Gesellschaft und deren erster Präsident. Sein Grab befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof.

Schon in seiner Dissertation über die Basen des Steinkohlenteers hatte Hofmann die Existenz von Chinolen und Anilin nachgewiesen. Diesen Verbindungen und ihren Derivaten blieb er sein Leben lang treu. Er lehrte zwar allgemeine organische Chemie, aber in der Forschung widmete er sich vor allem den Aminen und den sich vom Anilin ableitenden Farbstoffen. Er entdeckte auch die Vitalfarben, die die Epoche machenden Arbeiten von Robert Koch, Paul Ehrlich und Emil von Behring in der Erforschung der Bakterien ermöglichten. Auf der Grundlage seiner Arbeiten entstanden auch die Werke der deutschen Farbenindustrie (u. a. BASF, Bayer, Hoechst, Agfa).

Nach Hofmann sind der Hofmann-Zersetzungsapparat und der Hofmann-Umlagerung von Carbonsäureamiden benannt, sowie die Hofmann-Regel für intramolekulare Eliminierungen (=Hofmann-Eliminierung) mit sterisch anspruchsvollen Basen.

Ehrungen

Von der Royal Society wurde er 1854 mit der Royal Medal, 1875 mit der Copley Medal ausgezeichnet. Seit 1883 war von Hofmann Mitglied des Pour le mérite für Wissenschaft und Künste.

Literatur

  • William Hodson Brock (Hrsg.): Justus von Liebig und August Wilhelm Hofmann in ihren Briefen (1841–1873). Verlag Chemie, Weinheim 1984, ISBN 3-527-26107-9.

Weblinks

Bernhard Lepsius: Hofmann, August Wilhelm von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 577–589.



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