August Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Bevern

August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (* 10. Oktober 1715 in Braunschweig; † 2. August 1781 in Stettin) war Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, Gouverneur von Stettin und preußischer Infanteriegeneral aus dem Haus der Welfen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

August Wilhelm war der Sohn des Herzogs Ernst Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern. Bereits 1725 bis 1730 wurde für ihn das Jagdschloss Walkenried errichtet. Er ist der Begründer der sog. jüngeren Linie Bevern und trat 1731 als Kapitän in preußische Kriegsdienste. Unter Friedrich Wilhelm I. nahm er 1734 am Rheinfeldzug des Polnischen Erbfolgekrieges teil.

Unter Friedrich II. nahm er im Ersten Schlesischen Kriege an der Belagerungen von Brieg und Neisse als Oberst und Chef eines Regiments zu Fuß (1806: No. 7) teil. In der Schlacht bei Mollwitz wurde er verwundet. Während des Zweiten Schlesischen Krieges focht er in der Schlacht bei Hohenfriedeberg. Dort führte er als Generalmajor eine Brigade. 1746 wurde er Kommandant von Stettin, 1750 Generalleutnant.

Zeitlebens führte August Wilhelm das Leben eines Junggesellen. Ein Unteroffizier seines Regiments berichtete: "Gegen das andere Geschlecht war er zwar artig, doch durfte ihm solches nie zu nahe kommen; ich weiß mich daher nicht zu besinnen, in einem Gouvernementshause je ein Frauenzimmer bemerkt zu haben, wie er denn auch durch seine ganze Lebenszeit unverheiratet geblieben ist."[1] War er den Frauen abgeneigt, so hielt er sich eine große Anzahl von Tieren, insbesondere Hunden, "welche die Erlaubnis hatten, sich seines Bettes zu bedienen, wie auch von anderen Tieren."[2]

Zu Anfang des Siebenjährigen Kriegs führte August Wilhelm eine aus pommerschen Regimentern bestehende Kolonne nach Sachsen und Böhmen und befehligte am 1. Oktober 1756 in der Schlacht bei Lobositz – wo er beim Ausgehen der Munition durch einen Bajonettangriff den Sieg entschied – den linken Flügel.

Am 21. April 1757 schlug er die Österreicher unter General Königsegg in einem Gefecht bei Reichenberg, worauf er sich mit Feldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin vereinigte und in der siegreichen Schlacht von Prag am 6. Mai 1757 einen Teil des rechten Flügels befehligte. Danach wurde er mit 20.000 Mann Leopold Joseph Graf Daun entgegengeschickt, wagte aber denselben nicht anzugreifen, worauf es Friedrich II. tat und am 18. Juni 1757 die Schlacht von Kolin verlor.

Ende August erhielt August Wilhelm in Schlesien den Oberbefehl. Doch wurde er zuerst am 7. September 1757 in der Schlacht von Moys und am 22. November 1757 in der Schlacht von Breslau von dem überlegenen österreichischen Heer unter Herzog Karl von Lothringen geschlagen. Am darauf folgenden Morgen geriet er in Gefangenschaft.

Im Mai 1758 aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, erhielt er das Gouvernement von Stettin und hielt die Festung gegen die Russen und Schweden bis zum Waffenstillstand des Jahres 1762. Zum General der Infanterie befördert, schloss August Wilhelm 1762 den Waffenstillstand mit den Russen, zog dann von neuem ins Feld und siegte am 16. August 1762 bei Reichenbach über die Österreicher unter Daun. Er starb am 2. August 1781 als Gouverneur von Stettin.

Meyers Lexikon bezeichnet ihn als trefflichen Taktiker und tapferer Soldat, spricht ihm als Feldherr aber die Selbständigkeit des Geistes und die Kraft des Willens ab.

Werke

  • Versuch und Auszug einer Geschichte der Churfürstlich Brandenburgischen und nachherigen Königlich Preussischen Armee. Mit Einführung von H. Droysen. Neudruck der Ausgabe 1886. Biblio-Verlag: Osnabrück 1976. Geb. Mit Vorwort von Hans Bleckwenn. ISBN 3-7648-0998-1

Literatur

  • v. Alten, G.: Handbuch für Heer und Flotte, Band II, Berlin 1909.
  • Engelmann, Joachim / Dorn, Günter: Friedrich der Große und seine Generale, Friedberg 1988.
  • Horst-Rüdiger Jarck (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 8. bis 18. Jahrhundert, S. 59, Braunschweig 2006
  • Christian Wilhelm von Prittwitz: Unter der Fahne des Herzogs von Bevern; Breslau 1935. Ergänzte und ausgewählte Ausgabe unter dem Titel: "Ich bin ein Preuße…" Jugend und Kriegsleben eines preußischen Offiziers im Siebenjährigen Kriege (=Quellen und Schriften zur Militärgeschichte Band 2); Verlag M. Hüttemann, Paderborn 1989.

Weblinks

  • Ferdinand von Meerheimb: August Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Bevern. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 665–667.

Einzelnachweise

  1. Prittwitz 1989: 25
  2. Prittwitz 1989: 26. "Sein Gouverneurshaus glich daher einer Menagerie vollkommen, denn da konnte man wilde Hauer, einen jungen Bären, verschiedene zahme Rehe, Störche, Kraniche, Raben und Affen zu sehen bekommen, und in der Stadt liefen zahme Hirschkühe herum, welche den Wäschern und Häckern nicht sehr willkommen waren", ebenda.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • August Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg-Bevern — Fürst August Ferdinand von Braunschweig Wolfenbüttel Bevern August Ferdinand von Braunschweig Wolfenbüttel Bevern (* 29. Dezember 1677 in Bevern; † 2. Juli 1704 bei Donauwörth) war Generalmajor des niedersächsischen Kreises. Leben Er wurde 1677… …   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Ernst von Braunschweig-Lüneburg-Bevern — Ludwig Ernst von Braunschweig Wolfenbüttel Ludwig Ernst von Braunschweig Wolfenbüttel (* 25. September 1718 in Wolfenbüttel; † 12. Mai 1788 in Eisenach) war ein Prinz aus dem Haus der Welfen sowie österreichischer und …   Deutsch Wikipedia

  • Wilhelm Adolf von Braunschweig-Lüneburg-Wolfenbüttel — (* 18. Mai 1745 in Wolfenbüttel; † 24. August 1770 in Oczaków) war ein preußischer Oberst. Leben Er war der sechste Sohn Herzog …   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Ernst von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern — Ludwig Ernst von Braunschweig Wolfenbüttel Ludwig Ernst von Braunschweig Wolfenbüttel (* 25. September 1718 in Wolfenbüttel; † 12. Mai 1788 in Eisenach) war ein Prinz aus dem Haus der Welfen sowie österreichischer und …   Deutsch Wikipedia

  • Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern — auf einem Porträt von Antoine Pesne, um 1739 Elisabeth Christine von Braunschweig Wolfenbüttel Bevern, Königin von Preußen, (* 8. November 1715 in Wolfenbüttel; † 13. Januar 1797 in Schloss Schönhausen im jetzigen Berlin Pankow) war die …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich August von Braunschweig-Lüneburg-Oels — Friedrich August von Braunschweig Frederic …   Deutsch Wikipedia

  • Anton Ulrich Herzog von Braunschweig-Lüneburg — Anton Ulrich von Braunschweig Wolfenbüttel (Porträt von Bernhard Francke) Anton Ulrich von Braunschweig Wolfenbüttel (* 4. Oktober 1633 in Hitzacker; † 27. März 1714 in Salzdahlum bei Wolfenbüttel) war Herzog von …   Deutsch Wikipedia

  • Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (Preußen) — Sophie Dorothea von Braunschweig Sophie Dorothea von Braunschweig Lüneburg (* 16. März 1687 in Hannover; † 28. Juni 1757 in Schloss Monbijou bei Berlin), Mutter Friedrichs II. (Preußen), war als Gattin Friedrich Wilhelms I …   Deutsch Wikipedia

  • Ernst August von Hannover, Herzog von Braunschweig-Lüneburg — Ernst August Herzog von Braunschweig und Lüneburg Ernst August von Hannover (III.) Herzog von Braunschweig, Herzog zu Braunschweíg und Lüneburg, Prinz von Hannover (* 17. November 1887 in Penzing bei Wien; † 30. Januar 1953 auf Schloss Marienburg …   Deutsch Wikipedia

  • Herzog von Braunschweig-Lüneburg — Das Herzogtum Braunschweig Lüneburg (eigentlich Herzogtum Braunschweig und Lüneburg[1]) entstand im Jahre 1235 aus den Eigengütern der Welfen in Sachsen und wurde als Reichslehen an Otto das Kind, einen Enkel Heinrichs des Löwen, gegeben.… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”