August von Brandis

August (Friedrich Carl) von Brandis (* 12. Mai 1859 in Berlin-Haselhorst; † 18. Oktober 1947 in Aachen) war ein deutscher Maler und Zeichner sowie ordentlicher Professor an der RWTH Aachen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

August von Brandis, Spross aus der nach Hildesheim übergesiedelten Linie der alten adeligen Familie von Brandis aus Alfeld an der Leine und damit beispielsweise verwandt mit dem Kriegsminister des Königreichs Hannover Eberhard Freiherr von Brandis (1795–1884), studierte nach seinem Abitur im Jahre 1881 an der Königlich-Preußischen Akademie der Künste zu Berlin bei Hugo Vogel (1855–1934) und Anton von Werner (1843–1915). Anschließend arbeitete er ab 1884 zunächst als Zeichenlehrer, bevor er am 1. Oktober 1904 zum Professor für Figuren- und Landschaftsmalerei an die Technische Hochschule Danzig berufen wurde. Neben dieser offiziellen Tätigkeit nahm von Brandis in den Folgejahren Kontakt zu Adolf Hölzel (1853–1934) auf, mit dem ihn sodann eine lebenslange Freundschaft verband. Er arbeitete auch mit Hölzels Malschule "Neu-Dachau" und der daraus entstandenen Künstlerkolonie Dachau zusammen. Hier orientierte sich von Brandis vor allem an der Malerei der Künstler von Paris und deren impressionistischen Stil im Sinne der Schule von Barbizon. Im Rahmen der Deutschen Kunstausstellung in der Kunsthalle Bremen mit einer integrierten Sonderausstellung nordwest-deutscher Künstler im Jahre 1908 stellte er seine neuen Erfahrungen und Techniken erstmals öffentlich vor.

Schließlich wurde er im Jahre 1909 als Nachfolger von Alexander Frenz an die Fakultät für Architektur der RWTH Aachen als ordentlicher Professor für Figuren- und Landschaftszeichen sowie Aquarellmalerei berufen. Hier blieb bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1929, war zwischenzeitlich in den Jahren 1925/26 auch Dekan und es waren insgesamt seine erfolg- und schaffensreichsten Jahre.

"Auf Grund seines allgemeinen Ansehens und seiner großen Bedeutung als schaffender Künstler sowie in Anerkennung seines Wirkens als Hochschullehrer, der es verstanden hatte, mit ganz besonderem Erfolg durch seine starke Persönlichkeit die künstlerische Gesinnung der Jugend zu wecken und zu fördern und damit dem Ansehen der Hochschule auch nach außen hin zu dienen" wurde laut Beschluss des Senates August von Brandis am 12. Mai 1929 zum Ehrenbürger der RWTH-Aachen ernannt. Später wurde dann im Jahre 1948 noch ein Saal im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum sowie im Jahre 1959 anlässlich seines 100. Geburtstages eine Straße in Aachen nach ihm benannt. Bereits im Jahr 1926 ehrte ihn die Technische Hochschule Danzig ebenfalls mit der Ernennung zu ihrem Ehrenbürger.

Darüber hinaus erhielt er 1910 die von Kaiser Wilhelm II. persönlich verliehene Goldene Medaille für Kunst und 1911 die Goldene Medaille der Kunstausstellung in München. August von Brandis gehörte ferner noch der "Erholungsgesellschaft Aachens", einer Stiftung preußischen Rechts für Kaufleute, Juristen, Fabrikanten und Adelige, sowie der Aachener Burschenschaft Teutonia in der Deutschen Burschenschaft an.

Werke

August von Brandis hatte während seiner gesamten Zeit eine beachtliche Anzahl an Werken geschaffen, die posthum im Jahre 1999 erstmals anlässlich einer Ausstellung im Krönungssaal des Aachener Rathauses und im Haus Troistorff in Monschau katalogisiert wurden. Dieser erste Katalog [1] beinhaltete mehr als 70 großformatige Ölgemälde in seinem vom klassischen Realismus ausgehenden und vom Impressionismus beeinflussten Stil. Neben den Landschaftsbildern und Portraits sind es vor allem Licht durchflutete Interieurs [2] und Stillleben sowie Zeichnungen, Skizzen und Kompositionen aus allen Schaffensperioden, die zum Teil aus Privatbesitz oder wie Ende des Jahres 2008 im Kulturmuseum von Simferopol in der Ukraine wiederentdeckt wurden, nachdem sie auf Grund der Kriegswirren verloren gegangen waren. Mittlerweile werden viele von ihnen in den verschiedensten Auktionshäusern angeboten. Für seine Gemälde benutzte von Brandis nicht nur lokale Örtlichkeiten als Vorlage, sondern wählte bundesweit interessante Motive für seine Werke aus [3].

Zu einem seiner Hauptwerke zählen unbestreitbar die Bilder in St. Foillan zu Aachen, die in ihrem Großformat eine imposante Bereicherung dieser Kirche darstellen[4].

Seine Verbundenheit zur RWTH-Aachen zeigte von Brandis beispielsweise anhand seiner noch vorhandenen Entwürfe für die Glasfenster des Walter-Rogowski-Instituts der RWTH-Aachen, deren kubistischer Stil den Einfluss von Adolf Hölzel deutlich widerspiegeln und dessen Glasfenster im Stuttgarter Rathaus als Vorbild dienten. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg war es allerdings nie zu einer Fertigstellung der Aachener Glasfenster gekommen. Auch das Gemälde "Schmelzlaboratorium im Hüttenmännischen Institut" mit Professor Wilhelm Borchers (1856-1925) bei der Arbeit steht für eine Reihe von Bildern, die in thematischer Beziehung zur RWTH stehen und die allerdings noch nicht alle aufgefunden worden sind oder zugeordnet werden konnten.

Einzelnachweise

  1. Ausschnitt aus dem Katalog von August von Brandis: Stillleben und Portraits sowie Selbstbildnis
  2. August von Brandis: Interieurs und Gartenhäuschen
  3. August von Brandis: Schlossansichten
  4. August von Brandis Ölbilder in St. Foillan Aachen

Literatur

  • August von Brandis. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 4, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910, S. 532
  • Erwähnung im Familienartikel in: Richard B. Hilf: Brandis. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, S. 524.
  • Rappmann, Roland: Beliebter Maler und Aachener Hochschullehrer: August von Brandis wurde wieder öffentlich präsentiert. In: RWTH insight. - Aachen 1999, Heft 3/4, S. 1
  • Deutscher Wirtschaftsverlag, AG (Hg.): Reichshandbuch der Deutschen Gesellschaft, Band 1, Berlin, 1931
  • Felix Kuetgens: Zum 100. Geburtstag von Professor August von Brandis. Aachener Kunstblätter (AKB) 19/20.1960/61, S. 131–132.

Weblinks


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