August von Jochmus

August Giacomo Jochmus (seit 1859:) Freiherr von Cotignola (* 27. Februar 1808 in Hamburg; † 14. September 1881 in Bamberg) war ein österreichischer Feldmarschallleutnant und deutscher Reichsminister. Er verbrachte sein Leben in griechischen, englischen, spanischen und türkischen Diensten, war kurz Außen- und Marineminister des Deutschen Bundes und beendete seine Laufbahn als österreichischer Feldmarschallleutnant.

Leben

August Jochmus ist der sonderbare Fall eines im 19. Jahrhundert in verschiedenen ausländischen Diensten ergrauten Soldaten, der am Ende seiner Laufbahn als General in die österreichische Armee übernommen wurde, aber dort praktisch keinen Dienst mehr leistete.

Jochmus ging zunächst nach Paris, um Militärwissenschaften zu studieren und begab sich 1827, mit 19 Jahren, nach Griechenland, wo er als Adjutant des Generals Richard Church am griechischen Befreiungskampf teilnahm. Er war bereits mit 20 Hauptmann und arbeitete dann als Generalstabsoffizier im griechischen Kriegsministerium.

Durch Intrigen der Nationalpartei verärgert, ging er 1835 nach England, von wo mit der englisch-spanischen Fremdenlegion nach Spanien zog. Hier wurde er zum Stabschef des Generalquartiermeisters ernannt, 1837 zum Brigadegeneral befördert und schließlich Chef eines Armeekorps.

Nach Beendigung des Bürgerkrieges kehrte er 1838 nach England zurück, von wo ihn Lord Palmerston bald darauf nach Konstantinopel entsandte, um den Krieg gegen Syrien vorzubereiten. 1840 wurde Jochmus von der Hohen Pforte zum Divisionsgeneral befördert. Er war dann als Chef des Generalstabs der vereinigten türkisch-englisch-österreichischen Armeen, die gegen den aufständischen Muhammad Ali Pascha von Ägypten kämpften, bei der Einnahme von St. Jean d’Acre im November 1840 beteiligt. Das teilnehmende österreichische Kontingent stand unter dem Kommando des Vizeadmirals Erzherzog Friedrich. Im Dezember 1840 übernahm er den Oberbefehl über das türkische Heer und wurde nach Beendigung des Feldzugs im Kriegsministerium beschäftigt. Zum türkischen Divisionsgeneral und Pascha mit zwei Rossschweifen ernannt, diente er bis 1848 im türkischen Kriegsministerium.

Die Märzrevolution 1848 rief ihn schließlich nach Deutschland zurück. Der Reichsverweser Erzherzog Johann setzte ihn als Außen- und Marineminister ein. Nach dem Rücktritt des Erzherzogs und der Auflösung des Reichsministeriums im Dezember 1849 zog sich Jochmus ins Privatleben zurück.

Schließlich ließ er sich in Österreich nieder, wo sein Sohn die Kadettenschule in Hainburg und die Theresianische Militärakademie besuchte. Zunächst versuchte er vergeblich, in die österreichische Armee aufgenommen zu werden. 1859 wurde Jochmus von der österreichischen Regierung zur Verwendung im Krieg bestimmt, wurde allerdings nicht mehr tätig. Nach dem Vorfrieden von Villafranca erhob ihn der Kaiser mit dem Prädikat „von Cotignola“ in den Freiherrenstand. Im Kriegsjahr 1866 glückte ihm die Übernahme als Feldmarschallleutnant. Wegen der raschen Beendigung des Krieges mit Preußen gelangte er jedoch nicht mehr zu einem Kriegseinsatz.

Werke

  • Georg Martin Thomas (Hrsg.): August von Jochmus’ Gesammelte Schriften. 4 Bände. Cohn, Berlin 1883-84

Literatur

  • Oscar Criste: August Freiherr Jochmus von Cotignola. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 50, Duncker & Humblot, Leipzig 1905, S. 745 f.

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