Augusta Emerita
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Emerita Augusta war eine römische Stadt im Südwesten Spaniens, aus der sich das heutige Mérida entwickelte.

Römisches Theater in Mérida.
Römischer Aquädukt de Los Milagros.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Im Römischen Reich war die Stadt Hauptstadt der Provinz Lusitania sowie die westlichste Provinzhauptstadt des Imperium Romanum. Die Stadt lag am Übergang der wichtigen Nord-Süd-Römerstraße Via de la Plata über den Fluss Guadiana. Mehrere Jahrhunderte, bis zum Untergang des Römischen Reichs, war Mérida ein wichtiges wirtschaftliches, militärisches und kulturelles Zentrum.

Geschichte

Die Puente Romano ist das größte erhaltene antike Brückenbauwerk der Welt.

Augusta Emerita wurde im Jahre 26 v. Chr. oder 25 v. Chr. von Kaiser Augustus als Kolonie für Veteranen Römischer Legionen gegründet. Der Name emerita (lat. für verdient, ausgedient) war in diesem Sinne Programm. Die Stadtgründung war Teil einer Neuordnung der spanischen Provinzen durch den Kaiser als Folge der Feldzüge gegen die Kantabrer und Asturer im Nordwesten der Halbinsel. Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche repräsentative Gebäude errichtet: Theater, Amphitheater, Circus, Tempel, Brücken und Aquädukte.

Wie viele römische Stadtgründungen der Region erlebte Mérida in den ersten beiden Jahrhunderten nach Christus eine Blütezeit, was sich vor allem in den Steindenkmälern widerspiegelt. Verschiedene Weihungen an Götter und Kaiser sowie Ehreninschriften von Magistraten und Soldaten verdeutlichen den Status als Provinzhauptstadt. Etwas unterrepräsentiert sind im Vergleich zu anderen Römerstädten auf der iberischen Halbinsel die lokalen Beamten.[1]

Die Bögen sind nachts angestrahlt.
Das Forum bei Nacht.
Arco de Trajano.
Der sogenannte Dianatempel.
Römischer Circus in Mérida
Innenansicht des römischen Theaters
Amphitheater Mérida
Der Acueducto de Los Milagros.

Bereits um 250 n. Chr, gibt es Belege für eine christliche Gemeinde in Augusta Emerita, etwa durch einen Brief des Cyprian an die Gemeinden von Asturica, Legio und Emerita. In frühchristlicher Zeit nahm Emerita eine herausgehobene Stellung ein, in der Spätantike wurde es Sitz einer Diözese. Die römische Epoche Méridas endete mit der Eroberung der iberischen Halbinsel durch Vandalen und Westgoten im 5. Jahrhundert n. Chr. Die Reihe der Kaiserinschriften endet mit einer Inschrift für Kaiser Theodosius I..[2]

Erhaltene Gebäude

Römische Brücken und Straßen

Brücke über den Guadiana

Die Puente Romano ("Römerbrücke") ist eine römische Brücke über den Fluss Guadiana, die bis in die 90er Jahre in Benutzung war. Man kann sie in gewisser Weise als den Ursprung der Stadt betrachten, da sie Teil einer der wichtigsten Lebensadern der römischen Kolonie in Spanien, des decumanus maximus war. Der Ort der Brücke ist sorgfältig gewählt und befindet sich an einer seichten Stelle des Flusses, an der es zudem eine kleine Flussinsel gibt, die den Strom teilt. Die heute vorhandene Brücke verläuft seit einer Erneuerung im 17. Jh. in einem Stück über den Fluss. Ursprünglich überspannte sie den Fluss in zwei Bogengruppen, die mit einer Holzträgerkonstruktion verbunden waren. Teile der Originalbrücke wurden 1603 bei Hochwasser zerstört. Danach wurde beschlossen, die beiden Bogengruppen mithilfe weiterer Bögen in der Mitte zu verbinden. Die Brücke ist mit nunmehr 792 m Länge eine der längsten Brücken aus römischer Zeit, die sich erhalten haben.

Brücke über den Albarregas

Mit einer Länge von 145 m ist sie nicht so lang wie diejenige über den Fluss Guadiana. Sie wurde zu gleicher Zeit wie die Brücke über den Guadiana erbaut und ist Teil der Hauptstraße Méridas namens cardo maximus, der zweiten wichtigen Route der Stadt. Dieser Kardo Maximus ist als Teil der Via de la Plata (Silberstraße) in alter wie neuer Zeit eine der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Spaniens gewesen (Sevilla-Mérida-Salamanca-Lugo). Dies verdeutlicht die überragende strategische Lage Méridas für das römische Reich, gelegen am Schnittpunkt zweier überregionaler Handelsrouten in nordsüdlicher und ostwestlicher Richtung.

Ascanius-Statue, heute im Museo Arqueológico Nacional de España.

Forum

Die Reste des Forums sind Teil eines Bauprogramms der Provinzhauptstadt, die vermutlich das Augustusforum in Rom kopieren sollten.[3] Ähnliche Bauprogramme sind in Tarraco (Hauptstadt der Provinz Hispania Tarraconensis) und Corduba (Hauptstadt der Baetica) durch Funde von Architekturteilen und Stauenfragmente anzunehmen. Die in der Ausdehnung bekannte, aber nicht größer ergrabene Anlage befand sich am Kreuzungspunkt der beiden Hauptstraßen im Stadtzentrum.

Von besonderer Bedeutung sind die Funde von Statuen, weshalb das Forum auch als „Marmorforum“ bezeichnet wird. Hervorzuheben ist eine Gruppe von sechs togati, die alle der gleichen Werkstatt entstammen und in der Ausführung Parallelen in späteren Darstellungen des iulisch-claudischen Kaiserhauses haben. Die architektonische Nähe zum Augustusforum wird durch Funde mehrerer sogenannter clipei deutlich, die Medusa- oder Ammonsköpfe zeigen. Eine Ascanius-Statue, die sich heute im Museo Arqueológico Nacional de España in Madrid befindet, dürfte ebenso wie in Rom, Teil der Darstellung der Flucht des Aeneas aus Troja gewesen sein.

Trajansbogen

Der sogenannte Arco de Trajano (Triumphbogen des Trajan) befindet sich im Stadtzentrum über dem cardo maximus der Stadt. Der heute sichtbare Kalkstein war ehemals mit Marmor verkleidet. Die lichte Weite des Bogens beträgt neun Meter. Die Herkunft aus trajanischer Zeit ist ungesichert, Zwei Bauphasen sind fassbar, von denen die erste auf die Gründungszeit der Stadt und die zweite auf die 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts fixiert werden können.

Dianatempel

Der sogenannte Tempel der Diana war Teil des Forums der Stadt. Er diente dem Kaiserkult, in dem die Imperatoren als Götter verehrt wurden. Der Name "Dianatempel" wurde bei der Entdeckung irrtümlich vergeben. Es ist das einzige religiöse Gebäude der Stadt, das sich in einem zufriedenstellenden Zustand erhalten hat. Es wurde zwischen dem Ende des ersten vorchristlichen oder Anfang des ersten christlichen Jahrhunderts in der augusteischen Epoche erbaut. Das Gebäude ist rechteckig und war von Säulen umgeben. Die Vorderfront zeigte zum Forum und besteht aus 6 Säulen. Dass es in guten Zustand erhalten blieb, verdankt sich dem Umstand, in den Palast der Grafen de los Corbos integriert worden zu sein, der im Renaissancestile errichtet wurde und dessen Reste immer noch zu sehen sind. Zum Bau wurde vor allem Granit verwendet.

Circus

Mit mehr als 400 Metern Länge und 100 Metern Breite war der Circus (Pferderennbahn) einer der größten Veranstaltungsorte der Stadt, und ebenso wie das Amphitheater ein Zuschauermagnet. Wegen seiner Größe befand er sich außerhalb der Stadtmauern, am Rand des Weges von Emerita Augusta (Mérida) nach Corduba (Córdoba) und Toletum (Toledo). Dieser Circus hatte ein Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern, die je ihrem Rang (Aristokraten, Bürger, Arbeiter) in drei Rängen Platz fanden. Er wurde vermutlich zu Beginn des 1. Jahrhunderts nach Christus, vermutlich zu Zeiten des Kaisers Tiberius, gebaut. In der Arena befindet sich eine Mittelachse, die 223 m lang ist und 8,5 m breit. Um diese herum wurden Rennen mit Gespannen von 2 Pferden (bigae) bzw. 4 Pferden (quadrigae) abgehalten. Die erfolgreichen Fahrer (aurigae) der Gespanne waren sehr populär und wurden in Gemälden und Mosaiken verewigt.

Römisches Theater

Der Bau wurde durch den Konsul Marcus Vipsanius Agrippa in Auftrag geben und vermutlich zwischen 16-15 v. Chr. eingeweiht, worauf eine Inschrift hinweist[4]. Eine weitere Inschrift belegt eine Restaurierung unter Kaiser Hadrian.[5] Es ist eines der spektakulärsten Bauwerke der Stadt und beherbergt seit 1933 das Festival des klassischen Theaters, womit es seine ursprüngliche Funktion wiedererlangt hat. Es besteht aus einer Tribüne (cavea) mit einer Kapazität für 6000 Zuschauer, die in drei Bereiche unterteilt ist: imacavea, media und summa. Die beiden unteren Bereiche sind gut erhalten bzw. wiederhergestellt, während der obere (summa) stärker gelitten hat. Ein weiterer Bereich ist die orchestra, in der bei Aufführungen der Chor untergebracht war. Daneben gibt es noch die Bühne (pulpitum) und dahinter das Bühnengebäude (scaenae frons), das als Kulisse diente und mit die schönste und charakteristischte Ansicht des Theaters bietet. Es besteht aus korinthischen Marmorsäulen, in deren Zwischenräumen Skulpturen aufgestellt sind.

Das Bühnengebäude hat drei Zugänge, deren mittlerer sich valva regia nennt, die seitlichen valvae hospitalia. Hinter der Bühne befindet sich ein Garten mit Pergolen. Das Theater wurde mehrfach umgebaut. Am Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde zur Zeit Trajans das Bühnengebäude errichtet. Ein weiterer Umbau erfolgte zwischen 330-340 n.Chr. In späterer Zeit wurde das Theater nicht mehr genutzt und verfiel, sei es durch Vernachlässigung oder Erdbeben. Auch das Bühnengebäude stürzte ein. Zeitweilig diente es sogar als Steinbruch, wobei der obere Zuschauerrang (summa) abgetragen wurde. In der Neuzeit konnten jedoch die Säulen des Bühnengebäudes geborgen und wieder aufgestellt werden. In dem Theater werden beim Sommerfestival noch heute klassische Theaterstücke aufgeführt.

Amphitheater

Das Amphitheater war bei großen Teilen der Gesellschaft beliebter als das Theater, da hier die blutigen Tier-und Gladiatorenkämpfe stattfanden. Es wurde 8 v. Chr. eingeweiht. Das Gebäude umgibt eine elliptische Arena und bietet 15.000 Zuschauern Platz. Es ist wie das Theater in drei Ränge gegliedert. Nur der unterste Rang ist erhalten geblieben, die oberen beiden wurden als Steinbruch genutzt und abgetragen.

Aquädukt Los Milagros

Der Acueducto de los Milagros (Aquädukt) führte Wasser aus der Proserpina-Talsperre 5 km vor der Stadt nach Emerita Augusta und verlief teils oberirdisch, teils unterirdisch. Er wurde unter Augustus um die Zeitenwende errichtet. Die Bögen sind relativ gut erhalten, vor allem der Teil, der das Albarregastal überbrückt. Die durchschnittliche lichte Weite der Bögen liegt bei 4,50 m, stärkere Abweichungen davon sind aber stellenweise vorhanden.

Aquädukt San Lázaro

Der Acueducto de Rabo de Buey-San Lázaro (Lazarus) brachte Wasser aus den Bächen nördlich der Stadt, die unterirdische Wasserleitung ist gut erhalten. Von den Bögen über das Albarregastal sind nur noch drei erhalten sowie einige in Nachbarschaft zum römischen Circus.

weitere Sehenswürdigkeiten

  • das Mithräum (Tempel des Mithraskults).
  • das Römische Museum, mit schönen Mosaiken, einer Münzsammlung sowie Gebäuderesten aus der Römerzeit.
  • Ca. 100 km nördlich befindet sich die Brücke von Alcántara, von Mérida mitfinanzierte Brücke, die die Stadt und Lusitanien mit dem Nordwesten der iberischen Halbinsel verband.

Literatur

  • Xavier Dupré Raventós (Hrsg.): Las capitales provinciales de Hispania. 2. Mérida. Colonia augusta Emerita. "L'Erma" di Bretschneider, Rom 2004 ISBN 88-8265-272-6
  • Emil HübnerEmerita. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,2, Stuttgart 1905, Sp. 2493–2496.
  • Sabine Panzram: Stadtbild und Elite : Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Historia : Einzelschriften 161, Steiner, Stuttgart 2002 ISBN 3-515-08039-2
  • Walter Trillmich und Annette Nünnerich-Asmus (Hrsg.): Hispania Antiqua – Denkmäler der Römerzeit. von Zabern, Mainz 1993 (siehe besonders Ortsregister S. 487) ISBN 3-8053-1547-3

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eine deutschsprachige Gesamtdarstellung der Inschriftenfunde findet sich in Emil HübnerEmerita. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band V,2, Stuttgart 1905, Sp. 2493–2496.
  2. CIL 02, 00483
  3. Details zum Bauwerk siehe Walter Trillmich in Hispania Antiqua S. 49-54. Tafel 56-60
  4. CIL 02, 00474
  5. CIL 02, 00478

38.916666666667-6.33333333333337Koordinaten: 38° 55′ N, 6° 20′ W


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