Augusteische Alpenfeldzüge

Die Augusteische Alpeneroberung kann grob in drei zeitliche Abschnitte unterteilt werden, die Eroberung der westlichen Alpen, die Eroberung der östlichen Alpen und schließlich die Eroberung des Zentral- und Voralpengebietes. Insgesamt dauerte der Eroberungsprozess von 25 v. Chr. bis 15 v. Chr.

Inhaltsverzeichnis

Die Eroberung der westlichen Alpen 25 v. Chr.

Die westlichen Alpentäler rückten nach der Eroberung Galliens durch Caesar in den Aufmerksamkeitsfokus des Imperium Romanum. Die Pässe im westlichen Alpenbereich, der Grosse Sankt Bernhard und der Kleine Sankt Bernhard stellten eine schnelle Verbindung nach Gallien dar, wurden aber vom Volksstamm der Salasser kontrolliert. Gegen Wegzölle boten sie freie Passage und unter Umständen auch ihre Expertise zur Überquerung der Alpen an. Dieser Umstand konnte Alpenüberquerungen zu einem teuren Unterfangen machen. Augustus entsandte 25 v. Chr. A. Terentius Varro Murena, der das Aostatal eroberte und die Pässe für Rom nutzbar machte. An der Stelle seines Feldlagers errichtete er die Kolonie Augusta Praetoria, heutiges Aosta. Wurde früher nach Aussage des antiken Autors Strabon vermutet, dass die gesamte Bevölkerung vernichtet oder in die Sklaverei verkauft worden wäre, weist nach heutigen Erkenntnissen eine Inschrift darauf hin, dass Augusta Praetoria noch von einigen incolae, also salassisch-stämmige Menschen, bewohnt wurde. Nun war nicht nur der Weg nach Gallien frei, auch für die Alpenfeldzüge von Drusus und Tiberius (s.u.) wurden so strategische Voraussetzungen geschaffen.

Die Eroberung der östlichen Alpen 16 v. Chr.

Östlich des Inns lag das damals selbstständige Königreich Noricum. Nach allgemeiner Auffassung [1] wurde das Königreich dem römischen Imperium im Jahre 16. v. Chr. auf friedliche Weise angeschlossen. Diese Annexion wird Silius Nerva zugeschrieben. Welche Form diese Angliederung annahm, ist allerdings umstritten, auch eine Umwandlung in ein Klientelkönigreich ist denkbar.

Außerdem wird Publius Silius Nerva auch die Unterwerfung der Stämme der Trumpilini und der Camunni zugeschrieben, wobei auch diese Frage in der Forschung noch nicht endgültig geklärt ist. [2] Diese beiden Stämme hatten sich mit den Vennones, einem rätischen Volk, das seinerseits in die Venosti und die Vennonetes geteilt wurde, verbündet. Darin sah Rom eine Gefahr. Publius Silius Nerva drang in das von der Mella durchflossene heutige Val Trompia, in dem die Trumpilini lebten, und in das Tal des Oglio, das heutige Val Camonica, das von den Camunni bewohnt wurde, vor. Die besiegten Völker wurden der nächstgelegenen römischen Stadt attribuiert, d. h. sie wurden mit dem Bürgerrecht zweiten Ranges dort angegliedert („finitimis attributi municipiis“, Plin. III, 20, 24)

Die Eroberung des Zentral- und des Voralpengebietes 15 v. Chr.

Diese in den Jahren 16 v. Chr. bis 15 v. Chr. durchgeführte militärische Unternehmung (in der einschlägigen Forschung als Alpenfeldzug bekannt) der Römer im Zentral- und Voralpengebiet. Unter der Führung zweier Stiefsöhne des Kaisers AugustusDrusus und Tiberius – wurde in nur einem Sommer (Strabon, Geographika IV,6,9) ein großes Gebiet im Alpenraum erobert, das später zur Provinz Raetia wurde.

Das gesamte Unternehmen ist trotz prominenter antiker Quellen nur schwer zu rekonstruieren. Das Tropaeum Alpium, ein Siegesdenkmal, kann hinsichtlich der Reihenfolge der Alpeneroberung nur unzureichend interpretiert werden, und auch die antiken Berichte sind sehr unkonkret. Die genaue Route der Neronen ist in der Forschung also umstritten, auch archäologische Befunde1 helfen nur teilweise weiter. Ebenso ungeklärt ist, ob die beiden Kaisersöhne in einer Zangenoperation die Alpen angriffen, oder ob sie eher gemeinsam in einer Operation vorgingen.[3] Eine vielfache Aufteilung der/s Heere/s, die aufgrund der geographischen Unterteilung des Alpenraumes in viele Täler nötig war, kann aber kaum bestritten werden. Die Operation erfolgte wohl mit jeweils zwei bis drei Legionen. Wahrscheinlich zog zunächst Drusus durch Tirol über den Brenner in Richtung des heutigen Bayern und bekämpfte somit wohl hauptsächlich raetische Stämme, später zog Tiberius aus Lyon am Rhein entlang an den Bodensee und war somit zusätzlich auch mit Stämmen der Vindelikern konfrontiert. Am Bodensee soll eventuell eine Seeschlacht gegen die ansässigen Stämme stattgefunden haben.

Über den Alpenfeldzug berichten Cassius Dio (Römische Geschichte 54,22) und Strabon (Geographika IV,6,6-9 und VII,1,5). Eine wesentliche Ergänzung unseres Wissens über die genauen Routen bieten archäologische Funde, die man mit diesen Zügen verbindet.

Literatur

  • Katrin Roth-Rubi u. a.: Neue Sicht auf die "Walenseetürme". Vollständige Fundvorlage und historische Interpretation. Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, 87, 2004, S. 33-70.
  • Jürg Rageth: Weitere frührömische Militaria und andere Funde aus dem Oberhalbstein GR - Belege für den Alpenfeldzug. Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte, 88, 2005, S. 302-312.
  • Marcus Junkelmann: Die Legionen des Augustus. Der römische Soldat im archäologischen Experiment, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1986 (Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 33) ISBN 3-8053-0886-8, S. 59-74

Einzelnachweise

  1. K. W. Welwei: Römische Weltherrschaftsideologie und augusteische Germaninepolitik. In: Gymnasium, 93, 1986, S. 118-138.
  2. F. Schön: Der Beginn der römischen Herrschaft in Raetien. Sigmaringen 1986, S.36-38.
  3. K. Dietz: Okkupation und Frühzeit In: W. Czysz u. a. (Hrsg.): Die Römer in Bayern. Stuttgart 1995, S. 28

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