Augusteum (Universität Leipzig)
Baustelle des neuen Augusteums (links) und Paulinums (Mitte) im Mai 2011

Das Augusteum ist ein im Bau befindliches Gebäude der Universität Leipzig am Augustusplatz. Es entsteht im Rahmen des Campus-Neubaus seit Baubeginn im Jahr 2007. Ein gleichnamiger Bau am selben Platz war im 19. Jahrhundert und bis zu seiner Sprengung im Jahr 1968 das Hauptgebäude der Universität Leipzig. Der Augusteum-Neubau ist an das historische Gebäude jedoch nicht angelehnt, lediglich Standort, Name und die Nachbarschaft zum Paulinum sind gleich.

Das Neue Augusteum grenzt an den Neubau des Paulinums - Aula und Universitätskirche St. Pauli, das geistige und geistliche Zentrum der Universität. Das neue Augusteum soll wieder das Hauptgebäude der Universität werden und das Auditorium Maximum beinhalten.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das Augusteum im 19. Jahrhundert

Augusteum und Paulinerkirche um 1890 vor der Umgestaltung.

Das Gebäude auf der Westseite des Leipziger Augustusplatzes schloss sich linksseitig an die Paulinerkirche an. Der Bau wurde in den Jahren 1831 bis 1836 nach Plänen von Albert Geutebrück errichtet. Die Fassade ging auf einen klassizistischen Entwurf Karl Friedrich Schinkels zurück. Bereits in den 1870er Jahren stieß das Gebäude an seine Kapazitätsgrenzen, da die Universität durch die rasante Stadtentwicklung in dieser Zeit stark gewachsen war.

Das Augusteum im Jahr 1898 nach seiner Umgestaltung.

Von 1892 bis 1897 wurde das Gebäude von Arwed Rossbach umgebaut und großzügig erweitert. Das Augusteum, das ursprünglich nur die Hauptfront zum Augustusplatz bildete, erhielt durch den Abbruch des Paulinums einen Süd- (1895), Mittel- und Westflügel (1896). Diese Gebäudeteile erhielten die Namen Johanneum, Albertinum und Paulinum. Der Umbau beinhaltete auch eine stilistische Angleichung an andere repräsentative Gebäude des Augustusplatzes. Paulinerkirche und Augusteum erhielten dabei ebenfalls nach Plänen Rossbachs Fassaden der Neorenaissance bzw. der Neogotik.

Sprengung zur Zeit der DDR

Augusteum und Paulinum zu DDR-Zeiten als Hintergrundkulisse der Friedensfahrt 1954.

Wie große Teile der Gebäudesubstanz der Universität wurde auch das Augusteum im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombenangriffe in Teilen stark beschädigt. Am 30. Mai 1968 wurde neben der völlig intakten Paulinerkirche auch das Augusteum, das nach heutigen Maßstäben ohne weiteres zu retten gewesen wäre, auf Anordnung der DDR-Führung gesprengt. Beide Gebäude passten nicht in die Ideologie einer sozialistisch geprägten Universität. Auf dem beräumten Gelände entstand bis 1975 ein neuer Universitätskomplex in funktional-nüchterner DDR-Architektur. An der Stelle des Hauptflügels des Augusteums wurde bis 1971 ein Rektoratsgebäude errichtet.

Das Augusteum als Teil des neuen Universitätscampus

Nach der Wiedervereinigung engagierte sich die Bürgerinitiative zum Wiederaufbau von Universitätskirche und Augusteum in Leipzig e.V für die Wiederherstellung des alten Universitätensembles. Nach jahrelangen Streitigkeiten wurde eine Einigung erzielt, die auf die Wiederaufbaubestrebungen zugunsten der Anforderungen der Universität an moderne Räumlichkeiten für Lehre und Forschung auf dem innerstädtischen Campus verzichten sollte. Der von Erick van Egeraat ausgearbeitete Entwurf für einen Campusneubau erinnert nun mit Teilen der Fassade und einer entsprechend ausgestalteten Aula an die Paulinerkirche. Das Augusteum als historisches Universitätshauptgebäude greift er jedoch in seinem Entwurf nicht wieder auf.

Das Neue Augusteum soll das Hauptgebäude der Universität werden und das Auditorium Maximum, den Haupthörsaal, mit 800 Sitzplätzen beheimaten. Daneben sollen im Gebäude die Fakultät für Mathematik und Informatik, universitäre Büroräume, eine Galerie sowie die neue Dolmetschertrainingsanlage des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie ihren Platz finden.[1] Die Fertigstellung des Gebäudes war ursprünglich für 2009 geplant. Die Eröffnung wurde aber inzwischen auf Oktober 2011 verschoben. Zum Wintersemester 2011 soll das Augusteum in Benutzung gehen.[2]

Das Schinkeltor als Teil der Augusteum-Baustelle im Jahr 2010.

Das Schinkeltor des alten Augusteums wurde in den Neubau integriert. Das klassizistische Eingangsportal ist das einzige erhaltene Zeugnis der Baukunst Karl Friedrich Schinkels in Leipzig. Es war der Haupteingang des ersten Augusteum-Baus bis zur Neugestaltung des Augusteums in den 1890er Jahren, wo es zum südlichen Hofeingang umfunktioniert wurde. 1981 wurde das rekonstruierte Portal zwischen Hörsaal- und Seminargebäudekomplex des Neubaus der Karl-Marx-Universität aufgestellt. Im Zuge der Baumaßnahmen zum Campus-Neubau wurde das Tor im Juni 2004 abgebaut.[3] Im Jahr 2009 wurde es dann auf dem neugebauten Leibnizforum wieder aufgestellt und in das Neue Augusteum integriert. Es fungiert jetzt als Eingang zum Gebäude vom Innenhof aus.

Einzelnachweise

  1. a b Universität Leipzig: Der Campus in der Übersicht. Neues Augusteum. (Letzter Zugriff: 20. März 2010)
  2. Webseite zum Baugeschehen ab 1990
  3. Universität Leipzig (10. Juni 2004): Pressemeldung "Das Schinkel-Tor geht und kommt wieder". (Letzter Zugriff: 19. März 2010).

Literatur

  • Universität Leipzig (Hrsg.): Der neue Uni-Campus im Herzen der Stadt. Sonderveröffentlichung der Universität Leipzig, Leipziger Volkszeitung vom 18. Oktober 2008.
  • Universität Leipzig (Hrsg.) (2010): Geschichte der Universität Leipzig 1409–2009. 5 Bände. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, ISBN 978-3-86583-310-5

Weblinks

 Commons: Augusteum (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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