Augustinerkirche (Gotha)
Augustinerkirche vom Klosterplatz aus
Fürstenloge
Kreuzgang

Die Augustinerkirche in der Altstadt von Gotha, ehemals Klosterkirche der Augustiner-Eremiten, ist heute evangelische Pfarrkirche.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

1216 gründeten Zisterziensernonnen in Gotha ein Kloster. Dieses gelangte bereits 1258 in den Besitz der Augustinermönche. Sie erweiterten das Kloster und errichteten eine neue Kirche. Nach der Reformation und der Auflösung des Augustinerkonvents wurde die Kirche 1676 unter Herzog Ernst I. durch Andreas Rudolph nochmals umgebaut und bis 1680 frühbarock ausgestattet. Dabei erhielt sie zweigeschossige Emporen. Berühmtester Prediger in der Augustinerkirche war der Augustinermönch Martin Luther, der hier mehrmals (u.a. am 8. April 1521) auf der Kanzel stand.

1524 wurde die Kirche evangelisch.

Am 21. Dezember 1524 gründete der Reformator und Gothaer Superintendent Friedrich Myconius in den einstigen Klosterräumen das aus der Lateinschule hervorgegangene Gothaer Gymnasium, das um 1600 durch Herzog Johann Casimir von Sachsen-Coburg den Zusatz Illustre (vortrefflich, glänzend, berühmt) erhielt. Im Laufe seines Bestehens lehrten hier namhafte Schulreformer und Pädagogen wie z.B. Cyriacus Lindemann, Andreas Reyher, Adolf Heinrich Friedrich Schlichtegroll, Friedrich Jacobs und Johann Georg August Galletti. Aus dem Gymnasium Illustre ging im 19. Jahrhundert das Gymnasium Ernestinum hervor.

Der Bau

Die ehemalige Klosterkirche ist eine Hallenkirche mit einem langen Chor, der jedoch in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts stark verkürzt wurde. Durch den neu entstandenen dahinter liegenden Raum konnte eine Winterkirche eingerichtet werden. Das Äußere der Kirche ist schlicht gehalten.

Ausstattung

Epitaph für Friedrich Myconius neben dem Altar

Zur Ausstattung gehören eine Schmid-Böhm-Orgel mit frühbarockem Prospekt, die Fürstenloge und die frühbarocke Kanzel.

Rechts neben dem Altar ist in die Wand der Grabstein des Reformators und Gothaer Superintendenten Friedrich Myconius eingelassen. Der Stein wurde nach der Aufhebung des Alten Gottesackers 1874 in die Augustinerkirche überführt. Der erste Teil seiner von Johannes Stigel verfassten Inschrift ist in Griechisch, der zweite in Latein. Die Übersetzung des Griechischen lautet: "Hier hat Erde den tüchtigen Thüringer Friedrich Myconius verborgen, der der Herkunft nach ein Franke war. Das Licht des Evangeliums hat er den Gothaern gleichsam angezündet, und gottesfürchtig lebte er elf Olympiaden und das übrige." Der zweite, lateinische Teil lautet übersetzt: "Dieser Stein bedeckt die frommen Gebeine des Myconius, unter dessen Führung, Gotha, dir die Gnade Christi gezeigt wurde. Durch Lehre und Lebenswandel hat jener dir ein Beispiel hinterlassen. Dies betrachte, Gotha, als eine große Ehre."[1]

Anbauten

An die Kirche schließt sich das ehemalige Augustinerkloster an, das älteste in Thüringen. Dort befindet sich auch der Kreuzgang von 1366, der im Zuge eines Ausbaus der Kirche im gleichen Jahr gebaut wurde. Unter den entlang der Wände aufgestellten Grabsteinen ist jener von Johann Georg August Galletti interessant. Galletti, der als Vater der Kathederblüte gilt, lehrte als Professor am hier befindlichen Gymnasium Illustre.

Sagen

Mit der Augustinerkirche sind auch zwei bekannte Gothaer Sagen verknüpft. Die Der Teufel in der Kirche[2][3] betitelte berichtet von einer Predigt Martin Luthers am 8. April 1521 in dem Gotteshaus. Während der Predigt des Reformators soll der Teufel im Westgiebel gesessen und – erbost darüber, dass ihm Luther so viele Seelen entzog – unter großem Gepolter Steine aus der Wand gebrochen haben, um diese hinab ins Kirchenschiff zu schleudern. Luther jedoch ließ sich davon nicht beirren, und wie durch ein Wunder wurde auch keiner der zahlreichen Kirchgänger von den Steinen getroffen.

Die Überlieferung Der eingemauerte Augustiner[4][5] erzählt von einem Mönch des Klosters, der sich eines schweren Vergehens gegen die Ordensregeln schuldig gemacht haben soll. Um seine Schuld zu sühnen, verurteilten ihn seine Mitbrüder dazu, im sogenannten Kleinen Hof des Klosters bei lebendigem Leibe in eine Nische eingemauert zu werden. An jener Stelle ließ der Abt als dauerhafte Mahnung an die Brüder, sich an die Regeln des Ordens zu halten, ein steinernes Gesicht in die Mauer einlassen. Noch viele Jahrzehnte soll der Geist des eingemauerten Mönches, der ob seiner Verfehlung auch im Tod keinen Frieden finden konnte, nächstens im Kloster gespukt haben. Der Spuk verschwand erst, als bei einem Umbau der Kleine Hof und damit auch die Mauernische und das steinerne Gesicht verschwanden.

Einzelnachweise

  1. Hans-Jürgen Hinrichs: Lateinische und griechische Inschriften in Gotha und Umgebung, Teil I. Gotha, Ulenspiegel-Verlag, 1998; S. 44ff.
  2. Andreas M. Cramer, Die Gothaer Sagen, Gotha 2005, S. 32
  3. Der Teufel in der Kirche auf www.echt-gothsch.de
  4. Andreas M. Cramer, Die Gothaer Sagen, Gotha 2005, S. 16
  5. Der eingemauerte Augustiner auf www.echt-gothsch.de

Weblinks

 Commons: Augustinerkirche Gotha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
50.94733210.699464

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