Augustinusregel
Augustinus überreicht Norbert von Xanten seine Regel, um 1140

Die Augustinusregel geht auf den Kirchenvater Augustinus von Hippo zurück. Vor allem seit dem 11. Jahrhundert wurde diese kurze Regel zur Grundlage des Zusammenlebens sehr vieler Ordensgemeinschaften. Heute gibt es mehrere hundert augustinische Orden und Kongregationen – einerseits Gemeinschaften, die den Namen ihres Patrons tragen, also Augustiner (bis 1963 „Augustiner-Eremiten“), Augustiner-Discalceaten, Augustiner-Rekollekten und Augustiner-Chorherren, andererseits zahlreiche Orden, die Augustinus nicht im Namen führen, unter den Bettelorden etwa die Dominikaner, Mercedarier und Trinitarier, unter den Regularkanonikern zum Beispiel die Kreuzherren und die Prämonstratenser.

Es ist irreführend, von einer einzigen Augustinusregel auszugehen, da es verschiedene Versionen gibt, die von Lukas Verheijen OSA im Jahre 1967 wie folgt unterschieden wurden:[1]

„Das Kernstück der Regel existiert sowohl in einer Fassung für Männer, mit Namen Praeceptum, als auch in einer für Frauen, Regularis informatio. Ein kürzerer Text mit Weisungen für die äußere Ordnung des klösterlichen Alltags, genannt Ordo monasterii, ist in vielen Handschriften dem Praeceptum, der Fassung für die Männer, vorangestellt, in einigen Fällen auch der Fassung für die Frauen. Die heute geltende Form der Regel in den Männer- und Frauenorden, die Regula recepta, besteht aus einem einleitenden Satz des Ordo monasterii, dieses kurzen Textes mit den Weisungen für den klösterlichen Alltag, und dem Praeceptum - für die Frauen natürlich dementsprechend adaptiert“

Im Wesentlichen schreiben die Regeln Folgendes vor:

  • von Liebe und Eintracht geprägtes Leben in der Ordensgemeinschaft
  • gegenseitiges Mahnen und gegenseitige „Kontrolle“
  • Verzicht auf persönlichen Besitz (Privatbesitz muss beim Eintritt dem Orden vermacht werden)
  • Enthaltsamkeit (Fasten, kein sinnliches oder materielles Begehren)
  • Unterordnung unter die Gemeinschaft und die Autorität des Oberen
  • regelmäßiges Beten

Literatur

  • Gert Melville, Müller (Hrsg.): Regula Sancti Augustini. Normative Grundlage differenter Verbände im Mittelalter. Tagung der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim und des Sonderforschungsbereichs 537, Projekt C „Institutionelle Strukturen religiöser Orden im Mittelalter“ vom 14. bis zum 16. Dezember 2000 in Dresden; Publikationen der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim 3; Paring 2002; ISBN 3-9805469-8-5 (Inhaltsverzeichnis)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lukas Verheijen: Überlieferung der Augustinusregel

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Augustinusregel — Augustinusregel,   Augustinerregel, eine Ordnung des Klosterlebens (Armut, Gehorsam, Verzicht auf Ehe). Sie ist überliefert in drei Texten, die mindestens bis ins 6./7. Jahrhundert, in Teilen vielleicht bis auf Augustinus selbst zurückreichen.… …   Universal-Lexikon

  • Augustinische Orden — im engeren Sinn sind die römisch katholischen Klostergenossenschaften, die sich bereits in ihrem Namen auf den Kirchenlehrer Augustinus von Hippo beziehen. Im weiteren Sinn sind alle Klostergenossenschaften gemeint, die die sogenannte… …   Deutsch Wikipedia

  • Augustinerorden — Der Orden der Augustiner Eremiten (lat. Ordo Eremitarum Sancti Augustini, Ordenskürzel OESA), seit 1963 Augustinerorden (Ordo Sancti Augustini, Ordenskürzel: OSA), war der vierte große Bettelorden des Spätmittelalters – nach den Franziskanern,… …   Deutsch Wikipedia

  • Augustiner — Au|gus|ti|ner 〈m. 3〉 Mönch des Augustinerordens * * * Au|gus|ti|ner, der; s, [nach dem Kirchenlehrer Augustinus (354–430)]: Angehöriger der auf der Augustinerregel aufgebauten Ordensgemeinschaften. * * * Augustiner,   zusammenfassende Bezeichnung …   Universal-Lexikon

  • Augustiner (Orden) — Die Augustiner sind eine Ordensgemeinschaft, die nach den Ordensregeln des Augustinus von Hippo leben. Neben dem Hauptzweig der Augustiner (lat.: Ordo Sancti Augustini, Kürzel: OSA) folgen unter anderem auch die Dominikaner (ein Bettelorden) und… …   Deutsch Wikipedia

  • Augustinerregel — Der hl. Augustinus überreicht Norbert von Xanten seine Regel, um 1140 Die Augustinusregel geht auf den Kirchenvater Augustinus von Hippo zurück. Vor allem seit dem 11. Jahrhundert wurde diese kurze Regel zur Grundlage des Zusammenlebens sehr… …   Deutsch Wikipedia

  • Kloster Mariental (Münster) — Kloster Niesing offiziell auch Kloster Mariental genannt war ein 1444 gegründetes Frauenkloster in Münster. Dieses folgte der Augustinusregel. Die Einrichtung bestand bis zur Säkularisation im Jahr 1810. Nicht zu verwechseln ist dieses Kloster… …   Deutsch Wikipedia

  • Niesingkloster — Kloster Niesing offiziell auch Kloster Mariental genannt war ein 1444 gegründetes Frauenkloster in Münster. Dieses folgte der Augustinusregel. Die Einrichtung bestand bis zur Säkularisation im Jahr 1810. Nicht zu verwechseln ist dieses Kloster… …   Deutsch Wikipedia

  • Ordensregel des heiligen Augustinus — Der hl. Augustinus überreicht Norbert von Xanten seine Regel, um 1140 Die Augustinusregel geht auf den Kirchenvater Augustinus von Hippo zurück. Vor allem seit dem 11. Jahrhundert wurde diese kurze Regel zur Grundlage des Zusammenlebens sehr… …   Deutsch Wikipedia

  • Regel des heiligen Augustinus — Der hl. Augustinus überreicht Norbert von Xanten seine Regel, um 1140 Die Augustinusregel geht auf den Kirchenvater Augustinus von Hippo zurück. Vor allem seit dem 11. Jahrhundert wurde diese kurze Regel zur Grundlage des Zusammenlebens sehr… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”