Augustusbrücke
51.05527777777813.739444444444
Augustusbrücke bei erhöhtem Wasserstand mit Blick zur Frauenkirche
Nachtaufnahme von der Brühlschen Terrasse aus
Einzige Verbindung um 1750

Die Augustusbrücke, beziehungsweise ihr Nachfolgebau die Friedrich-August-Brücke, ist eine Straßenbrücke über die Elbe in Dresden. Sie verbindet die historischen Kerne der Altstadt und der Neustadt, die bis ins 16. Jahrhundert die selbständige Stadt Altendresden war. Zwischen 1945 und 1990 trug sie den Namen Georgij-Dimitroff-Brücke.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Erste Brücken

Das erste Brückenbauwerk an gleicher Stelle ist in der Meißner Landchronik für das Jahr 1070 belegt. Es war eine Holzbrücke, die 1118 durch Hochwasser und Eisgang zerstört wurde. Die Brücke verbesserte die Transportwege auf den Handelsrouten nach Norden. Bis dahin konnte die Elbe an einer Furt östlich der Altstadt gequert werden.

Markgraf Heinrich II. veranlasste 1119 den Brückenneubau. Das Bauwerk sollte mit steinernen Pfeilern und hölzernen Überbauten ausgeführt werden. Nach einer längeren Bauunterbrechung wurde die feste Flussquerung schließlich von 1173 bis 1222 komplett als steinerne Brücke fertiggestellt. Die Gründung bestand aus Steinschüttungen. Das Bauwerk wird dem Baumeister Matthaeus Focius zugeschrieben, 1275 war die erste urkundliche Erwähnung unter den Burggrafen von Dohna. In gleicher Zeit wurden auch die Erzgebirgspässe südöstlich von Dresden passierbarer, so dass sich das Handelsaufkommen zwischen Böhmen und Norddeutschland mehr und mehr erhöhte. Die Augustusbrücke war also auch wichtiger Bestandteil der Handelswege zwischen Prag und der Messestadt Leipzig, obwohl beide westlich der Elbe liegen. Da das Magdalenenhochwasser von 1342 und 1343 ein erneutes Hochwasser das Bauwerk erheblich beschädigten, musste es ersetzt werden.

Im Jahr 1344 folgte eine Steinbogenbrücke mit 24 Pfeilern und 23 Bögen. Die Brücke wies eine Breite von „15 Ellen“ und eine Gesamtlänge von „800 Schritten“ auf, was einer Länge von mehr als 500 Metern entspricht. Mit diesen Abmessungen galt sie als die längste Gewölbebrücke Europas.[1] Die Konstruktion hatte unter anderem in zwei Feldern jeweils eine Zugbrücke und eine mittlere Brückenöffnung bestand aus Holz, um diese zur Verteidigung Dresdens abbrennen zu können.

Unter Kurfürst Moritz wurden bei Umbauten der Befestigungsanlagen 1534 und 1547 fünf Pfeiler und vier Bögen zugeschüttet, außerdem ein neues Brückentor, das sogenannte Schöne Tor durch Melchior Trost über dem ersten Pfeiler am Altstädter Ufer errichtet. Im Jahre 1670 wurde auf dem dritten Brückenpfeiler ein 4,5 Meter hohes Kruzifix aufgestellt, es wog 3 Zentner.[1]

Augustusbrücke 1727–1907

Caspar David Friedrich: Augustusbrücke in Dresden (Gemälde, 1931 verbrannt)

Unter August dem Starken baute der berühmte Barock-Baumeister Matthäus Daniel Pöppelmann gemeinsam mit dem Ratsbaumeister Johann Gottfried Fehre die Brücke 1727–1731 aufwendig um. Das Bauwerk war danach 402 Meter lang und besaß noch 17 Bögen. Bei einer Breite von 11,04 Meter zwischen den Brüstungen betrug die Fahrbahnbreite 6,8 Meter. Sie war für damalige Verhältnisse wegen ihrer Größe, insbesondere ihrer Fahrbahnbreite, besonders eindrucksvoll und wurde nach ihrem Bauherrn „Augustusbrücke“ genannt. Sie gehörte auch später zu den historischen Monumenten des barocken Dresden. Zur selben Zeit wurden sowohl „Dresden“ als auch die „Neue Königliche Stadt“ zur Stadtfestung ausgebaut. Die heutige Altstadt wurde dabei von einem Wassergraben umgeben, die Neustadt von einer massiven Mauerfestung. Die Augustusbrücke verband die getrennten Festungen. Etwa zur selben Zeit baute Sachsen das System der Postwege aus. Die Augustusbrücke war dabei über die Grenzen von Dresden hinaus eine wichtige Querungsstelle der Elbe.

Augustusbrücke um 1900

Im Zusammenhang mit den Befreiungskriegen gegen Napoleon ließ jener am 19. März 1813 den vierten Pfeiler nach dem Altstadtufer sprengen, was die benachbarten Bögen IV und V zum Einsturz brachte. Ausgelöst durch das Elbehochwasser 1845, stürzte der fünfte Pfeiler, auf dem sich ein großes Kruzifix befand, am 31. März 1845 ein.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts genügte aber weder die Fahrbahnbreite dem Straßenverkehr noch die Weite ihrer Bögen dem Schiffsverkehr, weshalb sie trotz ihres Charakters als Baudenkmal im Jahr 1907 abgebrochen wurde.

Noch heute erhalten sind die die Brücke zu beiden Elbseiten flankierenden Gebäude Altstädter Wache (Schinkelwache) und Neustädter Wache (Blockhaus).

Auf der Ostseite des nördlichen (neustädtischen) Brückenkopfs stand von 1755 bis zu seiner Zerstörung im Jahre 1945 das Wohnhaus von Joseph Fröhlich, des Hofnarren Augusts des Starken. Es wurde im Volksmund „Narrenhäusel“ genannt. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Bronzeplastik.

Gegenwärtiges Bauwerk

Abbruch der Augustusbrücke und Interimsbau (1907)

Neubau 1907–1910

Die Planungen für einen Brückenneubau begannen 1902 und lagen zunächst in den Händen des Ingenieurs und Stadtbaurates Hermann Klette. Da an dieser wichtigen Stelle im Stadtbild auf die architektonische Gestaltung der Brücke besondere Sorgfalt verwandt werden sollte, zog die Stadt 1906 den bekannten Architekten Wilhelm Kreis hinzu. Die Bauausführung begann 1907 und dauerte bis 1910.

Der Neubau trug nach dem damaligen König Friedrich August III. den Namen Friedrich-August-Brücke.

Die Brücke ist als massive Gewölbebrücke gebaut und besteht im Kern aus Stampfbeton, die Ansichtsflächen sind mit Sandstein verblendet, wofür man teilweise die Steine der abgebrochenen Augustusbrücke verwenden konnte. Die Bauplastik (Wappen und Schlusssteine) schuf der in Hamburg ansässige Bildhauer Karl Weinberger.

Nach 1945

Wiederaufbau der Brücke (1948)
Ansicht von der Frauenkirche aus, im Hintergrund die Marienbrücke

Am 7. Mai 1945, einen Tag vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland, wurden der sechste Pfeiler nach dem Altstadtufer und die angrenzenden Bögen VI und VII von deutschen Truppen gesprengt, 1949 baute die Stadt sie in fast unveränderter Form wieder auf. Seitdem führt das Terrassenufer, unter dem ersten Bogen, weiter die Elbe entlang bis zum Landtag.

Von 1945 bis 1990 trug die Brücke den Namen Georgij-Dimitroff-Brücke (nach dem bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitrow). Nach der Wende erhielt sie wieder ihren historischen Namen Augustusbrücke.

Bei der Jahrhundertflut 2002 wurde sie für den motorisierten Verkehr ganz und für Fußgänger auf der stromaufwärts gelegenen Seite gesperrt; die Brücke nahm aber keinen Schaden.

Gegenwärtiger Aufbau

Luftbild: Augustusbrücke über die Elbe (2008)

Die Augustusbrücke besteht aus neun Bögen (statisch als Dreigelenkbögen ausgelegt), von denen vier über Strompfeiler (bei Normalwasserstand) getragen werden. Die Gesamtlänge des Bauwerks beträgt etwa 390 Meter, die Bögen haben lichte Weiten von 17,6 bis 39,3 Meter. Die Breite der Brücke ist 18 Meter, in den Pfeilerkanzeln sind es 25 Meter. An der Augustusbrücke wird sehr deutlich wie stark sich die Ufer am innerstädtischen Elbbogen unterscheiden. Auf Altstädter Elbseite setzt die Brücke direkt am Prallhang an und führt bereits unter dem dritten Bogen den Schiffsverkehr in der Fahrrinne. Im Norden fällt das Ufer sehr flach ab weshalb dort vier Bögen die Elbwiesen überbrücken. Das Bauwerk weist bei Talfahrt eine lichte Durchfahrtshöhe von 6,92 Meter beim höchsten schiffbaren Wasserstand auf[2].

Bedeutung der Brücke im Straßennetz

Die Augustusbrücke ist eine von nur vier Brücken im Innenstadtbereich Dresdens. Sie spielt allerdings für den individuellen Straßenverkehr nur eine untergeordnete Rolle. Grund dafür ist eher die Zuführung des Verkehrs auf die Brücke, als die Kapazität. Die Marienbrücke im Westen und vor allem die Carolabrücke im Osten der Augustusbrücke führen den meisten Fahrzeugverkehr über die Elbe.

Für Straßenbahnen ist die Augustusbrücke umso wichtiger. Südlich der Elbe befindet sich der touristisch bedeutsame Theaterplatz und kurz dahinter der Postplatz als wichtigster Straßenbahnkreuzungspunkt. Über die Augustusbrücke fahren daher etwa im Dreiminutentakt je Richtung Straßenbahnen. Im Standardnetz fahren diese Straßenbahnen auf den drei Linien 4, 8 und 9. Auf keiner anderen Brücke verkehren so viele Linien in Dresden.

Wegen der geringen Bedeutung für den Individualverkehr wird immer wieder die Sperrung für Autos und die ausschließliche Nutzung durch Straßenbahnen, Fußgänger und Fahrradfahrer diskutiert. Die aufgrund ihrer zentralen Lage rege von Touristen genutzte Brücke wird in diesem Zusammenhang oft mit der Prager Karlsbrücke verglichen, die Fußgängern vorbehalten ist.

Kunstwerke an der Brücke

Sgraffito von Nadler
Kunstwerk Die Woge auf dem Hauptpfeiler der Brücke (Landtag, Kongresszentrum und Erlweinspeicher im Hintergrund)

Am Landpfeiler auf der Altstädter Elbseite ist eine Plastik, das sogenannte Brückenmännchen eingelassen. Die hockende Sandsteinfigur schaut stromabwärts. Die ursprüngliche Plastik stammte aus dem frühen 16. Jahrhundert. Im Jahr 1813 wurde die Plastik bei der Brückensprengung zerstört. Ein Jahr später schufen die Bildhauer Christian Gottlieb Kühn und Schneider eine Nachbildung des Brückenmännchens. Das Brückenmännchen soll den Erbauer der ersten Elbbrücke Matthaeus Focius darstellen, es gehörte wie zum Beispiel der Queckbrunnen, das Kreuz auf der Brücke und die Brückenfreiheitssäule zu den Wahrzeichen, die sich Handwerksgesellen auf der Walz in Dresden merken mussten.[3]

Auf der Neustädter Seite der Brücke sind zahlreiche Kunstwerke zur Geschichte Dresdens vorhanden. In einer Bogengalerie befindet sich ein Keramiksgraffito aus dem Jahr 1938 zur Elbschifffahrt von Hans Nadler. Dargestellt sind der Bau des Dresdner Schlosses, zwei Fähren, eine Schiffsmühle und der Aufbau der Dresdner Neustadt (von links nach rechts). Des Weiteren sind Wappen sächsischer Städte dargestellt, so Dresden, Königstein, Schandau, Pirna sowie Meißen, Riesa und Strehla.

Des Weiteren sind vier Reliefs, geschaffen in den Jahren 1978 und 1979, zur Stadtentwicklung angebracht: eine Darstellung von Altendresden um das Jahr 1640 von Dietrich Nitzsche, eine Darstellung von Neustadt und Altstadt im 17. Jahrhundert von Vinzenz Wanitschke sowie die Darstellung von Altendresden und der Neustadt im 18. Jahrhundert von Egmar Ponndorf und Peter Makolies’ Darstellung des Neustädter Markts und der Hauptstraße vor 1945. [4]

Seit 2006 erinnert ein Kunstwerk des Dresdner Künstlers Tobias Stengel auf dem Hauptfeiler der Brücke an das Elbehochwasser 2002. In einem Wettbewerb im Jahr zuvor setzte er sich mit seinem Entwurf durch, der sich an dem berühmten Holzschnitt Die große Welle vor Kanagawa des japanischen Malers Hokusai orientiert.[5] An diesem Kunstwerk bringen Verliebte immer wieder sogenannte Liebesschlösser an.

Siehe auch

Weitere Bilder

Einzelnachweise

  1. a b Stadtlexikon Dresden A–Z, Verlag der Kunst Dresden 1995, ISBN 3-364-00300-9
  2. Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden
  3. Kunst im öffentlichen Raum. Informationsbroschüre der Landeshauptstadt Dresden, Dezember 1996.
  4. Kunst im öffentlichen Raum. Kulturamt Dresden, Dresden 1996.
  5. Woge auf der Augustusbrücke - Jury entschied über Gestaltung zum Thema Flut 2002 Pressemitteilung der Stadt Dresden vom 27. Juni 2005

Literatur (Auswahl)

  • Hagen Bächler: Die ehemalige Augustusbrücke – zeitgenössische Wertung und kulturhistorische Bedeutung. in: Sächsische Heimatblätter Heft 5/1984, S. 199–202
  • Deutsche Bauzeitung 44.1910, Nr. 46 / Nr. 47 / Nr. 50 (dreiteiliger Bericht)
  • Ulrich Hübner: Der Neubau der Augustusbrücke von 1910. In: Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hg.): Dresdner Elbbrücken in acht Jahrhunderten, Dresdner Hefte Nr. 94, Dresden 2008, S. 35-43
  • Gilbert Lupfer, Bernhard Sterra, Martin Wörner: Architekturführer Dresden. Reimer, Berlin 1997.
  • Heinrich Magirius: Die Augustusbrücke. Eine barocke Neugestaltung der alten Dresdner Elbbrücke durch Matthäus Daniel Pöppelmann 1728-1732. In: Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hg.): Dresdner Elbbrücken in acht Jahrhunderten, Dresdner Hefte Nr. 94, Dresden 2008, S. 25-34
  • Willy Nagel: Die alte Dresdener Augustusbrücke. Verein für Geschichte Dresdens, Dresden 1924. SLUB Dresden
  • Norbert Oelsner: Die Dresdner Elbbrücke im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. In: Dresdner Geschichtsverein e.V. (Hg.): Dresdner Elbbrücken in acht Jahrhunderten, Dresdner Hefte Nr. 94, Dresden 2008, S. 5-14
  • Hans-Dieter Pfeiffer, Joachim Schmiedel: Elbebrücke Dresden (Augustusbrücke). In: Steinbrücken in Deutschland. Verlag Bau + Technik, 1999, ISBN 3-7640-0389-8, S. 194–197.
  • „Das Bildwerk unter der Augustusbrücke - Eine Sehenswürdigkeit in Dresden - geschaffen von Professor Hans Nadler“ in „Die Schwarze Elster“, Nr. 539, 1937

Weblinks

 Commons: Augustusbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Lithographien alter Ansichten der Augustusbrücke in der Deutschen Fotothek (zum Vergrößern jeweils auf das Lupensymbol unter dem Vorschaubild klicken)
  1. Alte Pläne und Brückenansichten von vor 1547 bis 1845
  2. Ansicht des Kruzifix, sowie Brückenansichten auf Siegeln und Münzen
  3. verschiedene alte Brückenansichten und historische Elbpegelstände (vom 13. September 1050 bis zum 29. Januar 1846)

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