Puntland
Puntlaand

أرض البنط
Arḍ al-Bunṭ
Puntland State of Somalia
Puntland

Flagge Somalias#Abtrünnige Landesteile
Wappen Puntlands
Flagge Wappen
De‑facto‑Regime, Gebiet
ist völkerrechtlich Teil von
Somalia
Amtssprache Somali und Arabisch
Hauptstadt Garoowe
Oberhaupt und Regierungschef Abdirahman Mohamed Farole
Fläche 212.510 km²
Einwohnerzahl 2.400.000 (2006)[1]
Bevölkerungsdichte 11,3 [1] Einwohner pro km²
Währung Somalia-Schilling (SOS)
Nationalhymne Nationalhymne Puntlands[2][3]
Zeitzone MSK (UTC +3)
Kfz-Kennzeichen SO
Internet-TLD .so
Telefonvorwahl +252 (Somalia)
LocationPuntland2.png

Puntland (Somali: Puntlaand; arabisch ‏أرض البنط‎, Umschrift nach ISO 233: Arḍ al-Bunṭ) ist eine Region im nordöstlichen Somalia am Horn von Afrika, deren politische Führung im Verlauf des somalischen Bürgerkrieges einen autonomen Teilstaat mit der Hauptstadt Garoowe ausgerufen hat. Größte Stadt und Handelszentrum ist die Hafenstadt Boosaaso. Im Gegensatz zum benachbarten Somaliland zeigt sich Puntland aber weniger an der eigenen Unabhängigkeit, als an einer Lösung für Gesamt-Somalia interessiert. Der ehemalige puntländische Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed war von 2004 bis Ende 2008 Präsident der international anerkannten Übergangsregierung Somalias.

Der Landesname ist von dem sagenhaften Land von Punt abgeleitet, das in altägyptischen Quellen beschrieben wird und sich möglicherweise am Horn von Afrika befand. Puntland benutzte anfangs die gleichen Staatssymbole wie die Übergangsregierung, nahm aber 2009 eigene Flagge, Wappen und Nationalhymne an.[4] Wichtigster Clan der Region ist die Harti-Untergruppe der Darod, vor allem deren Subclan Majerteen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Puntland umfasst etwa ein Drittel der Landfläche Somalias, grenzt im Westen an Somaliland, im Südwesten an Äthiopien und im Süden an die somalische Region Galmudug. Im Norden liegt der Golf von Aden und im Südosten der Indische Ozean. Nach der Verwaltungsgliederung Somalias umfasst es die Regionen Nord-Mudug, Nugaal und Bari mit dem „Horn von Afrika“. Die Zugehörigkeit von Teilen der Regionen Sool und Sanaag ist zwischen Puntland und Somaliland umstritten.

Geschichte

Die Autonomie Puntlands geht hauptsächlich auf die Rebellenorganisation Somali Salvation Democratic Front SSDF des Majerteen-Clans zurück. Diese hatte seit 1982 in Nordost-Somalia gegen die autoritäre somalische Regierung unter Siad Barre gekämpft und seit 1988 die Kontrolle über die Region übernommen.

1998 organisierte die SSDF eine Versammlung von Clan-Vertretern in Garoowe, auf der man sich auf die Schaffung einer autonomen Regionalverwaltung einigte. Vorbild dafür war nicht zuletzt Somaliland, das seit 1991 faktisch von Somalia unabhängig ist und ein relativ stabiles demokratisches System errichtet hat. Im Unterschied zu Somaliland beabsichtigte SSDF-Führer und Präsident Puntlands Abdullahi Yusuf Ahmed jedoch keine dauerhafte Unabhängigkeit, sondern Versöhnung und den Wiederaufbau von Somalia.

Als es in Puntland wegen geforderter Neuwahlen 2001 zur Konfrontation zwischen Präsident Yusuf und dem Parlament des selbsterklärten Staates kam, ersetzte letzteres Yusuf am 14. November 2001 durch dessen schärfsten innenpolitischen Gegner, Jama Ali Jama aus Boosaaso (in Nord-Puntland). Hinter diesem Machtkampf stand die 2000 gebildete Übergangsregierung Somalias, die einen Zweifrontenkrieg gegen ein Bündnis der Puntland-Separatisten mit oppositionellen Warlords in Südwestsomalia verhindern wollte. Nur eine Woche später kehrte Yusuf, der sich zunächst nach Gaalkacyo in Süd-Puntland zurückgezogen hatte, an der Spitze loyaler Truppen in die Hauptstadt Garoowe zurück und erklärte sich zum Gegen-Präsidenten.

Möglich wurde dies durch direkte Waffenhilfe einiger Tausend Äthiopier, die von Addis Abeba zur Verstärkung im Kampf gegen die somalische Übergangsregierung geschickt worden waren. Äthiopien hatte bereits verschiedentlich in den somalischen Bürgerkrieg eingegriffen und u. a. 1998 die Abspaltung Puntlands unterstützt, da es ein starkes und geeintes Somalia wegen dessen Gebietsansprüchen fürchtet (siehe Groß-Somalia). 2003 stimmte Jamas Stellvertreter und Nachfolger einem Waffenstillstand, Yusuf im Gegenzug dazu einer Machtteilung zu. Da sich Jama aber vorübergehend in die eigentlich außerhalb Puntlands liegende Grenzregion Sanaag zurückgezogen hatte, kam es Anfang 2004 auch zur bewaffneten Konfrontation mit Somaliland entlang der Grenze zwischen beiden abtrünnigen Republiken. Auch der Grenzverlauf zwischen Mogadischu und Garoowe ist nicht genau definiert.

Auf einer gesamtsomalischen Friedenskonferenz in Kenia (ohne Teilnahme Somalilands) söhnte sich Ende 2004 die Übergangsregierung mit den meisten Kriegsherren aus. Auch Puntland schloss sich der Übergangsregierung an, und Abdullahi Yusuf Ahmed wurde neuer Übergangspräsident Somalias, was er bis Ende 2008 blieb. Die Region strebt weiterhin nach Autonomie und sieht sich als autonomer Teilstaat Somalias (Puntland State of Somalia).

Im August 2006 wurde Puntland zeitweise von der Union islamischer Gerichte von Süden her bedrängt. Diese hatte am 16. August die Hafenstädte Hobyo, Harardheere und Eldhere eingenommen. Im selben Jahr erklärte sich Galmudug sowohl von Somalia als auch von Puntland einseitig für unabhängig.

Ende 2008 sorgte die Piraterie vor der Küste Somalias, die vor allem von Puntland ausgeht, für Schlagzeilen. Inzwischen hat Puntland für Piraten die Todesstrafe eingeführt, was diese aber nicht abschreckt.

Bei den Präsidentschaftswahlen Anfang 2009 wählte das Parlament zuletzt den Oppositionsführer Abdirahman Mohamed Farole zum neuen Präsidenten.

Politik

Karte von Puntland und Umgebung mit Clans, Verwaltungsregionen und Gebietsansprüchen

Puntland stützt sich vor allem auf den Clan der Harti-Darod mit den Unterclans der Majerteen, Warsangeli und Dhulbahante und weitere kleinere Unter-Clans der Darod z.B. Leelkase und Awrtable. Es kontrolliert heute die Verwaltungsregionen Bari, Nugaal und Nord- Mudug, in denen die Majerteen dominieren; ferner erhebt es Anspruch auf die im Westen angrenzenden Teile der Regionen Sool, Sanaag und Togdheer, in denen Warsangeli und Dhulbahante leben und die auch von Somaliland beansprucht werden. Seit 2003 kam es mehrfach zu bewaffneten Konfrontationen zwischen Puntland und Somaliland um die umstrittenen Grenzregionen. Ende 2007 nahm Somaliland die Stadt Las Anod ein. Die Spannungen zwischen Puntland und Somaliland bleiben bestehen. Zum 11. Jahrestag von Puntland, am 2 August 2009, bekräftigten die Autoritäten in Garowe, dass sie Las Anod zurückerobern würden[5]. Der Konflikt zwischen Somalililand und Puntland geht im Kern um die Zukunft des somalischen Staates. Während Somaliland auf Eigenstaatlichkeit und somit das Ende Somalias in den Grenzen von 1990 besteht, bemüht sich Puntland um die Wiederherstellung eines vereinigten, aber föderalen Somalias[6]. Des Weiteren riefen Warsangeli in Sanaag im Jahr 2007 ihren eigenen Maakhir-Staat aus. Dieser war allerdings nur von kurzer Dauer und existiert heute nicht mehr.

Innerhalb Puntlands bestehen Differenzen zwischen den drei Unterclans der Majerteen (Osman Mahamud, Omar Mahamud und Isse Mahamud) sowie zwischen der wirtschaftlich prosperierenden, stark wachsenden Hafenstadt Boosaaso und den weniger weit entwickelten Gebieten.

Puntland verfügt über ein Regionalparlament mit 66 Abgeordneten, dessen Hauptfunktion darin besteht, alle vier Jahre den Präsidenten zu wählen[7].

Wirtschaft

Wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Bevölkerung ist die (nomadische) Haltung von Kamelen, Ziegen und Schafen. Des Weiteren werden Weihrauch und Gummiarabikum produziert. Dürren, die im Klima der Region alle paar Jahre auftreten, stellen ein Problem dar. Die Hafenstadt Boosaaso an der Nordküste Puntlands hat sich zum bedeutenden Ausfuhrhafen für Güter aus den weiter südlich gelegenen somalischen Gebieten entwickelt.

Vor der Küste liegen bedeutende Fischvorkommen, die in Abwesenheit einer effektiven Küstenwache allerdings vermehrt von auswärtigen Fangflotten illegal ausgebeutet werden. Etwa 700 Schiffe, so schätzt die Welternährungsorganisation (FAO), fischen jedes Jahr ohne Lizenz vor Somalia. Nach Schätzungen von Clive Schofield, Autor einer Studie über die Plünderung der somalischen Fischbestände, haben die fremden Fangflotten erheblich mehr Protein aus Somalias Gewässern entnommen, als die Welt dem Land in Form von humanitärer Hilfe zur Verfügung gestellt hat[8].

Ein bedeutender Teil der Piraterie in somalischen Gewässern geht von Orten wie Eyl und Harardhere an der Ostküste Puntlands aus. Als wesentliche Ursache gilt die illegale Fischerei, die die Lebensgrundlage der einheimischen Fischer schädigt und manche von ihnen in die Piraterie getrieben hat. Heute ist die Piraterie ein lukratives Geschäft, an dem sich auch Geschäftsleute und ehemalige Bürgerkriegskämpfer aus Puntland und ganz Somalia beteiligen.

In Puntland und Umgebung werden Erdölvorkommen vermutet. Die Regionalregierung hat ohne Zustimmung der somalischen Übergangsregierung Lizenzen zur Erdölexploration an die Unternehmen Range Resources aus Australien und African Oil Corp. aus Kanada vergeben. Africa Oil begann Ende Mai 2008 die Exploration in Puntland.[9]

Private Geschäftsleute betrieben, wie in anderen Teilen Somalias, Geldfälschung in großem Umfang. Auch hochrangigen Regierungsmitgliedern in Puntland wurde vorgeworfen, an diesen Aktivitäten beteiligt gewesen zu sein. Folgen waren ein starker Wertverfall des Somalia-Schillings und steigende Preise, was durch globale Faktoren noch verschärft wurde. Die Preise in Puntland vervierfachten sich fast; so kostete ein Sack Reis Ende 2006 etwa 13 US-Dollar, Anfang 2008 war es über 50 USD. Händler verweigerten bisweilen, aufgrund des hohen Falschgeldanteils, die Annahme von Somalia-Schilling-Noten, wonach es zu Unruhen kam. Unter der Regierung Farole wurden diese Geldfälschungen seit 2009 weitgehend eingedämmt.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Webseite der Regierung von Puntland zur Bevölkerung
  2. Puntland Cabinet Approves Anthem and Meets TFG Parliamentary Members
  3. Geeraarka Calanka Puntland
  4. Puntland parlaiment adopts new flag
  5. Hoehne, Markus Virgil 2007: Puntland and Somaliland clashing in northern Somalia: Who cuts the Gordian knot?, published online on 7 November 2007
  6. Hoehne, Markus Virgil 2009: Mimesis and mimicry in dynamics of state and identity formation in northern Somalia’, Africa 79/2: 252-281
  7. Garowe Online: A historic journey from opposition to the Puntland presidency
  8. Andrea Böhm und Heinrich Wefing: Wer ist hier der Pirat? Die Zeit, Nr. 49, 27. November 2008
  9. Garowe Online: Official: Canadian company to begin oil exploration in northeastern Somalia

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