Aula Paolo VI
Vatikanische Audienzhalle, Außenansicht von der Kuppel der Petersbasilika
Vatikanische Audienzhalle, parabolisch gewölbte Decke, im Hintergrund eines der beiden Ellipsenfenster

Die Vatikanische Audienzhalle wurde von 1964 bis 1971 im Auftrag von Papst Paul VI. durch Pier Luigi Nervi errichtet. Dieser bedeutende italienische Architekt wurde durch seine stützenlosen, riesigen Dachkonstruktionen bekannt, besonders seit seiner Turiner Ausstellungshalle (1948/49).

Die vatikanische Audienzhalle wird gewöhnlich nach ihrer Funktion („Aula delle Udienze Pontificie“), ihrem Architekten („Sala Nervi“) oder ihrem Bauherrn („Aula Paolo VI“) benannt. Ihr Fassungsvermögen ist enorm. Bei päpstlichen Generalaudienzen finden unter ihrer riesigen, durch 42 strukturelle Rippen parabolisch gewölbten Decke fast 6500 Personen mit guter Sicht einen Sitzplatz. Durch Entfernen eines Teils der Sitzplätze ist das Fassungsvermögen der Halle auf über 12.000 Personen, durch Entfernen aller Sitzplätze auf maximal 25.000 Stehplätze erweiterbar. Im Juni 1971 wurde die Vatikanische Audienzhalle im Rahmen einer Generalaudienz mit über 15.000 Personen eröffnet.

Im ersten Geschoss über der Vorhalle der Vatikanischen Audienzhalle befindet sich der Konferenzsaal für die Generalversammlungen und Außerordentlichen Versammlungen der Bischofssynode. Diesen Neuen Synodensaal („Aula Nuova del Sinodo“) ließ Paul VI. als kleine Aula errichten. Erstmals 1971 fanden dort bis heute wichtige Versammlungen der Bischofssynode statt.[1]

Der tribünenartige Teil der Audienzhalle, auf dem sich üblicherweise der Papstsitz befindet, befindet sich auf vatikanischem Territorium. Der Teil des Saales, in dem sich die Audienzteilnehmer aufhalten, gehört völkerrechtlich zu Italien, ist aber im exterritorialen Besitz des Heiligen Stuhls.

Auf dem Dach der Audienzhalle werden bis Ende des Jahres 2008 mehr als 2000 Solarmodule montiert. Sie sind ein Geschenk der SolarWorld AG.[2]

Bedeutung

„Architekturhistorisch gesehen hat die Sala Nervi als bedeutendster Neubau des Apostolischen Stuhles in Rom seit dessen spätbarocker Bautätigkeit im 18. Jahrhundert zu gelten. Christlichen Romreisenden prägte sich die Audienzhalle neben dem Petersdom als Ort der ordentlichen Lehrverkündung des Papstes ein. In pastoraler Hinsicht hat sie ihre volle Funktionsfähigkeit eigentlich erst während des Pontifikats Johannes Pauls II. unter Beweis gestellt, als viele Millionen Menschen die Begegnung mit dem Papst in mehr als tausend Generalaudienzen suchten. Seit April 2005 setzte Papst Benedikt XVI. diese Tradition der Generalaudienzen fort. Wie bereits sein Vorgänger Paul VI. pflegte Johannes Paul II. zur öffentlichen Generalaudienz zuerst eine Ansprache zu halten, anschließend begrüßte er herzlich die anwesenden Menschen. Auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin erhielt die Audienzhalle in den achtziger Jahren den Namen »Paul VI.«.“[3]

Anmerkungen

  1. Bühren 2008, S. 315f.
  2. Solarzellen aus Deutschland auf päpstlicher Audienzhalle im Vatikan, Nachricht des Auswärtigen Amtes vom 15. November 2008
  3. Bühren 2008, S. 315, Abb. 58f.

Literatur

  • Ralf van Bühren: Kunst und Kirche im 20. Jahrhundert. Die Rezeption des Zweiten Vatikanischen Konzils (Konziliengeschichte, Reihe B: Untersuchungen), Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh 2008, ISBN 978-3-506-76388-4


41.90069612.4546987Koordinaten: 41° 54′ 2,5″ N, 12° 27′ 16,9″ O


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