Aureus (Mainz)

Der Heilige Aureus (* ? im Rhône-Loire-Gebiet; † um 436 oder 451 in Mainz) soll in der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts Bischof von Mainz gewesen sein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach der ältesten überlieferten Mainzer Bischofsliste aus dem 10. Jahrhundert ist er der erste mit Namen bekannte Bischof. Die kirchlichen Quellen über das Leben das Aureus sind stark von Legenden geprägt. Außerhalb dieser Quellen gibt es keinen Nachweis über ihn. Er ist daher nicht eindeutig historisch fixierbar[1].

Das älteste Zeugnis über Aureus stammt aus einem Werk des späteren Mainzer Erzbischofs Rabanus Maurus, das dieser anlässlich der Weihe der Fuldaer Klosterkirche geschrieben hat. Danach gab es in dieser Kirche auf der Südseite einen Altar, der unter anderem dem Hl. Aureus geweiht war.

843 schrieb Rabanus außerdem ein Martyrologium, das für den 16. Juni den Tod des Aureus und seiner Schwester bezeugt. Sie wurden demnach bei einem Überfall der Hunnen in der Kirche ermordet. Eine Jahresangabe fehlt jedoch. Spätere Quellen geben das Jahr 454 an, was aber wenig wahrscheinlich ist, da der Überfall der Hunnen auf das Jahr 451 zu datieren ist. Wenn Aureus bei einem der Überfälle der Völkerwanderungszeit das Martyrium erlitten hat, so kommen neben 451 auch 436, 406/7 und sogar 368 in Frage. 406/7 gilt als Jahr, in dem der in Mainz später ebenfalls als Heiliger verehrte Alban das Martyrium erlitt. Einer Überlieferung zufolge wurde Alban enthauptet, weil er in Mainz gegen den Arianismus predigte. Dieselbe Überlieferung spricht von einem vor der Zeit des Alban vertriebenen Bischof Aureus[2].

Demnach wäre Aureus schon vor 406 Bischof von Mainz gewesen. Weil er gegen den Arianismus eintrat, wurde er von Mainzer Bürgern vertrieben. Während seiner Abwesenheit wirkten der offenbar aus Italien stammende Bischof Theomast/Theonestus und sein Schüler Alban in der Stadt. Nach 406 kehrte er wohl wieder in die nunmehr zerstörte Stadt zurück und übte sein Bischofsamt wieder aus. Dagegen, dass er erst 451 das Martyrium erlitt, spricht die ungewöhnlich lange Amtszeit von 50 Jahren und die dann schwierige zeitliche Einordnung des nachfolgenden Bischofs Maximus. Vermutlich hat Aureus daher schon 436 zusammen mit seiner Schwester Justina das Martyrium erlitten[3]. Er wurde entgegen späterer Annahmen nicht erst 805 in die Albansbasilika überführt, sondern schon direkt nach seinem Tod dort begraben. 805 fand lediglich eine Umbettung statt[4].

Verehrung

Traditionell wird Aureus im Bistum Mainz als Heiliger verehrt. Ihm ist die Aureuskirche in Mainz-Zahlbach geweiht, die sich an seinem Begräbnisort befindet. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um den ältesten kontinuierlich genutzten christlichen Kultplatz in Mainz. Sie geht auf die St. Hilariuskirche zurück, die in der Frühzeit oft als Grabeskirche der Mainzer Bischöfe gedient hatte.

1022 wurden Reliquien des Aureus und seiner Schwester Justina nach Heiligenstadt überführt. Seit dem späten Mittelalter wurden dort beide als Stadtpatrone verehrt. Daneben wird der Hl. Aureus auch in Oberursel-Bommersheim besonders verehrt.

Das Fest des Heiligen Aureus ist ein Eigenfest der Diözese Mainz und wird am 16. Juni gefeiert.

Literatur

  • Hans Werner Nopper: Die vorbonifatianischen Mainzer Bischöfe, Books on Demand, Norderstedt 2001, ISBN 3-8311-2429-9

Einzelnachweise

  1. Nopper; S. 81
  2. Nopper; S. 85ff
  3. Nopper; S. 90
  4. Nopper; S. 95


Vorgänger Amt Nachfolger
Mar(t)inus Bischof von Mainz
um 400 bis 436/451
Maximus

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