Aus dem Schneider

Die Redensart Aus dem Schneider sein bedeutet ursprünglich, „über dreißig Jahre alt sein“ im Sinn von „nicht mehr ganz jung sein“, aber auch „von finanziellen oder anderen Sorgen und Schwierigkeiten befreit sein.“

Die Redensart ist von Kartenspielen hergeleitet, zum Beispiel Schafkopf und Skat, wo diejenigen „Schneider werden“, die 30 oder weniger als dreißig Augen (Punkte), das heißt, weniger als die Hälfte der zum Gewinn nötigen Summe erreichen. (Umgekehrt ist man mit mehr als 30 „Schneider frei“.) Der Ausdruck geht ebenfalls auf einen alten Studentenbrauch zurück. In dem studentischen Bierspiel Lustig, meine Sieben wurde auf dem Tisch vor dem Platz desjenigen, der unter dreißig blieb, eine Schere gemalt. Der Betroffene musste zur Strafe die doppelte Menge Bier trinken.

Früher spottete man, ein Schneider wiege nicht mehr als 30 Lot und spielte damit auf den unzureichenden Verdienst und die dadurch bedingte sozial schlechte Stellung der in diesem Handwerk Arbeitenden an. Hierin ist der Ursprung für die Analogie dreißig Punkte = dreißig Lot = Schneider zu sehen.

Die Wendung „Schneider sein“ bedeutet allgemein, in einer (ökonomischen) Zwangslage stecken oder auch leer ausgehen. „Aus dem Schneider sein“ bedeutet so viel wie „aus dem roten Bereich (heraus) sein“.

Quellen

Lutz Röhrich: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Band 4, Oben-Spielverderber. Herder Verlag, Freiburg, Basel und Wien 1994, ISBN 3-451-04400-5, S. 1388

DUDEN: Das Herkunftswörterbuch, Band 7, ISBN 3-411-20907-0


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