Ausbeuter

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Ausbeutung bedeutet verbrauchende Nutzung. Hingegen bedeutet der Begriff pejorativ gewandt rücksichtslose Ausnutzung. Mit der gleichen Bedeutung wird auch das Fremdwort Exploitation verwandt. Auf die Ökonomie angewandt bedeutet es die Aneignung unbezahlter Arbeit.

Inhaltsverzeichnis

Ausbeutung durch Sklaverei

Misshandelter Sklave, Südstaaten 1863

Die Ausbeutung von Menschen als Sklaven war schon in der Antike (etwa in Sumer, im antiken Griechenland, im Römischen Reich) bekannt. Ähnlich gelagert ist die Fronarbeit (Hörige) im Mittelalter und die Leibeigenschaft in der frühen Neuzeit sowie in der islamischen Welt.

Zu massenhaften Einsätzen von Sklavenarbeitern kam es in den Plantagen in der Neuen Welt, bis dort die Sklaverei verboten wurde.

Die Situation der zahlreichen Zwangsarbeiter in den sowjetischen Straflagern (GULAG), in den "Umerziehungslagern" Osteuropas und Chinas sowie die Lage der Häftlinge in den deutschen Konzentrationslagern und Vernichtungslagern des Dritten Reiches entspricht ebenfalls der Ausbeutung durch Sklaverei (siehe auch: Vernichtung durch Arbeit, Sibirien, Kolyma, Zwangsarbeit in der Zeit des Nationalsozialismus).

Bis vor wenigen Jahrzehnten verdingten sich Kinder aus armen Familien auf Bauernhöfen in Oberschwaben und der Schweiz, die so genannten "Schwabenkinder" bzw. "Verdingkinder". Noch heutzutage weigert sich die Schweiz, Entschädigung oder Schmerzensgeld zu zahlen.

Auch heutzutage gibt es noch illegalen Sklavenhandel, besonders in einigen Staaten Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens (siehe auch: Sudan, Darfur). Die Kinderarbeit in vielen Staaten der Dritten Welt kann man ebenfalls als eine Form der Ausbeutung bezeichnen.

Auch die Zwangsprostitution, den Mädchenhandel, den Frauenhandel und den Kinderhandel (beispielsweise aus Osteuropa) kann man als "moderne Sklaverei" ansehen.

Darstellung der kapitalistischen Produktionsweise nach Marx

Ausbeutung von Arbeitskraft

Ausbeutung von Kindern

Kinderarbeit in Massachusetts, USA 1912.

Weltweit werden Jahr für Jahr mehr als 2 Millionen Kinder in die kommerzielle sexuelle Ausbeutung gezwungen. Die USA gehen von weltweit geschätzt jährlich mehreren Millionen neuen Fällen von Kinderprostitution vor allem in den Entwicklungsländern aus. Geschätzt wird, dass Verbrecherringe jährlich mit Kinderprostitution und Kinderpornografie mehr als 11 Milliarden Euro weltweit umsetzen. Genaue Angaben über die Zahl der Touristen, die Kinder sexuell ausbeuten, gibt es nicht. Grobe Schätzungen gehen von etwa 10.000 Touristen aus Deutschland aus.

Bis heute gibt es in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern Fälle von Kinderarbeit, beispielsweise in der Teppichknüpferei (Indien), bei der Herstellung von Feuerwerkskörpern (China) oder auf Plantagen (Afrika und Lateinamerika).

Ausbeutung von Frauen

Weltweit gibt es viele Fälle von zwangsweise verschleppten Mädchen und Frauen, von sexuellem Missbrauch und Zwangsprostitution sowie Zwangsheiraten.

Besonders Mädchen und Frauen aus armen Verhältnissen, Entwicklungsländern oder zerrütteten Familien sind gefährdet.

Klassenbedingte Ausbeutung

Karl Marx spricht im Rahmen seiner ökonomischen Theorie des Mehrwerts von "Ausbeutung" der Lohnarbeit durch das Kapital. Joseph A. Schumpeter hat demgegenüber die Versuche von Michail Tugan-Baranowsky und Karl Diehl, die Verteilung des Sozialprodukts durch Machtunterschiede zu erklären, als wissenschaftlich untauglich zurückgewiesen, und dabei betont, dass schon Marx die Entstehung von Mehrwert rein ökonomisch aus dem wirtschaftlichen Prozess heraus erklärt hat.[1] Insoweit konnte Paul A. Samuelson sachlich angemessen bei seiner Untersuchung des Transformationsproblems die Marxsche Ausbeutungsthese einer mathematischen Prüfung unterziehen. Die ökonomisch bedingte Ausbeutung steht für Marx indes in dem umfassenderen Zusammenhang der Entfremdung des Menschen innerhalb der Klassengesellschaft.

Auch die Folgen staatlicher Bürokratie und Überschuldung werden von einigen Kritikern als Ausbeutung betrachtet.

Auch das Armutsgefälle zwischen den Industrieländern und den Entwicklungsländern und die heutige Wirtschaftsordnung sowie die Folgen der Globalisierung werden von vielen als Ausbeutung bezeichnet.

Einzelbelege

  1. Joseph A. Schumpeter: Das Grundprinzip der Verteilungstheorie. In: Aufsätze zur ökonomischen Theorie.' J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) Tübingen 1952. S. 340

Literatur

  • Paul A. Samuelson, Understanding the Marxian Notion of Exploitation: A Summary of the So-Called Transformation Problem Between Marxian Values and Competitive Prices, Journal of Economic Literature, 2, 1971, pp. 399
  • Hedda Herwig: „Sanft und verschleiert ist die Gewalt…“. Ausbeutungsstrategien in unserer Gesellschaft, Reinbek bei Hamburg 1992, ISBN 3-498-02913-4.

Siehe auch

Weblinks


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