Ausbremsen

Als ausbremsen bezeichnet man ein Manöver im Motorsport. Dabei versucht ein Fahrer auf der Rennstrecke, Konkurrenten eingangs einer Kurve oder Biegung während des Bremsvorganges zu überholen.

Inhaltsverzeichnis

Methoden

In der Regel wird das Ausbremsen bereits auf einem geraden Streckenstück vor der Kurve vorbereitet. Dabei wählt der Fahrer erst kurz vor dem Manöver aus dem Windschatten heraus eine Linie neben dem oder den Konkurrenten, um den Überraschungseffekt zu nutzen und Platz für den eigentlichen Überholvorgang zu haben. Danach setzt er entweder seinen Bremspunkt später als die anderen Fahrer oder er bremst weniger stark. In beiden Fällen ergibt sich für eine kurze Zeit eine Geschwindigkeits-Differenz, die das Überholen ermöglicht. Häufig wird dabei auch weiter in die Kurve "hineingebremst" (engl.: trailbraking) als üblich, also eine höhere Kurveneingangs-Geschwindigkeit erzielt. Idealerweise kann der Überholende nach dem Ausbremsen wieder auf die Ideallinie einscheren und damit den oder die Konkurrenten blockieren, um einen Konter zu verhindern - also den Verlust des gerade gewonnenen Platzes in der Kurve.

Konditionen

Besonders geeignet für Ausbrems-Manöver sind Haarnadelkurven, weil dort von hohen auf sehr geringe Geschwindigkeiten abgebremst wird. Damit sind zum einen die Bremswege und damit die zur Verfügung stehende Zeit für das Ausbremsen relativ lang und zum anderen mögliche Kollisionen in der Kurve weniger schwer als auf schnellen Streckenabschnitten. Aerodynamische Einflüsse spielen bei langsamen Kurven keine Rolle; deshalb ist zum Beispiel bei der Formel 1 das Ausbremsen vor Haarnadelkurven auf vielen Strecken häufig die einzige Überholmöglichkeit. Besonders geeignet für das "Hineinbremsen" in Kurven sind Fahrzeuge mit Mittelmotor, weil bei ihnen konzeptbedingt ein Richtungswechsel in der Regel bei höheren Geschwindigkeiten möglich ist als etwa bei Fahrzeugen mit Frontmotor (vor allem auch mit Frontantrieb), deren Bremspunkt deshalb auch eher weiter vor der Kurve liegt.

Nachteile

Höhere Kurveneingangs-Geschwindigkeiten verursachen in der Regel geringere Kurvenausgangs-Geschwindigkeiten. So kann es den ausgebremsten Konkurrenten möglich sein, den verlorenen Platz am Scheitelpunkt oder am Ausgang der Kurve zurückzuerobern, weil sie eher und schneller beschleunigen können. Häufig resultiert das auch in einer höheren Spitzengeschwindigkeit auf der nachfolgenden Geraden, so dass auch hier noch ein "Rück-Überholen" möglich ist. Ausbremsversuche werden bei rechtzeitiger Entdeckung vom Vordermann häufig schon im Ansatz durch das Befahren einer Kampflinie vereitelt, was beide Konkurrenten in der Regel verlangsamt.

Weitere Bedeutung

Als „ausbremsen“ bezeichnet man metaphorisch auch außerhalb des Motorsports verschiedene Manöver oder Verhaltensweisen. So etwa im Straßenverkehr das plötzliche Reduzieren des Tempos, um einen nachfolgenden Verkehrsteilnehmer zu einer Vollbremsung oder gar in einen Auffahrunfall zu zwingen. Dieses häufig als "erzieherische Maßnahme" erklärte Vorgehen kann als Nötigung bestraft werden. "Ausbremsen" nennt man auch taktische Manöver etwa im Geschäftsleben, mit denen Konkurrenten "überholt" werden sollen; beispielsweise durch das frühe Zurücknehmen des eigenen Engagements oder die gezielte Sabotage bei einem Projekt, das durch die dadurch verursachte Erfolglosigkeit die beteiligten Kollegen ins Karriere-Abseits befördern kann. Sinngemäß wäre für diese weiteren Bedeutungen eigentlich „einbremsen“ der korrekte Begriff.


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • ausbremsen — aus|brem|sen [ au̮sbrɛmzn̩], bremste aus, ausgebremst: 1. <tr.; hat a) (Rennsport) (einen Fahrer, ein Fahrzeug) beim Einfahren (1) in die Kurve durch absichtlich spätes Bremsen überholen: er bremste seinen Konkurrenten in einer gefährlichen… …   Universal-Lexikon

  • ausbremsen — aus|brem|sen (Rennsport) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Circuit de Nevers — Nevers Magny Cours Ort: Magny Cours Wichtige Veranstaltungen: Formel 1, Tourenwagen WM, Superbike WM, Bol d’Or …   Deutsch Wikipedia

  • Französischer Senat — Der Palais du Luxembourg, Sitz des Senats Der französische Senat (Sénat) ist neben der Nationalversammlung die zweite Kammer des französischen Parlaments. Senatoren werden indirekt durch etwa 150.000 Abgeordnete und Lokalpolitiker gewählt. Die… …   Deutsch Wikipedia

  • Haarnadelkehre — Haarnadelkurven Route du Col de Braus in Frankreich Haarnadel, von der sich der Name Haarnadelkurve ableitet Als Haarnadelkurve, Haarnadelkehre oder Spitzkehre bezeichnet man eine enge, U bzw. V förm …   Deutsch Wikipedia

  • Magny Cours — Nevers Magny Cours Ort: Magny Cours Wichtige Veranstaltungen: Formel 1, Tourenwagen WM, Superbike WM, Bol d’Or …   Deutsch Wikipedia

  • Phasenmodell — Eine Projektphase oder ein Projektabschnitt ist eine Kategorisierung des Fortschrittszustands eines Projektes anhand der Erreichung weniger, die Phasen voneinander deutlich abgrenzender, Meilensteine. Wie detailliert die Phasengliederung… …   Deutsch Wikipedia

  • Polizeiliche Nacheile — In der juristischen Fachsprache bezeichnet Nacheile die Verfolgung eines flüchtigen Verdächtigen durch Polizeibeamte über die Grenzen ihres Zuständigkeitsbereichs hinaus. Entsprechende Verfahrensregelungen finden sich u.a. im § 167… …   Deutsch Wikipedia

  • Projektphasen — Eine Projektphase oder ein Projektabschnitt ist eine Kategorisierung des Fortschrittszustands eines Projektes anhand der Erreichung weniger, die Phasen voneinander deutlich abgrenzender, Meilensteine. Wie detailliert die Phasengliederung… …   Deutsch Wikipedia

  • Wendekehre — Haarnadelkurven Route du Col de Braus in Frankreich Haarnadel, von der sich der Name Haarnadelkurve ableitet Als Haarnadelkurve, Haarnadelkehre oder Spitzkehre bezeichnet man eine enge, U bzw. V förm …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”